Donnerstag, 14. Mai 2015

[Rezension] Sternschnuppenstunden von Rachel McIntyre


"Gerade als ich fest davon überzeugt war, dass mich nie wieder irgendwas aufheitern würde, ist es Mr. J. gelungen. Und genau darum finde ich ihn so unglaublich." (S.79)


Wie wehrt man sich gegen fiese Sprüche und gemeine Angriffe? Aus bitterer Erfahrung weiß Lara: gar nicht. Denn alles, was sie versucht hat, hat ihre Lage nur noch schlimmer gemacht. Deswegen hält sie still, zieht den Kopf ein und fragt sich, ob sie nicht doch schuld ist an der ganzen Misere.
Das ändert sich, als sie Ben trifft. Die Stunden mit ihm sind bald die einzigen Lichtblicke in Laras Leben. Durch seine Augen sieht sie sich in einem neuen Licht: Sie ist klug, witzig und hübsch, und was ihr passiert, ist Mobbing der übelsten Sorte. Gemeinsam suchen sie einen Ausweg aus Laras Situation. Und es könnte ihnen gelingen, wäre da nicht ein Problem: Ben ist Laras Lehrer.

Magellan Verlag | 301 Seiten | Hardcover | Einzelband | 16,95€ | Kaufen
  
 MEINE MEINUNG
Zuerst war ich skeptisch, ob ich Sternschnuppenstunden überhaupt lesen sollte. Im Grunde macht mich die Geschichte schon neugierig, aber die Tatsache, dass sich die Protagonistin wohl in ihren Lehrer verliebt, war für mich zunächst mit einem Gefühl des ... ja, vielleicht Fremdschämens verbunden. Aber dann siegte die Neugier - nicht zuletzt wegen des traumhaft schönen Titels und der wunderbaren Aufmachung des Buches. Es sieht wirklich aus, wie das Tagebuch, in dessen Form die Geschichte geschrieben ist. Es wirkt abgegriffen und doch geliebt. Früher habe ich selbst einige Zeit Tagebuch geschrieben, fühlte mich dabei aber irgendwie seltsam, wenn ich in diesem buchigen Freund meinen Tag niederschrieb. Hier jedoch bin ich sehr froh, dass die Protagonistin Lara es so ausführlich getan hat.

Im Grunde lässt sich der Inhalt leicht zusammenfassen: Lara Tittle ist eine sehr gute Schülerin, die jedoch von ihren Mitschülern auf fieseste Art und Weise gemobbt wird. Zu Hause kann sie sich keine Hilfe davon holen. Denn die Firma ihres Vaters ist pleite gegangen. Laras Familie zog in ein kleines Haus in einer unschönen Gegend, muss jeden Cent umdrehen und die Abende enden sehr häufig in einer Schimpftirade ihrer Eltern. Da sie auf eine Privatschule geht, die sehr viel des wenigen Geldes verschlingt, lässt Lara ihre Probleme und Sorgen im Stillen walten. Nur ihr Tagebuch und somit wir Leser kennen die ganze Wahrheit.
Es ist wirklich grausam, was sie alles über sich ergehen lassen muss, von Beschimpfungen über ihre roten Haare oder ihren Nachnamen bis hin zu körperlichen Übergriffen, die hämisch von ihren Klassenkameraden gefilmt und ins Internet gestellt werden, ist alles dabei.
Lara ist trotz ihrer schweren und sehr miesen Situation ein relativ freudiger Mensch. Sie versucht, so oft es geht, für sich zu bleiben. Ihr Sarkasmus macht selbst die schlimmsten Situationen fast noch urkomisch. Aber ich denke, dass es sich hierbei eher um einen Schutzmechanismus handelt. Wie kann man sich auch sonst mental von den Attacken der anderen schützen, ohne den Verstand zu verlieren? Der einzige Lichtblick ist ihr neuer junger Lehrer, Ben Jagger. Und er scheint ausgerechnet ein Auge auf Lara geworfen zu haben, da er sie immer um Mithilfe bittet, wenn es darum geht, Dinge zu organisieren, zum Beispiel die Talentshow.
Mit ihm ist Lara glücklich und bald wünscht sie sich mehr als nur die Lehrer-Schülerin-Beziehung. Wie weit diese Geschichte geht, müsst ihr selbst herausfinden.
Natürlich ist es total falsch, dass sich ein Lehrer, egal welche Absichten er hat, mit einer Schülerin einlässt. Da ich persönlich aber etwa in seinem Alter bin und natürlich keine sechzehnjährige Schülerin, so konnte ich nichts Negatives an ihrer Beziehung finden. Er ist die große Stütze, die Lara in ihrem Alltag braucht und die Liebe zwischen den beiden ist wunderbar mitanzusehen.
Über das Ende mag jeder seine eigene Meinung haben. Ich persönlich fand es ziemlich traurig, aber angemessen.

FAZIT
Sternschnuppenstunden hat mich durch seine Ehrlichkeit und Authentizität begeistert. Es ist eine Achterbahn der Gefühle - man könnte lachen, schreien, weinen, innehalten und um sich schlagen. Die Mobbingszenen sind teilweise so heftig, dass man das Buch lieber erst einmal zur Seite legen möchte, aber Lara lässt einen mit ihrem Schreibstil weiter an den Seiten hängen. Eine absolute Leseempfehlung, die ich sogar innerhalb eines Tages durchgelesen habe.

5 MARSHMALLOWS

1 Kommentar:

  1. Wir haben ja schon darüber geschrieben.... Schön, dass es dir gefallen hat :)
    lg. Tine :)

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