Sonntag, 30. März 2014

[Rezension] Dezembergeheimnis (Caroline Richter)

Titel: Dezembergeheimnis
Autorin: Caroline Richter
Einzelband
Verlag: Schandtaten Verlag
Seiten: ca. 315
Genre: Romanze/Märchen
Preis: 2,99€

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Klappentext:
Sich ihren Traummann ausmalen, welche Erscheinung und charakterlichen Vorzüge er haben soll … All das hat Lea getan. Bis ins kleinste Detail. Dass das Gespinst ihrer Tagträume eines Morgens urplötzlich in ihrer Küche steht, hätte Lea allerdings nicht erwartet. Und dass er das auch noch nackt tut, war gleich zweimal nicht geplant. Ein dummer Zufall? Ein Wunder? Oder ein verrückter Irrer, der ihre Bude ausräumen will? Lea geht stark von Letzterem aus, nur dass Noel sich so gar nicht wie ein verrückter Irrer verhält, sondern nach allen Regeln der Kunst versucht, ihr Herz für sich zu gewinnen. Auf einmal ist nichts mehr so, wie es vorher war und Leas Welt steht Kopf. Nie hätte sie gedacht, dass Noel und die mysteriöse Geschichte seiner Herkunft bald zu ihrem schönsten Geheimnis werden könnten.
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Lieber Weihnachtsmann, ich schätze, ich bin ein hoffnungsloser Fall.

Wer träumt nicht davon, sich seinen Traummann einfach selbst daheim in der Küche backen zu können? Caroline Richter entführt uns in ein solches Abenteuer. Allerdings zeigt sie auch deutlich, dass mit dem Backen nicht alles erledigt ist. Das muss auch ihre Protagonistin Lea herausfinden, als der Kuchen plötzlich als leibhaftiger Mann in ihrer Küche steht...

Das Cover gefällt mir unglaublich gut! Die vielen Zweige und die wunderbaren Blautöne zeigen unmissverständlich, dass die Geschichte im Winter spielt. Und die beiden Vögelchen sind die Liebes-Turteltäubchen, was natürlich eindeutig für eine Liebesgeschichte spricht.
Der Titel passt sehr gut, da Lea aus ihrem Kuchen-Traummann ein Geheimnis macht und die Geschichte Ende Dezember, Anfang Januar spielt.

Lea ist Single und eigentlich ganz zufrieden mit ihrem Leben, aber ab und zu wünscht sie sich dennoch einen Freund. Jedoch ist sie sehr erstaunt, als der Kuchen für den Nachmittagstee mit ihrer Freundin plötzlich als leibhaftiger Mann in ihrer Küche steht und Lea zur glücklichsten Frau zur Welt machen will. Dieser Umstand ist natürlich mit einigen Schwierigkeiten verbunden, denen sich Lea stellen muss...

Die Idee zur Geschichte finde ich einfach fabelhaft! Schon oft habe ich das "Traummann-Backset" in Geschäften stehen sehen, aber dass er dann wirklich in der Küche stehen würde, hätte ich mir nicht träumen lassen. Lea ist ebenso erstaunt oder besser gesagt schockiert. Zunächst hält sie diesen nackten Mann für einen Einbrecher, der sie von vorne bis hinten veräppeln will. Allerdings ist seine Art so seltsam und zeitgleich so authentisch, dass er einfach ein Kuchenmann sein muss.
Das erste Kapitel ist einfach zu witzig. Lea macht sich noch darüber lustig, dass ihre Eltern ihr aus dem Urlaub ein Traummann-Backset zu Weihnachten schenken, das sie wieder einmal allein verbringt. Als sie dann keine anderen Zutaten für den Nachmittagstee mit ihrer besten Freundin findet, muss sie wohl oder übel auf das einfach Kuchenmann-Rezept zurückgreifen und - schwuuups, ist der Kuchen fort und ein Mann in der Küche. Die Vorstellung ist schon etwas unheimlich, aber Leas Reaktionen zu beobachten unglaublich amüsant.

Lea führt eigentlich ein Leben, mit dem ich mich selbst sehr gut identifizieren kann. Sie lebt allein in ihrer Wohnung und arbeitet in der örtlichen Stadtbücherei. Nebenbei hat sie früher auch noch Geschichten geschrieben. Zu dieser Zeit arbeitete sie noch als Lektorin bei einem Verlag. Als sie jedoch ihrer Chefin ihre eigenen Geschichten zeigte und nur höhnische Kritik erntete, kündigte sie. Das macht mich schon sehr traurig. Denn ihre Chefin gab ihr keine konstruktive Kritik, sondern sagte einfach nur, dass sie doch lieber beim Lesen der Manuskripte bleiben solle. Ob es nun von Leas Seite aus eine Überreaktion war, kann ich nicht genau beurteilen, aber ihre Kränkung kann ich durchaus nachempfinden. Es gibt nichts schlimmeres, als höhnische Bemerkungen über die eigene Leidenschaft zu bekommen, die man künstlerisch ausgelebt hat.
Umso mehr freut es mich im Laufe der Geschichte, dass sich Lea trotz anfänglicher Schwierigkeiten auf ihren Kuchenmann, der übrigens Noel heißt (Haha, sehr kreativ^^), einlässt und sich tatsächlich ein wenig in ihn verliebt.

Noel ist ein ganz besonders gestalteter Charakter. Zunächst finde ich es interessant, dass die Autorin ihn nicht zu einem Mensch-gewordenen Mann gemacht hat, sondern er im Innern immer noch ein Kuchen ist. So muss er sich beispielsweise von Flüssigkeiten fernhalten und kann nur rohen Kuchenteig essen. Diese Eigenschaften sind auch für uns Leser gewöhnungsbedürftig, aber mit der Zeit wird dies ganz normal.
Immer wieder spricht er davon, dass er für Lea ihr Traummann sein oder werden möchte. Lea weist ihn anfangs immer wieder zurück, aber er gibt nicht auf.
Er bemüht sich sehr auf Leas Wunsch hin, eine Persönlichkeit zu entwickeln. Denn er kann ja nicht einfach nur ein Traumman für Lea sein. Sie muss ihn kennenlernen, aber er selbst weiß kaum etwas. Somit lernt er Tag für Tag immer mehr.
Durch seine unwissende und fast schon naive Art wird man an eine wirklich zarte Beziehung erinnert. So sind die beiden nicht nur in Alltäglichkeiten verbunden, sondern er hinterfragt auch Dinge, die für uns ganz normal erscheinen. Er gibt Lea zu bedenken, wie ihr wahres Wesen ist und warum sie so gehandelt hat, wie sie es getan hat.

Noel ist einfach total süß. Manchmal gerät er aber auch in brenzlige Situationen, weil er einfach das Wissen nicht hat. Umso schöner ist es, wenn er Lea ganz einfache Dinge fragt, wie beispielsweise ihre Lieblingsfarbe. Er bringt sie mit seiner Art dazu, über ihr bisheriges Leben und ihre Taten nachzudenken. Dies soll keine Zurechtweisung sein, aber sie hinterfragt nun öfters ihre Taten. Noel kann zum Beispiel gar nicht verstehen, warum Lea das Schreiben wegen einem einzigen blöden Kommentar ihrer damaligen Chefin aufgegeben hat, denn es ist doch ihre Leidenschaft.
Das Problem damit schien einfach zu sein, dass sie insgeheim mit ihrem Leben nicht mehr so zufrieden war. Es war akzeptabel, aber eben nicht wunderbar, wie es sein sollte. Nachdem Noel in ihr Leben tritt, verändert es sich und sie beginnt sogar wieder, zu schreiben und ihren Traum, Autorin zu werden, zu verfolgen. Allerdings steht ihr dabei irgendwie auch ihre Liebe zu Noel im Weg.

Die Geschichte ist süß erzählt und greift ein wichtiges Thema auf: Selbstfindung. Im Nachhinein kann ich gar nicht genau sagen, ob für mich persönlich die Liebe so im Vordergrund gestanden hat. Denn eine Botschaft ist für mich ganz klar herausgekommen: Man muss sich in seinem Leben öfters mal etwas trauen, wenn man seinen Traum erfüllen will und man darf gegenüber anderen nicht immer zurückstecken, denn man selbst muss dann damit leben und nicht die anderen.
Allgemein hat mir das "süß" der Geschichte allerdings nicht ganz gereicht. Ab und zu haben sich Szenen in die Länge gezogen. Die Botschaft finde ich ganz toll, aber mehr konnte ich aus der Geschichte auch nicht herausholen. Märchenhaft ist sie, keine Frage, aber für mich persönlich eben nicht genug im Gesamtpaket.

Dezembergeheimnis ist eine süß erzählte Weihnachts-Liebesgeschichte, die uns auf ein kleines Abenteuer mit einem Hauch Fantasy mitnimmt und eine sehr schöne Aussage für uns bereithält. Leider jedoch stimmte für mich das Gesamtpaket nicht und hier und da hätte man die Geschichte peppiger gestalten oder kürzen können.

3 Marshmallows

"Du bist ein Kuchen?" "Ich bin dein Wunsch." Er grinste triumphierend. (Pos. 168-169)

"Du bist etwas Besonderes für mich", sagte er zärtlich. (Pos. 760-761)

"Blau. Denn dank dir habe ich mich heute frei gefühlt." (Pos. 1241)

"[...] Liebe sollte doch nicht einengen. Sie sollte glücklich machen!" (Pos. 1572-1573)

Montag, 24. März 2014

~ 2 Jahre Lesen und Bloggen mit Herz ♥ ~

Heute feiert Herzgeschichten seinen zweiten Geburtstag! Ja, schon so lange ertragt ihr mich und meine Gedanken zu allerlei Büchern. An dieser Stelle möchte ich mich herzlichst bei euch bedanken. Obwohl ich manchmal ein kleines Bloggertief habe, so kann ich ihn mir gar nicht mehr aus meinem Leben wegdenken. Ich stöbere liebend gerne auf anderen Buchblogs und entdecke dadurch so viele Geschichten, dass ich mir gar nicht vorstellen kann, sie alle in meinem Leben lesen zu können.
Die verschiedensten Geschichten über düstere Zukunftsvisionen, zauberhafte Liebe, magische Wesen in fremden Welten und die Schwierigkeiten des Lebens berühren tagtäglich mein Herz und ich tauche liebendgerne in andere Gedanken ein.

Gerade am vergangenen Wochenende erreichte mein Blog die wunderbare Klickzahl von 60000 und aktuell verfolgen 202 Leser meine Gedanken! Ich bin wirklich glücklich, dass ihr alle an meiner Freude für Bücher teilhabt.
Und auch durch einen recht großen SuB lasse ich mich nicht abschrecken weitere Bücher zu kaufen. Denn man kann nie genug von den wunderbaren Geschichten bekommen, die da draußen herumschwirren.

Ich möchte hier auch keine großartigen Reden schwingen. Wie sehr ich Bücher liebe, wisst ihr sicher. Deshalb gibt es ein riesendickes DANKESCHÖN an alle, die meinen Blog verfolgen, mich mit Kommentaren beglücken und die ich sogar persönlich auf der Frankfurter Buchmesse kennenlernen durfte!

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Zur Feier des Tages gibt es auch eine kleine Verlosung für meine treuen Leser! Zu gewinnen gibt es insgesamt zwei Preise. Eine Kleinigkeit müsst ihr auch dafür tun - ich nehme ebenfalls lieber einfach so an Gewinnspielen teil, aber ich möchte ja euren Büchergeschmack auch teilen ;)

Die Regeln
1. Teilnehmen können alle, die schon 18 Jahre alt sind oder das Einverständnis ihrer Eltern haben, da ich eure Adresse erfragen muss. Aus Kostengründen dürfen nur diejenigen teilnehmen, die in Deutschland wohnen.
2. Teilnehmen dürfen nur Leser meines Blogs - natürlich dürft ihr auch noch neu Leser werden.
3. Beantwortet folgende Frage: Welches Buch / welche Buchreihe hat euch besonders gut gefallen und warum?
4. Schickt mir eure Antwort und und die Nummer des Preises, für den ihr in den Lostopf springen wollt, per E-Mail an sweetbitterness@hotmail.de (ihr könnt auch für beide Preise ein Los bekommen)
5. Einsendeschluss ist der 07.04.2014 um 23:59 Uhr!


Die Preise

1. Ein neues Exemplar von "Der Preis der Ewigkeit" von Aimée Carter (Band 3 der Goddess-Trilogie)


2. Eine CD mit verschiedenen Hörproben aus dem Oetinger Verlag, sowie ein Lesezeichen und Leseproben
Hörproben von u.a. Göttlich verliebt; Ewiglich die Sehnsucht; Night School; Reckless; Gebannt
Leseproben von Der Feuerstein; Angel Fall; Throne of Glass; Erwacht im Morgengrauen; Delirium


Viel Spaß und Erfolg! ♥

Dienstag, 18. März 2014

[Rezension] Es wird keine Helden geben (Anna Seidl)

Titel: Es wird keine Helden geben
Autorin: Anna Seidl
Einzelband
Verlag: Oetinger
Seiten: 252
Genre: Jugendbuch
Preis: 14,95€

HIER bestellen!

Klappentext:
Man kann die Angst riechen. Man kann nach ihr greifen. Er ist unter uns. Wir können sie hören, die Schüsse. Sie sind laut. Viel zu laut.
Ein völlig normaler Schultag. Doch kurz nach dem Pausenklingeln fällt der erste Schuss. Die fünfzehnjährige Miriam flüchtet mit ihrer besten Freundin auf das Jungenklo. Als sie sich aus ihrem Versteck herauswagt, findet sie ihren Freund Tobi schwer verletzt am Boden liegen. Doch für Tobi kommt jede Rettung zu spät, und Miriam verliert an diesem Tag nicht nur ihr bislang so unbeschwertes Leben...
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 Alles wird damit beginnen, dass ich verschlafe.

Ein völlig normaler Tag im Leben eines jeden Schülers: Man steht auf und beeilt sich, um pünktlich zum Unterricht zu kommen. Man ahnt aber nicht, dass vielleicht heute ein solcher Tag sein könnte, an dem man nicht mehr nach Hause kommen wird. Oder dass man als jemand ganz anderes zurückkommt. Ein Amoklauf verändert und das zeigt dieser Roman von Anna Seidl.

Das Cover erregt natürlich sofort die Aufmerksamkeit. Die großen Buchstaben in Schwarz und Rot schreien uns geradezu an. Allerdings wirkt es auch fast etwas erschlagend. Die Farbkombination gefällt mir sehr gut.
Der Titel regt zum Nachdenken an. Was möchte uns die Autorin damit sagen? Besonders in Verbindung mit dem Klappentext ist man sehr neugierig, in welche Richtung die Geschichte umschlägt und wie die Autorin ihre Meinung durch die Charaktere an den Leser bringt.

An Miriams Schule gibt es einen Amoklauf. Sie kennt den Täter. Ihr Freund Tobi wird erschossen und einige Schüler und Lehrer sterben. Die ganze Stadt ist schockiert, die Betroffenen wie erstarrt. Aber wie geht es weiter? Miriam versinkt in einem Loch und will sich von niemandem mehr helfen lassen. Sie zieht sich immer mehr zurück und es scheint, als ob sie und ihre Freundinnen nie wieder zurück ins Leben finden könnten...

Das Thema Amoklauf macht mich immer traurig und wütend zugleich. Durch die Medien erleben wir nur aus der Ferne, was passiert und wer der Täter ist. Aber dann ist es fast wieder vergessen. Ein Ereignis, welches sich tief in die Gedanken der Betroffenen gräbt und sie traumatisiert. Anna Seidl zeigt sehr authentisch, wie es danach weitergeht und wie unterschiedlich die Betroffenen damit umgehen. Anhand der Charaktere stellt sie die verschiedenen Reaktionen dar, die alle sehr authentisch sind. Ich persönlich kann mir überhaupt nicht vorstellen, wie ich darauf reagieren würde. Würde ich mich total zurückziehen oder eher mit Verwandten und Freunden darüber sprechen? Würde ich in Depressionen versinken und nie wieder in mein altes Leben zurückfinden?

Am Anfang der Geschichte war ich eher skeptisch, da mir Stimmung und Gefühle von Miriam eher fern erschienen. Ihre Angst und Panik kamen nicht wirklich bei mir an und obwohl ich mir sehr gut vorstellen kann, dass man in einer solchen Situation panisch davonläuft oder sogar ausrastet, so blieb die Geschichte erst einmal auf Distanz. Als der Amoklauf beendet wurde und Miriam mit ihrer Familie nach Hause ging, sprudeln die Gefühle jedoch über und ab diesem Moment war ich voll und ganz in der Geschichte.
Miriam distanziert sich komplett von ihren Freunden und ihrer Familie. Sie schließt sich in ihrem Zimmer ein, isst nicht und redet mit niemandem. Immer wieder betont sie, dass keiner nachempfinden kann, was ihr widerfahren ist: Sie sah, wie der Täter ihren Freund erschoss und sogar wie er mit erhobener Waffe auf sie zukam. Sie macht im Laufe der Geschichte mehrere Phasen durch, die alle sehr authentisch beschrieben sind. Nachdem sie sich wieder zum Duschen und Essen aus dem Zimmer traut, marschiert sie kurzerhand zum Friseur und ersetzt ihre blonde Mähne gegen einen roten Kurzhaarschnitt. Sie möchte mit dem Amoklauf abschließen und dazu gehört für sie auch eine äußerliche Veränderung.
Ihre Wut ist verständlich, aber wochenlang lässt sich überhaupt nicht mit sich reden. Sie braucht eben Zeit. Und das versteht ihre Familie nicht. Sie versuchen sofort, auf sie einzureden und ihr irgendwie zu helfen. Aber sie brauchte einfach nur etwas Zeit für sich allein, bis sie mit jemandem redet.

Aber später wird auch klar, dass sie all dies besser mit ihren Freundinnen gemeinsam bewältigt hätte. Denn jede von ihnen reagiert anders auf den Amoklauf und sie entwickeln sich sehr auseinander. Eine Freundin von Miriam spricht mit niemandem und hat sich komplett aus dem Leben zurückgezogen und versinkt in Depressionen.
Miriam vermisst auch ihren Freund Tobi unheimlich. Mehrmals täglich ruft sie auf seinem Handy an, damit die Mailbox anspringt und sie seine Stimme hören kann. Doch bald sieht sie ein, dass sie loslassen muss. Er kommt nicht mehr wieder. Das ist eine Tatsache, die nur sehr schwer zu verkraften ist, aber Miriam muss sich damit abfinden. Lieber erinnert sie sich an die schönen Momente, die sie gemeinsam hatten.
Speziell in ihrer Familie kommt allerdings noch eine weitere Komplikation hinzu, die Miriam fast in den Wahnsinn treibt: Ihre Mutter verließ sie und ihren Vater vor einigen Jahren und hat sich nur zum Geburtstag mit einer Postkarte gemeldet. Und nun steht sie plötzlich in der Tür und will die wunderbare Mutter spielen, die ihre von einem Amoklauf aus dem Leben geworfene Tochter unterstützt. Irgendwie war ich deshalb auch sehr wütend. Aber man merkt ihrer Mutter an, dass sie es wirklich versucht und nach und nach finden die beiden sogar wieder näher zueinander.

Nachdem sich Miriams Verhalten etwas gebessert hat und sie sogar mit einer Therapeutin darüber spricht, gerät sie aber in eine neue Phase. Nach ein paar Wochen muss sie wieder in den Unterricht, der nun in Containern stattfindet und dabei entsteht natürlich auch ein Austausch mit ihren Mitschülern. Dadurch macht sich auch die Frage der Schuld breit. Der Amokläufer war ein ehemaliger Klassenkamerad von ihnen, der ständig gemobbt wurde. Nun stellt sich ihnen die Frage ob sie nicht selbst Schuld daran sind, dass er auf sie geschossen hat. Ich kann schon verstehen, dass sie sich diese Fragen stellen, allerdings kann man Hänseleien und Mobbing entgegenwirken oder sich zumindest Hilfe holen und man muss nicht gleich zur Waffe greifen.
Das ist auch etwas, was ich bei realen Amokläufen einfach nicht verstehen kann. Es gibt genügend Wege, sich helfen zu lassen. Aufgrund der ganzen Ermittlungen weiß man auch, dass die Täter nicht spontan und aus einem Impuls heraus zur Waffe greifen - sie planen es. Und bis zu diesem Punkt muss sich eine Menge Wut und Hass angesammelt haben. Aber es kann nicht sein, dass sich diese Gefühle Monate oder sogar Jahre anstauen, in denen niemand etwas mitbekommt oder sich der Betroffene nicht helfen lässt. Vielleicht ist das eine Einstellungssache, aber ich würde mich durch Mobbing nicht unterkriegen lassen. Gerade dann muss man Stärke zeigen und wenn man diese nicht von Natur aus hat, kann man sie sich aneignen. Aber auf keinen Fall sollte man all dies hinunterschlucken und einfach nur über sich ergehen lassen. Die Täter tragen den größten Teil der Schuld. Das hat auch nichts mit Angst oder Schüchternheit zutun. Wenn man sich nicht wohlfühlt, muss man darüber sprechen und nicht irgendwann seine Probleme mit Gewalt lösen - denn offensichtlich kann man sie damit nicht lösen.

Es wird keine Helden geben, so betitelt Anna Seidl dieses berührenden und aufwühlenden Roman. Denn auch aus Miriams Sichtweise erfahren wir, dass man in einer solchen Situation nur an sich selbst denkt. Warum auch nicht? Warum sollte man sich im Kreuzfeuer vor einen Mitschüler werfen, wenn man dabei stirbt? Das ist eigentlich eine ziemlich egoistische Ansicht, aber ich muss ehrlich zugeben, dass ich mich auch lieber verstecken würde - auch allein - um ja nicht erwischt zu werden. Ob ich in dieser Situation jemand anderem helfen würde, kann ich bei bestem Willen nicht sagen. Jeder versucht, seine eigene Haut zu retten.
Und auch nach dem Amoklauf gibt es keine Helden. Niemand steht auf, trommelt alle zusammen und sagt, dass sie dieses Grauen schon gemeinsam bewältigen werden. Außer den Lehrern vielleicht, aber von ihnen wird so etwas einfach schon erwartet.
Wir erleben es ja, dass sich Miriam total zurückzieht und auch nicht auf ihre Freundinnen eingeht, bis ihr Zustand sich etwas bessert. Deshalb ist ihr Schock auch groß, als sie sieht, was der Amoklauf aus ihnen allen gemacht hat. Jeder würde deshalb auf die Knie sinken, aber es ist wahre Stärke, dass man nach einiger Zeit wieder aufsteht. Nicht allen gelingt das und man muss wirklich darum kämpfen. Nicht einmal von einer geliebten Familie kann man sich helfen lassen. Den ersten Schritt muss man ganz alleine gehen, erst dann ist eine helfende Hand von Nöten.

Anna Seidl wollte uns mit dem Roman gewiss nicht zeigen, dass man sich nach einem Amoklauf zurückziehen und für sich allein bleiben muss. Sie wollte uns auch bestimmt nicht zeigen, dass die Menschen total egoistisch sind.
Aber sie will klarmachen, dass in grausamen Situationen kein Mensch ein Held sein wird und dass es auch keine Helden geben muss, um sich wieder aufzurichten und wieder ins Leben zu treten.
Sie zeigt mehrere Wege, die man als Opfer gehen kann und dass es auch in Ordnung ist, wenn man sich eine Weile zurückzieht und sich die Haare abschneidet, um damit abzuschließen.

Es wird keine Helden geben ist ein berührender Roman, der uns die Nachwirkungen eines Amoklaufes und die verschiedenen Reaktionen darauf zeigt. Anna Seidl weist einen Weg zurück ins Leben, der lang, steinig, aber auch erleichternd sein kann. Denn niemand muss sich verkriechen, wenn etwas Grauenvolles passiert ist, man hat immer Hilfe und einen Sinn, wieder aus dem Schneckenhaus herauszukommen.

4 Marshmallows

Ich frage mich, ob es ihm wohl gefallen würde, wenn er wüsste, wie sehr er uns quält. Falls es nach dem Tod noch weitergeht, sitzt er vielleicht irgendwo und lacht, weil ich nicht schlafen kann. (S. 38)

Ich wurde doch nicht geboren, nur um in die Schule zu gehen und später einmal zu arbeiten. Da muss doch mehr dahinterstecken. Etwas Größeres. Ein Plan, den wir alle nicht durchschauen. (S. 75)

Am Ende machen sich diejenigen Vorwürfe, die immer versucht haben, gut und richtig zu handeln, und die, die gemein und egoistisch waren, leben bis zur letzten Sekunde glücklich. (S. 137)

Samstag, 15. März 2014

Neuzugang #45 Mehr lesen, weniger kaufen

Mehr lesen, weniger kaufen. So lautet zumindest der Plan... Momentan kaufe ich wirklich kaum Bücher, allerdings komme ich auch mit dem Lesen nicht so voran. Diese Woche war das Wetter so herrlich, dass wir in der Mittagspause draußen waren und ich habe wirklich teilweise nicht eine Seite am Tag gelesen. Und auch meine aktuelle Lektüre Numbers - Den Tod im Blick macht es mir unglaublich schwer... Deshalb bin ich jetzt auch mit Morgentau - Die Auserwählte der Jahreszeiten auf dem Kindle dazwischen gestiegen und das Buch ist total klasse :)

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Dieses Buch steht schon eine Weile auf meiner Wunschliste und ich Glückpilz konnte es mir bei der lieben Julia ertauschen - gegen Was ich dich träumen lasse (meine Rezension). Ich bin schon gespannt auf die Geschichte und recht froh, dass man nicht mehr auf die Fortsetzung warten muss :)

Titel: Julia für immer
Autorin: Stacey Jay
Band 1 der Dilogie
Verlag: Egmont INK
Seiten: 344
Genre: Romanze
Preis: 17,99€

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Klappentext:
Die tragischste Liebesgeschichte, die jemals erzählt wurde.

Romeo und Julia sind nicht im Namen der Liebe gestorben. Nein, Romeo hat Julia ermordet, um selbst Unsterblichkeit zu erlangen. Doch auch Julia ist in Wahrheit nicht tot. Seit 700 Jahren sind beide in einer Mission unterwegs: Romeo verhindert, dass Paare sich finden. Julia dagegen spärt jene Menschen auf, die für eine ewige Liebe bestimmt sind. Als sie glaubt, ihren eigenen wahren Seelenverwandten gefunden zu haben, passiert es: Zum ersten Mal trifft sie Romeo selbst, der zum Feind wurde und nun alles daransetzt, ihr Glück zu zerstören...

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Über diese Buchreihe habe ich auch schon viel Gutes gehört. Die englischen Cover gefallen mir einfach besser, deswegen landete der erste Band kurzgerhand mit im Wagen, als ich eine CD vorbestellte und sonst Versandkosten hätte bezahlen müssen ;)

Titel: Hex Hall
Autorin: Rachel Hawkins
Band 1 der Hex Hall-Trilogie
Verlag: Hyperion
Seiten: 323
Genre: Fantasy
Preis: 6,50€

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Klappentext:
On her 12th birthday, Sophie Mercer discovered that she was a witch. Three bumpy years later, after a prom-night spell gone horribly wrong, she's exiled to Hex Hall, an isolated reform school for wayward Prodigium, a.k.a. witches, faeries, and shapeshifters.
By the end of her first day, Sophie has quite a scorecard: three powerful enemies who look like supermodels, a futile crush on a gorgeous warlock, a creepy tagalong ghost, and a new roommate who happens to be the most hated person and only vampire on campus. Then when a mysterious predator begins attacking students, and Sophie's only friend is the number-one suspect, a horrifying plot begins to surface. Soon, Sophie is preparing for the biggest threat of all: an ancient secret society determined to destroy all Prodigium, especially her.

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Kindle


Donnerstag, 13. März 2014

[Rezension] Was ich dich träumen lasse (Franziska Moll)

Titel: Was ich dich träumen lasse
Autorin: Franziska Moll
Einzelband
Verlag: Loewe
Seiten: 251
Genre: Jugendbuch
Preis: 14,95€

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Klappentext:
Ich hätte nichts dagegen, immer mit dir alleine zu sein.

Wir würden uns auf die Nerven gehen.

Stell dir vor, du wärst die einzige, der ich Witze erzählen könnte. Du würdest sie alle abkriegen.
Das wäre mir egal. Wenn nur wir auf der Welt wären, wäre alles einfacher. Überschaubarer. Du reichst mir.

Elena hat ihr Glück gefunden - mit Rico. Doch ein schwerer Autounfall reißt Rico aus Elenas Leben in die Tiefen eines Komas. Tag für Tag zeigt Elena ihm nun, was das Leben für ihn bereithält und wofür es sich lohnt, zurückzukommen: für ihre Liebe.
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 Wie schön er ist.

Ein berührender Jugendroman, der uns mit einem schrecklichen Schicksalsschlag konfrontiert. Wir erfahren, wie sich die Angehörigen und Betroffenen fühlen, was sich in ihrem Leben verändert und wie sehr sich auch Menschen verändern können. Mit einem besonderen Schreibstil bringt uns die Autorin näher, wie es ist, wenn man einen geliebten Menschen Stück für Stück verliert. Leider jedoch muss ich an dieser Stelle anbringen, dass mich die Gefühle nur teilweise erreichen konnten.

Das Cover hat mich von Anfang an angesprochen und teilweise auch deshalb wanderte das Buch auf meine Wunschliste. Die hellen Farben in Verbindung mit den ruheausstrahlenden Wolken und dem Baum versetzen uns sofort in eine andere, leichtere Stimmung. Die Heißluftballons verleihen dem ganzen etwas Besonderes und in der Gesamtheit ist das Bild sehr stimmig und einfach wunderschön.
Der Titel ist ebenfalls sehr zauberhaft auf den Klappentext abgestimmt. Elenas Freund liegt im Koma und sie versucht alles, um ihn wieder ins Leben zurückzuholen - mit Erinnerungen und Erzählungen. Sie lässt ihn träumen. Eine zauberhafte Vorstellung, obwohl es eigentlich sehr traurig ist.

Elena ist überglücklich mit Rico zusammen. Umso schockierender ist es, als er durch einen Autounfall verursacht ins Koma fällt. Elenas Welt scheint zu zerbrechen und mit ihr zusammen auch ihr Umfeld: Ihre Mutter, ihre Freunde und Ricos Familie. Mit Erinnerungen versucht sie, Rico wieder zurück ins Leben zu holen und sie arbeitet seine Wunschliste ab, um ihm von den Erlebnissen zu berichten...

Der Klappentext verspricht uns eine unglaublich traurige und herzzerreißende Geschichte, auf die ich mit Taschentüchern vorbereitet gewesen bin. Jedoch muss ich zugeben, dass mich nicht annähernd so viele Gefühle erreicht haben, wie ich es erhofft habe. Und das hat mich wirklich geärgert. Auch wenn man niemandem einen solchen Schicksalsschlag wünscht, so ist es doch auch wunderbar zu beobachten, wie sich die Hinterbliebenen ins Zeug legen und den Betroffenen auf zauberhafte Weise wieder ins Leben holen wollen. Doch ehrlich gesagt konnte ich an der Geschichte nichts allzu Wunderbares entdecken.
An den Schreibstil muss man sich zunächst einmal gewöhnen. Wir erleben die Geschichte aus der Sicht von Elena. Immer wieder driftet sie in die Vergangenheit ab und berichtet von Erlebnissen mit Rico. Diese kann man von der Gegenwart noch eindeutig unterscheiden. Aber es gibt noch andere Erzählweisen, die ausschließlich mit wörtlicher Rede geschildert werden und alle in einer fast schon seltsamen Form erscheinen - mit einem Punkt am Anfang. Wer was sagt und mit wem sie sich überhaupt unterhält, erfährt man dabei nicht. Zunächst nimmt man an, dass es immer Gespräche zwischen Rico und Elena sind, aber da bin ich mir bei weiterem Fortschreiten des Buches nicht mehr so sicher...

Wir lernen Elena und Rico als wunderbares Pärchen kennen, das Hals über Kopf verliebt ist und alles miteinander teilt. Bereits von der ersten Seite an merkt man, dass Elena der Realist ist, als sie Rico in die Schule scheucht. Bereits einige Stunden später hätte sie sich wohl gewünscht, doch im Bett liegen zu bleiben, denn Rico wird von einem LKW angefahren, weil er ohne nach links und rechts zu schauen auf sie zugerannt kommt. Er fällt ins Koma und daran zerbricht Elena fast.
Ihre Reaktionen und Gedanken sind außerordentlich authentisch beschrieben und dargestellt. Sie steht offensichtlich unter Schock - das beweist der Schreibstil der Autorin in diesem Moment. Elena kann nicht klar denken und überhaupt nicht fassen, dass Rico plötzlich aus dem Leben gerissen wurde. Denn er war ihre einzige Stütze. Unglaublich in diesem Zusammenhang finde ich auch, wie sich Elenas Mutter aufführt - als wäre es ihr eigener Freund, der im Koma liegen würde. Anstatt für Elena da zu sein, verkriecht sie sich zu Hause weinend im Bett. Im Laufe des Buches erfahren wir auch, warum Elenas Mutter so darunter leidet, dass Rico weg ist. Denn er war auch ihre Stütze im Leben.

Der Anfang verspricht eine dramatische Geschichte, die ein überglückliches Vorzeigepärchen aus dem Leben reißt. Doch leider geht von nun an bergab. Wo Elenas Schockzustand am Anfang noch sehr authentisch wirkte, so mutiert sie für mich zu einem gefühllosen Roboter. Sie verschließt sich komplett vor ihren Mitmenschen, aber irgendwie auch vor sich selbst. Denn wir erfahren die Geschichte aus ihrer Sicht und dennoch gibt sie keine Gefühle preis. Sie ist wie eine Maschine, die nur noch in den Tag hineinlebt und an Ricos Bett sitzt und ihm Geschichten erzählt. Durch ihre fehlenden Gefühle konnte ich auch keinen wirklichen Bezug zu ihren gemeinsamen Erlebnissen herstellen. Was mir begreiflich wird, ist dass Elena eine fast schon zum Haare-ausreißen nervtötende Protagonistin ist, die den wunderbaren Rico überhaupt nicht verdient hat.
Obwohl hier und da im Roman aufgegriffen wird, dass Elena ein sehr schweres Leben geführt hat, bevor sie mit ihrer Mutter aus Berlin wegzog, erfahren wir eigentlich nichts Genaues über sie. Und so bleibt sie das unnahbare Mädchen, das nicht einmal wir als direkte Zuschauer in ihren Kopf entschlüsseln können.
Die vergangenen Erlebnisse mit Rico hätten so wunderschön sein können, aber Elena macht alles mit ihrer Art kaputt. Natürlich kann man niemandem vorschreiben, wie er zu sein hat, aber die Elena, die wir auf den ersten Seiten als glückliches Mädchen an der Seite von Rico kennengelernt haben, ist eine völlig andere, als die, die wir schließlich in den Erinnerungen erleben. Dauerhaft habe ich das Gefühl, dass sie Rico und seine so fröhliche Art ablehnt. Sie kritisiert ihn immer, da er ja nie etwas Schlimmes erlebt habe, sonst könne sein Blick auf die Welt nicht so positiv sein.

Rico können wir nur kurz vor dem Unfall als "richtige Person" erleben. Ansonsten sehen wir ihn immer nur in Elenas Erinnerungen. Da sie ihn sehr liebt, ist klar, dass er positiv dargestellt ist. Aber er hätte noch in einem besseren Licht dagestanden, wäre ihre Einstellung nicht so finster. Nur weil man Schlechtes erlebt hat, muss man ja nicht alles und jeden ablehnen, der etwas Positives sieht. Ich bewundere Rico ehrlich dafür, dass er es so lange mit Elena ausgehalten hat. Vielleicht hat er eine besondere Herausforderung in ihrer ablehnenden Art gesehen. Ansonsten kann ich mir das nicht erklären.
Rico selbst ist das wohl Wunderbarste, was ich in diesem Roman finden konnte. Er ist ein durch und durch positiver Mensch und macht aus jeder normalen Situation etwas Gutes, Schönes und Lustiges. Er ist einer dieser Menschen, die ich im echten Leben immer bewundere. Er macht keine großen Pläne, tut was ihm Spaß macht und genießt Kleinigkeiten. Dabei lässt er sich auch von Kleinigkeiten nicht vom Weg abbringen. Umso trauriger macht es mich, dass ausgerechnet er mit diesem Schicksalsschlag gestraft wurde. Natürlich will ich damit nicht sagen, dass andere Menschen so etwas verdienen, aber meiner Meinung nach trifft es irgendwie immer die Falschen...
Sehr gut finde ich auch die Idee mit der Wunschliste. Rico hat zehn Dinge aufgeschrieben, die er unbedingt mit Elena erleben möchte, bevor er stirbt. Einige davon sind ziemlich verrückt und man würde vielleicht darüber lachen, aber diese Wunschliste zeigt uns einmal mehr, welche Persönlichkeit Rico hat.

Über Elenas Entscheidung, die Wunschliste für den schlimmsten Fall selbst abzuarbeiten, bin ich etwas zwiegespalten. Auf der einen Seite finde ich es total schön, dass sie das macht, damit wenigstens einer von ihnen diese Dinge erlebt hat. Auf der anderen Seite finde ich die Art der Umsetzung etwas seltsam. Und das hat leider auch wieder mit dem Charakter von Elena zu tun. Ich kann es nicht genau beschreiben, aber ihre so finstere Art lässt den Spaß total außen vor. Und das war sicher einer der Hauptgründe für Rico, dass er die Wunschliste erstellt hat: Spaß mit seiner Freundin zu haben.
Zudem erfüllt sie die meisten Wünsche mit dem Krankenpfleger Tim. Und für mich ist das fast schon wie Fremdgehen. Rico wollte all diese Dinge mit Elena tun und da er es nun nicht mehr kann, sucht sie sich einfach jemand anderen. Das ist meiner Meinung nach der absolut falsche Weg, auch wenn Tim ihr nur geholfen hat. Wenn sie die Wunschliste schon alleine abarbeitet, dann hätte sie es auch wirklich alleine tun sollen.
Tim empfinde ich eigentlich als einen guten Charakter, der aber leider im Zusammenhang mit der Geschichte an den falschen Stellen platziert worden ist. Er ist ein wirklicher Kumpeltyp, mit dem man eine Menge Spaß haben kann. Jedoch muss man bei ihm auch bestimmte Grenzen kennen und festlegen, da er keine Scheu aufweist.
Da er aber andauernd in Elenas Nähe auftaucht, ihr einige unangebrachte Kommentare entgegenwirft und über die Komapatienten lästert, als wären sie bereits tot, ist leider absolut nicht kumpelhaft oder nett. Man bekommt einen völlig falschen Eindruck von ihm.

In seiner Gesamtheit lässt mich der Roman unzufrieden zurück. Das Cover und der Klappentext versprechen ein paar Lesestunden mit Herzschmerz, großen Gefühlen und Tränen. Nichts davon ist mir während den Lesestunden begegnet und das macht mich schon etwas wütend. Man hätte so viel mehr herausholen können. Die Charakterwahl der Protagonistin war ein Schuss in den Ofen. Sie gibt überhaupt nicht das wider, was ein Betroffener in solchen Momenten erlebt.
Allein der Anfang ist sehr authentisch und Rico ist ein wunderbarer Charakter. Ansonsten war ich sehr erleichtert, dass das Buch nicht so viele Seiten hat. Schade...

Was ich dich träumen lasse verspricht eine dramatische Geschichte zu werden, in der die Protagonistin ihren Liebsten mit Erinnerungen und Erzählungen wieder aus dem Koma ins Leben zurückholen will. Leider bekommen wir ein roboterartiges Mädchen ohne große Gefühle, die ihren Liebsten überhaupt nicht verdient hat und nur das Negative im Leben sieht - selbst zu Zeiten des Glücks.

3 Marshmallows

Wir standen da wie Gestrandete, konnten mit all der Realität für einen Moment nichts anfangen. (S. 58)

Montag, 10. März 2014

[Rezension] Level 6 - Unsterbliche Liebe (Michelle Rowen)

Titel: Level 6 - Unsterbliche Liebe
Autorin: Michelle Rowen
Einzelband
Verlag: darkiss
Seiten: 347
Genre: Science Fiction/Dystopie
Preis: 12,99€

HIER bestellen!

Danke an Blogg dein Buch für dieses Exemplar!



Klappentext:
Die 16-jährige Kira erwacht in einem dunklen Raum, verstört und hilflos. Aber nicht allein: Sie teilt ihr Gefängnis mit dem 17-lährigen Rogan, einem verurteilten Mörder. Unfreiwillig sind die beiden Kandidaten in der Gameshow "Countdown", in der es um Leben und Tod geht: Scheitern sie am nächsten Level, sterben sie live in der Sendung. Den Teenagern belibt keine Wahl - sie müssen mitspielen, wenn sie überleben wollen. Doch kann man einem Mörder trauen, und wenn er noch so schöne blaugrüne Augen hat? Trotz aller Versuche, sie gegeneinander aufzuhetzen, kommen Kira und Rogan sich immer näher - und stoßen auf die schreckliche Wahrheit hinter dem grausamen Spiel...
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Man nennt es Nyktophobie.

Ein spannender Science-Fiction Roman, der in der Zukunft spielt. Eine sehr reale Welt, wie es unsere in vielleicht fünfzig Jahren sein könnte. Ein krankes Spiel, bei dem es um Leben und Tod geht. Und amüsierte Zuschauer, die Action lieben, aber dies auf grausame Art und Weise ausleben. All dies enthält Level 6 - Unsterbliche Liebe.

Das Cover spricht mich von der Farbwahl und der Gestaltung sehr an. Die pinke Farbe auf dem schwarzen Untergrund erweckt sofort das Interesse, besonders in Verbindung mit dem Titel, der uns bereits vorm Lesen des Klappentextes Spannung verspricht. Allerdings muss ich sagen, dass während des Lesens schnell klar wird, dass weder die Personen auf dem Cover noch der Untertitel so recht zu Geschichte passen. Natürlich entwickelt sich Liebe, aber sie steht nicht im Vordergrund. Und die beiden Protagonisten entsprechen auch nicht den abgebildeten.

Kira erwacht in einem dunklen Raum. Sie weiß nicht, wie sie dort hingekommen ist. Aber eines weiß sie sicher: Mit ihr in diesem Raum ist der junge Mörder Rogan und sie sollen gemeinsam als Team durch eine grausame Spielshow getrieben werden. Sechs Level gilt es durchzustehen mit einem Zeitlimit, das kaum Zeit zum Luftholen gibt. Sei schnell oder stirb! Über kurz oder lang müssen sich Kira und Rogan miteinander arrangieren, wenn sie am Leben bleiben wollen. Doch schon bald stellt sich heraus, dass mehr hinter dem Spiel steckt, als zunächst angenommen...

Gerne möchte ich einen Toast auf die Autorin Michelle Rowen aussprechen! Alles, was eine gute Geschichte braucht, ist in diesem Roman enthalten: Spannung, Liebe, plausible Erklärungen, authentische Charaktere und ein runder Abschluss. Und das alles in einem 347 Seiten langen Roman. Bravo! Nicht, dass ich keine Trilogien oder Buchreihen mag, aber es ist schön, dass auch ein Einzelband so begeistern kann! Manchmal kann man sich eben auch etwas kürzer fassen und dennoch Achterbahngefühle durch spannende Handlungen an den Leser bringen.
Schon die Idee hat mich begeistert. Obwohl dieses Szenario in unserer realen Welt natürlich beängstigend und schockierend wäre. Der Adrenalienkick ist einfach berauschend, auch wenn man selbst nur Zuschauer ist. Diese dystopische Sicht unserer Welt in der Zukunft, verbunden mit einem Hauch technologischer Science Fiction, macht die Geschichte unglaublich spannend aber auch authentisch, da unsere Technik heutzutage bereits weit fortgeschritten ist.

Die Menschen brauchen in ihrem öden Alltag einen Kick - etwas, das ihnen Unterhaltung bietet. Ein geheimer TV-Sender erkannte dieses Potential und entwickelte geheime Spielshows, die nur mit einem speziellen Chip angesehen werden können, der in den Schädel eingepflanzt wird. Allein diese Ironie, dass sich Menschen Spielshows über einen Chip in ihrem Kopf, also quasi mit ihren inneren Augen ansehen und gleichzeitig reale Menschen dazu benutzt werden, ist brilliant ausgedacht. Aber ich muss sagen, dass diese Vorstellung gar nicht so fremd ist. Unsere Technik ist heutzutage auch schon weit entwickelt und wer weiß, was diese Genies hinter den Kulissen alles so herstellen. Da der Chip im Kopf und somit auch die Spielshows geheim bleiben sollen, erfährt niemand davon, der nicht das nötige Geld dafür hat. Warum also ist der Gedanke dann so fremd? Vielleicht gibt es so etwas bereits in unserem Untergrund.
Menschen, die eine Menge Geld bezahlen, um jeden Tag echte Menschen in ihrem Kopf bei einem grausamen Spiel sterben zu sehen. Das ist einfach krank. Aber trotzdem realitätsnah.

Level 6 ist die bekannteste Spielshow des TV-Senders. Regelmäßig werden auch Umfragen zu den aktuellen Kandidaten unter den Zuschauern gemacht, um dann gegebenenfalls die Regeln oder Level anzupassen.
Zwei sich unbekannte Personen werden als Team zusammengesteckt und sollen insgesamt sechs Level durchlaufen. Jedes neue ist gefährlicher und brutaler als das letzte und die Zeitlimits sind sehr begrenzt.
Kira ist die erste weibliche Teilnehmerin und kann es gar nicht fassen. Gemeinsam mit dem Mörder Rogan soll sie dieses Spiel spielen. Grausam daran ist aber noch mehr, dass sie in einem Raum aufwachen und ohne jegliche Information in das Spiel geschickt werden. Da wir die Geschichte aus Kiras Sicht erleben, sind auch wir am Anfang absolut unwissend. Rogan dagegen scheint zu wissen, dass es sich dabei um Level 6 handelt. Es geht einfach nur ein Alarm los. Dass bei Ablauf der Zeit die eingesetzten Chips in ihren Köpfen explodieren, ist erst nach Level 1 erwähnenswert.

Da es aufgrund der Seitenzahl nicht allzu viele Einzelheiten geben kann, bin ich dennoch zufrieden mit der Welt, die die Autorin geschaffen hat. Vor ein paar Jahren wurde die Welt von der "Großen Plage" heimgesucht - einer furchbaren Naturkatastrophe, die viele viele Menschen getötet hat. Seitdem ist das Leben nicht mehr so einfach. Besonders nicht für Kira.
Ihre Familie wurde vor einigen Jahren in einer Nacht von einem Einbrecher ermordet. Nun lebt sie auf der Straße und schlägt sich so durch. Und sie hat ein Geheimnis: Wenn sie andere Menschen berührt, kann sie tief in sie hineinsehen und erkennen, wie ihr wahres Ich ist. Diese Psi-Gabe war ihr bisher nur ein Hindernis, doch sie könnte im Laufe des Spiels noch nützlich werden.
Während des Lesens kann man sich sehr gut in sie hineinversetzen. Sie fürchtet sich vor dem Spiel und vor Rogan, aber tief in ihrem Inneren spürt sie, dass er nicht der schlimme Mörder ist, als der er hingestellt wird. Allerdings konnte sie sich bisher noch nicht wirklich auf ihre Gabe verlassen. Mit der Zeit lässt sie sich auf das Spiel ein. Wie kann sie auch anders? Sterben ist für sie keine Option. Und so beweist sie Willenskraft, logisches Denken, Kampfgeist und doch bewahrt sie in schwierigen Situationen die Ruhe, wenn Rogan am Liebsten mit dem Kopf durch die Wand rennen will.

Rogan war mir von Anfang an symphatisch, obwohl er ein Mörder ist. Man erfährt allerlei über ihn. Manches von ihm selbst, anderes von den Machern des Spiels, die den Zuschauern viel zu übertriebene Lebensgeschichten der Mitspieler auftischen. Aber man erfährt auch viel Widersprüchliches, sodass man nicht weiß, was man nun glauben und was man von ihm halten soll. Obwohl ich zwischendurch auch meine Meinung über ihn geändert habe, konnte ich nicht umhin, ihn immer symphatisch zu finden. Das hat die Autorin wirklich brilliant gemacht. Einen Charakter dauerhaft positiv auf den Leser wirken zu lassen, obwohl eine Menge Schlechtes über ihn erzählt wird, ist nicht einfach, aber Michelle Rowen hat es geschafft.
Schön finde ich dabei natürlich, dass sich Kira und Rogan etwas näher kommen. Allerdings sind sie niemals allein. Immer ist eine Kamera dabei und so können sie sich ihre wahren Gefühle nie so ganz offen zeigen, weil das immer eine gute Show für die Zuschauer wäre.

Inhaltlich kann ich absolut nichts bemängeln. Der Roman ist ab der ersten Seite superspannend und nimmt mit jedem Level noch weiter an Fahrt auf. Wir haben eine zukünftige Welt und sogar Erklärungen, wie es zu dieser gekommen ist. Die Charaktere sind fantastisch ausgearbeitet und wir können uns mit ihnen identifizieren.
Für die gesamte Geschichte gibt es eine Art Komplettaufklärung gegen Ende des Romans und diese ist absolut plausibel und lässt die Spannung förmlich explodieren. Nicht einmal gibt es einen Hänger. Die Geschichte ist wahnsinnig gut erzählt und lässt uns nicht mehr los.

Level 6 - Unsterbliche Liebe spielt auf einem hohen Spannungslevel, die Charaktere sind authentisch, die Erklärungen plausibel und die Geschichte ist einfach irre spannend zu verfolgen. Ein wahrer Lesespaß, der uns an unsere eigene Zukunft denken lässt, da sie wirklich wie in diesem Roman sein könnte - ein grausames Spiel im Untergrund, welches heimlich mit implantierten Chips angesehen werden kann.

5 Marshmallows

Samstag, 8. März 2014

[Rezension] Die Bücherdiebin (Markus Zusak)

Titel: Die Bücherdiebin
Autor: Markus Zusak
Einzelband
Verlag: Blanvalet
Seiten: 586
Genre: Fiktiv/Historisch
Preis: 9,95€

HIER bestellen!


Klappentext:
Im Alter von neun Jahren hat Liesel schon vieles verloren. Ihren Vater, einen Kommunisten. Ihre Mutter, die ständig krank war. Ihren Bruder Werner - auf der Fahrt nach Molching zu den Pflegeeltern. Als der Bruder stirbt, gerät sie zum ersten Mal ins Blickfeld des Todes. Und sie stiehlt ihr erstes Buch - ein kleiner, aber folgenreicher Augleich für die erlittenen Verluste. Dann stiehlt sie weitere Bücher. Äpfel und Kartoffeln. Das Herz von Rudi. Das von Hans und Rosa Hubermann. Das von Max. Und das des Todes. Denn selbst der Tod hat ein Herz.
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Zuerst die Farben.

Ein Mädchen ohne Hoffnung in der Zeit des Nationalsozialismus'. Eine neue Familie. Neue Freunde. Neue Wege. Eine Leidenschaft für Bücher, für Wörter. Ein Freund im Schatten, der verborgen lebt. Und der Tod, der sie dabei beobachtet. All das sind Elemente des Romanes und zeigen uns auf eine ganz besondere Weise, was Wörter und Bücher in einer besonderen Zeit bewirken können.

Das Cover gefällt mir sehr gut! Es ist ziemlich schlicht, aber gerade wegen des nur einen Motivs sehr ansprechend. Man erkennt sofort, was einen erwartet - denn man sieht ein kleines Mädchen und den Tod, die Hand in Hand tanzen.
Der Titel verrät uns nicht zu viel und wir können auch noch keinen Zusammenhang zum Motiv des Todes bilden, aber dennoch passt er sehr gut, weil er uns ein kleines Stück von der Protagonistin Liesel preisgibt.

Nachdem Liesel ihren Vater und ihren Bruder verloren hat, bringt sie ihre kranke Mutter nach Molching zu den Hubermanns, die nun Liesels neue Familie werden sollen. Zunächst ist sie sehr zurückhaltend, besonders in der Gegenwart der aufbrausenden Rosa Hubermann. Mit einem Feuer beginnt es. Bei der großen Bücherverbrennung bleibt ein einsames Buch zurück und Liesel nimmt es an sich. Von nun an liest sie jede Nacht gemeinsam mit ihrem Papa in den gestohlenen Büchern. Und durch Gemaltes und Geschriebenes findet sie eine ganz besondere Verbindung zu Max, den Juden, der sich in ihrem Keller vor den Nationalsozialisten versteckt.

Der Roman ist in einer besonderen Form geschrieben, die ich so noch nie gesehen habe. Der Erzähler ist der Tod höchstpersönlich. Markus Zusak hat den gefürchteten Tod mit dem schwarzen Umhang personifiziert und schafft damit eine interessante Erzählbasis. Er berichtet uns oft von seinen persönlichen Erlebnissen und wie er die Welt und die Menschen wahrnimmt. Von uns Menschen hat er kein so gutes Bild. Wir halsen ihm mit unseren Waffen und Konflikten immer mehr Arbeit auf, wie er eigentlich erledigen kann.
Zwischendurch führt er seine Berichte nicht ganz genau aus, schiebt dann aber kurze Absätze ein, in denen dies erklärt wird. Natürlich ist er nicht dauerhaft dabei, wenn wir Liesel tagtäglich begleiten, denn immerhin soll er nicht die Lebenden verfolgen, sondern die Seelen der Toten einsammeln. Jedoch beschreibt er die Geschehnisse aus Liesels Erinnerungen, die sie in einem Buch festgehalten hat.
Wenn er jedoch wieder einmal zufällig in die Nähe Liesels kommt, beschreibt er das Aufeinandertreffen mit seinen eigenen Worten. Es ist sehr interessant, wie der Tod uns und unsere Welt wahrnehmen könnte.
Allerdings muss ich sagen, dass diese sehr eigene Erzählweise am Anfang etwas stockend war, da der Tod direkt von einer Begegnung mit Liesel spricht. Die Szene mit ihren Gefühlen und Empfindungen wirkte sehr distanziert, allerdings verfliegt dieser Eindruck schnell. Und dennoch fällt der Einstieg deshalb etwas schwer.

Man kann sich wunderbar in Liesel hineinversetzen. Sie ist ein sehr authentischer Charakter und man kann ihre Ängste und Sorgen wirklich teilen. Sie kommt in eine neue Familie und muss sich dort erst einfinden. Da ihre Mutter ihr beim Hausunterricht nicht so viel beibringen konnte, hängt sie auch sehr in der Schule zurück und wird besonders wegen ihres schlechten Lesens regelmäßig von der Lehrerin bloßgestellt.
Sie hat zunächst Angst und großen Respekt vor Rosa Hubermann, die mit ihren vulgären Kraftausdrücken und ihrem hitzigen Temperament immer wieder für Aufsehen sorgt. Jedoch lernt Liesel mit der Zeit, damit umzugehen und fühlt sich bei ihrer neuen Mama sehr wohl.
Ihr bester Freund Rudi hat ebenfalls einen auffallenden Charakter. Er ist sehr selbstbewusst, lässt sich nicht gerne von anderen etwas sagen und rennt seinen Träumen hinterher. Er ist wirklich der perfekte beste Freund, der mit Liesel durch dick und dünn geht und sie niemals im Stich lässt. Ich musste immer schmunzeln, wenn er etwas Gutes für Liesel tat und als Belohnung einen Kuss von ihr wollte. Sie jedoch beschimpfte ihn dann nur wüst und ging davon. Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass er wirklich in sie verliebt ist, er will sie eben nur etwas necken.

Hans Hubermann ist ein ganz fantastischer Charakter und Pflegevater für Liesel. Vom ersten Augenblick an hat er sie in sein Herz geschlossen und ich ihn in meines. Er ist ein herzensguter Mensch, der niemanden verurteilt. Sein Leben ist nicht ganz einfach und doch vermittelt er den Eindruck eines unbeschwerten Mannes, der ein einfaches und schönes Leben führt. Und im Grunde tut er das auch. Jedoch machen es ihm die Umstände nicht so leicht. Sein Sohn, mit Haut und Haar Nationalsozialist, hat sich von ihm angewandt, weil er nicht in der Nationalsozialistischen Partei aufgenommen wird und auch nicht genug dahintersteht, um es immer weiter zu versuchen. Er war Soldat während des ersten Weltkrieges und überlebte durch einen fast schon dummen Zufall. Er sollte einfach leben, da bin ich mir sicher. Wer hätte Liesel sonst jede Nacht das Lesen beigebracht? Zwar rügt er sie ab und zu wegen ihrer Diebstähle und ihres Verhaltens, doch eigentlich ist er ganz froh, dass er eine so aufgeweckte Tochter hat.
Als eines Tages Max, der Sohn eines alten Freundes, vor der Tür steht und um Hilfe gesucht, zögert Hans Hubermann nicht eine Sekunde und nimmt ihn bei sich zu Hause auf. Natürlich trifft er Vorsichtsmaßnahmen, zum Beispiel darf Max fast nie den Keller verlassen, jedoch zweifelt er nie seine Entscheidung an, diesem jungen Mann geholfen zu haben. Obwohl dies ganz natürlich für uns klingt, so muss man sich deutlich vor Augen führen, in welcher Zeit sie gelebt haben. Einen Juden im Keller zu verstecken, war genauso schlimm, wie sich öffentlich gegen den Führer auszusprechen. Man unterschrieb damit eigens sein Todesurteil.

Gemeinsam mit Max machen Liesel und Hans die Worte in ihrem Heim lebendig. Sie erkennen, dass Worte eine unglaublich große Macht besitzen. Dies zeigt Max ganz fantastisch in einer kleinen Geschichte, die er für Liesel geschrieben hat: Die Worteschüttlerin. Darin beschreibt er Hitler, der ebenfalls die Macht der Worte erkannt und sie sich zunutze gemacht hat. Abgesehen von dem schlimmen Krieg und all den getöteten Menschen muss man einen Schritt zurückgehen: Wie kam Hitler überhaupt an die Macht? Wohl kaum mit einem Gewehr. Nein, er fand seinen Weg zur Macht mit Worten. Wenn man genauer darüber nachdenkt, ist es eigentlich ganz logisch, jedoch vielleicht nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Deswegen finde ich es grandios, dass Markus Zusak diesen Sachverhalt durch Max' Geschichte deutlich zum Ausdruck gebracht hat.
Wir als Buchliebhaber können damit natürlich auch wunderbar identifizieren. Wir leben tausend Leben und bereisen die unterschiedlichsten Welten und erleben die sonderbarsten Abenteuer - nur durch Wort erschaffen. Man kann mit ihnen aus der Realität flüchten oder einfach für kurze Zeit ein anderer Mensch sein - oder eben wie in Die Bücherdiebin dargestellt, die Macht ergreifen und ein ganzes Land für sich gewinnen. Was man damit anfängt, ist wieder eine ganz andere Sache.

Ein Ausschnitt aus Die Worteschüttlerin (S. 479)
Wer jetzt denkt, dass der Roman nur auf die Bedeutung der Worte eingeht, der liegt jedoch ganz falsch. Man erfährt allerlei über das Leben damals, wie sich die einfachen Leute mit niederen Arbeiten etwas Geld zum Leben verdienten, wie die Kinder in die Schule gingen und anschließend Fußball auf der Straße spielten. Aber auch, was es bedeutet, den Krieg und seine Auswirkungen allgegenwärtig zu haben. Dazu zählt die Knappheit an Ressourcen, das Einziehen neuer Soldaten, Warnungen vor Bombenangriffen und die Hetzjagd gegen Juden.
Der Roman ist sehr facettenreich, zeigt uns alle Seiten, die zu dieser Zeit geherrscht haben, verurteilt aber niemanden. Durch die Charaktere lernen wir, Verständnis aber auch Mut zu haben. Sogar der Tod wird uns näher geführt - als Person, die sich auch mal über viel Arbeit aufregen kann oder die mit den Menschen mitfühlt, weil ihnen Schreckliches widerfahren ist.

Die Bücherdiebin ist ein Roman, der uns vom Leben der damaligen Zeit über den Tod bis hin zu der mächtigen Bedeutung von Worten alles zeigt, was wichtig ist. Durch die verschiedenen und liebenswerten Charaktere bekommen wir die unterschiedlichen Sichtweisen auf das Leben gezeigt und wie man mit den Umständen, durch den Menschen erschaffen, umgehen kann.


4 Marshmallows

~ Vier große Worte ~
Es tut mir Leid. 
(S. 163)

Der Sommer kam.
Im Leben der Bücherdiebin lief alles glatt.
In meinem Leben hatte der Himmel die Farbe von Juden.
(S. 378)

 ~ Die Bücherdiebin - Letzter Satz ~
Ich habe die Worte gehasst, und ich habe sie geliebt, und ich hoffe, ich habe sie richtig gemacht.
(S. 563)

Donnerstag, 6. März 2014

Die schönsten Buchcover #1

Ein schönes Buchcover lässt das Herz eines jeden Buchliebhabers höher schlagen. Natürlich zählt hauptsächlich das, was wir hinter dem Cover finden, aber erst ein schönes Bild erregt doch unsere Aufmerksamkeit. Gemeinsam mit dem Titel ist das Cover ausschlaggeben dafür, ob wir das Buch in die Hand nehmen und den Klappentext durchlesen. Deshalb möchte ich gerne die schönsten Buchcover mit euch teilen. Gerne könnt ihr mir auch Vorschläge schicken, damit eure Lieblingscover mehr Aufmerksamkeit finden.

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Die Selection Trilogie
Über die Selection - Trilogie von Kiera Cass gibt es verschiedene Meinungen, aber fast alle sind sich einig: Die Cover sind wunderschön. Sie werden ebenfalls bei der deutschen Übersetzung übernommen, was ich sehr schön finde. Es gibt nur kleine Unterschiede im Titel.
Der dritte und finale Band - The One - erscheint übrigens am 06. Mai 2014.

>>Meine Rezensionen zu The Selection | The Elite

http://www.amazon.de/The-Selection-Trilogy-Band/dp/0062059947/ref=tmm_pap_title_0?ie=UTF8&qid=1393782082&sr=1-1 http://www.amazon.de/The-Elite-Selection-Trilogy-Band/dp/0062262858/ref=pd_sim_same_eb_1?ie=UTF8&refRID=1B23DGY1AXE71D9PGP92 http://www.amazon.de/The-One-Kiera-Cass/dp/0062325477/ref=pd_sim_same_eb_2?ie=UTF8&refRID=09N9B7JSM27F86JCXENC
Klickt auf die Cover, um weitere Informationen zu erhalten und die Bücher zu bestellen.

Um uns die Wartezeiten zu verkürzen, hat Kiera Cass zwei Kurzgeschichten geschrieben.
The Prince ist aus der Sicht von Prinz Maxon geschrieben. Wir erfahren, wie es zu der Selection gekommen ist, wie er sich dabei fühlt und welche Beziehung er zu seinen Eltern hat. Außerdem erzählt die Kurzgeschichte das erste Aufeinandertreffen von Maxon und America nachts im Garten.

The Guard ist aus der Sicht von Aspen geschrieben. Er wurde zur Wache im Palast, um näher bei America sein zu können, denn er fühlt sich ihr gegenüber schrecklich schuldig. Einige der Ereignisse aus The Elite werden aufgegriffen und man kann ihn nun besser verstehen.
Es ist auch eine Leseprobe für The One enthalten.

Beide Kurzgeschichten sind zusammen mit einer Leseprobe von The One als Taschenbuch erhältlich.

 

Dienstag, 4. März 2014

[Rezension] Artikel 5 (Kristen Simmons)

Titel: Artikel 5
Autorin: Kristen Simmons
Band 1 der Articel 5 Trilogie
Verlag: Ivi (Piper)
Seiten: 428
Genre: Fantasy/Dystopie
Preis: 16,99€

HIER bestellen!

 
Klappentext: 
Die Moralstatuten der Verinigten Staaten von Amerika

Artikel 1
Die Vereinigten Staaten von Amerika erkennen die Amerikanische Kirche als offizielle Religion an.

Artikel 2
Literatur und andere unmoralische Medien sind verboten. Ihr Besitz, Erwerb und Verkauf ist strengstens untersagt.

Artikel 3
Eine vollständige Familie besteht aus einem Mann, einer Frau und mindestens einem Kind.

Artikel 4
Die traditionellen Geschlechterrollen müssen eingehalten werden.

Artikel 5
Als vollwertiger Staatsbürger wird nur anerkannt, wer als Kind eines verheirateten Paares auf die Welt kommt.

Wirst du dich fügen?
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Beth und Ryan hielten einander an den Händen, was durchaus reichte, um eine offizielle Vorladung wegen eines Sittlichkeitsvergehens zu riskieren, aber ich sagte nichts dazu.

Ein weiterer dystopischer Roman, der Spannung und eine Hetzjagd verspricht. Eine grausame Welt in der Zukunft, in der man sich strikt an die Moralstatuten halten muss, da man ansonsten mit schweren Strafen zu rechnen hat. Eine brutale und gefährliche Soldatenarmee, die die Einhaltung und Bestrafung überwacht.
Und eine Liebe, die trotz aller Regeln die Zeit überbrückt. Und dennoch bin ich leider enttäuscht worden.

Das Cover löst bereits eine düstere Stimmung in uns aus. Es ist dunkel gehalten und das Mädchen darauf sieht verzweifelt und wütend zugleich aus. Allerdings muss ich sagen, dass das Cover nicht unbedingt ansprechend ist. Es gibt andere dystopische Romane, die einladender aussehen.
Der Titel passt sehr gut zur Geschichte, ohne zu viel zu verraten. Generell hat man nur mit Titel und Klappentext keine genaue Vorstellung, was genau einen erwartet. Man weiß aber sehr genau, dass unsere Hauptperson vermutlich gegen Artikel 5 verstoßen wird.

Ember Miller lebt mit ihrer Mutter in der Zukunft der Vereinigten Staaten von Amerika. Ihr Leben ist bis auf die strikt einzuhaltenden Moralstatuten dennoch recht unbeschwert. Bis sie und ihre Mutter eines Tages aufgrund des Verstoßes gegen Artikel 5 verhaftet werden. Ember wird in ein Resozialisierungszentrum gebracht und ihre Mutter wird vor Gericht gestellt. Ember versucht alles, um zu fliehen und ihre Mutter zu befreien. Und dabei hilft ihr ausgerechnet Chase, in den sie früher so verliebt war und der sich komplett verändert hat, seit er zum Soldaten wurde. Kann sie ihm trauen und wird sie ihre Mutter wiedersehen?

Ich als großer Dystopie-Fan und pessimistischer In-die-Zukunft-Blicker konnte dieser Geschichte rund um die Moralstatuten nicht widerstehen. Der Gedanke dieser Welt ist unglaublich gut. Aufbau und Ausfertigung der Geschichte jedoch entpuppen sich als mittelschwere Katastrophe, die mich fast ausschließlich nur den Kopf schütteln ließ. Die Welt, die sich Kristen Simmons erdacht hat, ist einfach nicht genug ausgereift und durchdacht worden, sodass nur einzelne Tatsachen aufgedeckt und erklärt werden, die wichtig für den Handlungsverlauf um Embers Geschichte sind. Viele, viele Fragen sind bei mir offen geblieben und auch nach reiflicher Überlegung konnte ich zwischen bestimmten Sachverhalten einfach keine plausible Erklärung finden. Die Puzzleteile wurden nur gerade so zusammengesetzt, dass sie halbwegs logisch für die Charaktere erschienen, aber in andere Richtungen, die ebenfalls durchaus hätten eingeschlagen werden können, wurde überhaupt nicht gedacht.
Leider leider muss ich sagen, dass ich mir etwas anderes von der Geschichte erhofft habe. Selbst die Charaktere waren nicht unbedingt so gestaltet, dass man sich mit ihnen identifizieren konnte.

Eigentlich fängt die Geschichte total normal an, genauso, als würde man sich in unserer heutigen Zeit mit Freunden daheim treffen. Die strikten Moralstatuten werden nur kurz angesprochen, sodass man erkennt, dass man sich in der Zukunft befindet. Kurz darauf werden Ember und ihre Mutter schon verhaftet, weil sie gegen Artikel 5 verstoßen haben. Allerdings hat Ember ihren Vater niemals kennengelernt und so frage ich mich, warum die ach so schlauen und erbsenzählerischen Soldaten erst nach so vielen Jahren auf die Idee kommen, die beiden wegen Regelverstoßes zu verhaften... Angeblich gab es erst einige Tage vorher eine Aktualisierung der Artikel, aber diese müssen doch in ähnlicher Form vorher schon Geltung gehabt haben?
Jedenfalls wird Ember in ein Resozialisierungszentrum gebracht, da sie nicht als vollwertiger Staatsbürger gilt und nun Bundeseigentum ist. Von jetzt auf gleich ist ihr Leben zerstört.
Im Resozialisierungszentrum angekommen, scheint die Geschichte an Fahrt aufzunehmen und es entwickelt sich ein leichter Spannungsbogen. Allerdings verstehe ich nicht so ganz, warum man nach seinem achtzehnten Geburtstag einfach so wieder herauskommen kann. Immerhin gelten die Mädchen nun als Bundeseigentum. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, dass immer nur von Mädchen gesprochen wird - also gibt es keine Jungen, die als nichteheliche Kinder auf die Welt gekommen sind?!

Und prompt wird der Handlungsfluss und damit auch die Spannung nach wenigen Seiten wieder abrupt gestoppt, da Ember gemeinsam mit ihrer Zimmerkollegin Rebecca und dem Soldaten Sean, der eine heimliche Beziehung mit Rebecca führt, einen Plan ausheckt, wie sie flüchten kann und mit einem Satz *zack* zwei Wochen vorüber sind. Somit befinden wir uns nur sehr kurze Zeit im Resozialisierungszentrum und das ist wirklich schade, da man bis auf zwei Vorfälle überhaupt nicht erfährt, wie der Tagesablauf dort ist und was genau mit den zu bestrafenden Mädchen passiert oder was sie überhaupt den ganzen Tag dort machen müssen. Es wirkt alles sehr distanziert, sodass man keinen wirklichen Einblick gewinnt. Offenbar fungiert das Resozialisierungszentrum nur als eine Art Bindeglied zwischen der Festnahme Embers und ihrer Flucht mit Chase, sodass man es nicht näher ausführen muss und es auch durch einen anderen Handlungsort hätte ersetzt werden können. Es scheint nicht weiter wichtig zu sein, obwohl doch tagtäglich ein Bus mit "Sträflingen" ankommt.
Fast das gesamte Buch über befinden sich Chase um Ember auf der Flucht und endlich erfährt man mal etwas über das Land und wie es regiert wird. Man sieht andere Orte, die kurz vor dem Krieg evakuiert wurden und leere Städte, die niemand mehr ohne Genehmigung betreten darf. Man erfährt, was mit Gesetzesverstoßenden passiert und wie sie gejagt und eliminiert werden.
Ab und zu gibt es brenzlige Situationen, die bei so einer Art von Geschichte natürlich sind. Aber alles wirkte auf mich sehr zusammengewürfelt... Oh, hier müssen wir noch einen kleinen Kampf einbauen, damit es nicht zu langweilig wird, bis die beiden beim Schleuser ankommen.

Wo wir schon dabei sind... Es gibt überhaupt keine Hintergrundinformationen, wie die Moralstatuten überhaupt entstanden sind und was es mit dem Krieg auf sich hat. Es wird nur ein paar Mal gesagt, dass die großen Städte evakuiert wurden, aber was genau es damit auf sich hat, bleibt ein ungelüftetes Geheimnis.
Seltsam finde ich auch, dass jeder noch so kleine oder große Ort im Land so gegenteilig zu Embers Heimatstadt ist. Obwohl dort natürlich auch das Gesetz strengstens eingehalten werden muss, ging es den Menschen verhältnismäßig gut und sie führten ein fast schon unbeschwertes Leben.
In den anderen Städten jedoch herrscht Aufruhr, Hunger und Angst. Diese krasse Schere kommt mir äußerst seltsam vor.
Jedoch will ich euch bei all meiner Kritik zwei Dinge nicht vorenthalten, die mir sehr gut gefallen haben. Zum Einen gibt es gegen Ende des Buches (etwa auf den letzten 150 Seiten) zwei große Überraschungen, die den Spannungsbogen der Geschichte in die Höhe schießen lassen und zum Anderen die Reaktionen von Chase.

Zwischendurch gibt es immer wieder ein paar Rückblenden aus Embers Erinnerungen in die Zeit, bevor Chase ins Militär eingezogen worden ist. Offenbar waren die beiden verliebt. Doch auch hier wurde wieder gepfuscht. Man merkt deutlich, dass Chase nun als Soldat nicht mehr der Gleiche ist wie zuvor, aber welche Beziehung die beiden zueinander hatten, wird nicht klar. Ember stützt sich auf ihre Erinnerungen und betont immer wieder, dass er sich so sehr verändert hat. Allerdings geben die Rückblenden nicht wirklich Aufschluss darüber, WIE Chase denn nun früher gewesen ist und was genau sich an ihm so sehr verändert hat. Demnach können wir uns nur mit dem "Jetzt-Chase" arrangieren, da wir seine vorherigen Charakterezüge nicht wirklich erkennen und nachvollziehen können.
Allerdings ist ganz klar, dass er früher Gefühle für Ember hatte und ihm diese während seiner Soldatenausbildung ausgetrieben worden sind. Immer wieder blitzt der Beschützerinstinkt gegenüber Ember auf, der aber leider viel zu oft wieder abgestellt wird. Er möchte Ember wieder näher kommen, aber sie weicht nur vor ihm zurück, weil er so anders geworden ist. Ihre Reaktionen verletzen ihn und deshalb nimmt auch er lieber Abstand zu ihr ein. Nach einer Weile jedoch passt ihr das auch nicht mehr.

Ember ist ein schwieriger Charakter. In einigen Situationen reagiert sie sehr authentisch und einem starken Hauptcharakter entsprechend, jedoch hatte ich fast durchgehend das Gefühl, dass in ihrem Kopf zwei Embers sitzen, die sich pausenlos streiten und sich in der Führung ihrer Persönlichkeit abwechseln. Natürlich ist es überhaupt kein Problem, dass sie hin und wieder und auf bestimmte Situationen bezogen ihre Meinung über Personen ändert, allerdings kann man ihr Wechselbad der Gefühle fast auf jeder Seite ablesen und irgendwie stört das die Geschichte.
Zunächst distanziert sie sich sehr von Chase, da er sich im Gegensatz zu früher so anders verhält und nun wirklich ein Soldat geworden ist, der auch vor Drohungen und Mord nicht zurückschreckt, um sein Ziel zu erreichen - selbst wenn dieses Ziel ist, Ember zu beschützen.
Sie ist gerührt, dass er sein eigenes Leben aufs Spiel setzt, um ihres zu retten, wie er es ihrer Mutter versprochen hat und doch gibt es immer wieder Situationen, in denen er so fremdartig handelt, dass Ember vor ihm zurückweicht und seine Nähe nicht ertragen kann.
So weit, so gut. Diese Gefühlsänderungen sind eigentlich sehr plausibel, aber sie werden gefühlt auf jeder Seite angesprochen und alle zwei Seiten ändert sich ihre Meinung wieder... Irgendwann weiß man einfach nicht mehr, was Ember gerade von wem hält und in welche Richtung sie sich bewegt.

Wenn man sich ausschließlich auf den Moment der spannenden Szenen konzentriert, dann ist die Geschichte gut. Allerdings bedarf es in einer zukünftigen Welt etwas mehr, als nur einen spannenden Kampf. Die Erläuterungen sind äußerst lückenhaft, Ember hat mich zwischendurch unglaublich genervt und die gesamte Welt mit ihren Regeln wirkte so zusammengewürfelt, als ob man sich nur dies und jenes für seine eigene Geschichte zusammenpickt, ohne das große Ganze in Betracht zu ziehen.
Obwohl die Geschichte am Ende doch sehr an Fahrt aufgenommen hat, reichen diese wenigen positiven Aspekte nicht aus, um einen ordentlichen Lesespaß zu bieten. Trotz der vorhandenen Spannung, hatte ich nicht wirklich das Bedürfnis, das Buch weiterzulesen, um zu erfahren, wie es weitergeht. Wahrscheinlich habe ich es nur so schnell durchgekaut, weil ich es als Wanderbuch erhalten habe. Ansonsten hätte ich wahrscheinlich so einige Bücher dazwischengeschoben. Ein großes Bedürfnis nach Band zwei verspüre ich auch nicht...

Artikel 5 beginnt mit einem guten Gedanken zu einer zukünftigen Welt, in der uns eine spannende Geschichte versprochen wird, die allerdings mit lückenhaften Erklärungen und einem Minimum an Informationen den Lesefluss und Lesespaß raubt, sodass ich wirklich traurig bin, dass diese wunderbare dystopische Idee eigens von der Autorin so im Keim erstickt worden ist.

2 Marshmallows

Sonntag, 2. März 2014

Sehenswert und Lesenswert im März 2014

Zu Beginn jedes neuen Monats möchte ich euch gerne Bücher und Filme vorstellen, die interessant und eben sehenswert & lesenswert sind. Ich wünsche euch viel Spaß und natürlich interessiert mich, ob ihr diese Neuerscheinungen auch auf dem Schirm habt und auf welche ihr euch im kommenden Monat freut.

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Bücher

Titel: Morgentau - Die Auserwählte der Jahreszeiten
Autorin: Jennifer Wolf

Eine zauberhafte Geschichte über die Götter der Jahreszeiten

Verlag: Carlsen impress
Preis: 3,99€ (E-Book)

Erscheint am 06.03.2014.

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Titel: Das Herz von Jandur
Autorin: Mara Lang

Band zwei der Jandur-Saga

Preis: 3,99€ (E-Book)

Erscheint am 06.03.2014.

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Titel: Twin Souls - Die Rebellin
Autorin: Kat Zhang

Band zwei der Twin Souls - Trilogie

Verlag: cbt
Preis: 7,99€

Erscheint am 10.03.2014.

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Titel: Strawberry Summer
Autorin: Joanna Philbin

Große Gefühle im Sommerjob

Verlag: cbt
Preis: 8,99€

Erscheint am 10.03.2014.

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Titel: Vor uns die Nacht
Autorin: Bettina Belitz

Liebesgeschichte voller Hingabe und großer Gefühle

Verlag: Script5
Preis: 17,95€

Erscheint am 10.03.2014

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Titel: Was wir auch tun
Autorin: Marie Lucas

Grenzen zwischen Lüge und Wahrheit verschwimmen

Preis: 16,99€

Erscheint am 06.03.2014

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Titel: Zwischen Ewig und Jetzt
Autorin: Marie Lucas

Wenn das Jenseits dir noch was zu sagen hat...

Preis: 9,99€ (Taschenbuch)

Erscheint am 27.03.2014

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(Als HC bereits lieferbar *klick*)





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Filme

Kino

Saving Mr. Banks
Erscheint am 06.03.2014

Die Bücherdiebin
Erscheint am 13.03.2014

Endless Love
Erscheint am 27.03.2014