Mittwoch, 6. August 2014

[Rezension] Miss Emergency 01. Hilfe, ich bin Arzt (Antonia Rothe-Liermann)

Titel: Miss Emergency - Hilfe, ich bin Arzt
Autorin: Antonia Rothe-Liermann
Band 1 der Miss Emergency Reihe
Verlag: Planet Girl (Thienemann)
Seiten: 253
Genre: Arztserie
Preis: 9,95€

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Klappentext:
Welt - ich komme! Lena kann es kaum noch abwarten, ihre Laufbahn als weltbeste Ärztin und aufopfernde Retterin aller Patienten zu starten. Und dann auch noch in Berlin! Voll motiviert, aber mit zittrigen Knien stürzt sie sich ins Praxisjahr. Und landet kopfüber im Krankenhausfahrstuhl - zu Füßen des attraktiven Oberarztes Dr. Thalheim...

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"Schöne Beine."

Hilfe, ich bin Arzt ist ein wunderbarer Auftakt zu einer Arztserie in schriftlicher Form, die Fans von Grey's Anatomy und Doctor's Diary sicherlich begeistern wird! Mit viel Witz, Charme, aber auch ernsthaften Themen und kleinen Lebenskrisen erleben wir den Krankenhausalltag aus Sicht eines Neulings. Wir teilen Ängste und Hoffnungen und fühlen uns selbst wie einer der frischen PJler.

Das Cover sieht total toll aus - sehr mädchenhaft, aber trotzdem ein Augenschmaus. Besonders die übergreifende Aufmachung zum Inneren des Buch passt hervorragend und versetzt uns sofort in die richtige Stimmung.
Der Titel ist sehr passend für den ersten Teil der Reihe und den Anfang des Praxisjahres. Zunächst müssen sich die Neulinge an den Krankenhausalltag gewöhnen und können durchaus etwas überfordert sein, sodass Hilfe ich bin Arzt sehr authentisch ist.

Lena Weissenbach hat es geschafft: Sie ist ihrem Ziel, eine gute Ärztin zu werden, einen entscheidenen Schritt näher gekommen. In Berlin soll sie ihr Praxisjahr absolvieren. Allerdings muss sie gleich am ersten Tag lernen, dass nicht alles so einfach ist, wie sie es sich vorgestellt hat. Zum Einen sind da ihre Mitbewohnerinnen und PJ-Genossinen Jenny und Isa, die unterschiedlicher nicht sein könnten und zum Anderen der gutaussehende Oberarzt Dr. Thalheim, der sie immer wieder in den peinlichsten Momenten erwischt.
Neben all den schönen Momenten muss Lena aber auch einsehen, dass das Leben als Arzt keineswegs leicht ist: Schwierige Patienten, todkranke Patienten, private Streits und berufliche Konflikte gilt es so geschickt wie möglich zu lösen, auch wenn das nicht immer so einfach ist...

Schon ab der ersten Seite war ich total in der Geschichte gefangen. Die Autorin schafft es, den Leser mit viel Charme und Witz in seinen Bann zu ziehen. Gleichzeitig jedoch hat die Geschichte viel Tiefgang und man merkt während des Lesens, dass sich die Charaktere sehr entwickeln, natürlich zum Positiven.
Als Fan von Fernsehserien habe ich überhaupt kein Problem damit, fortlaufende Geschichten zu lesen. Zwar gibt es nicht immer ein "großes Ziel", auf das die Handlung hinarbeitet, allerdings macht es sehr viel Spaß, die angehenden Ärztinnen bei ihrem Praxisjahr zu begleiten und den Alltag mit ihnen zu erleben. Natürlich entwickeln sich Charaktere und Handlung immer weiter, aber dennoch könnte man die Geschichte endlos fortspinnen.
Der Schreibstil ist sehr flüssig und schön zu lesen. Lenas Gedankengänge sind manchmal brutal ehrlich, sodass man zuweilen das Gefühl hat, sie sei zu unaufmerksam oder nicht reif genug für diese Art von Arbeit. Aber immerhin hat sie aus Leidenschaft und Überzeugung Medizin studiert - sie möchte anderen Menschen wirklich helfen und deshalb kann sie den durchaus stressigen Alltag gut bewältigen.

Denn man darf es sich nicht so vorstellen, dass die PJler an ihren ersten Tagen durch das Krankenhaus geführt werden und alles schön ausführlich erklärt bekommen. Man geht davon aus, dass sie die medizinischen Grundkenntnisse in der Praxis wie Blutabnehmen und diverse Untersuchungen bereits haben und es auch schon fehlerfrei können. Es wird schon am ersten Tag angekündigt, dass sie innerhalb von zwei Wochen einen eigenen Patienten erhalten, um den sie sich kümmern müssen. Natürlich stehen die Ärzte ihnen zur Seite, aber sie haben selbst genug zutun, um jedem Neuling hinterherzufragen.
Einerseits ist diese Erkenntnis beängstigend, andererseits wird den PJlern damit auch ein großes Vertrauen zugesprochen. Zunächst ist Lena etwas verunsichert, nicht zuletzt, da ihre erste Begegnung mit dem Oberarzt auf Knien stattgefunden hat und sie einen sehr flirtlustigen und dreisten Patienten abbekommt, der sie nicht als Ärztin anerkennen will und den Kampfgeist in ihr weckt.
Ab und zu habe ich mich allerdings gefragt, ob der Tag der drei Mädchen mehr als vierundzwanzig Stunden hat. Neben dem langen Tag im Krankenhaus und dem vielen Lernen daheim, geht das Privatleben gehörig ab. Sie gehen regelmäßig auf Partys, treffen sich mit Freunden und veranstalten lange Quatsch- und Trinkabende. Wo genau da genügend Schlafzeit sein soll, ist mir schleierhaft. Allerdings ist die Vorstellung einer so tollen WG für mich total klasse und ich wäre gerne dabeigewesen.

Jenny und Isa sind für Lena sehr schnell zu besten Freundinnen geworden, obwohl sie unterschiedlicher gar nicht sein könnten. Jenny ist ein typisches Berliner Mädchen, geht jeden Abend einen draufmachen und hat jede Woche einen anderen Kerl. Dabei jedoch versäumt sie es nicht, ihren Mitbewohnerinnen ihre tolle Heimatstadt zu zeigen und immer ein offenes Ohr für sie zu haben. Ihre Ansichten sind meist sehr eindeutig und wirken vielleicht etwas oberflächlich, aber sie sorgt immer für eine Menge Lacher. Ihrer Meinung nach ist Dr. Thalheim total in Lena verknallt seit er ihre tollen Beine gesehen hat und wäre sehr eifersüchtig auf Lenas besonderen Gehirnerschütterungspatienten, der ihr mit seinen Sprüchen immer wieder den Kopf verdreht. Zunächst hat man das Gefühl, Jenny werde nur Ärztin, weil ihre Eltern das wollen, aber schon bald merkt man, dass einige ihrer eigenen Wünsche hinter dieser Berufswahl stecken. Schon ab dem ersten Tag liegt sie mit Stationsärztin Klara im Clinch und gibt immer die Tussi und selbstbewusste junge Frau. Aber sie hat ein Händchen für schwierige Patienten, was ihr natürlich einige Pluspunkte einbringt.
Isa ist das stille Mäuschen. Sie ist eigentlich überhaupt nicht an Partys und Jungs interessiert und macht schon drei Monate vor dem Probeexam große Panik. Sie lernt immer sehr fleißig, hat aber gegenüber Autoritätspersonen ein Sprechproblem. Bei den Chefarztvisiten bringt sie nie einen Ton über die Lippen und heult sich später die Augen darüber aus. Sie ist sehr gut, kümmert sich vorbildlich um ihre Patienten, aber es mangelt ihr immer etwas an Selbstbewusstsein. Irgendwie habe ich mich ein wenig in ihr wiedererkannt. Auch wenn ich manchmal sehr gut vorbereitet bin, Ideen habe und Antworten weiß, habe ich dieses "Sprechproblem". Warum in solchen Momenten das Selbstbewusstsein fehlt, weiß ich auch nicht so genau.

Im Laufe der Geschichte entwickeln sich die Charaktere. Erst sehr spät bemerkt man eigentlich, wie sehr die ersten Wochen Lena, Jenny und Isa verändert haben. Ihnen wird klar, worauf sie achten müssen und welche Prioritäten sie zu setzen haben. Es ist wirklich toll, sie beim Heranreifen zu beobachten und wie sie neue Freundschaften schließen.
Mein einziger Kritikpunkt ist Dr. Thalheim. Auch wenn Lena es nicht zugibt, sie ist doch ein wenig verknallt in ihn und das passt mir überhaupt nicht. So eine Oberarzt-Anfängerin-Beziehung wäre bestimmt ganz spannend zu beobachten, aber er verhält sich konsequent wie ein Chamäleon. Erst ist er etwas spitzbübisch und amüsiert sich immer über Lenas peinliche Situationen. Später ist er sehr streng und irgendwie nicht zu durchschauen und dann widerum sorgt er sich um Lena. Offenbar behandelt er keine andere PJler so wie sie, weshalb sich besonders Jenny darin bestätigt sieht, dass er in Lena verliebt ist. Erst mit ihrem Reifeprozess wird er netter und gibt ihr sogar Ratschläge. Aber am Anfang mochte ich ihn überhaupt nicht.

Lenas beide Patienten, Manuel und Frau Klein, sind zwei wichtige Stationen während ihrer Entwicklung im Krankenhaus. Manuel ist immer wieder eine Herausforderung, da er ihr immer wieder herausfordernde Sprüche an den Kopf wirft. Diese kleinen spaßigen Auseinandersetzungen lockern sie immer auf und erleichtern ihr den Krankenhausalltag etwas. Sie freut sich sogar immer, wenn sie zu ihm gehen kann. Nach seiner Entlassung haben sie einige Verabredungen, die Lena Spaß machen, aber hin und wieder muss sie feststellen, dass er sie eben nur als Ärztin kenenngelernt hat und eine andere Umgebung auch ein anderes Verhältnis hervorbringt.
Frau Klein dagegen bringt Lena in ihrem Reifeprozess sehr voran. Die alte Dame hört Lena immer gerne zu, wenn diese über ihre Probleme spricht und gibt ihr Tipps. Aber sie ist selbst zu bescheiden und möchte niemandem auf den Nerven liegen, sodass sie nie die ganze Wahrheit über ihren Befindenszustand herausgibt. Zunächst merkt Lena das gar nicht, aber als die Situation lebensgefährlich wird, arbeitet ihr Kopf plötzlich anders. Sie muss genauer auf ihre Patienten achten und darf diese nicht immer nur mit ihren Problemen vollladen.

Miss Emergency - Hilfe, ich bin Arzt ist eine wunderbare Geschichte über das Einsteigen in ein Praxisjahr im Krankenhaus, die mit viel Witz, Charme und auch ernsten Themen und Konflikten glänzt und diesen Lebensabschnitt mit all seinen positiven und negativen Seiten zeigt.

5 Marshmallows


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