Sonntag, 10. August 2014

[Rezension] Saitensprung mit Kontrabass (Christiane Martini)

Titel: Saitensprung mit Kontrabass
Autorin: Christiane Martini
Einzelband
Verlag: dotbooks
Seiten: ca. 228
Genre: Liebesroman
Preis: 4,99€

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Klappentext:
Die Musikerin Marlene hat einen ungewöhnlichen Nachnamen: Sie heißt Saitensprung – dabei ist sie die Treue in Person. Das ändert sich, als sie ihren Lebensgefährten Tom zum Flughafen bringt. Dort begegnet sie einer merkwürdigen alten Frau … und fühlt sich plötzlich wie verhext: Auf einmal hat Marlene nur noch Männer im Kopf! Zu denen gehört auch Georg. Obwohl Marlene es zuerst nicht wahrhaben will, findet sie den sensiblen Lehrer sehr sympathisch. Aber was soll sie mit diesen Gefühlen anfangen? Und was wird geschehen, wenn Tom von seiner Reise zurückkehrt?

Vielen Dank an dotbooks und Blogg dein Buch für dieses Rezensionsexemplar!
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 Winkend standen wir in der Flughafenhalle.

Saitensprung mit Kontrabass verspricht ein fröhlicher und mit viel Humor gespickter Roman zu werden. Amüsant ist er, keine Frage, jedoch hatte ich zuweilen das Gefühl, dass die Geschichte unter mangelnden Erklärungen und nicht nachvollziehbaren Handlungen gelitten hat. Es kommt einem so vor, als hätte die Autorin in ihrem Kopf alles genau geplant, aber nur wenig davon in den Roman einfließen lassen.

Das Cover gefällt mir unglaublich gut! Es ist leicht und in hellen Farben gehalten, was mich irgendwie an Sommer und die damit verbundenen Gefühle erinnert. Man erkennt natürlich nicht viel, aber es macht dennoch neugierig.
Der Titel ist super! Er zeigt uns sofort, wer die Protagonistin ist, auch wenn wir es auf den ersten Blick hin nicht verstehen. Fast wie eine kleine Anzeige: Frau mit Kontrabass sucht... ^^

Marlene lebt mit ihrer Tochter Lillie glücklich und zufrieden. Sie hat ihr Hobby zum Beruf gemacht und spielt regelmäßig mit ihrem Kontrabass auf verschiedenen Veranstaltungen. Nur mit den Männern klappt es nicht so ganz. Als sie ihren Freund Tom am Flughafen verabschiedet, scheint sie der Zauber einer alten Frau zu treffen. Auf einmal denkt Marlene nur noch an Männer und will sich an jeden ranwerfen. Dies verursacht in ihrer sowieso schon chaotischen Welt noch mehr Durcheinander...

Der Prolog ist zunächst einmal weniger einführend als irreführend für den Leser. Marlene verabschiedet mit ihrer Tochter Lillie ihren Freund Tom am Flughafen - er macht eine Reise nach Afrika. Weder an diesem noch an einem anderen Punkt in der Geschichte hatte ich das Gefühl, genau zu wissen oder zu erfahren, wie Tom und Marlene die ganze Zeit zueinander gestanden haben. Waren sie in einer festen Beziehung? Machen sie wegen dieser Reise Schluss miteinander? Ist Tom der Vater von Lillie?
Dann folgt der große Moment, in dem Marlenes Gespür für Männer angekurbelt wird. Obwohl das Buch nicht so lang ist, kann ich mich schon gar nicht mehr daran erinnern, wie genau dies passiert ist. Denn dieser ach so wichtige Moment wird total heruntergespielt. Während der Geschichte denkt man gar nicht mehr daran, weil er so unscheinbar gewesen ist. Man kann im Grunde auch überhaupt nicht nachvollziehen, dass Marlenes Sehnsucht nach dem anderen Geschlecht plötzlich so ausgeprägt ist, immerhin kannten wir sie vorher ja nicht. Wir lernen sie nur mit dieser Sehnsucht kennen.

Der Anfang nach dem Prolog hat mir eigentlich sehr gut gefallen. Marlene lebt mit ihrer Tochter Lillie ein glückliches Leben, welches wir auch schön mitbekommen dürfen. Sie spielen gemeinsam, machen Spaziergänge und Marlene führt einfach ein tolles und erfülltes Leben. Das strahlt sie förmlich durch die Seiten hindurch. Besonders klasse finde ich das Wortspiel mit ihrem Nachnamen: Saitensprung. Zum Einen passt er natürlich sehr gut zu ihrer Leidenschaft zu ihrem Kontrabass und zum Anderen ist es immer wieder lustig, wie fremde Menschen bei ihr anrufen, weil sie denken, es handle sich bei ihr um eine Partnervermittlung.
Marlene sitzt also auf dem Balkon ihrer traumhaften Wohnung und beginnt plötzlich ein mit Hand und Fuß gesteuertes Gespräch mit den Nachbarn von gegenüber. Kurz darauf ruft sie ihn an und die beiden verstehen sich sofort. Sie machen einige Späße zusammen. Hier jedoch gibt es bereits das erste vieler Wortspiele, die mich irgendwie irritiert haben, denn der Nachbar heißt Haferbrei. Und auch wenn sich die beiden irgendwann dutzen wollen, so nennt ihn Marlene immer wieder Haferbrei.
Die beiden verstehen sich sehr gut und kommen sich auch immer näher. Die beiden sind wirklich süß zusammen und man wünscht ihnen das Beste.

Hier jedoch beginnt eine seltsame Kettenreaktion, die mich immer wieder hat den Kopf schütteln lassen. Nicht nur, dass Marlene sich immer wieder auf andere Männer einlässt und dann nicht mehr weiß, wo oben und unten ist, hinzu kommt noch, dass sich diese Männer nebenbei auch noch mit ihren Freundinnen zu vergnügen scheinen. Jedes Mal taucht eine bekannte Dame auf - oder eben ein bekannter Herr. Somit kommt es, dass Marlene später alleine dasteht, während alle anderen zueinander gefunden haben. Diese peinlichen Situationen sind schon lustig mit anzusehen, aber Marlene hat es irgendwie nicht anders verdient. Sie gerät immer wieder an andere Männer, ob es nun der Masseur oder ein Rollerfahrer ist, der sie im Park anfährt. Und es sind nicht nur kleine Turteleien, wenn ihr das nun denkt. Noch bevor sie den Gegenüber richtig kennengelernt hat beziehungsweise überhaupt mehr als den Namen weiß, landet sie mit ihm im Bett und zwei Tage später ist der nächste dran.
Das sollte wahrscheinlich den Charme der Geschichte ausmachen, da es mit diesem Fluch zusammenhängt. Aber da dieser Fluch so unscheinbar gewesen ist, denkt man überhaupt nicht mehr daran, sondern urteilt die ganze Zeit über Marlene.

Allerdings gibt es dann zwischendurch wieder schöne Szenen, die an den Anfang der Geschichte erinnern. Dazu gehört Marlenes Tochter Lillie. Sie ist zuckersüß und total vernarrt in ihre Mama. Die beiden sind ein tolles Duo und ziehen sogar mit Marlenes bester Freundin Bettina und deren Sohn in eine große Jugendstilvilla. Obwohl wir niemals erfahren, wie alt Lillie ist (ich schätze sie auf vier oder fünf) oder wer ihr Vater ist, so ist sie der wichtigste und einzig feste Bestandteil in Marlenes Leben.
Nun kommen wir noch zu einer besonderen Person in der Geschichte, Lotte. Immer wieder gibt sie Kommentare ab, wenn Marlene etwas Dummes tut. Es ist wie eine Stimme in ihrem Kopf, die sie davor bewahren will, immer wieder in Fettnäpfchen zu treten. Allerdings wird dies in der Geschichte wie eine eigenständige Person beschrieben. Nicht wie eine Stimme im Kopf. Umso verwirrender ist es dann, dass es diese Lotte wirklich gibt! Eigentlich dachte ich, sie sei eine Freundin von Marlene, doch später glaube ich erfahren zu haben, dass sie die Mutter von Tom ist. Sicher bin ich mir da aber nicht. Die Autorin wollte sicher ihre besserwisserische Art in Marlenes Leben einfließen lassen, schafft damit allerdings mehr Verwirrung als Lacher.

Neben all den Männergeschichten ist es jedoch sehr schön, dass wir an Marlenes Karriere teilhaben können. Sie wird in eine Talkshow eingeladen, woraufhin sie viele tolle Angebote bekommt. Ihre amüsante und spontane Art begeistert die Leute genauso sehr wie ihre Organisation von Privatleben und Karriere. Wir sind zwar dabei, aber manchmal ist es einfach nur total chaotisch in ihrem Leben. In der Medienwelt kenne ich mich nicht so sehr aus, allerdings empfinde ich es als etwas unrealistisch, dass man nach einem Talkshowauftritt plötzlich hunderte von Angeboten bekommt und sogar einen Werbejob mit einer Gage von über einhunderttausend Euro.
Im Gesamten wirkte die Geschichte sehr abgehoben und teils unrealistisch. Manchmal war ich so perplex über das Geschehen, dass mir der Mund offenstehen geblieben ist. Einige Dinge kann ich einfach nicht nachvollziehen. Auch wenn sie behauptet, mit keinem der Männer in er Beziehung zu sein, so wechselt Marlene doch täglich zwischen ihnen hin und her und landet meistens nur im Bett mit ihnen.

Ich habe mir einfach mehr von der Geschichte versprochen, die (abgesehen von dem Prolog) zu wunderbar angefangen hat. Man hätte Marlene durchaus als sehr gutes Vorbild einer alleinerziehenden Mutter darstellen können, die Karriere und Familienleben unter einen Hut kriegt. Aber leider schwenkte ihre lockere Art mit dem Haferbrei in ein ziemlich wilde Orgie aus, über die ich wirklich nur mit dem Kopf schütteln kann. Insgesamt war der Roman für mich auch zu schnelllebig, genauso wie Marlenes Liebesleben.
Zu guter Letzt muss ich leider noch die Form der Geschichte bemängeln. Es gab unglaublich viele Rechtschreibfehler und teilweise waren einzelen Buchstaben innerhalb eines Wortes durch Leertasten getrennt, was das Lesen ab und zu sehr erschwert hat. Einige Formulierungen machten auch keinen Sinn.

Saitensprung mit Kontrabass verspricht ein toller Liebesroman mit dem gewissen Extra zu werden. Bis auf den Anfang jedoch gibt es ein regelrechtes Chaos, das die Autorin nicht mehr in den Griff bekommt. Vieles ist einfach zu unlogisch, zu stürmisch und teilweise gar nicht nachvollziehbar. Ich hätte mir wirklich mehr gewünscht, denn die Geschichte hat durch ihren Charme und Witz großes Potenzial!

3 Marshmallows

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