Mittwoch, 19. Februar 2014

[Rezension] Dylan & Gray (Katie Kacvinsky)

Titel: Dylan & Gray
Autorin: Katie Kacvinsky
Band 1 der Dylan & Gray Trilogie
Verlag: Boje
Seiten: 234
Genre: Romanze
Preis: 12,99€

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Klappentext:
Gray ist ein cooler Typ. Er läuft nur mit seinem iPod rum und interessiert sich nicht sonderlich für das, was um ihn herum passiert. Dylan ist das pure Gegenteil: Sie sprüht vor Energie, steckt voller Ideen und will aus jedem Tag etwas Besonderes machen. Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein - und doch bemerken sie einander, lernen sich kennen, freunden sich an und verlieben sich schließlich ineinander. Doch irgendwann ist der Sommer zu Ende und den beiden ist klar, dass sich ihre trennen werden. Zeit zu erkennen, wie leicht es ist, sich zu verlieben - und wie viel schwerer es sein kann, sich wiederzufinden, wenn man sich einmal verloren hat.
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Aus dem Augenwinkel beobachte ich ein Mädchen auf der anderen Seite des Campus.

Dylan & Gray ist ein recht einfach zu lesendes Buch über die erste große Liebe. Und dennoch sprüht es vor Lebensfreude und Energie, dass man allein beim Lesen schon aufspringen und etwas unternehmen möchte. Der Roman zeigt, wie ein einziger Mensch das Leben eines anderen und dessen Einstellung zum Leben innerhalb weniger Wochen komplett verändern kann. Und dies schildert uns Katie Kacvinsky auf wunderbare Weise.

Das Cover und die äußerliche Gestaltung des Buches sprechen mich ehrlich gesagt nicht so an. Mit dem Mädchen auf der Vorderseite, das überhaupt nicht wie Dylan aussieht und dem Jungen auf der Rückseite wirkt es überhaupt nicht wundervoll und ich wette, dass ich im Laden nur daran vorbeigelaufen wäre. Es ist auch kein richtiger Klappentext zu finden. Aber auch das zeigt, dass man sich auf etwas einlassen muss.
Der Titel passt ziemlich gut, da er nicht zu viel verrät. Aber er ist auch in der Hinsicht passend, da sich die Geschichte ausschließlich um Dylan und Gray und um nichts anderes dreht.

Gray lebt in Phoenix und besucht gerade zwei Kurse an der örtlichen Uni über die Sommerferien. Er ist ein Pessimist, bleibt für sich und möchte mit niemandem etwas zutun haben. Eines Tages trifft er die verrückte Dylan, wie sie Fotos von dem grauen Gebäude und dem Schotterweg schießt.
Sie ist das genaue Gegenteil von ihm - lebensfroh, unternehmungslustig und energiegeladen. Sie stürzt sich geradezu auf ihn und lässt sich von ihm die Stadt zeigen und schleppt ihn jeden Tag woanders hin.
Kann sie Gray aus der Reserve locken und ihm wieder Lebensmut einhauchen?

Manchmal läuft es im Leben wohl so, dass zwei völlig gegenteilige Menschen aufeinandertreffen. Dann wird es interessant, wie sie aufeinander reagieren. Nach den ersten Seiten hatte ich schon ein ganz genaues und klares Bild von Gray: Er bleibt für sich, möchte am liebsten nicht angesprochen werden und wartet einfach nur darauf, dass sein miserables Leben irgendwann zu Ende geht. Obwohl ich selbst oft genug einen pessimistischen Blick auf die Welt und das Leben habe, konnte ich seine negative Aura, die mich erst ziemlich genervt hat, durch die Seiten hindurch spüren. Er hält sich zudem für vollkommen normal und lästert immer wieder in Gedanken über Dylan, weil er sie in ihren Klamotten und mit ihrer Art, durchs Leben zu gehen, hyperaktiv und abnormal findet. Zunächst war er mir unglaublich unsymphatisch. Man erhält auch keinerlei Hintergrundinformationen, sodass man davon ausgeht, dass es einfach seine Art ist.
Dennoch werde ich es wohl nie verstehen, wie jemand so gedankenverloren und miesepetrig die Straßen entlanggehen kann. Natürlich könnte man sich über jeden heruntergefallenen Ast aufregen, aber man muss lernen, die Dinge positiv zu sehen. Das bringt nicht nur für sich selbst ein besseres Gefühl, sondern die Mitmenschen bemerken die Veränderung und positive Ausstrahlung sofort.

Dylan ist so ganz anders. Sie zählt zu der Sorte Mensch, die ich immer wieder bewundere und heimlich in der Bahn oder auf der Straße beobachte, wenn ich ihr begegne. Ich finde es unglaublich faszinierend, wie ein Mensch einen Schutzwall um sich herum aufbaut, der lediglich die gehässigen Blicke und Kommentare der anderen abschirmt. Sie kümmern sich um ihr Leben und wollen eigentlich nur mit sich selbst zufrieden sein. Sie sprühen vor Energie und Lebenslust und möchten am liebsten jeden Tag frühmorgens aufstehen und bis in den späten Abend hinein etwas unternehmen, Neues entdecken und das Leben genießen. Sie scheren sich nicht groß um die "Normalität", die in unserer Gesellschaft gilt, sondern tun das, was sie glücklich macht.
Es beginnt schon bei der Art, wie sie sich kleiden. Schiefe Blicke sind da nichts Ungewöhnliches, aber es macht ihnen nichts aus.
Dylan macht sich eigentlich nichts aus ihrem Aussehen und das ist auch der erste Kritikpunkt, den Gray zu Beginn des Buches anbringt, wie kann man nur so herumlaufen? Ich meine, warum nicht? Wenn sie sich wohl darin fühlt. Und dazu fällt mir ein schönes Zitat ein: Es kommt nicht auf die Kleidung an, sondern auf die Person, die in der Kleidung steckt.

Dylan nimmt kein Blatt vor den Mund und redet unaufhörlich wie ein Wasserfall. Ihre Einfälle, Ideen und Fragen sind außergewöhnlich und interessant. Denn durch normale Fragen, wie Was ist deine Lieblingsfarbe? lernt man den anderen Menschen zwar besser kennen, aber man weiß nicht, wie er tickt. Das und wie weit man mit ihm gehen kann, kriegt man nur heraus, wenn man ungewöhnliche Fragen stellt. Das muss auch Gray erfahren und schon bald lässt er sich von Dylan anstecken und lässt sich auf sie ein.
Ihr lebensfrohe und ein bisschen verrückte Art ist ansteckend und inspirierend und bald verwandelt sich Gray vollkommen. Er ist durch fast nichts mehr überrascht, was Dylan sagt oder tut und er ist immer an ihrer Seite - den ganzen Sommer lang.
Nach und nach öffnet er sich ihr gegenüber und es stellt sich heraus, dass sie eine sehr gute Zuhörerin ist und auch durchaus ernst sein kann. Und wir erfahren, dass Gray nicht immer so eine bedrückende Art hatte. Die Geschichte ist ziemlich traurig und mitleiderregend. Doch Dylan bringt diesen Schicksalsschlag auch wieder in eine positive Richtung, sodass es Gray danach viel besser geht.

Zudem mag ich ihre spontane Art sehr, die auch bald Gray ansteckt. Sie steht morgens auf und beschließt, wandern zu gehen. Jeden Tag entdecken sie neue wunderbare Plätze rund um Phoenix, die sie mit wunderbaren Erinnerungen und Fotos für immer festhalten. Sie beschließen sogar spontan, am nächsten Morgen für ein Wochenende nach Los Angeles zu fahren, weil Dylan die Stadt gerne einmal sehen möchte.
Ich persönlich möchte auch gerne viel spontaner sein, aber irgendwie schaffe ich es nie. Vielleicht rede ich es mir auch nur ein, aber ich bin vom Alltag einfach zu sehr eingenommen. Gut, in dem Buch sind gerade Sommerferien, aber ich kann auch in meinem Urlaub nicht einfach sagen Ich fahre morgen einfach mal nach Hamburg, weil ich die Stadt gerne sehen möchte. Vielleicht bin ich zu unspontan dazu oder ich rede mir ein, ich hätte nicht genügend Geld, aber der Roman zeigt, dass man auch aus den kleinen Orten vor der Haustür eine besondere Erinnerung herausholen kann.
Man muss ein Auge für die kleinen, unscheinbaren Dinge im Leben haben, die bei genauerem Hinsehen wunderschön sein können.

Die Art, wie Katie Kacvinsky die beiden völlig verschiedenen Charaktere aufeinandertreffen und sich gegenseitig beeinflussen lässt, ist ungemein schön zu beobachten und motiviert uns Leser dazu, selbst die Augen nach den kleinen Dingen offen zu halten und die Schönheit um uns herum wahrzunehmen. Das heißt natürlich nicht, dass man alles Negative schlucken muss, aber man muss lernen, etwas Positives daraus zu ziehen.
Trotz seiner Kürze ist der Roman wunderbar und berührt das Herz und die Lebensgeister. Es gibt wirklich sehr viele Zitate, die man sich einfach markieren und herausschreiben muss, weil sie wahr, wunderbar und weise sind.

Dylan & Gray ist ein wunderbarer Roman, der uns zeigt, wie man auf all die Schönheit um sich herum und die kleinen Dinge im Leben achten kann. Und wie ein einziger Mensch das Leben eines anderen komplett verändern kann.

5 Marshmallows

Literatur ist das Fenster zur Seele, predigt sie. (S.17)

Wenn man sich anpasst, macht man sich nur unsichtbar. Um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, muss man sich ab und zu trauen, aus dem Rahmen zu fallen. (S.34)

"[...] Was nützt es schon, ohne jeden Kratzer ins Jenseits zu verschwinden? Wenn man im Tod perfekt aussieht, heißt das nur, dass man nichts erlebt hat. Weil man zu feige war, etwas zu riskieren." (S.40)

1 Kommentar:

  1. Ich freue mich, dass dir das Buch gefallen hat, und dass du bei der Wanderbuchrunde mitgemacht hast. :)

    LG, SaCre

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