Sonntag, 13. April 2014

[Rezension] Morgentau - Die Auserwählte der Jahreszeiten (Jennifer Wolf)

Titel: Morgentau - Die Auserwählte der Jahreszeiten
Autorin: Jennifer Wolf
Einzelband
Verlag: Impress (Carlsen)
Seiten: 255
Genre: Fantasy/Romanze
Preis: 3,99€

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Klappentext:
Die Erde liegt unter einer dicken Schneedecke, Eis und Kälte herrschen überall. Nur noch ein kleiner Landfleck ist bewohnbar, wo die Erdgöttin Gaia die letzten ahnungslosen Menschen angesiedelt hat. Hier lebt auch Maya Jasmine Morgentau, eine der göttlichen Hüterinnen. Alle hundert Jahre wird unter ihnen eine Auserwählte dazu bestimmt, das Gleichgewicht der Natur aufrechtzuerhalten. Sie darf die vier besonderen Söhne der Gaia kennenlernen, den Frühling, den Sommer, den Herbst und den Winter. Für einen muss sie sich entscheiden und sich ein Jahrhundert an ihn binden. Doch jeder der Söhne hat seine Stärken und Schwächen. Sollte Maya die Auserwählte werden, für wen würde sie ihr Leben hergeben?
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Mein Name ist Maya Jasmine Morgentau und ich bin eine Hüterin der Gaia.

Die Autorin Jennifer Wolf schenkt uns eine wahrhaft fantastische und unglaublich zauberhafte Märchengeschichte, die eigentlich von einer aufgezwungenen Liebe handelt, die sich aber zu einer wahren unsterblichen Liebe entwickelt. Die Jahreszeiten sind sehr wichtig für unsere Welt und doch reagieren wir nicht, wenn sie unregelmäßig oder falsch in Erscheinung treten. Hier erhalten wir eine mögliche Erklärung und das in einer zauberhaften Geschichte verpackt.

Das Cover ist wirklich wunderschön! Die Lila- und Rosatöne vermitteln ein warmes Gefühl, das sich langsam im Inneren ausbreitet. Das Mädchen mit dem roten Haar ist eindeutig die Protagonistin Maya. Schon allein diese Gestaltung macht Lust, das Buch zu lesen!
Der Titel birgt Mayas Namen in sich und dass sie die Auserwählte der Jahreszeiten ist. Allein unter dem Titel können wir uns noch nicht vorstellen, was uns erwarten wird, aber der Klappentext gibt reichlich Aufschluss darüber.

In einem abgeschotteten kleinen Städtchen in unserer Zukunft ist das Leben wieder einfacher geworden. Dort leben die Hüterinnen der Natur - der mächtigen Mutter Gaia. Sie sorgen vor Ort für ein Gleichgewicht auf der Erde. Damit die Jahreszeiten, die vier Söhne Gaias, besänftigt werden und die Natur weiter in Einklang bringen können, wählt Gaia selbst im Orden der Hüterinnen alle 100 Jahre ein Mädchen aus, das einen ihrer Söhne zum Mann nehmen soll.
Maya wird ausgewählt und geht mit etwas Angst, aber auch ohne Vorurteile an die Sache heran und fühlt sich seltsamerweise von dem kalten und abweisenden Winter, Nevis, angezogen...

Die Idee zur Geschichte ist einfach zauberhaft! Schon allein durch die Gestaltung von Cover und Klappentext war ich sehr angetan und im Laufe des Buches habe ich mich dann endgültig verliebt. Hier und da habe ich zwar schon mal davon gehört, dass Gaia die Mutter der Erde und Natur ist, aber die Jahreszeiten als ihre Söhne in männliche Gestalten zu verwandeln, ist eine wirklich ausgesprochen kreative Idee.
Schon der Ausgangspunkt hat mich sehr angsprochen. Wir erleben keine von Technik eroberte zukünftige Welt, sondern eine reale Vorstellung davon, wie die Natur unser größter Feind werden kann. Bis auf das kleine Dorf, in dem die Hüterinnen der Natur leben und der umliegenden Landschaft wurde die ganze Welt unter einem Eispanzer begraben um sich wieder zu regenerieren. Gaia reagierte somit auf die wachsende Zerstörung des Planeten durch die Menschen. Nun ist man wieder mehr darauf bedacht, die Natur zu schätzen und sie zu erhalten. Dazu gibt es ein besonderes Ritual, welches alle 100 Jahre ausgeführt wird: Gaia tritt als leibhaftige Gestalt vor die Hüterinnen und wählt ein besonderes Mädchen aus. Dieses soll dann einige Wochen mit ihren Söhnen verbringen und schließlich einen von ihnen für die nächsten 100 Jahre zum Mann nehmen. Somit bleibt das Gleichgewicht der Jahreszeiten bestehen.

Eigentlich klingt all das sehr harmonisch. Die Autorin weist auch ganz deutlich auf die positiven Seiten dessen hin, was mit dem Ritual bezweckt wird. Hin und wieder habe ich mich verleiten lassen, auch etwas negativ zu denken, aber im Grunde ist das Buch sehr positiv geschrieben, sodass kaum negative Gedanken den Weg an die Oberfläche finden. Die Besänftigung der Jahreszeiten kann nur durch einen Heirat alle 100 Jahre besiegelt werden. Dass aber dafür ein junges Mädchen ihr Zuhause, Familie und Freunde zurücklassen muss, wird außer Acht gelassen. Zudem kann es ja auch sein, dass immer nur derselbe der vier Söhne heiratet und die anderen immer allein sind. Allerdings scheinen sie sich gut zu verstehen und nehmen das Ritual fast schon wie einen lockeren sportlichen Wettkampf, die junge Frau für sich zu gewinnen. Überhaupt war ich sehr begeistert von den vier Söhnen, die sich sehr normal verhalten haben und ganz und gar nicht überheblich dargstellt worden sind. Eben wie eine ganz normale Familie, obwohl sie sich nur alle 100 Jahre für zwei Tage sehen können.
Fast schon von Beginn an hatte ich meinen Favoriten unter den Söhnen, aber immer wieder wird man in dieser Meinung zurückgeworfen, da sich noch jemand anderes und unerwartetes in Mayas Blickfeld schiebt - wenn auch vermutlich unbeabsichtigt.

Maya ist ein wunderbarer Charakter! Sie ist ein glückliches Mädchen mit bewundernswerten Ansichten. Zunächst ist sie zwar traurig, dass sie ihre Mutter und ihre beste Freundin verlassen muss, aber gleichzeitig weiß sie genau, welche Ehre ihr zuteil wird. Sie ist ein aktiver Teil des Schutzes der Welt und darf einen von Gaias Söhnen heiraten. Immer wieder sprechen die jungen Frauen darüber, welchen der Söhne sie wohl nehmen wird. Aus der Geschichte heraus ergeben sich schon einige Tendenzen. Beispielsweise hat nie jemand den Winter geheiratet - zu verlockend waren der Frühling und der Sommer.
Jedoch geht Maye ohne jegliche Vorurteile und Ansichten an all das heran und möchte wirklich eine Woche mit jedem der Söhne verbringen, selbst wenn sie schon nach ein paar Tagen Tendenzen aufweist. Sie möchte jedem eine faire Chance geben und sich auch selbst nicht hintergehen. Sie würde sich später bestimmt immer wieder fragen, wie es wäre, wenn sie einen anderen Sohn geheiratet hätte. Und so möchte sie jeden in seiner Welt kennenlernen.

Die vier Söhne Gaias sind allesamt sehr verschieden, sodass einem die Wahl nicht leicht zu fallen scheint. Jedoch wusste ich schnell, wen ich hätte nehmen wollen. Maya dagegen ist noch unentschlossen.
Aviv, der Frühling ist ziemlich zurückhaltend, aber freundlich. Sol, der Sommer, ist sehr aufbrausend und manchmal etwas aufdringlich. Jesien, der Herbst, ist sehr liebenswürdig und charmant. Nevis, der Winter, ist sehr zurückgezogen und negativ eingestellt. Und doch fühlt sich Maya seltsamerweise besonders zu Nevis hingezogen. Er fasziniert sie. Aber zeitgleich treibt er sie auch in den Wahnsinn. Er möchte sie nicht in seiner Nähe haben. Dennoch begegnen sich die beiden durch Zufall ungewöhnlich oft. Manchmal schaffen sie es sogar, ein Gespräch miteinander aufzubauen, aber immer wieder verschließt sich Nevis vor ihr. Es ist eigentlich kein Wunder, dass er bisher noch kein Mädchen geheiratet hat, immerhin weist er alle von sich ab - sogar seine Brüder.
Seine Existenz ist auch nicht einfach. Er kann sich nicht lange an warmen Orten aufhalten und hält seit hunderten von Jahren die Erde unter einer dicken Eisschicht. Aber gerade deshalb finde ich es schade, dass er sich nicht ab und zu auf eine nette Zeit mit Maya einlässt. Sie muss sich ihm fast schon aufdrängen, damit er überhaupt mit ihr spricht.

Zunächst verbringt Maya zwei Tage in Gaias Palast, zusammen mit deren Söhnen. Danach soll sie eine Woche bei jedem von ihnen verbringen und seine Welt und Aufgaben kennenlernen. Dies ist auch für uns als Leser eine schöne Erfahrung, da man in ihnen und ihrer Welt wirklich die Jahreszeiten wiedererkennt.
Außerdem gefällt es mir unglaublich gut, dass Gaia jedem von ihnen einen tierischen Gefährten zur Seite gestellt hat, damit sie nicht so allein sind.
Mayas Gedanken sind sehr häufig von Gefühlen geprägt, aber dennoch ist es ganz und gar nicht nervig, wenn sie zum 50. Mal daran denkt, warum Nevis sie so abweist. Wie fragen uns ja ganz genau dasselbe. Ziemlich gemein finde ich es von ihm, als Mayas Woche bei ihm anbricht. Erst ist er total überrascht, dass Maya überhaupt zu ihm kommt, denn vorher hatten sich bereits alle Mädchen schon für einen seiner Brüder entschieden. Aber dann wird er richtig gemein uns fies. Er verliert ihr gegenüber nicht ein einziges nettes Wort und sagt ihr immer wieder, dass er sie nicht da haben will und dass sie endlich gehen soll. Das treibt natürlich nicht nur uns, sondern auch Maya immer wieder zur Weißglut. Man spürt ganz genau, dass die beiden Gefühle füreinander haben. Maya kann sie nicht aussprechen, weil Nevis sie so sehr abweist und Nevis will sie sich nicht eingestehen, weil er eine wahre Liebe nicht nach 100 Jahren verlieren will. Er könnte damit nicht leben.

Der Roman ist wunderbar gestaltet, es gibt nichts auszusetzen. Die zukünftige geschaffene Welt der Autorin gefällt mir sehr, das Auswahlverfahren und die damit verbundene Kennenlern-Phase zwischen der Auserwählten und den Jahreszeiten ist wunderbar mit anzusehen und man kann sich sehr gut selbst in diese Situation hineinversetzen. Die Konflikte, welche besonders zwischen Maya und Nevis immer wieder aufwallen, geben der Geschichte Kraft und man kann es gar nicht erwarten, wie Mayas Entscheidung ausfallen wird und ob sie auf ihr Herz hört oder doch lieber jemanden wählt, der sie schätzt und offen lieben kann.

Morgentau - Die Auserwählte der Jahreszeiten ist eine zauberhafte Geschichte über Liebe und Zuneigung, aber auch über Selbstfindung und die Kraft, die eigenen Gefühle zu offenbaren, egal welche Ängste man hat.

5 Marshmallows

Die Göttin lehrte uns, dass es die Mütter sind, die diese Welt braucht. (Pos. 121)

Aber immerhin sieht Nevis jetzt ein, dass wir wie ein zerbrochenes Schmuckstück sind, dass nur zusammen ein Ganzes entsteht. (Pos. 2210-2211)

1 Kommentar:

  1. Tolle Rezi, ich stimme dir vollkommen zu, das Buch war wirklich toll und ich mochte die vier Brüder alle sehr gerne, deswegen habe ich die Autorin auch gefragt, ob es noch einen Band geben und sie hat es nicht ausgeschlossen ;)
    Liebe Grüße,
    Jana

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