Freitag, 3. Oktober 2014

[Rezension] Keine Angst, es ist nur Liebe. (Marlies Zebinger)

Titel: Keine Angst, es ist nur Liebe.
Autorin: Marlies Zebinger
Einzelband
Verlag: Feuerwerke
Seiten: 335
Genre: Liebesroman
Preis: 0,99€

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Vielen Dank an Blogg dein Buch und den Feuerwerke Verlag für das Bereitstellen dieses Rezensionsexemplares!

Klappentext:
Anna hat Angst vor so ziemlich allem, besonders vor der Liebe. Dieser hat sie eigentlich bereits abgeschworen – sie hält nichts mehr von rosaroten Brillen, Bauchkribbeln oder schmachtenden Blicken. Bloß nicht!

Doch plötzlich ist da Matts. Er vertraut auf sein Gefühl und bittet Anna, sieben erstaunliche Angstbewältigungsaufgaben zu lösen. Denn er vermutet, dass es nur die Angst ist, die ihr im Wege steht. Überraschenderweise ist Anna einverstanden und begibt sich mit kleinen Schritten, die von ganz alleine immer größer werden, auf die befreiende Suche nach sich selbst - und damit auch auf die Suche nach der Liebe ihres Lebens...
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 Als ich den kleinen Waldweg entlang gehe, is es still um mich herum.

Marlies Zebinger präsentiert uns einen Roman mit einer Protagonistin, die durch Angst gelähmt die Liebe und das Leben aus den Augen verloren hat. Ihre Angst bezieht sich auf fast jeden Bereich des Lebens, sodass sie nur noch ungern ihre Wohnung verlässt. Allerdings soll sie jemandem begegnen, der sie dazu herausfordert, wieder am Leben teilzunehmen. Doch kann sie das wirklich schaffen und ihre Angst besiegen?

Das Cover gefällt mir im Großen und Ganzen sehr gut. Die Farben sind warm gehalten und das Motiv entspricht dem Inhalt des Buches. Allerdings wirkt es auf mich auf den ersten Blick sehr langweilig, was wahrscheinlich daran liegen mag, dass der Himmel so einfarbig in einer Farbe erscheint.
Der Titel passt hervorragend. Es ist ein wirklich schönes Wortspiel - mit der Angst und der Liebe.

Anna Rogner steht mit beiden Beinen im Leben: Sie ist neunundzwanzig Jahre alt, lebt in einer schicken Wohnung und hat einen guten Job bei einer Bank. Allerdings gibt es da etwas, was ihr das Leben jeden Tag aufs Neue schwer macht: Ihre panische Angst vor so ziemlich allem. Auslöser dieser ist ein Ereignis aus ihrer Vergangenheit und dadurch glaubt sie, sich nie wieder jemandem gegenüber öffnen zu können. Bis sie auf Matts trifft. Er verändert ihr Leben, denn eine Woche lang stellt er ihr Aufgaben, die sie dazu zwingen, ihre Angst zu vergessen und das Leben zu genießen. Aber ist es Anna überhaupt möglich, sich noch einmal zum Leben zu bekennen?

So schön die Geschichte auch klingen mag, so sehr hat mich die Umsetzung enttäuscht. Die Vorstellung, dass sich jemand Gedanken macht, einer anderen Person das Leben wieder schmackhaft zu machen, ist wunderbar, deswegen hatte ich mich so sehr auf dieses Buch gefreut.
Allerdings muss ich sagen, dass die Protagonistin wohl das Problem der Geschichte ist. Da es hauptsächlich um ihre Angst geht, war mir schon klar, dass sie öfters panisch und seltsam reagiert, aber dass sie sooo merkwürdig ist, damit hätte ich nicht gerechnet. Ungelogen -  bereits von der ersten Seite an ging mir Anna auf die Nerven. Es gibt nur sehr wenige Lichtblicke innerhalb der Geschichte, die mich nicht durch die Seiten springen ließen. Auch wenn ich selbst kein Erlebnis im Leben hatte, dass mich so tief verletzt hat, so würde ich schon sagen, dass ich mich gut in andere Personen hineinversetzen kann. Aber mit Anna und ihrer Panik vor allem und jedem hatte ich wirklich so meine Probleme.

Im ersten Kapitel ist sie auf dem Weg zu ihrer Oma. Um dorthin zu gelangen, muss sie durch einen Wald laufen. Und schon wird ganze zehn Seiten darüber philosophiert, wie gruselig doch der Wald ist und dass Anna immer Angst hat, dass sie beobachtet und verfolgt wird. Und das alles, ohne dass wir irgendetwas über sie oder ihr Leben erfahren. Und das ist auch das Problem: Man erfährt hier und da ein Häppchen aus Annas Leben und von ihrem Charakter. Aber man könnte im Buch selbst mindestens zwei Drittel zusammennehmen, in denen Anna nur über Angste redet oder in Tränen ausbricht, weil sie zu blöd zum Nachdenken ist und wieder in Panik verfällt.
Ihre Art im Allgemeinen passt mir auch nicht. Zwar bin ich anderen Menschen gegenüber auch nicht immer total vorurteilslos, aber sie ist da ganz weit vorn. Als sie Matts zum ersten Mal in der Wohnung ihrer Oma trifft, streiten sich Anna Kopf 1 und Anna Kopf 2 wieder seitenweise darüber ob er nun ein eingebildeter Sportprotz ist oder einfach nur hilfsbereit.
Im Grunde sind alle Gedanken Annas durchaus interessant zu lesen, aber dass jeder Gedanke und jede Angst über zehn Seiten ausgeführt werden muss, hat der Geschichte einen heftigen Abbruch getan. Ich war eigentlich druchweg nur genervt und hatte keine Lust, das Ende der Geschichte zu erfahren - zumal ich davon noch meilenweit entfernt war.
Folgendes Zitat beschreibt wirklich sehr treffend, wie ich Anna empfunden habe:


"[...] wer will schon eine von Angst besessene, schlafgestörte, perfektionistisch veranlagte, schusselige und tollpatschige Irre kennen?" (Pos. 425-426)


Nachdem sich Anna und Matts endlich mal verabredet hatten, erfährt man auch den Ursprung von Annas panischer Angst: Sie war unsterblich verliebt in Max und erwartete sein Kind. In der Nacht, in der sie das Kind verlor, erzählte er ihr, dass er eine neue Freundin habe und hat sie verlassen. Natürlich wird man bei dieser Geschichte selbst total wütend und kann Annas Angst vor einer neuen Bindung total verstehen. Ich möchte diese Erfahrung auch nicht runterspielen, aber irgendwie passte alles nicht zusammen. Es wirke auf mich wie eine kleine Mitleidsgeschichte, aber ich kann immer noch nicht nachvollziehen, warum sie nun Angst vor allem hat und nicht nur vor dem Sich-wieder-öffnen.
Umso besser hat mir gefallen, wie Matts zu Anna gewesen ist. Im Grunde war Matts die einzige Komponente in der Geschichte, die mir gefallen hat. Er ist total süß zu Anna, weil er sie wirklich mag und gibt sich viel Mühe. Anna allerdings, immer tief in Gedanken versunken und auf jede Eventualität vorbereitet, beschließt schon nach wenigen Tagen, dass sie das nicht kann und lieber alleine in ihrer Wohnung vor Angst verrotten möchte.

Matts aber gibt nicht auf und schickt Anna jeden Tag einen Brief und eine Sonnenblume - immer auf anderen Wegen. In den Briefen stecken Anweisungen, auf die sich Anna einlassen muss. Und so erlebt sie eine Woche lang jeden Tag etwas anderes Wunderbares, das ihr die Freude und das Vertrauen in das Leben zurückgeben soll. Das klappt auch sehr gut und während dieser Aufgaben denkt Anna nicht ein einziges Mal an ihre Angst. Doch nach diesen sieben Tagen verfällt sie wieder in eine dermaßen schlimme Panik, dass ich nur mit dem Kopf schütteln konnte.
Die Aufgaben haben auch mich öfters zum Lächeln gebracht, denn Matts ist so supersüß und gibt sich eine Menge Mühe. Obwohl er Anna kaum kennt, organisiert er all dies für sie, da er sie wirklich mag. Das spürt man selbst durch die Briefe.

Insgesamt konnte mich die Geschichte in der Umsetzung nicht überzeugen, aber Matts und die Aufgaben, in denen Anna richtig aufblüht, haben es mir schon angetan. Allerdings sind diese Momente immer nur sehr kurzweilig, weswegen ich meist nur genervt war. Es ist sehr selten, dass mir eine Protagonistin schon von der ersten Seite an auf die Nerven geht.
Zudem gab es im Buch viele Rechtschreibfehler und manchmal fehlende Worte, die das Lesen dann doch etwas erschwert haben. Der Schreibstil ist relativ eigensinnig, da Annas Gedanken wirklich wie Gedanken aufgezeichnet werden: Mit kleinen Nebensätzen in Klammern und total durcheinander.

Keine Angst, es ist nur Liebe. zeigt, dass sich die Mühen eines Menschen lohnen, damit ein anderer wieder ins Leben zurückfinden kann. Allerdings konnten mich weder Schreibstil, noch Umsetzung oder die Protagonistin überzeugen, weshalb ich doch ziemlich froh war, als ich die letzte Seit endlich erreicht hatte.

2 Marshmallows

Ich sollte mich viel weniger darum kümmern, was andere möglicherweise von mir denken könnten und viel mehr darauf achten, was mir selber gut tut. (Pos. 1038-1039)

Wieder finde ich mich wunderschön, was mich wirklich verwirrt - finde ich mich sonst auf Fotos doch meist fremd, um nicht zu sagen hässlich. (Pos. 2196-2197)

1 Kommentar:

  1. Ohh endlich! Als ich die Amazon-Bewertungen gesehen habe, habe ich schon gedacht, dass ich die Einzige wäre, die das Buch so schlecht fand. Und ich hab mich echt gefragt, wie viele von den Rezensenten ihre Rezension wirklich ernst meinen.

    Denn genau wie du fand ich weder Protagonistin noch Schreibstil besonders berauschend. Besonders dieses Philosophieren über ihre Gefühle (bzw. eigentlich über ihre Angst, denn etwas anderes fühlt sie ja scheinbar kaum) ging mir gehörig auf den Senkel.

    Das Zitat, was du da raus gesucht hast, beschreibt es echt perfekt: Wer will die schon kennenlernen? Und wer gibt sich bitte so viel Mühe wie Matts? Die Beziehung zwischen den beiden konnte ich auch nicht nachvollziehen und diese Liebesbriefe waren mir auch echt zu kitschig, dafür, dass er sie ja eigentlich kaum kennt. :D

    Selten gibt es ein Buch, über das ich mich so sehr aufregen könnte.^^ Aber trotzdem: eine wunderbare Rezension! :)

    Ganz liebe Grüße <3
    Kim

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