Mittwoch, 7. Januar 2015

[Rezension] The Woman Who Stole My Life - Marian Keyes

Penguin UK | 531 Seiten | Broschiert | 19,91€ (Hardcover) | Kaufen
Vielen Dank an Blogg dein Buch und den Penguin UK Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

One day, sitting in the traffic, married Dublin mum Stella Sweeney attempts a good deed. The resulting car crash changes her life.
For she meets a man who wants her telephone number (of the insurance, it turns out). That's okay. She doesn't really like him much anyway (his Range Rover totally banjaxed her car).
But in this meeting is born the seed of something which will take Stella thousands of miles from her old life, turning an ordinary woman to a superstar, and, along the way, wreching her whole family apart.
Is this all because of one ill-adviced act of goodwill? Was meeting Mr. Range Rover destiny or karma? Should she be grateful or hopping mad?
For the first time, real, honest-to-goodness happiness is just within her reach. But is Stella Sweeney, Dublin housewife, ready to grasp it?
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Der Klappentext des Buches klingt sehr interessant, jedoch muss ich sagen, dass mich vorrangig das Cover angezogen hat. Die Mischung aus schwarz, blau, gold und dem Glitzer ist einfach wunderschön! Lange Zeit wusste ich gar nicht, was genau mich in diesem Buch für eine Geschichte erwarten sollte. Man fühlt sich relativ leicht ein, aber man kann nicht genau erkennen, in welche Richtung sich die Geschichte entwickelt und was die Autorin beabsichtigt. Für Leser, die auf Spannung mit actionreichen Handlungen aus sind, ist dieses Buch nicht empfehlenswert. Da ich aber auch gerne "ruhigere" Romane aus dem Alltag lese, ließ ich mich darauf ein. Zunächst erleben wir den im Klappentext beschriebenen Autounfall. Was es mit dem Range Rover Fahrer aus sich hat, sollen wir erst später erfahren, denn plötzlich befinden wir uns einige Jahre später in Irland. Man kann es nicht anders sagen - nach den ersten Seiten schoss mir direkt der Begriff Midlife crisis in den Sinn. Stella ist Anfang vierzig und steckt unverkennbar in einer richtigen Lebenskrise. Sie ist von ihrem Mann geschieden, ihre Tochter lebt glücklich verheiratet in Amerika, ihr Sohn hasst sich abgrundtief. Zu allem Überfluss versucht sie, ein zweites Buch zu schreiben, was ihr nicht gelingen mag. Immer wieder sitzt sie stundenlang vor dem Laptop, ohne auch nur ein einziges Wort einzutippen.

Im Grunde erzählt Stella uns in dem Buch die Geschichte, wie es zu dieser Situation gekommen ist. Wir wechseln immer wieder in den Zeiten - von der Gegenwart in die Vergangenheit und zurück. Anhand verschiedener Schriftarten kann man die Zeiten unterscheiden. Zudem ist ein Kapitel aus der Vergangenheit mit einem vorangehenden Zitat gekennzeichnet und die aus der Gegenwart mit einem Datum oder einer Uhrzeit. Es gibt immer wieder Sprünge und man weiß wirklich lange nicht, worauf diese Erzählung abzielt. Aber je weiter ich vorankam, desto mehr begeisterte mich diese Geschichte. Es ist wirklich total beeindruckend, wie sich scheinbar zusammengewürfelte Erinnerungen und Erlebnisse aus Stellas Leben zusammenfügen und man ihre jetzige Situation nachempfinden kann.
Stella hat ein Buch geschrieben, welches offenbar ziemlich berühmt geworden ist. Aus diesem Buch, welches den Titel One Blink at a Time trägt, stammen auch die Zitate vor den Kapiteln. Ich gebe zu, lange überlegt zu haben, worum es genau in diesem Buch geht und warum es diesen Titel trägt. Aber man soll es bald erfahren und man merkt, dass sie gar nicht die berühmte und selbstbewusste Autorin ist, für die man sie am Anfang gehalten hat.


Sehr früh fällt der Titel als Satz The Woman Who Stole My Life - ausgesprochen von Ryan, Stellas Ex-Mann. Er ist ein selbsternannter Künstler und führt eine besondere Firma: Dort werden künstlerische Bäder designt und umgesetzt. Ryan ist ein zynischer Mensch. Er möchte unbedingt die ganze Welt mit seiner "Kunst" einnehmen und wirft es Stella immer wieder vor, dass sie seinen Ruhm in Anspruch genommen habe. Sie habe ihm sozusagen sein Leben gestohlen, denn der Ruhm bleibt bei ihm aus. Der Satz fällt gegen Ende des Buches noch einmal - in welchem Zusammenhang dies geschieht, möchte ich aus Spoilergründen nicht nennen, aber er fällt immer dann, wenn die Person nicht richtig zuhört und lieber eigene Schlüsse zieht - die meist falsch sind.
Da sich eigentlich alles anders entwickelt, als man es sich vorgestellt hat und trotzdem so gut zueinander passt, bekommt man nach dem Beenden des Buches einen völlig anderen Eindruck von den Charakteren und ihren Handlungen. Meine Vorstellung zu Beginn der Geschichte sah wie folgt aus: Stella steckt in einer Midlife crisis. Ihr erstes Buch wurde zum Bestseller. Ihr Mann hat sie verlassen, weil er mit seiner Kunst Ruhm haben wollte und sich nun von ihr verraten fühlt. Stella wird dadurch total aus der Bahn geworfen und schafft es nun nicht mehr, irgendetwas zu Papier zu bringen. Hierbei hatte ich nur bezüglich der Midlife crisis Recht. Der Rest wird völlig über den Haufen geworfen.

Die erste langandauernde Erinnerung, die uns von Stella gezeigt wird, handelt von ihrer Krankheit, dem Guillain-Barré Syndrom. Eines Tages versagten all ihre Muskeln und monatelang lag sie regungslos auf der Intensivstation. Abgesehen davon, dass ihr dies physische und psychische Höllenqualen bereitete, war dies auch der Vorfall, der ihre Familienbande brökeln ließ. Es ist eine wirkliche Horrorvorstellung, dass man alles mit völligem Bewusstsein mitbekommt und doch nichts tun kann außer zu Blinzeln. Ryan macht ihr nach den ersten Wochen immer wieder Vorwürfe, da er nun zu Hause alles allein regeln müsse. Ich habe ihn immer mehr gehasst. Wenn er sich vorher mal für seine Kinder, den Haushalt und die Finanzen interessiert hätte, würden sich in einer solchen Situation die Probleme nicht so sehr häufen. Er denkt nur an seine angebliche Kunst und weiß die Menschen nicht zu schätzen, die an seine Arbeit glauben. Er sieht sich zu weit oben auf der Karriereleiter und schraubt seine Ansprüche niemals herunter.
In diesen Krankenhausszenen begegnen wir auch dem Range Rover Fahrer wieder. Sein Name ist Mannix Taylor und er ist Neurologe, der sich um Stella kümmert. In einer kleinen Randnotiz muss ich anbringen, dass der Name zwar außergewöhnlich ist, aber mir irgendwie nicht ganz gefällt.
Er entwickelt mit Stella eine Methode, wie sie sich über das Blinzeln mit den anderen Menschen verständigen kann. Bald verstehen sie sich fast blind, denn schon nach wenigen Buchstaben weiß er genau, was sie sagen will. Ryan oder auch Stellas Freunde und Eltern haben dafür keine Geduld und erzählen ihr immer nur, anstatt sie sprechen zu lassen. Vielleicht hat das auch damit zutun, dass es zwischen Stella und Mannix sofort eine Verbindung gegeben hat.

Mannix gibt ihr immer wieder Aufgaben, damit sie nicht den ganzen Tag depressive Gedanken hat. Sie soll sich täglich eine Weisheit einfallen lassen, die er sich notiert und über diese sie diskutieren können.
Es ist wirklich unglaublich, wie sehr er sich um Stella kümmert. Jedem Patienten sollte so viel Aufmerksamkeit gewidmet werden. Nach einiger Zeit beginnt er sogar, Stella von seinem Leben und seiner Familie zu erzählen. Er ist mit der berühmten Boutiquebesitzerin Georgie Dawson verheiratet. Sie versuchen schon sehr lange, über Hormontherapie und künstliche Befruchtung ein Kind zu bekommen, aber bisher gab es immer nur Rückschläge. Vielleicht ist das auch der Grund, warum er Stella so viel Zeit widmet. Er kann seiner Frau nicht mehr unter die Augen treten, da die Stimmung zwischen ihnen sehr angespannt ist.
Später treffen wir Georgie wieder, während sie sich von Mannix scheiden lässt. Sie und Stella werden sogar Freundinnen. Ich kann ihre Situation nicht wirklich nachempfinden, da ich noch nie etwas Vergleichbares erlebt habe. Aber dennoch finde ich ihr Auftreten mit dem Wissen um ihre Vergangenheit mehr als fragwürdig. Ihren Charakter finde ich grundsätzlich wunderbar und selbstbewusst, aber sie wirkt geradezu aufgedreht und ein bisschen verrückt. Das ist ja eigentlich nichts Schlimmes, aber aus Mannix' Erzählungen hat man eher ein zartes und empfindliches Bild von ihr.


Fast ein Jahr nachdem Stella aus dem Krankenhaus entlassen worden ist, trifft sie erneut auf Mannix. Man merkt deutlich, dass sich trotz der langen Pause etwas zwischen ihnen entwickelt hat und sie eher schüchtern aufeinanderzugehen. Es entwickelt sich alles sehr langsam und doch schlägt es dann wie eine Bombe ein, wenn sie sich dazu entschließen, eine Beziehung einzugehen.
Stella hat begriffen, dass sie mit Ryan schon lange nicht mehr glücklich ist und er auch nicht mehr mit ihr. Da aber sie diejenige ist, die es anspricht, bleibt sie für immer das schwarze Schaf, das die Beziehung zerstört hat. Ihre Kinder halten es ihr lange vor und Ryan jahrelang. Dabei finde ich es einfach nicht fair. Sie hat sich Ryans nicht entledigt, damit sie eine Beziehung mit Mannix beginnen kann. Außerdem hatte Ryan auch nie den Mumm dazu, das anzusprechen, was beide schon längst gewusst haben.

"That you can't call something love until everything goes wrong and you manage to survive it. Love isn't hearts and flowers. And it's not good sex. Love is about loyalty. Endurance. Soldiering on, shoulder to shoulder." (S.331)

Nachdem sie erneut auf Mannix trifft, steht eines Tages ein großes Paket vor Stellas Tür. Es ist vollgestopft mit Büchern, deren Titel One Blink at a Time lautet. Und die Autorin ist sie selbst! Mannix hat alle ihre Gespräche und Weisheiten in Notizbüchern festgehalten und ein Buch daraus gemacht!
Was danach alles passiert, solltet ihr selber lesen! ;)

"I remembered that occuring to me during my first night in hospital, when I'd thought I was going to die: you only get one life and you should live it as happily as you can." (S.255)

Die Geschichte hat mich begeistert. Die Charaktere sind lebendig und authentisch, sodass man sie lieben oder hassen kann. Je mehr man liest, desto deutlich erschließt sich, was die Autorin mit dieser Geschichte mitteilen möchte. Zunächst sollte man sein Leben so leben, wie man es braucht, um glücklich zu sein - auch wenn das bedeutet, anderen Menschen wehzutun. Auch aus den scheinbar schlimmsten Situationen kann etwas Positives entstehen, wenn man nur daran glaubt. Und vor allem muss man den Menschen vertrauen, die man liebt. Ansonsten beschuldigt man sie auch, dass eigene Leben gestohlen zu haben, obwohl man einfach nur richtig zuhören muss.
Abgesehen von Georgies Auftreten habe ich noch einen weiteren Kritikpunkt: Insgesamt wirkte die Geschichte etwas zu lang. Der Anfang zieht sich ein bisschen, aber nachdem sich einiges erschließt, wird es besser.

4 Marshmallows

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