Sonntag, 6. Juli 2014

[Rezension] Verloren in der grünen Hölle (Ute Jäckle)

Titel: Verloren in der grünen Hölle
Autorin: Ute Jäckle
Einzelband
Verlag: Bookshouse
Seiten: ca. 509
Genre: Jugendthriller
Preis: 5,99€

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Klappentext:
Das Leben der siebzehnjährigen Kolumbianerin Elena verläuft glücklich und sorgenfrei. Bis sie eines Tages gemeinsam mit zwei Freundinnen auf dem Weg zu einem Einkaufsbummel entführt und in das Camp einer professionellen Kidnapperbande mitten im Regenwald verschleppt wird. Eine Zeit voller Todesangst und Schrecken bricht für die Mädchen an, denn der cholerische Bandenführer Carlos kennt keine Gnade.
Elena will sich mit ihrem Schicksal nicht abfinden, sie rebelliert mit dem Mut der Verzweiflung gegen die Männer und fordert damit den Zorn von Carlos heraus. In letzter Minute beschützt der attraktive Entführer Rico sie vor dem gefährlichen Anführer und stürzt Elena in einen Gewissenskonflikt. Ehe Elena bewusst wird, auf was sie sich einlässt, zieht es sie in einen reißenden Strudel aus Leidenschaft und tödlicher Gefahr.
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 Elena sah aus dem Fenster hoch zur Sonne, die bereits kraftvoll vom wolkenlosen kolumbianischen Himmel schien.

In ihrem Debütroman Verloren in der grünen Hölle entführt uns Ute Jäckle im wahrsten Sinne des Wortes in eine facettenreiche Geschichte, über deren Thematik ich so noch nichts gelesen habe. Spannung, Liebe aber auch Angst lassen uns durch die Seiten fliegen, niemals wird es langweilig oder ausgedehnt. Bis zum letzten Wort ist bleibt Spannung erhalten.

Das Cover gefällt mir gut - es passt zur Geschichte. Allerdings muss ich sagen, dass der helle Streifen des Verlages sehr störend ist und das Cover irgendwie voll aussehen lässt. Das ist mir auch schon bei anderen Büchern des Verlages aufgefallen.
Der Titel erregt sofort die Aufmerksamkeit. Man weiß, dass man keine zarte Geschichte erwarten kann. Hier und da ist die Angst und Brutalität so groß, dass der Titel wie die Faust aufs Auge passt. Aber für die Gesamtheit des Buches ist er doch ein wenig zu hart gewählt.

Elena und ihre beiden besten Freundinnen Adriana und Luisa leben als reiche Töchter in Kolumbien. Sie lieben es, shoppen zu gehen und sich vom privaten Chauffeur mit der Limousine durch die Gegend fahren zu lassen. Bei einem dieser Trips jedoch werden sie plötzlich entführt und von da an beginnt ein wochenlanges Martyrium. Sie werden von einer brutalen Bande durch den Dschungel zu einem einsamen Camp gehetzt. Die Angst ist unermesslich groß, besonders vor Carlos, dem brutalen Anführer der Bande, der mit seinen Wutanfällen vor nichts zurückschreckt. Nur sein Cousin Rico hindert ihn daran, regelmäßig auf die Geiseln loszugehen. Elena fällt auf, dass Rico anders ist, als die Entführer und Wächter im Camp und seltsamerweise fühlt sie sich zu ihm hingezogen...

Eigentlich bin ich eher zufällig auf dieses Buch gestoßen. Vor einigen Tagen stöberte ich auf Amazon und entdeckte das grüne Buch mit den heftigen Titel. Die Rezensionen waren durchweg sehr gut und spontan lud ich es mir auf meinen Kindle. Die Geschichte ist wirklich unglaublich gut erzählt! So etwas habe ich bisher noch in keinem der zahlreichen Bücher gelesen. Grundsätzlich ist die Situation einfach erklärt: Reiche Mädchen werden von einer Mafiabande entführt und gegen sehr hohe Lösegeldforderungen im Dschungel festgehalten. Nur kommt eine kleine und doch sehr bedeutende Nebensächlichkeit hinzu, die der Geschichte einen völlig anderen Charakter verleiht: Elena verliebt sich in Rico, einen ihrer Entführer. Wenn man das so liest, könnte man meinen, es handle sich um das rätselhafte Stockholm-Syndrom, aber Ute Jäckle bringt uns diesen Umstand anders näher. Hätte sie nicht die Rahmenhandlung mit der Entführung geschaffen, so hätten sich Elena und Rico vielleicht unter normalen Umständen kennengelernt und dennoch ineinander verliebt. Es macht einfach klick - die beiden passen sehr gut zueinander.

Aber hätte, hätte - Fahrradkette... Natürlich haben sie sich nicht unter normalen Umständen kennengelernt und das macht ihre Zuneigung zueinander so außergewöhnlich, aber auch gefährlich. Adriana und Luisa haben furchtbare Angst und fügen sich allen Befehlen ihrer Entführer, wie man es auch erwarten würde. Elena jedoch will sich nicht mit ihrer Situation abfinden und wird immer wieder aufmüpfig - sehr zum Leidwesen der anderen, da Carlos sehr reizbar und brutal ist. Schon während des tagelangen Marsches durch den Dschungel zum Camp erweist sich Rico als anders. Er hilft den Mädchen und hält Carlos immer wieder zurück, seine Aggressionen an ihnen auszulassen. Dabei argumentiert er zwar immer damit, dass er sie nicht zum Camp tragen will oder die Lösegeldforderungen in Gefahr geraten könnten, aber wie sollte er seinen Cousin sonst in Schach halten? Auf menschlicher Ebene kann man mit Carlos überhaupt nicht reden.
Im Camp angekommen, treffen die Mädchen auf Pedro und Jose, die bereits seit mehreren Monaten dort gefangengehalten werden. Sofort schließen sie sich zusammen und versuchen, so wenig Aufmerksamkeit wie möglich auf sich zu lenken.

Die Autorin präsentiert uns im Laufe des Buches unterschiedliche Charaktere. Das finde ich wirklich sehr gut, denn so vermittelt sie uns mehrere Möglichkeiten, mit einer solchen Entführung fertig zu werden.
Adriana und Luisa beispielsweise halten sich sehr zurück, befolgen alle Befehle und sind sehr eingeschüchtert. Gleichzeitig sind sie aber auch die typischen Mädchen, sodass sie sich gleich an Pedro und Jose heranwerfen. Es gibt auch ein paar Szenen, in denen man merkt, dass sie durch eine Kurzschlussreaktion handeln, aber das kommt ihnen überhaupt nicht zugute.
Elena dagegen ist ein anderer Typ. Wenn ich genauer darüber nachdenke, so hat sie sogar zwei Seiten, die immer abwechselnd zum Vorschein kommen, was man während des Lesens nur ab und zu bemerkt. Zum Einen kann sie nicht ihren Mund halten und wird sogar gegenüber des gefürchteten Carlos manchmal frech. Zum Anderen ist sie ebenfalls ein typisches Opfer. Oftmals weint sie aus Angst und Verzweiflung. Das kann ich natürlich durchaus nachvollziehen, aber es passiert meist unpassend in Szenen, in denen sie sich als tough erwiesen hat.

Carlos ist ein sehr gut ausgewählter Charakter. Durch ihn bekommt die Entführung erst ihre harte und brutale Seite. Er schreit sehr oft herum, schlägt um sich und vergreift sich an den Geiseln. Oft kann es Rico verhindern, aber auch er kann sich nicht immer gegen seinen Cousin stellen - besonders dann nicht, wenn dieser der Meinung ist, die Geisel hätte die Strafe verdient. Obwohl Carlos der böse und schlechte Anführer der Bande ist, so merken wir bald, dass er doch nur eine Marionette im großen Mafiadschungel ist. Er erledigt die kleinen Arbeiten, während die großen Auftraggeber ihre Gelder waschen und Drogen schmuggeln. Vielleicht ist er auch gerade deswegen so wütend und möchte sich gegenüber den Geiseln so furchtbar schrecklich aufführen.
Rico ist ein wunderbarer Charakter, den ich in einem normalen Jugendbuch extrem geschätzt und symphatisch gefunden hätte. Natürlich ist er in dieser Geschichte sehr wichtig, auch wenn ihm nicht alle Geiseln dankbar für seine Hilfe sind. Nur aus Not hat er sich vor einigen Jahren der Bande angeschlossen. Sein einziges Ziel ist es, genug Geld für ein neuen Leben zu verdienen, allerdings stellt er sich immer wieder zwischen Carlos und die Geiseln. Besonders Elena hat es ihm angetan. Gegenüber ihr und auch den anderen ist er zwar häufig noch der strenge Kidnapper, aber heimlich sorgt er für ihre Sicherheit. Elena erkennt das und kann sich ihm bald nicht mehr entziehen.

Die Beziehung zwischen Elena und Rico ist sehr authentisch dargestellt. Sie fühlt sich in seiner Gegenwart sehr wohl - er versteht und beschützt sie. Fast niemand kann dies nachvollziehen und so trifft sie immer wieder auf verschlossene Türen. Aber die Zeit mit Rico ist so schön für sie, dass sie die Entführung und ihre Situation für einige Stunden vergessen kann. Sogar ich habe fast vergessen, unter welchen Umständen sie eigentlich im Dschungel gelandet sind. Sie verbringen wunderbare Momente miteinander - man kann sich gar nicht vorstellen, wie es nach der Enführung mit den beiden weitergehen soll.
Manchmal allerdings haben sie auch hitzige Diskussionen und da lässt Rico wieder den Befehlshaber heraushängen. In diesen Momentan hatte ich sogar Angst vor ihm. Da merkt man eben mal wieder, dass er eigentlich ein Kidnapper ist. Das lässt sich nicht so leicht abstellen, auch wenn er im Grunde einen guten Charakter hat.

Spannung, Liebe und Angst ziehen sich durch die ganze Geschichte. Nicht einmal auf der letzten Seite lässt uns die Autorin zu Atem kommen. Immer wieder gibt es Überraschungen und Wendungen, bei denen mir mitten in der S-Bahn mein Mund nach unten geklappt ist ;) Und wenn man der Überzeugung ist, des Rätsels Lösung erhalten zu haben, so gibt es immer noch ein Hintertürchen, durch das die Autorin noch eine bedeutende Information nachschiebt. Sehr gut hat mir außerdem gefallen, dass die Geschichte nicht einfach mit der Entführung endet. Es gibt ein danach, was in vielen Geschichten ausgelassen wird - entweder um die Vorstellungskraft der Leser anzukurbeln oder die Geschichten eben einfach enden zu lassen. Aber hier geschieht das nicht. Im Gegenteil: Viele Fragen werden erst in dieser Phase aufgeklärt und die Folgen dieser Entführung für Betroffene und Familie werden deutlich sichtbar und zeigen auf, wie viel so etwas zerstören kann.

Verloren in der grünen Hölle ist ein facettenreicher Roman, der Spannung, Angst und Liebe in einer ungewöhnlich Situation miteinander vereint und den Leser bis zum letzten Wort gefangen hält. Gut ausgearbeitete Charaktere, eine zarte Liebegeschichte und eine exotische Umgebung machen das Debüt von Ute Jäckle zu einem Lesegenuss der besonderen Art.


5 Marshmallows

1 Kommentar:

  1. Hi Dani,

    eine tolle Rezi ❤ Das Buch durfte bei mir auch einziehen und jetzt freu ich mich noch mehr aufs lesen *_*

    Lg
    Micha

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