Montag, 16. Februar 2015

[Rezension] Meine kurze Geschichte - Stephen Hawking

Rowohlt Verlag | 150 Seiten | Taschenbuch | 9,99 € | Kaufen

Zum ersten Mal lässt der berühmteste Physiker unserer Zeit sein ganzes privates und wissenschaftliches Leben Revue passieren - in seinen eigenen Worten und in einem Buch voller Weisheit und Humor: über eine Kindheit im Nachkriegs-England, seine Familie und seine zwei Ehen. Über das Leben mit der Krankheit und der ständigen Todesgefahr. Über Weltreisen, Leidenschaften und über sein kosmologisches Lebenswerk.

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Nachdem ich den Film Die Entdeckung der Unendlichkeit gesehen hatte, wollte ich mehr über den Mann erfahren, der an einer Erklärung für die Entstehung unseres Universums arbeitet und so nahe daran ist, seine Theorien zu beweisen, wie niemand sonst. Gerade im letzten Sommer kam er wieder unbeabsichtigt ins Gespräch, als die Ice Bucket Challenge ihre Runde machte. Nur einen kurzen Moment gedachte die Welt jenen Menschen, die an ALS erkrankt sind. In seiner Biografie gibt es keine ausführlichen Passagen darüber, und doch bekommt man einen ganz genauen Eindruck davon, welch ein Mensch Stephen Hawking ist und wie er mit dieser Krankheit umgeht.
Zu Beginn schreibt er viel über seine Eltern und seine Kindheit. Über seine Ehe spricht er dagegen kaum. Das Augenmerk ist vielmehr darauf gerichtet, in welchem Abschnitt seines Lebens er mit welchen Leuten was erforscht und entdeckt hat. Ich bin an diesem Punkt ehrlich: Nicht immer konnte ich ihm ganz folgen. Das mag aber vermutlich daran liegen, dass ich eine absolute Niete in Physik bin ;) Sein Erstlingswerk Eine kurze Geschichte der Zeit steht bereits in meinem Bücherregal und ich bin äußerst gespannt, ob er darin all seine Theorien und Erkenntnisse wirklich so erklärt, dass wir Normalos es auch verstehen können.

Stephen Hawking interessierte sich bereits früh dafür, wie Dinge funkionierten. Physik und Mathematik beherrschte er sehr gut, ohne auch nur viel dafür lernen zu müssen. Das Interesse und der Spaß daran halfen ihm dabei, einen so großen Erfolg zu haben. Denn nur weil einem etwas leicht fällt, heißt das nicht gleich, dass man das auch sein Leben lang machen will. Zunächst studierte Stephen Hawking in Oxford, dann in Cambridge - zwei angesehene Universitäten in England. Stets war er einer der Besten, ohne dass ihm dies über den Kopf gestiegen wäre. Er war ein Teamplayer. Zwar macht er sich gern seine eigenen Gedanken und Theorien, aber an den Experimenten und Entwicklungen waren sehr oft Freunde und Bekannte von ihm beteiligt.


Als ich den ersten Absatz gelesen habe, in dem er über seine Krankheit spricht, so hatte ich überhaupt nicht das Gefühl, dass er wütend oder nachtragend ist. Im Grunde beschreibt er seine Krankheit relativ nüchtern. Heute, fünfzig Jahre nach der Diagnose, sieht er freudig auf sein Leben zurück. Er hat alles gemacht, was er tun wollte. Zwar hat er noch nicht alles erreicht, was er möchte, aber noch arbeitet er mit Hochdruck an seiner Theorie.
Es ist wirklich erstaunlich zu sehen, dass er niemals in seinem Leben das Gefühl hatte, der ärmste und bemitleidenste Mensch der Welt zu sein. Er hatte einfach nur etwas Pech. Und trotzdem hat er weitergemacht, wie er es wollte. Eine beeindruckende Einstellung, von der wir anderen Menschen und eine Scheibe abschneiden können.

"Doch während meines Krankenhausaufenthaltes wurde ich Zeuge, wie ein Junge, den ich flüchtig kannte, im Bett gegenüber an Leukämie starb. [...] Seither denke ich immer an diesen Jungen, wenn ich versucht bin, mich zu bemitleiden."  (S.58)

Natürlich war es nicht immer einfach. Immerhin ist ALS keine Krankheit, die man mal eben auf die leichte Schulter nimmt. Zunächst begann es mit der Muskelschwäche in Armen und Beinen. Schon sehr bald konnte sich Stephen Hawking nur im Rollstuhl fortbewegen. Das Schlimmste war wohl, als er nicht mehr richtig sprechen konnte. So war es schwierig, sich den anderen mitzuteilen. Auch wenn es unter den Menschen Einzelgänger gibt, so sind wir doch alle Herdentiere, die sich mit anderen austauschen wollen. Wenn einem das genommen wird, wird man ausgegrenzt. Stephen Hawking jedoch blieb immer noch der Alte, riss Witze und feilte an seiner Theorie über die Entstehung des Universums. Immerhin hat er auch einige Bücher geschrieben, obwohl er gehandicapt war.

Leider erfährt man nur sehr wenig über seine eigene Familie und seine Ehe mit Jane. Im Film Die Entdeckung der Unendlichkeit wird dieser Aspekt sehr ausführlich angesprochen. Was genau alles davon stimmt, kann ich im Nachhinein gar nicht mehr sagen. Entweder legt Stephen Hawking nicht so viel Wert auf das Vergangene oder er spricht nicht gerne über die Ehe mit Jane. Er erwähnt sie nur sehr selten. Das Einzige, was wir über sie erfahren, ist, dass sie Depressionen hatte, weil sie nicht mit dem Druck klarkam, ihren kranken Mann und die Kinder zu versorgen.
Eigentlich passt das genau ins Bild des berühmten Wissenschaftlers: Dass er allein in seiner Kammer sitzt und arbeitet. Stephen Hawking jedoch bleibt nicht nur für sich. Sein Sinn für Teamarbeit zeigt das und auch der Wille, sein Wissen so zu verfassen, dass Normalos wie wir es verstehen können. Denn er hat begriffen: Was nützen ihm all seine Erkenntnisse, wenn sie ansonsten niemand verstehen kann und sie in der Zukunft verloren gehen könnten?


Seine Lebenserwartung wurde auf zwei Jahr geschätzt. Ich an seiner Stelle hätte dies ausgesprochen unfair gefunden und mich in Selbstmitleid gesuhlt. Er jedoch wurde dadurch noch mehr angespornt. Vielleicht war es die positive Einstellung, aber inzwischen sind mehr als fünfzig Jahre vergangen. Ein wahres Wunder. Oder ein Zeichen, dass seine Aufgabe, die Entstehung des Universums aufzudecken und diese Theorie zu beweisen, noch nicht beendet ist.

Ein mutiger Mann, der nichts von seinem Charme und deutlichen Sarkasmus verloren hat, blieb uns trotz einiger gesundheitlicher Rückschläge Jahrzehnte erhalten und präsentiert uns seine Erkenntnisse auf dem Silbertablett. Er ist selbstkritisch und doch nicht vollends perfektionistisch.
Das autobiografische Buch ist relativ kurz gehalten und bietet doch reichlich Erkenntnisse über den berühmtesten Physiker unserer Zeit!

"Meiner Meinung nach sollten sich behinderte Menschen auf die Dinge konzentrieren, die ihnen möglich sind, statt solchen hinterherzutrauern, die ihnen nicht möglich sind." (S.148-149)

4 Marshmallows

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