Sonntag, 1. März 2015

[Rezension] Holly - Die verschwundene Chefredakteurin - Anna Friedrich

Goldmann Verlag | 159 Seiten | Taschenbuch | Band 1 der Reihe | 5,00€ | Kaufen

Holly ist Deutschlands glamourösestes Frauenmagazin. Machtkämpfe, Intrigen, Geheimnisse und verbotene Affären stehen in der Redaktion auf der Tagesordnung. Dann verschwindet die Chefredakteurin spurlos. Was steckt dahinter? Ein Skandal? Ein Verbrechen? Und während die Mitarbeiter weiter um Liebe und Erfolg kämpfen, werden im Verborgenen noch ganz andere Pläne geschmiedet...

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Der Goldmann Verlag hat mit der Idee zur Holly-Reihe ein interessantes Konzept aufgestellt. Vor einigen Wochen erhielt ich den Newsletter und war sofort Feuer und Flamme. Klar, dass der erste Band sofort bei mir einziehen musste. Die Aufmachung ist wirklich sagenhaft. Wie ein Hochglanzmagazin ist dieses Buch in Edelfolie gehüllt und mit einer Plastikfolie versehen. Eben wie teure Magazine im Laden stehen und uns anlächeln.
Holly ist die begehrteste (fiktive) Frauenzeitschrift in ganz Deutschland und hat ihren Sitz in Berlin. Ein wenig erinnert mich die ganze Szenerie an Der Teufel trägt Prada. Daher hat mich die Geschichte auch so sehr gereizt. Ich wollte hinter die Kulissen des Magazins schauen, mit Mode und Intrigen und Machtkämpfen zutun haben.

Leider jedoch wurde ich bitter enttäuscht. Der Schreibstil ist ziemlich eigen, man muss sich erst daran gewöhnen. Zu Beginn fand ich ihn noch ziemlich interessant und außergewöhnlich. Doch er zog sich konsequent bis auf die letzte Seite und das hat der Geschichte meiner Meinung nach einen ziemlichen Abbruch getan.
Ganz am Anfang gibt es eine Auflistung aller Charaktere, die im Buch vorkommen und eine kurze Beschreibung ihrer Charakterzüge. Zum Einen finde ich das schade, weil so viel vorweggenommen wird und man die Figuren nicht selbst kennenlernen kann und zum Anderen kann ich mir das sowieso nicht alles merken, wenn ich noch nicht in der Geschichte drin bin. Daher sollten sie während der Geschichte lieber für sich selbst sprechen. Wenn man Charaktere vorher schon beschreiben muss, hat man sie im Buch selbst wohl sehr zurückgehalten.


Nach Beenden des Buches steht ein großes Fragezeichen darüber. Ich kann nicht einmal eine kurze Inhaltszusammenfassung schreiben, da so gut wie nichts hängen geblieben ist.
Im Grunde geht es darum, dass die Chefredakteurin Annika Stassen plötzlich verschwindet. Mehr drücken die 159 Seiten eigentlich nicht aus.
In jedem Kapitel begleitet man andere Charaktere. Es ist nicht so, dass sie in Gruppen arbeiten oder etwas miteinander unternehmen. Jeder ist für sich allein. Die Figuren befinden sich in Situationen, die man einfach miterlebt, ohne Vorkenntnisse zu haben. Zwar erfährt man hin und wieder etwas über die jeweilig dargestellte Figur, aber im Grunde sind dies nur Momentaufnahmen - ein kleiner Ausschnitt aus ihrem Leben zum gleichen Zeitpunkt. Was genau all diese geheimen Treffen, Gespräche und Intrigen miteinander zutun haben, erfährt man überhaupt nicht. Ich hatte gehofft, dass mich die Geschichte wenigstens so weit mithalten würde, dass man ab und zu ein Puzzleteil zugeworfen bekommt und diese dann zusammenfügen muss.
Aber nichts. Nichts von all den Situationen und Momentaufnahmen passt zueinander oder bildet eine gemeinsame Logik.  Manchmal erfährt man nicht einmal, über welche Person hier gerade etwas besprochen wird. Man bekommt nur ein paar Fetzen hingeworfen, aus denen große Fragezeichen werden.

Dabei hatte mich der Anfang schon etwas gepackt - nicht wegen der Spannung, sondern eher wegen dem ungewöhnlichen Schreibstil. Die Sätze sind relativ kurz, man erfährt nicht ganz so viel auf einmal und lässt sich einfach in die Situation hineinfallen. Eine Sache jedoch hat mich furchtbar gestört. Einer der vorgestellten Charaktere ist die Kamera. Sie nimmt besondere Momente auf und schaut in die Köpfe der anderen Figuren. Allerdings wirken diese Absätze eher wie eine Regieanweisung, sodass die Geschichte an Authentizität verloren hat. Wenn man sich dies bildlich vorstellt, sieht es natürlich super aus, aber wenn man das liest und nicht sieht wirkt es einfach nur merkwürdig.


Der Anfang wirkte vielversprechend. Aber da sich diese Eigenheiten des Schreibstils wirklich durch das gesamte Buch zogen, hat man überhaupt keinen Einblick in die wahre Absicht der Geschichte bekommen. Man fragt sich Wozu das Ganze? Eigentlich hat man nichts erfahren. Wenn am Ende wenigstens ein Ansatz von Aufklärung dagewesen wäre, hätte ich sogar überlegt, den zweiten Band zu lesen. Aber so, wie alles fallengelassen wurde, habe ich kein Interesse mehr daran, zu erfahren, warum die Chefredakteurin verschwunden ist und welch geheime Pläne all die anderen Figuren haben.
Eine konstante Geheimniskrämerei ist eben doch nicht das Wahre. Ein Fünkchen Aufklärung und Erkenntnis sollte doch schon dabei sein.

Holly glänzt mit einem tollen Konzept - dass sechs Monate lang jeweils ein Band erscheint, wie ein Magazin - kann inhaltlich leider überhaupt nicht überzeugen. Der Anfang ist es auf jeden Fall wert, gelesen zu werden, aber er reicht eben nicht aus, um das Interesse zu halten.
Wirklich schade, dass eine so tolle Idee... nun ja, in den Sand gesetzt wird.
Aber macht euch euer eigenes Bild. Immerhin sind Geschmäcker verschieden und das ist das Tolle an der großen Welt der Bücher.

1 Marshmallow

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