Donnerstag, 16. Januar 2014

[Filmreview] Der Medicus

Seit dem 25. Dezember 2013 ist die Verfilmung des Weltbestsellers Der Medicus von Noah Gordon im Kino zu sehen.
Der Film hat mich absolut begeistert und beeindruckt und gerne versuche ich, euch meine Gefühle und Eindrücke näher zu bringen, ohne zu spoilern. Vermutlich wird meine Begeisterung nicht so derartig durchschlagen, wie sie es in Wirklichkeit ist, aber ich bemühe mich, das alles in Worte zu fassen ;)

England im elften Jahrhundert. Der neunjährige Rob Cole lebt mit seiner Familie in ärmlichen Verhältnissen. Als seine Mutter stirbt, werden er und seine Geschwister zu Waisen und unter den Dorfbewohnern aufgeteilt. Daraufhin schließt sich Rob dem Bader an, der durch ganz England reist, um die Menschen mehr mit Gewalt und Trug als mit Wissen zu heilen. Eines Tages hört Rob von einem großen Medicus, Ibn Sina, der im weit entfernten Persien neue Heilmethoden anwendet. Rob macht sich auf eine lange Reise, um selbst zu einem Medicus zu werden.

Immer wieder spreche ich in Bezug auf historische Romane / historische Filme davon, dass ich eher die Zuschauerrolle mag. Historische Romane beeindrucken mich durch die Recherchearbeit der Autoren und die Einblicke in das frühere einfache Leben, allerdings wirken sie meist etwas langatmig. Seltsamerweise bin ich den Filmen total verfallen. Ich liebe es, die Menschen zu beobachten und in ein völlig anderes Leben einzutauchen.
So ist es auch bei Der Medicus. Die Mischung aus dem prüden England und dem reichen Persien ist etwas besonderes und es gibt immer wieder tolle Sprünge in der Geschichte.
Zunächst lernen wir den kleinen Rob und seine Familie kennen. Leider jedoch muss er immer wieder mit ansehen, wie Menschen sterben, weil das Wissen um Heilung nicht ausreichend ist. Oftmals kann nur noch ein Priester für den letzten Segen gerufen werden. Und so schließt sich Rob dem Bader an, weil er lernen möchte, anderen Menschen zu helfen.

Der Bader und Rob
Hier beginnt die Geschichte spannend zu werden. Denn der Bader ist im Mittelalter ein doch sehr... rabiater Geselle, der bei den kleinsten Anzeichen die Amputation eines Zehs verordnet. Die Arbeit ist schmutzig, brutal, aber doch scheint es den Menschen zu helfen. Sie waren in der damaligen Zeit einfach froh, dass der Schmerz weg war. Heute ist das gar nicht mehr vorstellbar, allein bei der Gefahr der Entzündung!
Das Herumreisen mit dem Bader macht einen Heidenspaß und bietet immer wieder lustige Szenen.
Nach und nach jedoch erblindet er und so muss Rob, der bisher nur der Gehilfe war, eingreifen. Jedoch ist er in seinen Gedanken sehr fortschrittlich und möchte etwas an der Arbeit verändern. Als sie schließlich einen jüdischen Arzt aufsuchen, um die Blindheit des Baders zu heilen, eröffnet sich Rob eine völlig neue Welt des Heilens. Er hätte es nie für möglich gehalten, Blindheit zu heilen.

Zum ersten Mal hört er von dem großen Medicus Ibn Sina, der in Persien unterrichtet. Rob ist fest davon überzeugt, dorthin zu reisen. In der damaligen Zeit aber dauert es mehr als ein Jahr, um die Stadt Isfahan zu erreichen. Dieses Unterfangen ist fast schon blauäugig. Die Reise ist unglaublich lang, gefährlich und Rob macht sich überhaupt keine Gedanken darüber, was er vor Ort finden wird. Er verschwendet keinen Gedanken daran, dass er vielleicht gar nicht aufgenommen wird. Und dennoch bewundere ich seinen Heldenmut, denn sein Ziel ist es, anderen Menschen zu helfen. Dafür tut er alles und lässt sich auch nicht abweisen.
Aber es gibt noch eine andere Schwierigkeit. Denn in Persien sind nur zwei Religionen gestattet: Islam und Judentum.

Religion ist neben dem Heilen ebenfalls ein großes Thema des Films. Obwohl ich selbst nicht sehr religiös bin und mich auch nicht so intensiv damit auseinandersetze, war es nicht zu viel oder zu aufdringlich. Man sieht einmal mehr die Differenzen und Streitigkeiten zwischen den Religionen, wie wir sie auch heute kennen. Vieles wird als Zeichen Gottes gesehen, sogar ein Angriff von Feinden. Was natürlich völliger Quatsch ist.

Rebecca, Rob, der Schah, Karim
Der Film ist sehr ernst gehalten, allerdings werden auch witzige Aspekte mit eingebracht - vertreten durch Elisa M'Barek. Er spielt den reichen Karim, der den Unterricht Ibn Sinas besucht und eigentlich nur wegen seines Geldes dabei ist. Er ist faul, egoistisch und angeberisch und doch zeitgleich unglaublich witzig.
Und natürlich darf die Liebe nicht fehlen. Auf der Reise durch die Wüste Richtung Isfahan schließt sich Rob einer Karawane an. Mit dabei ist eine wunderschöne Frau namens Rebekka und Rob verliebt sich in sie. Allerdings ist sie einem reichen Mann versprochen.

Immer wieder gibt es neue spannende Handlungen, sodass der Film nicht langweilig wird. Ein besonders ausschlaggebender Moment ist natürlich, als die Pest ausbricht und Rob zusammen mit Ibn Sina die Ursache dafür findet. So können sie vielen Menschen das Leben retten. Allerdings ist dies auch eine sehr schwere Zeit für Rob, da er nur ohnmächtig mit ansehen kann, wie die Menschen sterben. Aber zu der damaligen Zeit war es einfach nicht möglich, eine Heilung zu finden. Dennoch ist es hart.
Hinzu kommt noch, dass man nur theoretische und äußerliche Mutmaßungen anstellen konnte, wie der menschliche Körper funktioniert, wie Krankheiten ausbrechen und wie man sie schließlich behandeln kann.
Obduktionen wurden als Leichenschändung angesehen und mit dem Tod bestraft. Rob in seinen guten Absichten, den Menschen zu helfen, tut dies natürlich heimlich und gewinnt damit neue und verblüffende Erkenntnisse.

Der Medicus ist ein unglaublich abwechslungsreicher, spannender und realer Film, der uns zeigt, wie der einfache Wunsch, Menschen zu heilen, eine Reihe von Geschehnissen auslösen kann, die wir uns heute nicht vorstellen können. Und er zeigt auch einmal mehr, wie sehr äußere Einflüsse das Leben erschweren und der Hass der Religionen Menschen verletzen kann.

Ich liebe den Film und lege ihn euch wärmstens ans Herz und außerdem ist Tom Payne ein wahrer Genuss beim Anschauen ♥ ;)

 

1 Kommentar:

  1. Oh das klingt gut, meine Familie will da nämlich unbedingt rein ^-^

    Lg Shellan ♥

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