Donnerstag, 13. März 2014

[Rezension] Was ich dich träumen lasse (Franziska Moll)

Titel: Was ich dich träumen lasse
Autorin: Franziska Moll
Einzelband
Verlag: Loewe
Seiten: 251
Genre: Jugendbuch
Preis: 14,95€

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Klappentext:
Ich hätte nichts dagegen, immer mit dir alleine zu sein.

Wir würden uns auf die Nerven gehen.

Stell dir vor, du wärst die einzige, der ich Witze erzählen könnte. Du würdest sie alle abkriegen.
Das wäre mir egal. Wenn nur wir auf der Welt wären, wäre alles einfacher. Überschaubarer. Du reichst mir.

Elena hat ihr Glück gefunden - mit Rico. Doch ein schwerer Autounfall reißt Rico aus Elenas Leben in die Tiefen eines Komas. Tag für Tag zeigt Elena ihm nun, was das Leben für ihn bereithält und wofür es sich lohnt, zurückzukommen: für ihre Liebe.
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 Wie schön er ist.

Ein berührender Jugendroman, der uns mit einem schrecklichen Schicksalsschlag konfrontiert. Wir erfahren, wie sich die Angehörigen und Betroffenen fühlen, was sich in ihrem Leben verändert und wie sehr sich auch Menschen verändern können. Mit einem besonderen Schreibstil bringt uns die Autorin näher, wie es ist, wenn man einen geliebten Menschen Stück für Stück verliert. Leider jedoch muss ich an dieser Stelle anbringen, dass mich die Gefühle nur teilweise erreichen konnten.

Das Cover hat mich von Anfang an angesprochen und teilweise auch deshalb wanderte das Buch auf meine Wunschliste. Die hellen Farben in Verbindung mit den ruheausstrahlenden Wolken und dem Baum versetzen uns sofort in eine andere, leichtere Stimmung. Die Heißluftballons verleihen dem ganzen etwas Besonderes und in der Gesamtheit ist das Bild sehr stimmig und einfach wunderschön.
Der Titel ist ebenfalls sehr zauberhaft auf den Klappentext abgestimmt. Elenas Freund liegt im Koma und sie versucht alles, um ihn wieder ins Leben zurückzuholen - mit Erinnerungen und Erzählungen. Sie lässt ihn träumen. Eine zauberhafte Vorstellung, obwohl es eigentlich sehr traurig ist.

Elena ist überglücklich mit Rico zusammen. Umso schockierender ist es, als er durch einen Autounfall verursacht ins Koma fällt. Elenas Welt scheint zu zerbrechen und mit ihr zusammen auch ihr Umfeld: Ihre Mutter, ihre Freunde und Ricos Familie. Mit Erinnerungen versucht sie, Rico wieder zurück ins Leben zu holen und sie arbeitet seine Wunschliste ab, um ihm von den Erlebnissen zu berichten...

Der Klappentext verspricht uns eine unglaublich traurige und herzzerreißende Geschichte, auf die ich mit Taschentüchern vorbereitet gewesen bin. Jedoch muss ich zugeben, dass mich nicht annähernd so viele Gefühle erreicht haben, wie ich es erhofft habe. Und das hat mich wirklich geärgert. Auch wenn man niemandem einen solchen Schicksalsschlag wünscht, so ist es doch auch wunderbar zu beobachten, wie sich die Hinterbliebenen ins Zeug legen und den Betroffenen auf zauberhafte Weise wieder ins Leben holen wollen. Doch ehrlich gesagt konnte ich an der Geschichte nichts allzu Wunderbares entdecken.
An den Schreibstil muss man sich zunächst einmal gewöhnen. Wir erleben die Geschichte aus der Sicht von Elena. Immer wieder driftet sie in die Vergangenheit ab und berichtet von Erlebnissen mit Rico. Diese kann man von der Gegenwart noch eindeutig unterscheiden. Aber es gibt noch andere Erzählweisen, die ausschließlich mit wörtlicher Rede geschildert werden und alle in einer fast schon seltsamen Form erscheinen - mit einem Punkt am Anfang. Wer was sagt und mit wem sie sich überhaupt unterhält, erfährt man dabei nicht. Zunächst nimmt man an, dass es immer Gespräche zwischen Rico und Elena sind, aber da bin ich mir bei weiterem Fortschreiten des Buches nicht mehr so sicher...

Wir lernen Elena und Rico als wunderbares Pärchen kennen, das Hals über Kopf verliebt ist und alles miteinander teilt. Bereits von der ersten Seite an merkt man, dass Elena der Realist ist, als sie Rico in die Schule scheucht. Bereits einige Stunden später hätte sie sich wohl gewünscht, doch im Bett liegen zu bleiben, denn Rico wird von einem LKW angefahren, weil er ohne nach links und rechts zu schauen auf sie zugerannt kommt. Er fällt ins Koma und daran zerbricht Elena fast.
Ihre Reaktionen und Gedanken sind außerordentlich authentisch beschrieben und dargestellt. Sie steht offensichtlich unter Schock - das beweist der Schreibstil der Autorin in diesem Moment. Elena kann nicht klar denken und überhaupt nicht fassen, dass Rico plötzlich aus dem Leben gerissen wurde. Denn er war ihre einzige Stütze. Unglaublich in diesem Zusammenhang finde ich auch, wie sich Elenas Mutter aufführt - als wäre es ihr eigener Freund, der im Koma liegen würde. Anstatt für Elena da zu sein, verkriecht sie sich zu Hause weinend im Bett. Im Laufe des Buches erfahren wir auch, warum Elenas Mutter so darunter leidet, dass Rico weg ist. Denn er war auch ihre Stütze im Leben.

Der Anfang verspricht eine dramatische Geschichte, die ein überglückliches Vorzeigepärchen aus dem Leben reißt. Doch leider geht von nun an bergab. Wo Elenas Schockzustand am Anfang noch sehr authentisch wirkte, so mutiert sie für mich zu einem gefühllosen Roboter. Sie verschließt sich komplett vor ihren Mitmenschen, aber irgendwie auch vor sich selbst. Denn wir erfahren die Geschichte aus ihrer Sicht und dennoch gibt sie keine Gefühle preis. Sie ist wie eine Maschine, die nur noch in den Tag hineinlebt und an Ricos Bett sitzt und ihm Geschichten erzählt. Durch ihre fehlenden Gefühle konnte ich auch keinen wirklichen Bezug zu ihren gemeinsamen Erlebnissen herstellen. Was mir begreiflich wird, ist dass Elena eine fast schon zum Haare-ausreißen nervtötende Protagonistin ist, die den wunderbaren Rico überhaupt nicht verdient hat.
Obwohl hier und da im Roman aufgegriffen wird, dass Elena ein sehr schweres Leben geführt hat, bevor sie mit ihrer Mutter aus Berlin wegzog, erfahren wir eigentlich nichts Genaues über sie. Und so bleibt sie das unnahbare Mädchen, das nicht einmal wir als direkte Zuschauer in ihren Kopf entschlüsseln können.
Die vergangenen Erlebnisse mit Rico hätten so wunderschön sein können, aber Elena macht alles mit ihrer Art kaputt. Natürlich kann man niemandem vorschreiben, wie er zu sein hat, aber die Elena, die wir auf den ersten Seiten als glückliches Mädchen an der Seite von Rico kennengelernt haben, ist eine völlig andere, als die, die wir schließlich in den Erinnerungen erleben. Dauerhaft habe ich das Gefühl, dass sie Rico und seine so fröhliche Art ablehnt. Sie kritisiert ihn immer, da er ja nie etwas Schlimmes erlebt habe, sonst könne sein Blick auf die Welt nicht so positiv sein.

Rico können wir nur kurz vor dem Unfall als "richtige Person" erleben. Ansonsten sehen wir ihn immer nur in Elenas Erinnerungen. Da sie ihn sehr liebt, ist klar, dass er positiv dargestellt ist. Aber er hätte noch in einem besseren Licht dagestanden, wäre ihre Einstellung nicht so finster. Nur weil man Schlechtes erlebt hat, muss man ja nicht alles und jeden ablehnen, der etwas Positives sieht. Ich bewundere Rico ehrlich dafür, dass er es so lange mit Elena ausgehalten hat. Vielleicht hat er eine besondere Herausforderung in ihrer ablehnenden Art gesehen. Ansonsten kann ich mir das nicht erklären.
Rico selbst ist das wohl Wunderbarste, was ich in diesem Roman finden konnte. Er ist ein durch und durch positiver Mensch und macht aus jeder normalen Situation etwas Gutes, Schönes und Lustiges. Er ist einer dieser Menschen, die ich im echten Leben immer bewundere. Er macht keine großen Pläne, tut was ihm Spaß macht und genießt Kleinigkeiten. Dabei lässt er sich auch von Kleinigkeiten nicht vom Weg abbringen. Umso trauriger macht es mich, dass ausgerechnet er mit diesem Schicksalsschlag gestraft wurde. Natürlich will ich damit nicht sagen, dass andere Menschen so etwas verdienen, aber meiner Meinung nach trifft es irgendwie immer die Falschen...
Sehr gut finde ich auch die Idee mit der Wunschliste. Rico hat zehn Dinge aufgeschrieben, die er unbedingt mit Elena erleben möchte, bevor er stirbt. Einige davon sind ziemlich verrückt und man würde vielleicht darüber lachen, aber diese Wunschliste zeigt uns einmal mehr, welche Persönlichkeit Rico hat.

Über Elenas Entscheidung, die Wunschliste für den schlimmsten Fall selbst abzuarbeiten, bin ich etwas zwiegespalten. Auf der einen Seite finde ich es total schön, dass sie das macht, damit wenigstens einer von ihnen diese Dinge erlebt hat. Auf der anderen Seite finde ich die Art der Umsetzung etwas seltsam. Und das hat leider auch wieder mit dem Charakter von Elena zu tun. Ich kann es nicht genau beschreiben, aber ihre so finstere Art lässt den Spaß total außen vor. Und das war sicher einer der Hauptgründe für Rico, dass er die Wunschliste erstellt hat: Spaß mit seiner Freundin zu haben.
Zudem erfüllt sie die meisten Wünsche mit dem Krankenpfleger Tim. Und für mich ist das fast schon wie Fremdgehen. Rico wollte all diese Dinge mit Elena tun und da er es nun nicht mehr kann, sucht sie sich einfach jemand anderen. Das ist meiner Meinung nach der absolut falsche Weg, auch wenn Tim ihr nur geholfen hat. Wenn sie die Wunschliste schon alleine abarbeitet, dann hätte sie es auch wirklich alleine tun sollen.
Tim empfinde ich eigentlich als einen guten Charakter, der aber leider im Zusammenhang mit der Geschichte an den falschen Stellen platziert worden ist. Er ist ein wirklicher Kumpeltyp, mit dem man eine Menge Spaß haben kann. Jedoch muss man bei ihm auch bestimmte Grenzen kennen und festlegen, da er keine Scheu aufweist.
Da er aber andauernd in Elenas Nähe auftaucht, ihr einige unangebrachte Kommentare entgegenwirft und über die Komapatienten lästert, als wären sie bereits tot, ist leider absolut nicht kumpelhaft oder nett. Man bekommt einen völlig falschen Eindruck von ihm.

In seiner Gesamtheit lässt mich der Roman unzufrieden zurück. Das Cover und der Klappentext versprechen ein paar Lesestunden mit Herzschmerz, großen Gefühlen und Tränen. Nichts davon ist mir während den Lesestunden begegnet und das macht mich schon etwas wütend. Man hätte so viel mehr herausholen können. Die Charakterwahl der Protagonistin war ein Schuss in den Ofen. Sie gibt überhaupt nicht das wider, was ein Betroffener in solchen Momenten erlebt.
Allein der Anfang ist sehr authentisch und Rico ist ein wunderbarer Charakter. Ansonsten war ich sehr erleichtert, dass das Buch nicht so viele Seiten hat. Schade...

Was ich dich träumen lasse verspricht eine dramatische Geschichte zu werden, in der die Protagonistin ihren Liebsten mit Erinnerungen und Erzählungen wieder aus dem Koma ins Leben zurückholen will. Leider bekommen wir ein roboterartiges Mädchen ohne große Gefühle, die ihren Liebsten überhaupt nicht verdient hat und nur das Negative im Leben sieht - selbst zu Zeiten des Glücks.

3 Marshmallows

Wir standen da wie Gestrandete, konnten mit all der Realität für einen Moment nichts anfangen. (S. 58)

1 Kommentar:

  1. *seufz* so langsam bereue ich es, mich doch dafür entschieden zu haben das Buch anzuschaffen. Von vielen Seiten hat man ja fast nur Gutes gehört. Deine Rezension lässt mich eher befürchten, dass es mir ähnlich ergehen wird... Aber irgendwann werd ichs dann doch vom SuB ausgraben und mein Glück versuchen ;)

    Liebe Grüße!

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