Dienstag, 11. Februar 2014

Die Reise von Rob Cole (Der Medicus / Noah Gordon)

Da mich der fiktiv-historische Roman Der Medicus von Noah Gordon ziemlich beeinruckt hat (Rezension), wurde ich von einer kreativen Idee überfallen und ich möchte euch gerne die lange Reise von Rob Cole etwas näher bringen (zumal Google Maps einige interessante Dinge dazu ausspuckt). Es ist schon unglaublich, wie er im Mittelalter durch ganz Europa bis nach Persien gereist ist, um seinen Wissensdurst zu stillen und Arzt zu werden. So etwas findet man heutzutage nur noch selten. Natürlich war das Reisen damals nicht sehr einfach. Man musste ständig damit rechnen, dass man überfallen wird, weshalb man besser in größeren Gruppen oder ganzen Karawanen reiste. Da man erst auf die passende Gelegenheit warten musste und natürlich auch Rasten eingelegt wurden, dauerte so eine Reise extrem lange. Rob Cole erreicht zwanzig Monate nach seinem Aufbruch in England die persische Stadt Isfahan und scheint dem Ziel so nahe wie nie zuvor.


Wie ihr offensichtlich auf dem Foto sehen könnt, ist das Buch sehr dick - es hat 842 Seiten. Etwa die Hälfte davon beschäftigt sich mit dem Leben Robs beim Bader und der Reise nach Persien. Dazwischen vergehen viele Jahre und erst mit ungefähr einundzwanzig Jahren erreicht er sein Ziel Isfahan, um endlich ein Medicus zu werden.
Auf der Reise dorthin lernt er unglaublich viel über die jüdische Religion, weil er sich aufgrund des Hasses zwischen den Religionen dem Judentum vorübergehend anschließt und natürlich alle Gesetze und Gebräuche erlernen muss. So lernt man als Leser auch sehr viel darüber und bringt ein besseres Verständnis auf.

Obwohl der Beweggrund für die Reise natürlich der Wunsch ist, ein Medicus zu werden, zeigt uns Noah Gordon - vielleicht unbeabsichtigt - noch etwas anderes. Es geht bei Reisen nicht darum, bei sich zu bleiben. Es geht darum, dass man sich auf Neues einlässt und neue Menschen kennenlernt. Es ist in gewisser Weise ein Experiment und die Entdeckung des Ungewissen. Mich persönlich hat diese Reise etwas abenteuerlustig gemacht. Heutzutage ist es nicht mehr so gefährlich, durch Europa zu reisen und man hat genügend Möglichkeiten, Neues und Spannendes zu erleben, was einen für sein Leben lang prägt und in Erinnerung bleibt.


Auf Google Maps habe ich mir den Weg von Rob Cole nachzeichnen lassen, auch wenn sie nicht 100%ig identisch sind. Denn offensichtlich ist er nicht erst in die Mitte Frankreichs gereist, um dann Kehrt nach Deutschland zu machen und sie befahren auch für kurze Zeit das Schwarze Meer. Dennoch ist es unglaublich, welch eine Strecke er zurückgelegt hat. Die Europakarte sieht sehr klein aus und deshalb wirkt die Strecke vielleicht nicht so imposant wie sie es eigentlich ist. Im Weiterschreiten des Romans reist Rob auch noch einmal innerhalb Persiens umher und sogar mit einem Kriegstrupp bis nach Indien!
Es ist erstaunlich, welche Wege und Strecken die Menschen damals zurückgelegt haben und manch einer von uns heutzutage jammert schon, wenn er ein paar Treppen steigen soll anstatt den Aufzug zu nehmen.
Aber das sind eben der Fortschritt und die Bequemlichkeit, mit denen wir leben. Und damals wurde sich bestimmt oft genug Fortschritt gewünscht, besonders in der Medizin wie uns Noah Gordon näherbringt. Das Sezieren von Menschen war verboten, weil die Toten dann nicht in den Himmel aufsteigen konnten. Deshalb konnten nur Vermutungen über das Innere des Körpers angestellt werden und viele Krankheiten nahmen einfach ihren Lauf, weil man sie nicht behandeln konnte.

Obwohl Persien in diesem Sinne sehr viel weiter entwickelt war als Europa. Als Rob viele Jahre später wieder nach England zurückkehrt, merkt er zu seinem und unserem Verdruss, dass man sein Wissen nicht würdigt oder davon Gebrauch macht. Den meisten Badern und "Ärzten" ging es damals nur um den Gewinn und viel Geld. Aber den Menschen konnten sie nicht wirklich helfen. Und neue Erkenntnisse wurden meist nicht angenommen, weil man sich ihres Ursprunges nicht sicher war. Auch wenn bewiesen wurde, dass die alten medizinischen Schriften falsche Informationen enthielten, blickte man eher auf sie, als auf einen dahergelaufenen jungen Arzt.

Zu guter Letzt möchte ich euch noch gerne eine kleine Warnung von Google Maps weiterleiten, die es bei der Fußreise von England nach Isfahan aufgezeigt hat. Also, seid schön vorsichtig, wenn ihr in nächster Zeit vorhabt, nach Persien zu wandern :)

Kommentare:

  1. Schöner, informativer Post. Ich habe das Buch zwar nie zu Ende gelesen (vor ca. 7 Jahren mal angefangen), aber den Kinofilm wollte ich mir eventuell mal ansehen.
    Ich finde es immer wieder unglaublich, was Menschen damals für Strecken auf sich genommen haben.
    Selbst die langen Reisen zwischen zwei deutschen Städten mit einer Kutsche sind für mich heutzutage schwer vorzustellen. Und Reisen zu Fuß - Unvorstellbar :) Aber da sieht man mal, wie verweichlicht wir sind. Schade eigentlich. :)

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  2. Das Buch hab ich zwar nicht gelesen, aber den Film habe ich mir angesehen und war auch tief beeindruckt. Allerdings denke ich, dass es im Buch sicher noch einmal besser beschrieben ist. Es hat auf jeden Fall Spaß gemacht Deinen Post hier zu lesen.

    LG
    Moni

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