Dienstag, 29. Juli 2014

[Rezension] Bevor ich sterbe (Jenny Downham)

Titel: Bevor ich sterbe
Autorin: Jenny Downham
Einzelband
Verlag: cbt
Seiten: 318
Genre: Jugendbuch/Drama
Preis: 8,95€

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Klappentext:
Ihr bleibt keine Zeit, aber die Liebe...
Tessa hat den langen Kampf gegen die Leukämie verloren. Doch die 16-jährige will leben. Auf die Wand ihres Zimmers schreibt sie zehn Dinge, die sie noch tun wird, bevor sie stirbt. Nummer eins ist Sex. Als Adam auftaucht, ist Sex plötzlich mehr als nur ein Punkt auf ihrer Liste. Darf man lieben, wenn man stirbt? Tessa tut es.
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Wenn ich doch nur einen Freund hätte.

Mit diesem Buch betritt man eine Terrain, auf welchem sich sicherlich viele Menschen unwohl fühlen - aus Angst oder Unwissen. Die Autorin geht mit dem Thema Tod uns Krebs sehr offen um, sodass wir Leser einen Eindruck gewinnen können. Allerdings muss ich nach Beenden der Geschichte leider sagen, dass sie über das Ziel hinausgeschossen ist. Im Nachhinein bleiben bei mir eher Unverständnis und wenig Mitleid.

Das Cover gefällt mir gut. Es ist sehr schlicht und mit Bezug auf den Titel in einem Gegensatz dargestellt. Obwohl wir das Gesicht des Mädchens nicht sehen können, glaube ich zu sehen, dass es irgendwie glücklich ist, da er auf der Matratze herumspringt.
Der Titel macht sofort melancholisch. Irgendwie hat man etwas Angst, sich mit diesem Thema zu befassen, andererseits möchte man schon gerne verstehen, was in den Köpfen solch kranken Menschen vorgeht.

Tessa ist sechszehn Jahre alt und so schwer an Leukämie erkrankt, dass weitere Therapien aussichtlos sind. Eigentlich hat sie noch gar nicht richtig gelebt, wenn sie bald stirbt. Deshalb beschließt sie, mit der Hilfe ihrer besten Freundin Zoey ihre Liste mit zehn Dingen abzuarbeiten, die sie unbedingt noch erleben möchte. Und dabei passiert etwas, mit dem sie überhaupt nicht gerechnet hätte: Sie verliebt sich in den Nachbarsjungen Adam. Plötzlich findet sie sich in einer Welt wieder, in der sie bleiben möchte.

Die Idee ein todkrankes Mädchen noch einmal allen Lebensmut aufbringen und zehn wichtige und schöne Dinge erleben zu lassen bevor es stirbt, stimmt mich zwar traurig, aber auch neugierig. Obwohl mich die Themen Tod und Krebs auch sehr traurig machen, so wollte ich doch gerne wissen, wie Tessa ihre letzten Wochen verbringt. Ich habe eine zarte Geschichte voller Gefühl erwartet, die dann ihren Höhepunkt in einer Liebe findet. Naja, ich habe leider nur sehr wenig davon im Buch wiedergefunden.
Tessa ist ein ziemlich rotzfreches und depressives Mädchen, dass sich nicht mit ihrem Schicksal abfinden will, sich aber trotzdem immer in seinem Bett verkriecht. Die Autorin hat sie aber auch in keine einfachen Rahmenbedingungen gesteckt: Sie bekommt mit dreizehn Jahren die Diagnose Leukämie und ihre Eltern leben getrennt voneinander. Ihre Mutter hat überhaupt keine Ahnung von der Krankengeschichte ihrer Tochter und versteht all die Behandlungen nicht. Ihr Vater ist mit Job, Haushalt und zwei Kindern heillos überfordert. Er gibt sich Mühe, muss aber immer wieder Tessas Launen aushalten.

Nun zu Tessas Liste. Dinge wie ein Ausflug ans Meer, mit einer Achterbahn fahren und sich verlieben hätte ich mir vorgestellt, aber stattdessen bekommen wir das: Sex, Drogen, Alkohol, Party. Ja, ihr lest richtig. Keine angebrachten Lebensweisen für eine leukämiekranke Sechszehnjährige. Also begleiten wir Tessa und Zoey auf viele Partys, auf denen es vor Alkohol und Drogen nur so wimmelt. Über den Punkt Sex möchte ich hier kein Wort verlieren.
So sehr ich Tessa in ihren Depressionen und Launen auch verstehen kann, so sehr stößt ihre Liste bei mir auf Unverständnis. Natürlich ist es grausam, wenn man erfährt, dass man nur noch wenige Wochen zu leben hat, die Mutter sich kaum dafür interessiert und der Vater abends weinend in der Küche sitzt und auch nichts Gutes beitragen kann. Aber ich habe immer die Vorstellung, dass solch kranke Menschen zwar ihre schlechten Tage haben, aber immer sehr positiv gegenüber Kleinigkeiten sind, die sie noch erleben können. Tessa dagegen wirkt auf mich total verrückt und ich kann überhaupt nicht verstehen, warum sie gerade diesen Weg einschlägt, um die letzten Wochen ihres kurzen Lebens so schön wie möglich zu machen.

Das einzig Positive ist der Nachbarsjunge Adam. Zwar hilft er Tessa und Zoey in Bezug Drogen auch noch, aber man merkt, dass ihm etwas an Tessa liegt und er sie gern hat. Sie merkt es natürlich erst spät, aber als es dann endlich so weit ist, sind die beiden recht süß zusammen. Adam tut alles dafür, dass es ihr so gut wie möglich geht und dass ist doch besser als alles andere, was auf ihrer Liste steht, oder?!
Als es Tessa richtig schlecht geht, kommt sogar ihre Mutter und beginnt, sich für sie zu interessieren. Als sie eines Nachts aber einen Anfall bekommt und ihr Vater nicht da ist, merkt man erst einmal, wie hilflos Tessas Mutter eigentlich ist - sie weiß überhaupt nicht, was sie tun soll. Aber vielleicht hat sie sich nur so sehr herausgehalten, weil sie ebenso wenig mit der Diagnose klarkommt wie Tessa. Allerdings hätte sie für ihre Tochter da sein müssen. Dass sie es jetzt ist, ist das Mindeste.
Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto schlechter geht es Tessa. Dann fühlt man schon ein wenig mit ihr mit, immerhin bin ich ja kein hohler Klotz. Ihr Verhalten von vorher kann ich jedoch nicht einfach vergessen. Erst, als sie die Liebe zu Adam entdeckt und merkt, dass es zuende geht, verändert sich ihr Charakter und sie rutscht in meiner Symphatiskala weiter nach oben. Ihre Wutanfälle und Launen kann man natürlich alle darauf zurückführen, dass sie so krank ist und nicht richtig damit umgehen kann, aber trotzdem kann ich ihre Denkweisen manchmal einfach nicht verstehen.

Viel mehr kann ich zu der Geschichte auch nicht sagen. Gegen Ende wird die Stimmung melancholischer und Tessa ist nicht mehr eine solche Nervensäge. Ich will ja auch nicht gegen sie wettern, immerhin stirbt sie. Aber wie kann man sich nur Alkohol und Drogen reinhauen, wenn man genau weiß, dass man unheilbare Leukämie hat?!?! Eigentlich hat sie Adam gar nicht verdient. Sie schnauzt ihn die ganze Zeit an und Zoey auch, so als wären die beiden an ihrem Schicksal Schuld. Sie merkt überhaupt nicht, dass sie für sie da sind und alles mitmachen, was sie verlangt. Todkranken Menschen einen Wunsch auszuschlagen ist eben eine schwere Sache.

Bevor ich sterbe ist ein Roman, der auf Gefühle und Melancholie abzielt, diese aber nicht im Leser hervorruft. Die Protagonistin ist nervig, unvernünfig und ihr Handeln für mich absolut nicht nachvollziehbar. Allein Adam und der kleine Sinneswandel am Ende des Buches haben mich an der Geschichte gehalten.

2 Marshmallows

Samstag, 26. Juli 2014

[Rezension] Die Wanderhure (Iny Lorentz)

Titel: Die Wanderhure
Autorenpaar: Iny Lorentz
Band 1 der Wanderhuren Saga
Verlag: Droemer Knaur
Seiten: 607
Genre: Historischer Roman
Preis: 10,99€

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Klappentext:
Konstanz im Jahre 1410: Als Graf Ruppert um die Hand der schönen Bürgerstochter Marie anhält, kann ihr Vater sein Glück kaum fassen. Er ahnt nicht, dass es dem adeligen Bewerber nur um das Vermögen seiner künftigen Frau geht und dass er dafür vor keinem Verbrechen zurückschreckt. Marie und ihr Vater werden Opfer einer gemeinen Intrige, die das Mädchen zu Stadt hinaustreibt. Um zu überleben, muss sie ihren Körper verkaufen. Aber Marie gibt nicht auf...
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 Marie schlüpfte schuldbewusst in die Küche zurück und versuchte, unauffällig wieder an die Arbeit zu gehen.

Mit einem detailreichen und gut ausgeführten Roman entführt uns das Autorenpaar Iny Lorentz ins fünfzehnte Jahrhundert, in eine Zeit, in der Ehre, Besitz und Vermögen alles sind. Wir werden Zeuge einer gemeinen Intrige, die nicht nur das Leben einer jungen Frau zerstören sollte, sondern das Leben vieler anderer Menschen berührt und verändert.

Das Cover gefällt mir sehr gut! Durch die verschiedenen Farben wirkt es sehr ansprechend, allerdings muss man sich dazu auch die Bedeutung der Farben ins Gedächtnis rufen: Denn die gelben Bänder am Kleid der Frau kennzeichnet sie öffentlich als Hure und somit als rechtslos.
Der Titel geht genauer darauf ein, was uns im Roman erwartet und wie die Protagonistin von nun an ihr Dasein fristen muss, um nicht zu verhungern.

Konstanz im Jahre 1410: Marie Schärer wächst sehr behütet bei ihrem wohlhabenden Vater auf. Dieser kann sein Glück kaum fassen, als der Grafensohn und Bastard Ruppert von Keilburg um ihre Hand anhält. Allerdings geschieht in der Nacht vor der Hochzeit das Unglaubliche. Marie wird der Unzucht beschuldigt, im Verließ brutal geschändet und am nächsten Tag zur Auspeitschung und Verbannung aus ihrer Heimatstadt verurteilt. Halb tot wird sie von der Wanderhure Hiltrud aufgelesen, die sie gesundpflegt, ihr aber gleichzeitig auch klarmacht, dass ihr Leben als Bürgerstochter vorbei ist und sie ihren Unterhalt mit dem Verkaufen ihres Körpers verdienen muss. Vom Rachegedanken angetrieben, stellt sich Marie ihrem Schicksal.

Das Buch stand schon lange auf meiner Wunschliste, allerdings habe ich mich auch nach dem Anschauen der Verfilmung nicht so recht an die Lektüre getraut. Doch vor ein paar Wochen wollte ich es einfach versuchen und kaufte mir den Bestseller. Von vornherein kann ich euch sagen: Das Buch enthält sehr viel weniger Sexszenen als im Film und außerdem werden diese nicht sehr detailreich ausgeschmückt, im Grunde ist ein "Er drang in sie ein." das "Schlimmste", was uns dabei erwartet. Die Unmenschlichkeit und Brutalität erfahren wir auf eine ganz andere Weise. Iny Lorentz bringt uns den Zeitgeist und das Leben der Wanderhuren zu dieser Zeit sehr gut näher und obwohl wir diese Frauen heute auch noch ablehnen, so konnte man ihre Lage damals sehr gut nachvollziehen und sie einfach nur wütend verfolgen.

Marie wird als engelsgleiches Geschöpf beschrieben, dass wohlbehütet bei seinem Vater aufwächst. Obwohl ihr eine arrangierte Ehe nicht besonders zusagt, so ist sie doch ehrfürchtig gegenüber ihres Bräutigams Ruppert. Dieser allerdings war mir schon von Anfang an unsymphatisch, da er keinerlei Interesse an Marie zeigt, sondern nur an dem Vermögen ihres Vaters. Denn er wird im Erbe seines eigenen Vaters, Graf von Keilburg, nicht bedacht - er ist nur ein Bastard und liegt deshalb weit hinter seinem Halbbruder Konrad zurück. Aus solchen Gründen eine Heirat einzugehen, ist sehr falsch, aber damals galten nun einmal Besitz und Vermögen als das Wichtigste, was man erreichen konnte und Ruppert ist auf diesem Pfad sehr ernsthaft und konsequent. Umso furchtbarer ist es jedoch, dass er sich das Vermögen nicht einfach aneignet, sondern Marie und ihren Vater durch eine gemeine Intrige auf dem Weg zurücklässt. Marie wird der Unzucht beschuldigt und von seinen drei Handlangern im Verließ brutal geschändet. Nun kann er aufgrund des unterschriebenen Ehevertrages Anklage gegen ihren Vater erheben, da er ihre eine reine Jungfrau versprochen hat. Niemand glaubt Marie, dass sie vor dieser Nacht noch das reinste Geschöpf in Konstanz gewesen ist. Über die Einstellung der Menschen in der damaligen Zeit kann man wirklich nur den Kopf schütteln. Im Zweifel für den Angeklagten kannte man nicht und so konnte man wild jeden der Unzucht beschuldigen, hier und da Bestechungsgelder fließen lassen und schon wird ein junges Mädchen ausgepeitscht und aus der Stadt vertrieben, obwohl ihm furchtbares Unrecht widerfahren ist.

Marie wird von der Wanderhure Hiltrud gefunden, die sie gesundpflegt. Hiltrud ist ein wunderbares Beispiel für einen Menschen, dem Unrecht widerfahren ist, aber das Beste aus seiner Situation macht. Wenn man einmal eine Hure ist, so kann man sich niemals wieder einem höheren Stand anschließen und somit bleibt man immer rechtslos. Aber sie lässt sich nicht hängen und verkauft sich nicht an jeden Mann, der dahergelaufen kommt. Sie achtet immer auf Sauberkeit und lässt sich im Voraus bezahlen. Zudem sucht sie sich ihre Freier selbst aus, sodass absolut notgeile Böcke ihr fernbleiben. Das Leben ist hart, aber sie kommt zurecht.
Als Marie erkennt, welches Gewerbe Hiltrud führt, ist sie total abgeschreckt. Immerhin hat sie durch ihre Schändung ein furchtbares Trauma erlitten. Nie im Leben würde sie so etwas tun. Aber Hiltrud gibt ihr auch sehr deutlich zu verstehen, dass sie sie nicht durchfüttern kann. Marie muss selbst anfangen, zu arbeiten.
Diese Situation stelle ich mir unglaublich schwer und grausam vor. Man wird verleumdet, geschändet und vertrieben und muss sich dann noch überwinden, sich fremden Männern hinzugeben, um sich Abendessen kaufen zu können. Viele Mädchen, denen so etwas passiert ist, halten dieses Leben nicht lange durch und sterben früh oder bringen sich selbst um.

Interessant finde ich den Wandel Maries. Sie macht wirklich eine große Entwicklung durch, die wir leider nicht miterleben können, denn innerhalb eines Abschnittes, in dem sich Marie dazu entschließt, die Arbeit als Hure aufzunehmen, vergehen plötzlich drei Jahre. Danach ist Marie nicht mehr wiederzuerkennen. Sie hat sich damit abgefunden, eine rechtslose Hure zu sein und dennoch hat sie viel von Hiltrud gelernt: Sie sucht sich ihre Freier aus und achtet darauf, dass ihr keine Gewalt angetan wird. Jedoch ist in einer solchen Lage zu differenzieren, was man unter Gewalt versteht. Ich finde, dass einer Hure, die sich jedem Mann hingeben muss, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, immer Gewalt angetan wird.
Marie ist selbstbewusst, frech und aufmüpfig geworden. Und doch hat sie nach diesen drei Jahren ihr Ziel nicht aus den Augen verloren - im Gegenteil, es treibt sie jeden Tag an, damit sie mit ihrem Gewerbe nicht wahnsinnig wird. So seltsam das auch klingen mag, sie wirkt wie eine professionelle und angesehene Hure - soweit man das überhaupt sagen. Damals zu dieser Zeit gab es sehr viele Huren - manche von ihnen nehmen jeden Mann an, auch wenn dieser sie kaum bezahlen kann. Sie sind verzweifelt. In Städten sind sie nicht gerne gesehen und zudem müssen sich viel zu hohe Steuern zahlen. Sie müssen ein Vielfaches des Preises für Lebensmittel bezahlen und da wundert sich noch einer, warum Huren nicht aus ihrem Stand herauskommen? Sie denken immer nur von einem Winter zum nächsten und ob sie genügend Geld und Vorräte haben, um diesen zu überstehen.

In einem Herbst eröffnet sich Marie eine Chance, ihre Rache zu üben und dies soll ein entscheidender Moment in ihrem Leben werden: Mechthild von Arnstein ist schwanger und sucht für diese Zeit eine hübsche Hure, die ihren Mann im Bett versorgen kann. Ihre Wahl fällt auf Marie, da sie durch ihr engelsgleiches Aussehen mit Abstand die hübscheste Hure weit und breit ist. Gemeinsam mit Hiltrud verbringt sie den Winter auf Burg Arnstein und lebt so gut wie lange nicht mehr. Sie bekommen Essen, Kleidung, ein warmes Bett und Marie muss dafür nur einem einzigen Mann das Bett warmhalten. Allerdings macht die Gesellschaft von hohen Herren auch klar, wie niedrig die beiden eigentlich stehen. Man wirft Huren immer vor, dass sie mit einer schnellen Nummer einige Pfennige abgreifen wollen.
Die schlechte Behandlung, die Marie immer wieder auf ihren Reisen erfährt, hat mich wirklich wütend gemacht. Zum Einen werden Huren nur als Ware angesehen, zum Anderen sind sie rechtslos und müssen unterwegs aufpassen, dass sie keiner Söldnergruppe über den Weg laufen, denn das kann sehr böse enden (das erleben wir auch einmal im Buch). Bestimmt gibt es die ein oder andere Frau, die sich freiwillig auf dieses Leben eingelassen hat, aber die meisten sind dort hineingerutscht - wie Marie durch Intrigen und Vorwürfe oder wie Hiltrud, die von ihrem armen Vater an einen Hurenwirt verkauft wurde. Ist es denn so viel wichtiger, für eine kurze Zeit etwas Geld zu haben, als seine eigene Tochter für immer in den Stand einer Hure abzuschieben? Niemand, absolut niemand kann mir erzählen, dass das ein Leben ist, was man ersehnt oder mit dem man klarkommt. Selbst die kontrollierte Hiltrud verliert manchmal die Fassung.

Durch einige Zufälle, aber auch durch das Zutun Mechthilds von Arnstein, gerät Marie in die hohen Kreise und erhofft sich dadurch einen Vorstoß bei ihrer Rache gegenüber Ruppert. Er muss einfach seine Strafe für all seine Vergehen bekommen, denn die Intrige an Marie und ihrem Vater ist nur ein kleiner Punkt in seiner Strafakte. Wegen seiner Sucht nach Besitz und Macht stürzt er fast das gesamte Süd-West-Deutschland in eine Fehde, obwohl er nur Papiere gefälscht hat und die wichtigsten Leute hintergeht.
Insgesamt glaube ich, dass Iny Lorentz das Leben von Huren in der damaligen Zeit sehr authentisch widergegeben haben. Das Einzelschicksal von Marie ist natürlich ausschlaggebend für die Geschichte, allerdings bleibt das Geschehen nicht allein daran haften. Wir erfahren auch viel über die historischen Umstände damals und die Schicksale anderer Charaktere. Sehr wichtig ist jedoch, dass wir erfahren, wie damals mit Huren umgegangen wurde. Immerhin waren sie ein wichtiger Teil der Gesellschaft, auch wenn sie nicht als das angesehen wurden. Wer sollte all die Männer denn sonst befriedigen?! Und doch werden sie so schlecht behandelt. Die hohen Preise und Steuern, die nur Huren bezahlen mussten, gaben ihnen überhaupt keine Chance, sich genügend anzusparen, um vielleicht aus diesem Leben auszutreten. Allerdings sieht man auch an einigen Beispielen, dass dies von anderen wieder verhindert wird. Wer einmal eine Hure war, der kam nie wieder davon los.

Die Wanderhure ist ein Roman, der sehr offen und authentisch zeigt, wie es den Huren damals ergangen ist und welch schlechtes Leben sie hatten. Das Einzelschicksal von Marie setzt noch einmal einen obendrauf und die Gier ihres ehemaligen Bräutigams Ruppert wird mit vielen historischen Ereignissen in Verbindung gebracht, was erschreckend ist. Die Gier eines einzelnen Mannes konnte damals das Leben vieler Menschen zerstören.

5 Marshmallows

Sonntag, 20. Juli 2014

Beltz & Gelberg sucht den Buchblogger des Jahres 2014!

"Beltz & Gelberg startet in Zusammenarbeit mit Blogg dein Buch ein ganz besonderes Gewinnspiel! Alle Teilnehmer haben die Möglichkeit, Karen Foxlees "Das nachtblaue Kleid" exklusiv vor Erscheinen in den Händen zu halten. Und damit nicht genug: Am Ende wird Beltz & Gelberg seinen offiziellen Buchblogger des Jahres 2014 küren, auf den dann tolle Preise warten!"

via
"Und darum geht's: Rose Lovell braucht keine Freunde. Rose hat niemals irgendwo dazugehört. Doch als sie mit ihrem Vater, der vor dem Leben flieht, in diesem Kaff an der Pazifikküste Australiens strandet, trifft sie auf die unvergleichliche Pearl Kelly, die alles überstrahlt. Von ihr lässt sich Rose überreden, auf dem Ball der Zuckerrohrernte mitzumachen, dem alle Mädchen entgegenfiebern. Und so lernt Rose die alte Edi Baker kennen, gemeinsam nähen sie das nachtblau schimmernde Traumkleid, mit dem Rose die Schönste sein wird. Stich für Stich hört Rose von Edis Geheimnissen und dem verborgenen Baumhaus, das einst ein Liebesnest war. Erst am Schluss dieses Romans erfährt man von dem Unglück, das passiert ist und alles verändert..."

Die Geschichte klingt total magisch oder? Allein wegen des Schauplatzes in Australien flüstert mir das Buch schon zu: Lies mich, lies mich! Das Cover ist irre schön und ich würde mich wahnsinnig darüber freuen, eine der Ersten zu sein, die das Buch lesen dürfen.

Wenn ihr ebenfalls an der Aktion teilnehmen wollt, dann könnt ihr das noch HEUTE unter >>diesem LINK tun.
Ansonsten bestellt das Buch doch einfach vor! Es erscheint am 25.08.2014 >>KLICK

Donnerstag, 17. Juli 2014

[Rezension] The One - The Selection #3 (Kiera Cass)

Titel: The One
Autorin: Kiera Cass
Band 3 der Selection-Trilogie
Verlag: Harper Teen
Seiten: 323
Genre: Fantasy/Romance
Preis: 7,38 €

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ACHTUNG! Dies ist Band 3 der Selection Trilogie und meine Rezension enthält Spoiler zu Band 1 und 2!

Lest hier meine Rezension zu The Selection!

Lest hier meine Rezension zu The Elite!

Lest hier und hier meine Reviews zu den Kurzgeschichten The Prince und The Guard.

Klappentext:
America never dreamed she would find herself anywhere close to the crown, or to Prince Maxon's heart. But a the end of the competition approaches, and the threats outside the palace walls grow more vicious, America realizes just how much she stands to lose - and how hard she'll have to fight for the future she wants.
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This time we were in the Great Room enduring another etiquette lesson when bricks came flying through the window.

Wir befinden uns auf der Zielgeraden - endlich werden wir erfahren, wen Prinz Maxon zu seiner zukünftigen Frau und Prinzessin von Illéa erwählt! America muss sich um ihre Gefühle zu Maxen und Aspen klar werden, um einen Ausweg aus diesem Spiel zu finden. Allerdings kommen erheblich Komplikationen von außerhalb und innerhalb der Palastmauern dazu und mann kann sich überhaupt nicht sicher darüber sein, wer am Ende das Herz des Prinzen endgültig erobert.

Das Cover ist wunderschön! Die gesamte Buchreihe ist wunderbar gestaltet und man kann sich gar nicht sattsehen! Nun bekommen wir endlich ein Hochzeitskleid präsentiert - die Frage ist nur, ob es America am Ende auch tragen wird. Jedenfalls sieht sie auf dem finalen Cover sehr viel selbstbewusster aus als zuvor.
Der Titel passt natürlich auch hervorragend. Im Laufe der Geschichte gibt es eine immer kleiner werdende Gruppe: Die Selection, die Elite und schließlich die Eine, die das Herz der Prinzen erobert.

Nach einem für America fast schon aussichtslosem Ende von The Elite wird es für sie und ihre Konkurrentinnen immer schwerer, sich im Königshaus zu beweisen und das Herz des Prinzen schließlich für sich allein zu gewinnen. Die Gefühle werden nun immer stärker und für Maxen wird es mit voranschreitender Zeit immer schwerer, sich für ein Mädchen zu entscheiden - schließlich soll es ja die Richtige sein. Derweil gibt es immer wieder Angriffe auf den Palast und auch auf die Familien und Stände der Mädchen. Die weniger brutalen Nordrebellen wollen sogar heimlich einen Pakt mit Maxon schließen, da sie an seine Fähigkeit glauben, das Land gut und friedlich zu regieren.
Währenddessen muss sich America endlich um ihre Gefühle klar werden: Will sie Aspen und ein Leben in Angst oder lässt sie ihre große Liebe zurück, um die Prinzessin von Illéa und die Frau in Maxons Herz zu werden?

Im finalen Band der Trilogie wird der Fokus weniger auf die Selection und die Mädchen an sich gelegt, sondern mehr auf das Außenherum und die Umstände des Lebens in Illéa. Das Buch beginnt bereits mit einem weiteren Rebellenangriff. Allerdings lernen wir hier besonders, dass man zwischen den Nord- und den Südrebellen unterscheiden muss. Die Nordrebellen sind "friedlicher" - sie wollen Zeichen im Palast setzen, aber niemandem schaden. Die brutalen Südrebellen dagegen sind auf Gewalt aus und schrecken auch nicht davor zurück, die Stände der noch übriggebliebenen Mädchen anzugreifen. Endlich erfährt man etwas mehr darüber, was sich während der Selection draußen abspielt. Die Bürger leben noch mehr in Angst als vorher und sehen - ebenso wie die Nordrebellen - jede Hoffnung in Maxon, der so ganz anders ist als sein Vater und das Land auch ganz anders führen würde.

Es sind nur noch vier Mädchen im Rennen: Kris, Celeste, Elise und America. Sie alle haben einen Teil von Maxons Herz für sich gewonnen, aber nun wird es langsam mal Zeit, dass sich Maxon darüber klar wird, wer von ihnen sein ganzes Herz erobern kann. Da wir die Geschichte aus Americas Sicht erleben, können wir überhaupt nicht beurteilen, was zwischen Maxon und den anderen Mädchen abläuft. Sie reden auch meist nicht darüber. Jedoch hat man zuweilen das Gefühl, dass Maxon America bevorzugen würde, aber mit Sicherheit können wir das nicht sagen.
America wird ebenfalls klar, dass es nun um alles geht und sie nicht mehr nur Auge und Ohr für Maxon sein kann. Sie muss sich selbst präsentieren und die Option eröffnen, als Gewinnerin aus diesem Wettbewerb hervorzugehen. Maxon allerdings belächelt ihre unschicklichen Versuche, ihm auf körperlicher Ebene näherzukommen. Ehrlich gesagt, stellt sie sich aber auch extrem unschicklich an ;)

Nach ihrem kontroversen Auftritt während des Report muss sich America immer wieder dem König stellen. Er hat sehr früh klar gemacht, dass er nichts von ihr hält und auch nicht glaubt, dass jemand aus ihrem Stand jemals die Manieren einer Prinzessin lernen kann. Auch in ihrer Anwesenheit rät er Maxon immer wieder, sie endlich nach Hause zu schicken. Nun jedoch kann sich America nicht einmal mehr an die verständnisvolle Königin wenden. Sie weiß, was in America vorgeht, kann ihr aber auf dieser Ebene nicht weiterhelfen, außer ihr einen Rat geben: Wenn sie dieses Land an Maxons Seite und als Königin regieren will, so muss sie sich penibel genau an die Gesetze von Illéa halten und darf sich nicht von ihren Gefühlen lenken lassen. America versucht es, kann sich aber einfach nicht dazu durchringen. Sie ist kein gesetzeswidriger Mensch, aber dennoch kann sie keine unschuldigen Bürger für etwas bestrafen, das sie nie getan haben. Das zeigt sie auch wieder einmal auf einem öffentlichen Event und damit hat sie die Zuneigung der Königin endgültig verspielt.
Ehrlich gesagt jedoch kann ich America mehr als nur verstehen und ihre Handlungen nachvollziehen. Wenn sogar die Königin tief im Inneren weiß, dass das, was die Gesetze vorgeben, falsch ist, dann müsste man doch die Gesetze ändern, anstatt viele Menschen zu hart zu bestrafen?! Der König jedoch sieht das nicht ein und hält an den alten Sitten und Traditionen fest.

Und genau an diesem Punkt kommen die Nordrebellen ins Spiel. Sie kommen überhaupt nicht mit der Art und Weise klar, mit der der König das Land regiert. Deshalb treffen sie sich heimlich mit Maxon und America, deren Freiheitssinn sie erkannt haben, um ihnen ihre Wünsche und Unterstützung mitzuteilen. Sie wollen unbedingt, dass Maxon America als seine Frau wählt und das Land so friedlich und rechtlich regiert, das alle wieder in Ruhe leben können. Natürlich wissen wir, dass Maxon auf keinen Fall so regieren wird wie sein Vater, aber alles braucht seine Zeit - denn noch ist er nicht König.
Immer wieder überstürzen sie ihre Pläne, was sie in brenzlige Situationen führt. Allerdings bringen gerade diese Abenteuer Maxon und America einander näher.

Gegen Ende des Buches wirkten die Ereignisse etwas zusammengewürfelt und sehr genau platziert, sodass ich zuweilen das Gefühl hatte, dieser oder jener Umstand wurde von der Autorin nur in die Geschichte eingebaut, um irgendetwas aufzuklären - es wirkte manchmal einfach etwas künstlich, tut der Geschichte aber keinen größeren Abbruch.
Und wir haben immer noch das Problem, dass America sich nicht vollständig zwischen Aspen und Maxon entscheiden will oder kann. Dabei ist die Entscheidung ziemlich einfach - zumindest hatte ich das Gefühl. Es ist zwar nicht Americas Idee gewesen, sich für die Selection zu melden, aber seitdem hat sich vieles verändert und sie muss nun endlich einen Weg für ihre Zukunft einschlagen.
Das Ende ist wirklich hochdramatisch und ich muss sagen, dass es mich wirklich schockiert hat, was da alles passiert ist - wenn auch nicht unbedingt im negativen Sinne. Es ist ein großes Aufrütteln und der Schritt zu einem neuen Illéa.

The One ist ein gelungener Abschluss der Trilogie, der mit allen Umständen abschließt und uns nicht mit unbeantworteten Fragen, jedoch mit einem aufgeschüttelten Magen zurücklässt. Das große Abenteuer findet ein spektakuläres Ende, jedoch wirken einige Szenen sehr künstlich platziert, sodass man sie Absicht der Autorin hier und da sofort zuschaut.


4 Marshmallows

Sonntag, 13. Juli 2014

[Rezension] Charlie und die Schokoladenfabrik (Roald Dahl)

Titel: Charlie und die Schokoladenfabrik
Autor: Roald Dahl
Illustrator: Quentin Blake
Einzelband
Verlag: Rowohl
Seiten: 159
Genre: Kinderbuch
Preis: 7,99€

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Klappentext:
Charlies wunderbare Erlebnisse im Willy-Wonka-Schokoladenland beweisen es: Es gibt ein Schlaraffenland! Köstlich ist die Schokolade, die in dieser Fabrik hergestellt wird, Könige und Kinder aus aller Welt sind hier Kunden. Aber Willy Wonka ist auch ein großer Erfinder - er erfindet lauter süße Sachen, von denen Kinder sonst nur träumen: Leucht-Lutscher für die Nacht, Erdbeersaft-Wasserpistolen, Karamellen für Zahnlöcher oder Zungenleim für geschwätzige Eltern.
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 Diese beiden sehr alten Leute sind der Vater und die Mutter von Herrn Bucket.

Eine riesengroße, weltweit berühmte Schokoladenfabrik, ein alter und verrückter Chocolatier und fünf außergewöhnliche Kinder. Das sind die Grundzutaten für ein farbenreiches und leckeres Abenteuer rund um Willy Wonka und seine großartige Schokoladenfabrik, welches viele Kinder auf der ganzen Welt begeistert. Und man kann dabei noch etwas lernen, denn hinter jeder noch so verrückten Geschichte gibt es eine Lehre, die wichtig für das eigene Leben sein kann und die man sich zu Herzen nehmen sollte.

Das Cover gefällt mir sehr gut! Es ist mit cartoonartigen Figuren gestaltet, die man auch in den Illustrationen im Buch wiederfindet. Durch die bunten Farben wirkt es sehr ansprechend und freundlich - genau das richtige für (groß gewordene) Kinder!
Oftmals kann man schon am Titel erkennen, dass man ein Kinderbuch vor sich hat. Ohne große Tiefe und Geheimnisse gibt es genau das wider, was man im Buch findet: Den Jungen Charlie und eine große Schokoladenfabrik.

Charlie Bucket lebt mit seinen Eltern und Großeltern mütterlicher- und väterlicherseits in einem kleinen kaputten Haus. Sie sind sehr arm und können sich fast nichts leisten. Nur die prächtigen Geschichten von Großvater Josef über den verrückten Chocolatier Willy Wonka versüßen Charlie den Tag. Eines Tages passiert etwas Unglaubliches: Willy Wonka hat fünf goldene Eintrittskarten in seinen Schokoladentafeln auf der ganzen Welt versteckt. Diejenigen fünf Kinder, die die Eintrittskarten finden, dürfen sich seine Fabrik ansehen! Charlies größter Wunsch ist es, eines dieser Kinder zu sein und wie es der Zufall will, findet er eine goldene Eintrittskarte...

Lange wusste ich gar nicht, dass es zu Charlie und die Schokoladenfabrik eine Romanvorlage gibt. Die Verfilmung mit Johnny Depp ist einer meiner Lieblingsfilme, die mich immer wieder begeistern können. Durch Zufall entdeckte ich das Buch und musste es mir natürlich gleich bestellen! Roald Dahl gilt noch heute nach seinem Ableben als einer der beliebtesten Kinderbuchautoren. Und das kann ich nur bestätigen!
Innerhalb weniger Seiten und mit einer für Kinder sehr einfach gehaltenen Sprache, schafft er eine fantastische Geschichte, die sogar Erwachsenen ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Oftmals verbergen sich gerade hinter solch einfach gestrickten Geschichten die größten Lehren, weil man sie sehr leicht herausfiltern kann. Roald Dahl verpackt seine Botschaften in einer zauberhaften Geschichte, die für viele Menschen und besonders eben für Kinder sehr anziehend wirkt: So gut wie jeder mag Süßigkeiten und diese mit einer Unmöglichkeit zu verbinden, lässt Kinderaugen strahlen.

Quentin Blake unterstützt diese Ausgabe mit cartoonartigen Illustrationen, die uns das Geschehene näherbringen. So kann man sich alles genau vorstellen und fühlt sich fast wie in einem kleinen Film. Es werden zu Beginn alle Charaktere vorgestellt, die in der Geschichte mitwirken. Über einige muss man wirklich laut loslachen. Sie erfüllen wahre Klischees, aber dies natürlich sehr übertrieben, sodass man sich einfach auf Charlies Seite schlagen muss. Denn Charlie ist das einzig normale Kind, das die Schokoladenfabrik besichtigen darf. Die anderen möchte man im echten Leben lieber nicht kennenlernen, weil sie einfach grausig und nervig sind. Aber ohne sie gäbe es auch keine Lehre ;)

Zunächst lernen wir Charlie und seine Familie kennen. Schnell wird klar, dass sie sehr arm sind und sich nicht einmal genug zu essen leisten können.
Doch genau wie Charlie sind wir wie gebannt, wenn Großvater Josef vom berühmten Willy Wonka erzählt. Der Chocolatier schaffte es auf unerklärliche Weise, Süßigkeiten mit besonderen Eigenschaften herzustellen: Eis, das in der Sonne nicht schmilzt; Kaugummi, der nie seinen Geschmack verliert oder leckere Schokoladenvögelchen, die einem von der Zunge fliegen, wenn man nicht Acht gibt. Besonders gut gefällt mir die Geschichte über den indischen Prinzen, der sich einen ganzen Palast aus Schokolade bauen ließ. Dank des Filmes können wir uns das sehr genau vorstellen, dass alle Steine, das Fundament und die Möbel aus Schokolade gemacht sind. Mir läuft dabei immer das Wasser im Mund zusammen und am Liebsten würde ich die Wände einfach aufessen.
Allerdings gibt es auch wie in unserer echten Welt Neider und böse Menschen, die seine Rezepte stehlen, deshalb hatte Willy Wonka vor vielen Jahren seine Fabrik geschlossen. Aber nun passiert das Unglaubliche: Er gibt bekannt, dass er fünf Kinder in seine Fabrik einlädt - diejenigen, die eine goldene Eintrittskarte in einer der Wonka-Schokoladentafeln finden. Eigentlich ist das gar keine schlechte Geschäftsidee - plötzlich will jeder auf der Welt so viele Wonka-Schokoladentafeln wie möglich kaufen, um eine goldene Eintrittskarte zu erhaschen. Der Umsatz ist wirklich sehr groß :D Aber da wir hier ja von einem Kinderbuch sprechen, passiert es nur aus reiner Herzensgüte ;)

Die anderen vier Kinder, die neben Charlie die Schokoladenfabrik besuchen dürfen, sind wirklich schreckliche Menschen, die nur an sich selbst interessiert sind. Sogar ihre Eltern können sie nicht in Zaum halten. Das sorgt aber natürlich für eine abwechslungsreiche Geschichte. Obwohl Handlung und Umgebung recht einfach erklärt und beschrieben sind, so kann man sich die Fabrik und all ihre Wunderlichkeiten sehr genau vorstellen. Die Fabrik scheint ein magischer Ort zu sein, an dem auch magische Wesen arbeiten: Die Umpa-Lumpas. Sie singen schrecklich gerne und so erhalten wir jedes Mal, wenn sich eines der Kinder durch seine Eigenarten aus der Gruppe schießt, ein sich reimendes und unglaublich witziges Liedchen. Die Umpa-Lumpas durchschauen die Kinder nämlich und singen somit immer die reine Wahrheit.
Engstirnig betrachtet könnte man sagen, dass Willy Wonka ein verrückter alter Mann ist, in dessen Kopf noch ein Kind wohnt. Jedoch ist er die perfekte Figur für eine solche Schokoladenfabrik, in der es nicht mit normalen Dingen zugeht - man braucht eine Menge Fantasie, aber die Geschichte zeigt auch, dass man nur glauben muss, um die fantastischsten Dinge zu erschaffen.

Charlie und die Schokoladenfabrik ist eine wunderbare Geschichte, die zum Träumen und Glauben anregt. Wenn man an eine Sache glaubt und hart dafür arbeitet, kann man alles schaffen! Außerdem zeigt uns gerade die Situation von Charlie und seiner Familie, dass man nicht immer materiellen Besitz braucht, um glücklich zu sein - dazu reicht schon eine liebevolle Familie und ein bisschen Fantasie und Interesse an zauberhaften Geschichten. Willy Wonka mag verrückt wirken, aber doch gibt er die wichtige Botschaft weiter, dass man auch manchmal wieder zum Kind werden kann und man als Erwachsener nicht immer alles so kleinlich sehen sollte. Auch uns tut es manchmal gut, die Welt ab und zu mit Kinderaugen zu sehen.
Die anderen vier Kinder sind natürlich sehr krasse Beispiele, aber ihre Art ist einfach umöglich. In diesem Fall wäre wohl ein Erziehungsberater angebracht. Man mag lachen, aber solche Kinder gibt es bestimmt irgendwo. Materieller Besitz ist eben doch nicht alles - er kann Kinder schrecklich verziehen. Dieser Umstand kommt bei der Geschichte ganz deutlich heraus, dass Charlie, der im Grunde nichts Materielles besitzt, der normalste unter den Kindern ist.

Mit seinem fantastischen Kinderbuch über den Chocolatier Willy Wonka entführt uns Roald Dahl mit den verschiedensten Charakteren in eine außergewöhnliche Schokoladenfabrik, die unsere Sinne berauscht. Es geht um Fantasie, Kreativität und Glaube. Nicht immer machen uns materielle Dinge glücklich und umgänglich - manchmal muss man auch hinter die Fassade blicken, um Glück zu finden.

5 Marshmallows

Freitag, 11. Juli 2014

Neuzugang #49 Ein paar Schätze

In letzter Zeit stöbere ich sehr viel auf Amazon und besonders meine Kindle-Wunschliste explodiert förmlich! Dazu kommen noch ein Gewinn und ein Buchtausch! :D Hach, Bücher sind was Tolles<333

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Vor etwa zwei Wochen lief die Verfilmung dieses historischen Romans im Fernsehen und sie hat mir wirklich sehr gut gefallen! Die Rezensionen zum Buch sind fast durchweg positiv und ich möchte mir die tolle Geschichte auch gerne schriftlich zu Gemüte führen.

Titel: Die Schwester der Königin
Autorin: Philippa Gregory
Band 1 der Boleyn-Reihe
Seiten: 690
Genre: Historischer Roman
Preis: 9,95€

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Klappentext:
Mary Boleyn, die vierzehnjährige Geliebte von Henry XIII., genießt ihre Rolle als inoffizielle Herrscherin. Bis sie erkennen muss, dass sie nur ein Spielball in den Machtplänen ihrer Familie ist. Korruption, Ehebruch, Mord - nichts kann den Aufstieg der neuen Favoritin aufhalten: ihrer Schwester Anne. Denn das Allerwichtigste für den König ist ein Thronfolger.



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Zu diesem Buch muss ich wohl nicht viel sagen - es gibt sehr viel Positives über diese Liebesgeschichte, sodass ich einfach nicht widerstehen konnte.

Titel: Weil ich Layken liebe
Autorin: Colleen Hoover
Band 1 der Reihe
Verlag: dtv
Seiten: 351
Genre: Jugendbuch/Romanze
Preis: 9,95€

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Klappentext:
Nach dem Tod ihres Vaters zieht die 18-jährige Layken mit ihrer Mutter und ihrem Bruder von Texas nach Michigan. Nie hätte Layken gedacht, dass sie sich dort bereits am ersten Tag Hals über Kopf verliebt. Und dass diese Liebe mit derselben Intensität erwidert wird. Es sind die ganz großen Gefühle zwischen Layken und Will. Das ganz große Glück - drei Tage lang. Denn dann stellt das Leben sich ihrer Liebe mit aller Macht in den Weg...

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Dieses Buch habe ich beim Gewinnspiel vom 4. Bloggeburtstag auf Katharinas Blog gewonnen! Die Geschichte klingt total schön und ich bin sehr gespannt! :)

Titel: Unser letzter Sommer
Autorin: Ann Brashares
Einzelband
Verlag: cbj
Seiten: 317
Genre: Jugendbuch/Drama
Preis: 7,99€

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Klappentext:
Seit sie denken können, verbringen die Schwestern Alice und Riley den Sommer auf Fire Island - mit Baden, Träumen und Faulenzen. Doch dieser Sommer ist anders, denn Paul, ihr Ferienfreund aus Kindertagen, kehrt nach Jahren zum ersten Mal wieder auf die Insel zurück. Als Alice und Paul sich ineinander verlieben und Riley schwer erkrankt, verändert sich ihre Welt für immer - auf tragische und zugleich wundervolle Weise.

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Dieses Buch steht schon eine Weile auf meiner Wunschliste. Letzte Woche entdeckte ich es günstig auf Ebay und schlug direkt zu. Es ist in einem sehr guten Zustand und ich bin gespannt auf die Geschichte.

Titel: Bevor ich sterbe
Autorin: Jenny Downham
Einzelband
Verlag: cbt
Seiten: 318
Genre: Jugendbuch/Drama
Preis: 8,95€ (Nur noch neu als Taschenbuch)

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Klappentext:
Ihr bleibt keine Zeit, aber die Liebe...

Tessa hat den langen Kampf gegen die Leukämie verloren. Doch die 16-jährige will leben. Auf die Wand ihres Zimmers schreibt sie zehn Dinge, die sie noch tun wird, bevor sie stirbt. Nummer eins ist Sex. Als Adam auftaucht, ist Sex plötzlich mehr als nur ein Punkt auf ihrer Liste. Darf man lieben, wenn man stirbt? Tessa tut es.

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Dieses Buch steht schon länger auf meiner Wunschliste - nicht zuletzt wegen der wunderbaren Aufmachung! Und wieder einmal half mir meine fast schon Dauer-Tauschfreundin Julia dabei, es zu bekommen - vielen lieben Dank! ♥

Titel: Spiel des Lebens
Autori: Veit Etzold
Band 1 der Reihe
Verlag: Egmont Ink
Seiten: 349
Genre: Jugendthriller
Preis: 14,99€

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Klappentext:
EINER NACH DEM ANDEREN...

"Willkommen im Spiel des Lebens, Emily. Du hast die Wahl, Sieg oder Tod."
Emily schaut völlig fassungslos auf den zerknüllten Zettel in ihrer Hand, und damit geht der Horror los. Ein Psychopath jagt sie durch ganz London und stellt sie vor unbegreifliche Rätsel. Falls sie dieses nicht in der vorgegebenen Zeit löst, stirbt jemand. Der Killer treibt Emily an den Rand des Wahnsinns. Wer ist dieser Irre? Und warum hat er ausgerechnet sie für sein mörderisches Spiel ausgewählt?

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KINDLE

 
   
 

Dienstag, 8. Juli 2014

Gemeinsam Lesen #68

Asaviel startete am 26.03.2013 die Aktion Gemeinsam Lesen. Auch ich habe manchmal bei meiner aktuellen Lektüre das Bedürfnis, mich jemandem mitzuteilen. An der ein oder anderen Stelle des Buches hat man ganz bestimmte Gedanken, die man aber in der späteren Rezensionen vielleicht gar nicht mehr so ausführen kann. Deshalb finde ich die Aktion total klasse und steige nun bei Nummer 44 ein ;)

Jeden Dienstag postet Asaviel vier Fragen zu der aktuellen Lektüre (die ersten drei sind immer gleich). Man kann dann so viele der Fragen beantworten, wie man möchte und ein paar Gedanken loswerden.

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1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?
Momentan lese ich Die Wanderhure von Iny Lorentz - Seite 230.
2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite? 
Jodokus lächelte bei diesem Gedanken so zufrieden, dass Guda, die ihm begegnete, ihn erstaunt musterte.
3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!)?
Generell möchte ich gerne allen potenziellen Lesern dieses Buches da draußen sagen: Habt keine Angst davor! Es ist nicht so brutal oder sexlastig, wie man es vielleicht erwarten würde! Zwar ist der Film anders und ich bin auch im Buch noch nicht so weit, aber ich bin derzeit der Meinung, dass der Film mehr Sexszenen enthält als das Buch. Ich bin gespannt, wie es weitergeht!
4. Welchen Charakter magst du in deinem Buch aktuell am wenigsten? Warum? Beschreibe ihn mit fünf aussagekräftigen Wörtern.
Gerade aufgrund der letzten Seiten, die ich gelesen habe, mag ich den Mönch Jodokus überhaupt nicht. Wir haben ihn eigentlich noch gar nicht richtig kennengelernt und schon ist er mir unsymphatisch! Er glaubt, dass er Marie besitzen könne und will sie sogar mit Gewalt an sich reißen, was sich für einen Mönch überhaupt nicht gehört - und im Übrigen auch nicht für andere Männer.
Er ist gierig, besitzergreifend, abstoßend, verräterisch und schmutzig.

Sonntag, 6. Juli 2014

[Rezension] Verloren in der grünen Hölle (Ute Jäckle)

Titel: Verloren in der grünen Hölle
Autorin: Ute Jäckle
Einzelband
Verlag: Bookshouse
Seiten: ca. 509
Genre: Jugendthriller
Preis: 5,99€

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Klappentext:
Das Leben der siebzehnjährigen Kolumbianerin Elena verläuft glücklich und sorgenfrei. Bis sie eines Tages gemeinsam mit zwei Freundinnen auf dem Weg zu einem Einkaufsbummel entführt und in das Camp einer professionellen Kidnapperbande mitten im Regenwald verschleppt wird. Eine Zeit voller Todesangst und Schrecken bricht für die Mädchen an, denn der cholerische Bandenführer Carlos kennt keine Gnade.
Elena will sich mit ihrem Schicksal nicht abfinden, sie rebelliert mit dem Mut der Verzweiflung gegen die Männer und fordert damit den Zorn von Carlos heraus. In letzter Minute beschützt der attraktive Entführer Rico sie vor dem gefährlichen Anführer und stürzt Elena in einen Gewissenskonflikt. Ehe Elena bewusst wird, auf was sie sich einlässt, zieht es sie in einen reißenden Strudel aus Leidenschaft und tödlicher Gefahr.
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 Elena sah aus dem Fenster hoch zur Sonne, die bereits kraftvoll vom wolkenlosen kolumbianischen Himmel schien.

In ihrem Debütroman Verloren in der grünen Hölle entführt uns Ute Jäckle im wahrsten Sinne des Wortes in eine facettenreiche Geschichte, über deren Thematik ich so noch nichts gelesen habe. Spannung, Liebe aber auch Angst lassen uns durch die Seiten fliegen, niemals wird es langweilig oder ausgedehnt. Bis zum letzten Wort ist bleibt Spannung erhalten.

Das Cover gefällt mir gut - es passt zur Geschichte. Allerdings muss ich sagen, dass der helle Streifen des Verlages sehr störend ist und das Cover irgendwie voll aussehen lässt. Das ist mir auch schon bei anderen Büchern des Verlages aufgefallen.
Der Titel erregt sofort die Aufmerksamkeit. Man weiß, dass man keine zarte Geschichte erwarten kann. Hier und da ist die Angst und Brutalität so groß, dass der Titel wie die Faust aufs Auge passt. Aber für die Gesamtheit des Buches ist er doch ein wenig zu hart gewählt.

Elena und ihre beiden besten Freundinnen Adriana und Luisa leben als reiche Töchter in Kolumbien. Sie lieben es, shoppen zu gehen und sich vom privaten Chauffeur mit der Limousine durch die Gegend fahren zu lassen. Bei einem dieser Trips jedoch werden sie plötzlich entführt und von da an beginnt ein wochenlanges Martyrium. Sie werden von einer brutalen Bande durch den Dschungel zu einem einsamen Camp gehetzt. Die Angst ist unermesslich groß, besonders vor Carlos, dem brutalen Anführer der Bande, der mit seinen Wutanfällen vor nichts zurückschreckt. Nur sein Cousin Rico hindert ihn daran, regelmäßig auf die Geiseln loszugehen. Elena fällt auf, dass Rico anders ist, als die Entführer und Wächter im Camp und seltsamerweise fühlt sie sich zu ihm hingezogen...

Eigentlich bin ich eher zufällig auf dieses Buch gestoßen. Vor einigen Tagen stöberte ich auf Amazon und entdeckte das grüne Buch mit den heftigen Titel. Die Rezensionen waren durchweg sehr gut und spontan lud ich es mir auf meinen Kindle. Die Geschichte ist wirklich unglaublich gut erzählt! So etwas habe ich bisher noch in keinem der zahlreichen Bücher gelesen. Grundsätzlich ist die Situation einfach erklärt: Reiche Mädchen werden von einer Mafiabande entführt und gegen sehr hohe Lösegeldforderungen im Dschungel festgehalten. Nur kommt eine kleine und doch sehr bedeutende Nebensächlichkeit hinzu, die der Geschichte einen völlig anderen Charakter verleiht: Elena verliebt sich in Rico, einen ihrer Entführer. Wenn man das so liest, könnte man meinen, es handle sich um das rätselhafte Stockholm-Syndrom, aber Ute Jäckle bringt uns diesen Umstand anders näher. Hätte sie nicht die Rahmenhandlung mit der Entführung geschaffen, so hätten sich Elena und Rico vielleicht unter normalen Umständen kennengelernt und dennoch ineinander verliebt. Es macht einfach klick - die beiden passen sehr gut zueinander.

Aber hätte, hätte - Fahrradkette... Natürlich haben sie sich nicht unter normalen Umständen kennengelernt und das macht ihre Zuneigung zueinander so außergewöhnlich, aber auch gefährlich. Adriana und Luisa haben furchtbare Angst und fügen sich allen Befehlen ihrer Entführer, wie man es auch erwarten würde. Elena jedoch will sich nicht mit ihrer Situation abfinden und wird immer wieder aufmüpfig - sehr zum Leidwesen der anderen, da Carlos sehr reizbar und brutal ist. Schon während des tagelangen Marsches durch den Dschungel zum Camp erweist sich Rico als anders. Er hilft den Mädchen und hält Carlos immer wieder zurück, seine Aggressionen an ihnen auszulassen. Dabei argumentiert er zwar immer damit, dass er sie nicht zum Camp tragen will oder die Lösegeldforderungen in Gefahr geraten könnten, aber wie sollte er seinen Cousin sonst in Schach halten? Auf menschlicher Ebene kann man mit Carlos überhaupt nicht reden.
Im Camp angekommen, treffen die Mädchen auf Pedro und Jose, die bereits seit mehreren Monaten dort gefangengehalten werden. Sofort schließen sie sich zusammen und versuchen, so wenig Aufmerksamkeit wie möglich auf sich zu lenken.

Die Autorin präsentiert uns im Laufe des Buches unterschiedliche Charaktere. Das finde ich wirklich sehr gut, denn so vermittelt sie uns mehrere Möglichkeiten, mit einer solchen Entführung fertig zu werden.
Adriana und Luisa beispielsweise halten sich sehr zurück, befolgen alle Befehle und sind sehr eingeschüchtert. Gleichzeitig sind sie aber auch die typischen Mädchen, sodass sie sich gleich an Pedro und Jose heranwerfen. Es gibt auch ein paar Szenen, in denen man merkt, dass sie durch eine Kurzschlussreaktion handeln, aber das kommt ihnen überhaupt nicht zugute.
Elena dagegen ist ein anderer Typ. Wenn ich genauer darüber nachdenke, so hat sie sogar zwei Seiten, die immer abwechselnd zum Vorschein kommen, was man während des Lesens nur ab und zu bemerkt. Zum Einen kann sie nicht ihren Mund halten und wird sogar gegenüber des gefürchteten Carlos manchmal frech. Zum Anderen ist sie ebenfalls ein typisches Opfer. Oftmals weint sie aus Angst und Verzweiflung. Das kann ich natürlich durchaus nachvollziehen, aber es passiert meist unpassend in Szenen, in denen sie sich als tough erwiesen hat.

Carlos ist ein sehr gut ausgewählter Charakter. Durch ihn bekommt die Entführung erst ihre harte und brutale Seite. Er schreit sehr oft herum, schlägt um sich und vergreift sich an den Geiseln. Oft kann es Rico verhindern, aber auch er kann sich nicht immer gegen seinen Cousin stellen - besonders dann nicht, wenn dieser der Meinung ist, die Geisel hätte die Strafe verdient. Obwohl Carlos der böse und schlechte Anführer der Bande ist, so merken wir bald, dass er doch nur eine Marionette im großen Mafiadschungel ist. Er erledigt die kleinen Arbeiten, während die großen Auftraggeber ihre Gelder waschen und Drogen schmuggeln. Vielleicht ist er auch gerade deswegen so wütend und möchte sich gegenüber den Geiseln so furchtbar schrecklich aufführen.
Rico ist ein wunderbarer Charakter, den ich in einem normalen Jugendbuch extrem geschätzt und symphatisch gefunden hätte. Natürlich ist er in dieser Geschichte sehr wichtig, auch wenn ihm nicht alle Geiseln dankbar für seine Hilfe sind. Nur aus Not hat er sich vor einigen Jahren der Bande angeschlossen. Sein einziges Ziel ist es, genug Geld für ein neuen Leben zu verdienen, allerdings stellt er sich immer wieder zwischen Carlos und die Geiseln. Besonders Elena hat es ihm angetan. Gegenüber ihr und auch den anderen ist er zwar häufig noch der strenge Kidnapper, aber heimlich sorgt er für ihre Sicherheit. Elena erkennt das und kann sich ihm bald nicht mehr entziehen.

Die Beziehung zwischen Elena und Rico ist sehr authentisch dargestellt. Sie fühlt sich in seiner Gegenwart sehr wohl - er versteht und beschützt sie. Fast niemand kann dies nachvollziehen und so trifft sie immer wieder auf verschlossene Türen. Aber die Zeit mit Rico ist so schön für sie, dass sie die Entführung und ihre Situation für einige Stunden vergessen kann. Sogar ich habe fast vergessen, unter welchen Umständen sie eigentlich im Dschungel gelandet sind. Sie verbringen wunderbare Momente miteinander - man kann sich gar nicht vorstellen, wie es nach der Enführung mit den beiden weitergehen soll.
Manchmal allerdings haben sie auch hitzige Diskussionen und da lässt Rico wieder den Befehlshaber heraushängen. In diesen Momentan hatte ich sogar Angst vor ihm. Da merkt man eben mal wieder, dass er eigentlich ein Kidnapper ist. Das lässt sich nicht so leicht abstellen, auch wenn er im Grunde einen guten Charakter hat.

Spannung, Liebe und Angst ziehen sich durch die ganze Geschichte. Nicht einmal auf der letzten Seite lässt uns die Autorin zu Atem kommen. Immer wieder gibt es Überraschungen und Wendungen, bei denen mir mitten in der S-Bahn mein Mund nach unten geklappt ist ;) Und wenn man der Überzeugung ist, des Rätsels Lösung erhalten zu haben, so gibt es immer noch ein Hintertürchen, durch das die Autorin noch eine bedeutende Information nachschiebt. Sehr gut hat mir außerdem gefallen, dass die Geschichte nicht einfach mit der Entführung endet. Es gibt ein danach, was in vielen Geschichten ausgelassen wird - entweder um die Vorstellungskraft der Leser anzukurbeln oder die Geschichten eben einfach enden zu lassen. Aber hier geschieht das nicht. Im Gegenteil: Viele Fragen werden erst in dieser Phase aufgeklärt und die Folgen dieser Entführung für Betroffene und Familie werden deutlich sichtbar und zeigen auf, wie viel so etwas zerstören kann.

Verloren in der grünen Hölle ist ein facettenreicher Roman, der Spannung, Angst und Liebe in einer ungewöhnlich Situation miteinander vereint und den Leser bis zum letzten Wort gefangen hält. Gut ausgearbeitete Charaktere, eine zarte Liebegeschichte und eine exotische Umgebung machen das Debüt von Ute Jäckle zu einem Lesegenuss der besonderen Art.


5 Marshmallows

Freitag, 4. Juli 2014

Gelesenes im Juni 2014

Wie ihr bemerken werdet oder es bereits bemerkt habt, war es in den letzten Wochen sehr mau was Rezensionen angeht. Irgendwie habe ich momentan überhaupt keine Zeit und lese lieber, anstatt am PC zu schreiben. Aber ich werde es bald nachholen! Lesetechnik ist es aber ein sehr guter Monat gewesen!

Beendet:
1. Julie für immer von Stacey Jay (204 Seiten)
2. The Curse 01. Vanoras Fluch (261 Seiten)

Komplett gelesen:
1. Divergent von Veronica Roth (Rezension folgt!)
2. Insurgent - Divergent #2 von Veronica Roth (Rezension folgt!)
3. Allegiant - Divergent #3 von Veronica Roth (Rezension folgt!)
4. The One - The Selection #3 von Kiera Cass (Rezension folgt!)
5. Charlie und die Schokoladenfabrik von Roald Dahl (Rezension folgt!)
6. The World of Veronica Roth's Divergent Series (Booklet) (Review folgt!)

Begonnen:
1. Verloren in der grünen Hölle von Ute Jäckle (bisher ca. 50 Seiten)

Gelesene Seiten: 2582