Montag, 21. April 2014

[Rezension] Das Schicksal ist ein mieser Verräter (John Green) ♥

Titel: Das Schicksal ist ein mieser Verräter
Autor: John Green
Einzelband
Verlag: Carl Hanser Verlag (bzw. Weltbild Ausgabe)
Seiten: 284
Genre: Jugendbuch/Drama
Preis: 16,90€

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Klappentext:
"Krebsbücher sind doof", sagt Hazel zu Beginn der Geschichte. Doch genau das ist dieser Roman nicht. Vielmehr ist er eine intensive Reflexion über die großen Fragen des Lebens und Sterbens, ein verführerischer Liebesroman und eine zu Herzen gehende Komödie. Die 16-jährige Hazel spielt darin die Hauptrolle. Sie weiß, dass ihr nicht mehr viel Zeit bleibt, weil sie Krebs hat. Aber sie will deshalb nicht bemitleidet werden. Lieber vermeidet sie Freundschaften. Bis sie in einer Selbsthilfegruppe auf Augustus trifft. Gus ist intelligent, witzig, umwerfend schlagfertig und er geht offensiv mit seinem Schicksal um. Trotz ihrer Handicaps und Unerfahrenheit - Hazel und Gus verlieben sich ineinander...
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Im Winter meines siebzehnten Lebensjahrs kam meine Mutter zu dem Schluss, dass ich Depressionen hatte, wahrscheinlich, weil ich kaum das Haus verließ, viel Zeit im Bett verbrachte, immer wieder dasselbe Buch las, wenig aß und einen großen Teil meiner reichlichen Zeit damit verbrachte, über den Tod nachzudenken.

John Green berührt mit seiner Geschichte um die krebskranke Hazel eine ganze Generation. Jedoch berührt er sie nicht dadurch, dass Hazel krank ist und es schwer im Leben hat, nein. Viel wichtiger ist, dass sie Augustus Waters kennenlernt, einen der positivsten Menschen der Welt und er schenkt ihr eine neue Sichtweise und somit auch ein neues Leben. Eine Geschichte voller Gefühl und Hoffnung!

Das Cover der Weltbildausgabe gefällt mir wegen der großen Buchstaben gut, die ebenfalls auf dem Originalcover zu finden sind. Allerdings passt das Mädchen überhaupt nicht zu Hazel, denn sie hat kurzes Haar. Allein den wehmütigen Blick kann man vielleicht auf sie beziehen.
Das Schicksal ist ein mieser Verräter, so beschreibt es Hazels Lieblingsautor Peter van Houten in einer E-Mail an sie. Und es passt sehr gut. In der Situation der kranken Kinder kann man sich vom Schicksal nur benachteiligt fühlen. Allerdings kann man die ganze Tragweite des Titels erst erahnen, wenn man das Buch ausgelesen hat.

Hazel ist sechzehn und leidet seit vielen Jahren an Schilddrüsenkrebs, der auch auf ihre Lunge übergegangen ist. Deshalb muss sie immer eine Sauerstoffflasche mit sich herumtragen, damit sie genug Luft bekommt. Sie leidet unter Depressionen, weshalb sie ihre Mutter in eine Selbsthilfegruppe für krebskranke Kinder schickt. Zunächst ist Hazel überhaupt nicht angetan, doch alles ändert sich, als sie Augustus Waters kennenlernt. Er zeigt ihr einen ganz anderen Blick auf das Leben und nach einer Weile verlieben sie sich ineinander.

Bereits ab der ersten Seite habe ich mich in dieses Buch verliebt. Ich weiß nicht genau, woran es liegt, aber mit seinem Schreibstil zieht uns John Green sofort in seinen Bann. Er schafft eine Balance zwischen Trauer, Freude und Hoffnung und ich hatte während des Lesens permanent ein Kribbeln in den Augen.
Die ganze Atmosphäre der Geschichte ist erfrischend und entwickelt sich zu einer zauberhaften Vorstellung: Ein krebskrankes Mädchen leidet unter Depressionen bis sie einen ebenfalls krebskranken Jungen kennenlernt, der fast nur die positiven Facetten des Lebens sieht. Er zeigt ihr, wie schön das Leben sein kann und dass man durch seine Krankheit nicht zurückbleiben muss. Solch positiv eingestellte Menschen habe ich schon immer gewundert und nur wenige haben das Talent, andere mit sich zu ziehen und ihr Leben komplett auf den Kopf zu stellen. Genau diese Erfahrung macht Hazel mit Augustus und es freut mich wirklich für sie. Denn normalerweise hält sie sich von anderen Menschen fern, damit im Ernstfall der "Kollateralschaden" so gering wie möglich bleibt.

Hazel macht eine unglaubliche Entwicklung durch. Zunächst lernen wie sie als depressive junge Frau kennen, wobei ihr bitterer Sarkasmus sehr amüsant ist. Dadurch merkt man, dass sie unter der Oberfläche von eine andere Facette versteckt. Obwohl man natürlich nachvollziehen kann, dass ihre Stimmung in ihrer Situation immer nahe am Gefrierpunkt ist, so finde ich es schade, dass sie die lebensfrohe und glückliche Hazel in sich verschlossen hat.
Doch alles ändert sich an dem Tag, als sie in der Selbsthilfegruppe Augustus Waters kennenlernt. Er ist sofort auf sie fixiert und da sie bisher noch kaum Erfahrungen mit Jungen hat, fühlt sie sich sehr geschmeichelt und flirtet sogar ein bisschen mit ihm. Es ist total toll, dass sie sich auf ihn einlässt, obwohl sie ihn gar nicht kennt. Das ist eines der schönen Abenteuer im Leben, die Hazel nun in Angriff nehmen kann. Ihr Leben wird nun einmal sehr kurz sein, also warum sollte sie diese Zeit nicht mit Spaß verbringen?

"Das Leben ist schön, Hazel Grace." 
(S.217)

Augustus ist ein wunderbarer und liebenswerter Charakter. Ab und zu könnte man seine Art streng genommen als machohaft bezeichnen, allerdings bekommen wir einen anderen Eindruck von ihm. Als er Hazel zum ersten Mal sieht, kann er gar nicht mehr den Blick von ihr lassen und lässt keine Gelegenheit aus, sie anzusprechen. Er ist gnadenlos ehrlich und herzensgut. Obwohl seine Heilchancen dutzendfach höher sind als die von Hazel, weiß er, dass auch sein Leben kurz sein könnte und deshalb kommt er ohne Umschweife zum Punkt und sagt den Leuten direkt ins Gesicht, was er von ihnen hält.
Die Szene auf dem Parkplatz nach dem Treffen der Selbsthilfegruppe hat mir besonders gut gefallen. Dort lernt man seine Ehrlichkeit richtig kennen, denn er fragt Hazel nach ihrem ganzen Namen und sagt ihr, dass er sie die ganze Zeit ansieht, weil sie so hübsch ist.
Ebenso wie viele andere Mädchen in ihrem Alter, sind diese Komplimente für Hazel Neuland und eine kleine peinliche Berührung. Es ist sehr selten, dass uns Fremde einfach so sagen, wie hübsch wir sind. Zudem gibt es Hazel ein gutes Gefühl, da sie nicht so überzeugt von sich selbst ist.

"Wie heißt du?", fragte er.
"Hazel."
"Nein, dein ganzer Name."
"Hazel Grace Lancaster."
(S.19+20)

Die ganze Situation ist fast schon urkomisch, aber so, wie John Green sie an den Leser bringt, ist sie herzensgut und traumhaft. Augustus kennt eigentlich nur Hazels Namen und trotzdem lädt er sie direkt nach Hause ein, um sich gemeinsam einen Film anzusehen. Er ziert sich nicht vor anderen und schließt sogar einen Deal mit ihr ab: Wenn er ihr Lieblingsbuch Ein herrschaftliches Leiden von Peter van Houten liest, soll sie die Bücher seines Lieblingscomputerspiels lesen. Es ist eigentlich etwas sehr Einfaches, dass sich zwei Freunde gegenseitig Bücher empfehlen, aber ich habe es noch nicht erlebt - weder in Echt noch in Geschichten - dass sie sich dann so intensiv über das Gelesene austauschen. Immerhin sind sie trotz ihrer Krankheit nicht auf der Strecke geblieben. Sie sind normale Menschen, eben mit einem kleinen Handicap, aber was soll's? Warum sollte man diese Menschen anstarren oder über sie flüstern? Das gibt ihnen nur ein schlechtes Gefühl. Mithilfe von Augustus vermittelt John Green genau diese Botschaft, dass jeder Mensch trotz Krankheit normal ist und es sein kann. Augustus hilft Hazel dabei, ihre Normalität zu finden.
Allerdings hat sie immer wieder Beziehungsängste. Bereits seit ihrer ersten Begegnung mag sie Augustus sehr, aber sie hat Angst, viele Menschen zu verletzen, wenn sie sterben wird. Augustus lässt aber nicht locker und Hazel lässt sich bald auf ihn ein und entdeckt, dass das Leben schön ist, wenn man es genießt und nicht an Zukünftiges denkt.
Dazu passt das Motto der Selbsthilfegruppe sehr gut: Unser bestes Leben heute leben. Auch wenn das Leben kurz ist, sollte man jeden Tag so leben, als wäre er der beste von allen.

Die Leichtigkeit, mit der die Beziehung zwischen Hazel und Augustus beschrieben wird, ist wunderbar zu verfolgen und man wünscht sich in eine ähnliche Situation. Sie sind nicht nur Seelenverwandte, sondern noch mehr. Es gibt auf der Welt nur wenige Beziehungen wie diese, in die man sich einfach hineinfallen lassen kann. Augustus bringt die Hazel hervor, die sie lange in sich eingeschlossen hat - sie hat wieder Spaß am Leben, entdeckt Neues und will ihre Träume verwirklichen. Ihr größter Wunsch ist es, nach Amsterdam zu ihrem Lieblingsautor Peter van Houten zu reisen, damit sie Antworten bekommt - denn das Buch endete mit vielen Fragen und mitten im Satz. Augustus ermöglicht ihr diese Reise und gemeinsam erleben sie ein paar zauberhafte Tage in Amsterdam. Währenddessen gibt es immer wieder ein paar Situationen, in denen sie an ihre Krankheit erinnert werden, aber im Grunde sind sie wie zwei normale junge Menschen, die ineinander verliebt sind.
Die ganze Stimmung in dem Buch gefällt mir supergut. Es soll zwar Hoffnung schenken, geht aber nicht von einem katastophalen Leben aus. Es soll kein Mitleid erregen und die Schattenseiten krebskranker Menschen zeigen. Es erzählt einfach die Geschichte zweier junger Menschen, die das Leben genießen. Leicht wie eine Feder würde ich die Gesamtstimmung beschreiben.

Die Randgeschichte mit ihrem Freund Isaac ist sehr emotional, aber auch hier schafft es Augustus, seinen besten Freund wieder in ein schönes Leben hineinzuziehen. Isaac hat Augenkrebs und nun wird auch noch sein zweites Auge entfernt. Kurz vor der Operation macht seine Freundin mit ihm Schluss, weil es im Nachhinein gemein wäre, mit einem Blinden Schluss zu machen. Wobei diese Logik überhaupt keinen Sinn ergibt. Isaac ist zunächst sehr wütend und dann traurig, aber er hat ja zwei Freunde, die ihn wieder aufbauen können und dies auch tun. Genauso wie er Hazel aus ihrem Schneckenhaus ins schöne Leben gelockt hat, so schafft Augustus es auch, Isaac wieder den Lebensmut zurückzugeben.
Aber trotz all der schönen Szenen und Mumacher gibt es natürlich etwas, was das Buch besonders emotional macht. Denn nicht alles im Leben bleibt schön und federleicht. Deshalb empfehle ich euch, beim Lesen Taschentücher dabei zu haben. Bisher hat es nur ein Buch gegeben, bei dem ich Tränen in den Augen hatte. Aber bei Das Schicksal ist ein mieser Verräter musste ich beim letzten Drittel nach ein paar Zeilen immer wieder unterbrechen, weil ich mir die Tränen vom Gesicht wischen musste. Genauso wie John Green es schafft, die schönen Szenen lockerleicht erscheinen zu lassen, so hat er auch ein Talent dafür, tragische Situationen so zu beschreiben, dass man allein von den Worten zu Tränen gerührt wird.
Und das ist eben genau der Grund, warum dieses Buch ein Bestseller ist und von vielen Menschen geliebt wird. Die verschiedensten Emotionen werden auf authentische und fantastische Art und Weise beschrieben und man fühlt sich sehr gut in Hazels Leben ein, obwohl die meisten Leser selbst wahrscheinlich keinen Krebs haben.

Ich liebe es, wie Augustus Hazel immer Hazel Grace nennt. Ich liebe es, wie sein Vater sie Nur-Hazel nennt. Ich liebe es, wie Augustus sie in seine schöne heile Welt hineinzieht, obwohl sie gar nicht heil ist, er sich aber nicht runterziehen lässt. Ich liebe es, dass Augustus auch in schlechten Zeiten niemals seine gute Laune und seinen Sarkasmus verliert. Ich liebe es, wie die beiden sich auf den ersten Blick ineinander verlieben. Ich liebe die Leichtigkeit, mit der John Green tausend Gefühle an den Leser bringt. Ich liebe das ganze Buch, auch wenn einem zwischendurch nur noch zum Heulen zumute ist. Ich liebe es, dass man trotzdem am Ende mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurückbleibt.

"Ich will dir niemals so was antun", erklärte ich ihm.
"Ach, das würde mir nichts ausmachen, Hazel Grace. 
Es wäre mir eine Ehre, mir von dir das Herz brechen zu lassen."
(S.162)

Das Schicksal ist ein mieser Verräter ist eines der seltenen Bücher, die eine seltene und doch wunderschöne Situation beschreiben, wie zwei Menschen mit schlechten Aussichten auf das Leben sich gegenseitig Leben schenken und die Leichtigkeit und Schönheit genießen, die für viele andere unsichtbar bleibt.

♥ 5 Marshmallows ♥


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