Mittwoch, 7. Mai 2014

[Rezension] Numbers - Den Tod im Blick (Rachel Ward)

Titel: Numbers - Den Tod im Blick
Autorin: Rachel Ward
Band 1 der Trilogie
Verlag: Carlsen
Seiten: 363
Genre: Fantasy/Jugendbuch
Preis: 8,99€

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Klappentext:
Er hatte sie auch. 08122010. Seine Zahl. Irgendwas würde mit diesen Leuten passieren. Heute. Hier.

Augen, so heißt es, sind das Fenster zur Seele. Doch wenn Jem in fremde Augen blickt, sieht sie eine Zahl. Und die ist unauslöschlich. Denn sie markiert den Tag, an dem ihr Gegenüber sterben wird.
Also meidet Jem Menschen. Doch dann lernt sie Spinne kennen - und ist glücklich, zum ersten Mal. Bis bei einem Trip zum Londoner Riesenrad etwas Schreckliches passiert: Um sie herum haben alle dieselbe Zahl...
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Es gibt bestimmte Orte, wo wir uns herumtreiben.

Ein Mädchen, das sehr zurückgezogen lebt, weil es die Todesdaten anderer Menschen sehen kann, sobald sie sie ansieht. Ein Mädchen, das dennoch immer wieder in den Fokus gerückt wird. Ein Anschlag und eine Flucht, die sie noch weiter in den Fokus der Öffentlichkeit rückt. All das verspricht der erste Band der Numbers-Reihe.

Das Cover gefällt mir gut. Ich würde es nicht gerade als hübsch oder anziehend bezeichnen, dennoch strahlt es eine gewisse Düsternis aus. Dass das große Wort Numbers mit Zahlen ausgefüllt ist, passt sehr gut und ist eine kreative Idee!
Der Titel passt wortwörtlich auf die Umstände, die den Roman ausmachen. Die Protagonistin sieht die Todesdaten anderer Menschen durch einen Blick in ihre Augen.

Jem kann seit ihrer Geburt die Todesdaten ihrer Mitmenschen mit einem Blick sehen. Früher wusste sie nicht genau, was die Zahl zu bedeuten hat, doch inzwischen ist ihr ganzes Leben danach ausgelegt. Sie lebt sehr zurückgezogen in einer Pflegefamilie und lässt niemanden an sich heran. Man würde sie auch als Problemkind bezeichnen. Sie hält nichts von der Schule und gerät immer wieder in brisante Situationen, die ihr Ärger einhandeln.
Als sie eines Tages Spinne kennenlernt, mit ihm einen Ausflug zum London Eye macht und alle Menschen dort diesselbe Zahl haben, ergreift sie voller Panik die Flucht. Nur wenige Minuten später explodiert das Riesenrad und die beiden Jugendlichen werden von der Polizei gesucht.

Schon lange hat mich die Geschichte des Mädchens interessiert, dass den Tod sieht. Jedoch entpuppte sie sich sehr schnell als nicht das, was ich erwartet hatte. Eigentlich war ich auf einen spannenden Thriller gefasst gewesen, doch die Geschichte sackt ziemlich schnell in ein Jugenddrama mit sozialem Schwerpunkt ab. Beide Aspekte wirken wie zufällig zusammengewürfelt und haben mit der versprochenen Spannung wenig zutun.
Natürlich wird inhaltlich genau das eingehalten, was im Klappentext beschrieben wird, jedoch wird von vorneherein der soziale Aspekt komplett außer Acht gelassen. Das ist ziemlich blöd, wenn man bedenkt, dass sich das gesamte Buch darum dreht. Somit muss man sich als Leser komplett fallen lassen. Mir ist das jedoch sehr schwer gefallen, da ich mich noch nie mit dieser Art von Menschen identifizieren konnte.

Jem lebte einige Zeit in einem Jugendheim, da ihre Mutter an einer Überdosis Heroin gestorben ist. Ihren Vater hat sie nie kennengelernt. Vor Kurzem wurde sie von einer sehr liebenswürdigen Familie aufgenommen. Leider jedoch sträubt sie sich gegen jegliche Beziehung zu anderen Menschen. Dies ist hauptsächlich durch ihre Gabe bedingt. Dass sie sich aber so heftig von der Welt abkapselt, kann ich nicht verstehen. Sie glaubt, dass das Leben sowieso nur sehr kurz ist und man deswegen nicht zur Schule gehen oder einen Beruf erlernen muss.
Natürlich kann ich jetzt lange über meine Ansichten dazu philosophieren, allerdings würde dies den Rahmen sprengen und auch große Differenzen zu der Ansicht von Jem aufweisen. Wie sie bin ich der Meinung, dass das Leben kurz ist, aber unsere Meinungen driften dann weit auseinander. Genau deshalb, weil das Leben kurz ist, sollte man es in vollen Zügen genießen. Jem jedoch ist der Meinung, dass man das Leben dann überhaupt nicht braucht. Sie hat viel Schlimmes in ihrer Kindheit und Jugend erlebt, aber das ist für mich noch lange kein Grund, einen solchen Hass auf alles und jeden zu verspüren.

Auch darüber könnte ich mich wieder seitenweise aufregen, aber das bringt nichts. Ich kann diese jungen Menschen, sie zwar Schlimmes erlebt haben, aber sich dann einfach nicht zusammenraufen können, einfach nicht verstehen. Lieber tendieren sie zu Alkohol, Drogen und Gewalt, um ihre Probleme für eine Weile zu vergessen. Für mich absolut unverständlich.
Jem und auch Spinne gehören beide zu dieser Gruppe junger Menschen, obwohl sie für deren Verhältnisse noch recht normal wirken. Und dennoch konnte ich mich einfach nicht mit ihnen anfreunden. Allein ihre "vulgäre Ghetto-Sprache" hat mich schon nach wenigen Seiten total genervt. Auch wenn man dadurch den Stand und die Lebensumstände der Charaktere vielleicht besser nachvollziehen kann, sind abgehakte Wörter und dergleichen im literarischen Sprachgebrauch ein Tabu. Zwar habe ich nichts dagegen, wenn mal die Worte Scheiße oder Arschloch fallen, aber die Sprache von Jem und Spinne im Roman ist absolut unterste Schublade.

Nachdem das London Eye durch einen Anschlag zerstört worden ist, fliehen Jem und Spinne, weil sie von der Polizei gesucht werden. Immerhin sind sie wenige Minuten vor der Explosion davongerannt. Auch hier kann ich kein wirkliches Verständnis aufbringen. Jem hatte schon früher einigen unangenehmen Kontakt zur Polizei und deshalb hat sie Angst, dass sie ihr irgendetwas anhängen wollen. Allerdings kann sie das doch überhaupt nicht wissen! Sie ist so in ihrer Meinung festgefahren, dass alle Menschen ihr nur Schlechtes wollen, dass sie nicht einmal ansatzweise auf die Idee kommt, dass sie vielleicht nur als Zeugin aussagen soll. Da niemand außer Spinne von ihrer Gabe weiß, erhofft sich die Polizei, dass Jem etwas Auffälliges entdeckt hat, ansonsten wäre sie ja nicht weggerannt.
Die Flucht dauert das gesamte Buch über an. Immer wieder verbringen die beiden die Nacht in kalten Höhlen und stehlen und hier und dort etwas zu Essen. Die beiden werden richtige Freunde und sogar ein Liebespaar. Jem bekommt endlich wieder ein bisschen von ihrer Hoffnung zurück, allerdings ist das auch schon das Einzige, was ich als positiv herausstellen kann. Ihre Gedanken kreisen sich eigentlich immer nur darum, wie blöd und gemein die Welt ist und dass ihr jeder außer Spinne nur Böses will. Theoretisch müsste sie sich ihr ganzes Leben lang verstecken, um nie wieder einem Menschen zu begegnen. Ich kann es nicht anders ausdrücken, diese extrem pessimistische Einstellung hat mich total nach unten gezogen und es ist einfach nur nervig, wenn sich die Protagonistin selbst darin verennt.

Natürlich ist die Geschichte hier und da mit Spannung gespickt, immerhin weiß man selbst ja nicht genau, was die Polizei von den beiden möchte und wie die Geschichte nun noch ausgehen kann. Aber durch ihre Flucht haben sie sich einen eigenen Strick gedreht. Das wäre für mich schon Beweis genug, dass sie irgendetwas mit dem Anschlag zutun haben, weswegen die Polizei nun auch ausgiebiger nach ihnen sucht.
Generell habe ich kein Problem damit, mich auch einmal mit einer solchen Art von Menschen auseinanderzusetzen, aber die Geschichte in der Gesamtheit hat mich mit dem sozialen Aspekt, wie arm solche Jugendliche doch dran sind, total genervt und ich konnte trotz einiger Bemühungen einfach null Verständnis aufbringen. Die Gabe Jems, die Todesdaten anderer Menschen zu sehen, rückte immer wieder in den Hintergrund und das finde ich extrem schade, da sie ja eigentlich Hauptthema des Romans sein sollte.

Numbers - Den Tod im Blick hat mich überaus enttäuscht, da man keine spannende Urban-Fantasy-Geschichte bekommt, sondern ein soziales Jugenddrama, das einen mit seiner negativen Ansicht über Gott und die Welt total nach unten zieht.


1 Marshmallow

Und dann sickerte ein seltsam tröstlicher Gedanke in mich ein - ich hatte nichts, also konnte ich jetzt alles tun. Alles, was ich wollte. Ich hatte nichts mehr zu verlieren. (S. 69)

Ich wünschte, ich hätte sagen können: "Ich geh nach Hause", aber es gab nichts, was sich nach einem Zuhause anfühlte. (S. 91)

1 Kommentar:

  1. Ich stimme dir vollkommen zu: Mehr sozial als Thriller :-( Deine Gedanken finde ich cool, das hat man selten :-)

    Das Blogdesign ist so schön rosa xD Hast du den Rezensionsindex auch ohne Bilder, nur mit Titel? Ich finde das übersichtlicher :-)

    Hier ist übrigens meine Kritik zum Buch: http://evyswunderkiste.blogspot.de/2012/08/numbers-den-tod-im-blick.html

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