Samstag, 17. Mai 2014

[Rezension] If I Stay (Gayle Forman)

Titel: If I Stay
Deutscher Titel: Wenn ich bleibe
Autorin: Gayle Forman
Band 1 der Dilogie
Verlag: Black Swan
Seiten: 250
Genre: Drama
Preis: 6,60€

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Klappentext:
The last thing Mia remembers is the music.
After the accident, she can still hear it. And she can see her damaged body being taken from the wreck of her parent's car - even though she can't feel a thing.
All she can do is watch as doctors rush to save her life, as her friends and relatives gather outside her room, as the boy she loves struggles to be near her.
As the next twenty-four hours unfold, Mia mus come to terms with what came before the crash - and what could come after. And she knows she must make the most difficult choice of all.
If she stays ...
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Everyone thinks it was because of the snow.

Es ist eine grauenhafte Vorstellung, wenn wir uns in die Protagonistin Mia hineinfühlen. Wenn man sich nicht selbst in dieser Situation befunden hat, so ist es unvorstellbar, wie man entscheiden soll: Bleibe ich oder gehe ich? Eigentlich sollte die Antwort sofort "Ich bleibe." heißen, aber man muss dann auch mit den Konsequenzen leben und Mia ist sich nicht sicher ob sie das kann.

Das Cover gefällt mir sehr gut. Die Winterlandschaft, die mit grünen und gelben Farben aufgehübscht ist, passt sehr gut, wobei ich sagen muss, dass das Mädchen eine merkwürdige Haltung eingenommen hat. Besonders gefällt mir, dass das Motiv auch auf der Innenseite des Buch weitergeht.
Der Titel bringt uns die zentrale Frage näher, der sich Mia stellen muss. Sie muss immer wieder abwägen ob es besser für sie ist, zu bleiben oder zu gehen und ihr Leben aufzugeben.

Mia scheint das perfekte Leben zu haben: Sie ist unsterblich in Adam verliebt und außerdem noch eine begnadete Cellistin, die sehr gute Chancen auf ein Stipendium bei der renommierten Juilliard hat.
Allerdings ändert sich ihr Leben an einem verschneiten Morgen völlig. Das Auto ihrer Familie kommt ins Schlittern und kracht in einen LKW. Plötzlich ist es so, als wäre Mias Seele aus ihrem Körper entwichen und sie beobachtet als Außenstehende die nächsten tragischen vierundzwanzig Stunden, in denen sich sich entscheiden muss, ob sie zurück in ihren Körper geht oder diese Welt für immer verlässt...

Gayle Forman zeigt in diesem Roman metaphorisch und auf gleichzeitig gefühlvolle und doch nüchterne Art, wie sich ein Mensch nach einem grauenvollen Unfall fühlt, wie er entscheiden muss, ob für ihn das Leben noch lohnenswert ist. Im Grunde ist es eine schöne Vorstellung, dass ein Mensch, der dem Tode nahe ist, noch auf einer Zwischenebene entscheiden kann, ob es sich für ihn noch lohnt, in seinen Körper zurückzugehen. Denn durch diese Vorstellung können wir glauben, dass nicht der Körper entscheidet, wann wir sterben, sondern unser Geist, nämlich dann, wenn er bereit ist, zu gehen. Doch leider gibt es ja immer wieder Beispiele, die eigentlich dagegen sprechen.
In Mias Situation ist es noch einmal heftiger. Denn bei dem Unfall verlor sie ihre Eltern und ihren kleinen Bruder. Ihre Trauer darüber ist so groß, dass sie gar nicht mehr zurückkehren will. Auch wenn ihre Großeltern, ihre beste Freundin Kim und ihr Freund Adam auf sie warten. Die Familie steht einem eben doch näher.

Die Geschichte ist sehr gut aufgebaut. Zunächst beginnt sie mit einem normalen Morgen, der jedoch in einer Katastophe endet - nämlich mit dem Tod von Mias Eltern und ihrem kleinen Bruder. Sie selbst wird schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Doch sie scheint mehr tot als lebending zu sein. Ihr Geist ist es aber umso mehr. Sie begleitet ihren Körper wie ein unsichtbarer Schatten und kann alles, was um sie herum passiert, beobachten. Immer wieder denkt Mia an die Vergangenheit. Durch diese Rückblenden erhalten wir einen sehr guten Einblick in Mias Leben: Welche Art Mensch sie ist; wie sie zum Cello-Spielen kam; wie ihre Beziehung zu ihren Eltern und ihrer besten Freundin Kim ist und wie sie Adam kennen- und liebenlernte.
Am Anfang sind diese Rückblenden noch in einem "Kennenlern-Prozess". Später jedoch, wenn Mia in ihrer jetzigen Situation immer mehr Zweifel kommen, werden auch ihre Erinnerungen dunkler. Sie erinnert sich an Probleme und Konflikte. Somit sind ihre Gedanken von früher und im Hier und Jetzt immer äquivalent.
Doch je mehr sie darüber nachdenkt, desto klarer wird ihr, dass sie so nicht weiterleben möchte.

Und gerade in diesen Momenten wäre ich gerne durch die Seiten gestiegen. Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass sie ohne ihre geliebte Familie kein richtiges Leben mehr führen kann oder will, allerdings ist ihre Unentschlossenheit manchmal doch etwas nervig. Natürlich ist es keine leichte Entscheidung ob man sein Leben nun hinter sich lässt oder den Kampf aufnimmt, allerdings kann sie auch nicht einfach loslassen. Sie möchte eine Bestätigung, dass sie loslassen darf. Fast so, als wäre sie kein eigenständiger Mensch. 
Mit der Zeit der Rückblenden lernen wir über Mia, dass sie ein ruhiges Mädchen und nicht wirklich von sich überzeugt ist. Ansonsten würde sie nicht permanent daran zweifeln, dass der beliebte Adam, der in einer aufsteigenden Rockband Gitarre spielt, ausgerechnet sie als seine große Liebe auserwählt hat. Immerhin liebt sie ihn auch und deshalb kann ich nicht verstehen, warum sie immer wieder von negativen Gefühlen geplagt wird und die Zeit mit ihm nicht genießt. Gerade jetzt sieht sie ja, dass das Leben zu kurz ist.

Und damit komme ich zu der Beziehung von Mia und Adam. Es ist natürlich ganz klar, was die beiden verbindet: Ihre leidenschaftliche Liebe zur Musik. Jedoch sind sie in zwei völlig unterschiedliche Richtung entwickelt: Adam ist Gitarrist der Rockband Shooting Star, die gerade kurz vor dem großen Sprung steht und Mia ist eine klassische Cellistin. Vielleicht kann Mia gerade deshalb nicht glauben, dass Adam sich in die verliebt hat - weil sie ganz anders ist. Besonders süß war das erste Treffen der beiden. Adam hat all sein Geld zusammengekratzt, um Mia zu einem klassichen Konzert des Cellisten Yo-Yo Ma einzuladen. Obwohl er der coole Rocker ist, kann man seine Art und seinen Umgang mit anderen Menschen nur als absolut liebenswert und herzensgut bezeichnen. Er würde alles für Mia tun und sagt sogar ein Konzert ab, als er von ihrem Unfall erfährt. Er lässt sich die verrücktesten Ideen einfallen, um sich zu ihr auf die Intensivstation zu schmuggeln.
Jetzt folgt leider ein großes Aber. Denn obwohl die beiden durch Musik verbunden sind und Adam offen zeigt, wie sehr er Mia liebt, so hatte ich dennoch die ganze Zeit das Gefühl, dass die beiden einfach nicht zueinander passen. Das hat nichts mit ihren unterschiedlichen Musikstilen zutun, aber wohl eher mit Mia. Zwar versucht sie wirklich, Adam und seine Leidenschaft für Rock zu verstehen, doch sie fühlz sich in dieser Welt überhaupt nicht wohl und sucht immer wieder Ausreden, um nicht zu seinen Shows kommen zu müssen. Das finde ich sehr schade, da sie doch etwas Verständnis für ihn aufbringen sollte. Außerdem sind ihre eigenen Eltern Verfechter der Rock-Szene und eigentlich ist sie ja damit aufgewachsen.

Innerhalb der Geschichte gibt es immer wieder Momente, die mich emotional berührt haben, jedoch sind das nur sehr wenige. Irgendwie bin ich nicht ganz warm mit dem Buch geworden, für mich wirkte vieles distanziert, sodass ich mich nicht wirklich in Mias Situation hineinfühlen konnte.
Vielleicht hat das auch mit den vielen Rückblenden zutun, die wirklicht einen sehr großen Teil des Buches ausmachen. Sie erzählen die Geschichte eines normalen Mädchens, aber irgendwie konnte ich keine Nähe aufbauen. Denn dann befindet man sich wieder im Krankenhaus und die Stimmung wird runtergezogen. Und es ist leider auch nicht so, dass man Mias Leben vor dem Unfall als glücklich bezeichnen konnte. Ich habe ihre Rückblenden eher wie eine kleine Biografie gelesen und keine wirklichen Emotionen dabei spüren können. Dabei wäre das so wichtig gewesen. Dass sie als Vollwaise und ohne ihren Bruder aufwachen wird, ist schlimm genug, aber ansonsten sehe ich in ihrem Leben keinen weiteren richtigen Grund, dass sie in ihren Körper zurückkehren sollte. So gemein das auch klingt. Sie spricht immer nur von ihrer Familie und ganz selten von Adam. Ihr Leben wurde für mich nicht so positiv dargestellt, dass sie unbedingt zurückkommen möchte. Ich hatte wirklich sehr oft das Gefühl, dass wir einfach gehen will, aber da sie noch nie wirklich ihre eigenen Entscheidungen ohne Beihilfe getroffen hat, braucht sie erst einen Zuspruch von außen.

Insgesamt haben mir die Idee und Vorstellung gefallen, dass die Seele vor einem möglichen Tod noch einmal selbst entscheiden kann, ob sie ins Leben zurückkehren möchte oder nicht. Grundsätzlich ist der Ansatz sehr gut, aber leider kommen bei mir nur wenige Emotionen an. Es herrscht wenig Ruhe in der Geschichte und immer viel Hektik und Aktion. Die Rückblenden wirken ungeordnet, beschreiben aber äquivalent zu Mias Gefühlen Konflikte aus ihrer Vergangenheit.
Adam ist ein wirklich toller Charakter, ebenso wie Mias beste Freundin Kim, aber Mias Beziehung zu anderen Menschen ist immer von Zweifeln geprägt, was sehr schade ist. Deshalb hat sie auch immer öfters Streit mit Adam gehabt, da sie ihm aus Angst nicht immer alles erzählt hat, dabei hat er immer Verständnis.

If I Stay behandelt ein erschreckendes und zugleich schönes Thema, allerdings ist die Umsetzung mittelmäßig. Die Gefühle kommen nicht ganz bei mir an und generell wirkt alles sehr distanziert. Hätte die Autorin die Protagonistin Mia nur etwas offener gestaltet, hätte die ganze Geschichte schon anders ausgesehen.

3 Marshmallows

I understood all that in my head, but I still didn't believe it in my heart. When I was with Adam, I felt picked, chosen, special, and that just made me wonder Why me? even more. (S.103)

'Fake it till you make it!' (S. 104)

I'm not sure this is a world I belong in anymore.
I'm not sure I want to wake up. (S.177)

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