Donnerstag, 15. Januar 2015

[Rezension] Highland Saga #1 Feuer und Stein - Diana Gabaldon

Blanvalet | 798 Seiten | Ebook | 6,99€ | Kaufen

1945 verbringt Claire Randall die zweiten Flitterwochen mit ihrem Mann in Schottland. Als sie bei einem Spaziergang einen magischen Steinkreis berührt, verliert sie das Bewusstsein - und erwacht im Jahr 1743, im Schlachtgetümmel schottischer Rebellen. Sie kämpfen gegen die englische Besatzung: Highlander, geprägt von Rebellion und Verrat, von Aufklärung, Aberglaube und Hexenwahn. Und mitten unter ihnen Claire – eine Frau des 20. Jahrhunderts, die die Menschen durch ihr seltsames Auftreten in Aufruhr versetzt. Da begegnet sie James Fraser, dem mutigen Clanführer, der ihr mehr als einmal in lebensbedrohlichen Situationen zu Hilfe eilt.

~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~

Obwohl sich die Geschichte sehr interessant anhört, wurde ich doch immer wieder von der Seitenzahl abgeschreckt. Abgsehen davon, dass es noch sechs Folgebände gibt, die jeweils noch mehr Seiten aufzuweisen haben, sind knapp 800 Seiten kein Zuckerschlecken, den man eben nebenbei bewältigt. Als dann aber die Ebook-Version kostenlos angeboten wurde, konnte ich einfach nicht wiederstehen. Insgesamt habe ich einige Monate für das Buch gebraucht, was sich aber dadurch begründet, dass ich es immer nur zwei Mal die Woche in der S-Bahn an den Berufsschultagen gelesen habe.
Der Einstieg in die Geschichte ist relativ simpel: Claire verbringt ihre zweiten Flitterwochen mit ihrem Mann Frank in Schottland. Aufgrund des Krieges waren sie lange Zeit voneinander getrennt und können es nun kaum erwarten, ihre Liebe neu aufleben zu lassen. Eines Tages aber passiert etwas Unfassbares: Auf dem Craigh na dun liegt ein alter Steinkreis. Auf magische Weise "fällt" Claire durch einen dieser Steine zurück ins Jahr 1743.

Es ist ein wahrer Kulturschock, da die Menschen in dieser Zeit sehr viel einfach lebten und ihre Art rüde und aufdringlich war. Das muss Claire auch sogleich feststellen, als ein Hauptmann über sie herfallen will. Gerettet wird sie von einer Gruppe Anhänger des McKenzie Clans. Es herrscht die Zeit der Unruhen zwischen Schotten und Engländern und zunächst wird Claire nicht gerade freundlich aufgenommen, da sie Engländerin ist. Doch ihre mehr oder weniger glaubhaft erfundene Geschichte und ihre Heilkünste lassen die Zweifel bald verfliegen. Claire gewöhnt sich relativ schnell an das einfach Leben. Es ist wirklich interessant, dies zu beobachten. Sie muss sich zumindest für den Moment mit ihrer Situation zufriedengeben und das Beste daraus machen. Nach einigen Monaten fühlt sie sich sogar richtig wohl. Was nicht auch zuletzt an Jamie liegt, der ebenfalls der Gruppe angehörte, die sie gerettet hat.
Claire ist ein sehr authentischer Charakter. Ihre Art würde ich nicht gerade also vorhersehbar bezeichnen, aber sie handelt doch meist so, wie man es in ihrer Situation erwarten würde. Mit voranschreitender Zeit denkt sie kaum noch an ihre Flucht und ihren Ehemann Frank. Es ist fast so, als würde sie in diese Zeit gehören. Aber eben nur fast. Besonders am Anfang ist es sehr lustig, wie sie immer wieder Dinge mit denen aus der "neuen Zeit" vergleicht oder Aussagen trifft, bei denen die anderen nur Fragezeichen über den Köpfen haben. Leider macht sie sich damit aber auch nicht nur Freunde. Das Interesse an ihr, gerade weil sie so anders ist als die anderen Frauen, wird auch bei anderen Clans und Truppen größer.

Jamie ist ein junger Bursche, der wegen seines losen Mundwerks immer wieder in Schwierigkeiten gerät. Das stellt auch Claire fest, da sie diejenige ist, die beinahe täglich seine Wunden versorgt. Nach und nach erfahren wir seine Geschichte, die wirklich sehr unschön ist. Er vertraut Claire seine Vergangenheit an, er fühlt sich bei ihr wohl. Manchmal scheint er etwas zügellos zu sein, aber so sind eben junge Männer im Mittelalter gewesen.
Richtig schön wird ihre Beziehung zueinander aber erst später.

Hauptmann Randall, der zu Beginn ihrer Zeitreise schon über Claire herfallen wollte, hat offensichtlich ein körperliches Interesse an ihr. Aber auch an ihrer Geschichte. Er sucht immer wieder einen Vorwand, sie gefangen zu nehmen und ihre wahre Geschichte kennenzulernen. Aber natürlich kann ihm Claire nicht verraten, dass sie aus der Zukunft kommt, dies würde sofort mit Hexerei verurteilt werden.
Hauptmann Randall ist ein Vorfahre von Claires Ehemann Frank. Gemäß seinen Aufzeichnungen war er mutig und ist immer für seine Männer eingestanden. Claire muss allerdings feststellen, dass er in Wirklichkeit ein schockierend anderer Charakter ist. Er ist rüde, widerlich und brutal. Claire ist ihm gegenüber immer sehr mutig, aber auch waghalsig, was sie manchmal in eine schwierige Situation bringt. Besonders mit Fortschreiten der Geschichte kann man ihn immer weniger ausstehen - wenn ihr das Buch kennt, wisst ihr, was ich meine. Inzwischen habe ich schon gar keine Worte mehr für das, was dieser Charakter darstellt.
Gerade weil er so hinter Claire her ist, muss sie sich an einen Clan binden, der sie schützen kann. In diesem Falle bleibt ihr nur der McKenzie Clan. Also wird kurzer Prozess gemacht und sie und Jamie werden miteinander verheiratet. Natürlich kann man sehr gut nachvollziehen, dass sich Claire wie eine Ehebrecherin fühlt, obwohl ihr Mann noch nicht einmal geboren wurde.

Da die Beziehung zwischen Claire und Jamie bereits zuvor zart und sehr vertrauenswürdig war, würde man meinen, dass eine Ehe, obgleich sie arrangiert ist, diese Beziehung nochmals stärken würde. Allerdings ist eher das Gegenteil der Fall. Es wird sehr kühl zwischen den beiden und Claire muss feststellen, dass sie sich, entgegen ihren Prinzipien, in dieser Zeit den Regeln anpassen und sich ihrem Ehemann unterwerfen muss. Jamie, der total unerfahren ist, sorgt hin und wieder für eine urkomische Situation, aber manchmal kann er auch sehr furchteinflößend sein. Er mag noch sehr jung sein, aber dennoch hat er viel Kampferfahrung, was er manchmal auch im Eheleben durchscheinen lässt.
An dieser Stelle muss ich jedoch auch einen Kritikpunkt anbringen. Natürlich ist hierbei klar, dass die beiden nicht hunderte von Seiten und sechs Folgebände kühl zueinander sind. Ihre Beziehung verstärkt sich wieder. Auslöser dürfte hierfür sehr wahrscheinlich ihre körperliche Nähe sein. Manchmal fragt sich Claire sogar, ob rein der Sex sie an Jamie bindet und sie nur deshalb seine Nähe sucht. Nachdem sie sich etwas aufgerafft haben, kann man wirklich seitenweise nur lesen, wie sich die beiden körperlich lieben. Na gut, ein paar Mal bei dieser Seitenzahl mag ja in Ordnung sein, aber das war nun wirklich etwas zu viel des Guten ;)


Insgesamt hat mir die Geschichte sehr gut gefallen. Es passiert wirklich sehr viel und ich bin gespannt, was in den Folgebänden alles auf uns wartet.
Jedoch muss man aufmerksam lesen, da gerade zu Beginn sehr viele Namen und Clanbezeichnungen fallen. Man hat keinen so guten Überblick, wer jetzt nun mit wem wie verwandt ist. Später jedoch minimiert sich die Zahl der Charaktere, sodass man sich nebenher keine großen Stammbäume zeichnen muss.
Es werden sehr viele Aspekte angesprochen, von der Hexenverbrennung über die Clankonflikte bis hin zum Konflikt zwischen Schotten und Engländern. Gegen Ende des Buches spielt sogar der Glaube zu Gott noch eine große Rolle. Sehr gut finde ich auch, dass nicht nur neue Handlungen einsetzen, sondern auch Geschehnisse aus der Vergangenheit aufgegriffen werden. So fügt sich alles schön zusammen.

Diana Gabaldon hat hier wirklich einen sehr gut durchdachten Roman geschrieben, der zwar hier und da etwas ausschweifend wirkt, aber den Leser dennoch nahe an der Geschichte hält. Es gibt auch oft Momente, in denen Claire an ihr altes Leben denkt und sich über ihre Gefühle klar werden will, aber dennoch wirkt die Geschichte nie langweilig, dazu gibt es einfach zu viel spannungsreiche Handlungen.
Ich bin nun wirklich sehr gespannt, was noch alles in den Folgebänden passieren soll - allein der zweite Band hat schon über 900 Seiten.

4 Marshmallows

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen