Samstag, 14. Februar 2015

[Rezension] Das Mondwunder - Halo Summer

Createspace Independent Publishing | 166 Seiten | Ebook | 0,99 € | Kaufen

Lange Zeit war ich tot und wusste es kaum. Bis er vorbeikam und mich weckte. Ich wünschte, ich könnte mich daran erinnern, warum ich tot bin. Was ist nur passiert?

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"Ich finde, es wird zu viel gezählt in unserer Welt. Zahlen haben die innere Stimme verdrängt." (S.140)

Das Mondwunder hat mich zunächst aufgrund des wunderschönen Covers auf sich aufmerksam gemacht. Die Farben gemeinsam mit dem Motiv und der Schriftart harmonieren so schön miteinander, dass es fast schon einen reinen Coverkauf wert wäre. Der Klappentext ist ziemlich kurz, aber das ist die Geschichte ja auch. Mal will ja nicht zu viel verraten.
Die Geschichte spielt auf einem Friedhof. Mitten in einer Vollmondnacht trifft ein Mädchen auf einen Jungen. Im Grunde wäre das ziemlich langweilig, wenn das Mädchen kein Gespenst wäre. Ja, sie ist tot und wandelt in jeder Vollmondnacht auf dem Friedhof umher. Dabei kann sie sich weder daran erinnern, wie sie gestorben ist, noch warum sie als einziges Gespenst dort ist. 
Mats, der all dies sehr geheimnisvoll und mystisch findet, besucht sie ab sofort in jeder Vollmondnacht. In der Zwischenzeit findet er immer wieder Bruchstücke aus ihrem Leben. Denn nur ihren Namen weiß sie noch. Hin und wieder erinnert sie sich an etwas aus ihrem Leben, aber das passt überhaupt nicht mit dem zusammen, was Mats über sie herausfindet.

"Liebe hängt niemals davon ab, ob man sie verdient hatte. Liebe wurde einem geschenkt - ob verdient oder unverdient, das spielte überhaupt keine Rolle. Man musste nur eins für diese Liebe tun: Sie annehmen." (S.126)

Die Idee, die uns Halo Summer in dieser Kurzgeschichte näherbringt, ist wirklich zauberhaft und einmalig.
Denn das tote Gespenstermädchen ist gar nicht Myra, was sie angenommen hat. Mats Recherchen ergeben, dass sie Myras Zwillingsschwester Emily ist, die bei der Geburt starb. Diese Idee spinnt die Autorin immer weiter. Mir hat das sehr gut gefallen und man hätte wirklich einen ganz großen wunderbaren Roman daraus machen können. Jedoch muss an dieser Stelle anbringen, dass die Umsetzung nicht so gut gelungen ist. Das muss nicht unbedingt an der Kürze der Geschichte liegen. Auch Kurzgeschichten haben ihren Charme.
Da Emily nur im Vollmondlicht sichtbar wird, können die Treffen nur einmal im Monat stattfinden und wenn es genau in dieser Nacht bewölkt ist, sehen sie und Mats sich sogar nur alle paar Monate. Die Zeitsprünge sind daher immens. Obwohl Mats damit natürlich einem absoluten Mädchenideal von einem Jungen entspricht, so finde ich es doch höchst ungewöhnlich, dass er manchmal acht oder zwölf Wochen wartet, um dann eine Nacht mit Emily zu verbringen, obwohl er sie gar nicht kennt.

Den Charakter von Myra lernen wir beim Fortschreiten der Geschichte immer besser kennen, obwohl sie nicht selbst auftritt. Es ist sehr wichtig zu verstehen, was mit ihr passiert ist, damit man den Zusammenhang mit Emily begreifen kann. Im Grunde ist das ganz einfach erklärt, aber die Suche nach den einzelnen Puzzlestücken macht Spaß. Da man aber Emily trotz der Erzählung aus der Ich-Perspektive nicht genau eingeschätzen kann, ist es schwierig, mit ihr auf eine Gefühlsebene zu kommen.
Die Geschichte ist natürlich der Fantasie entsprungen, da man nicht einfach so mit Gespenstern sprechen und sie sogar berühren kann. Aber auch in Fantasiegeschichten kann man die Leser realistisch berühren.
Leider muss ich sagen, dass trotz der Liebe zur Idee die Gefühle nicht wirklich bei mir angekommen sind.

Vielleicht mag es daran liegen, dass es große Zeitsprünge gibt. Durch diese wirkt es, als würden Emily und Mats sich nur ein paar Stunden oder Tage kennen. Dafür ist ihre Beziehung einfach zu liebenswert und nah dargestellt. Nichtsdestotrotz bietet Das Mondwunder eine schöne Lektüre für zwischendurch. Man hätte einfach nur mehr daraus machen können. Die Gespräche und das Kennenlernen zwischen Emily und Mats hat mir sehr gut gefallen. Manchmal fallen wirklich beeindruckende und feinfühlige Aussagen, über die man noch nach dem Beenden der Geschichte nachdenkt.
Außerdem spricht sie einen sehr wichtigen Aspekt an: Dass Menschen andere Menschen mit ihrem Verhalten kaputt machen können. Aber gleichzeitig schöpft man Hoffnung, dass das Leben eines Menschen durch einen anderen gerettet werden kann.
"Wir sollten nur an unserer Gebrauchsanleitung zweifeln und sie dann umschreiben. Nur auf diese Weise können wir etwas verändern und uns retten." (S.161)

3 Marshmallows

1 Kommentar:

  1. Vielen Dank für die schöne, ausführliche und differenzierte Rezension (und die Änderung bei Amazon - dafür noch mal extra danke :-)). So ein Feedback ist immer sehr interessant für mich; auch wenn es in diesem Fall leider nicht hundertprozentig begeistert ausgefallen ist.

    Viele liebe Grüße

    Halo

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