Donnerstag, 24. Oktober 2013

[Rezension] Lucian (Isabel Abedi)

Titel: Lucian
Autorin: Isabel Abedi
Einzelband
Verlag: Arena
Seiten: 555
Genre: Fantasy / Romanze
Sprache: Deutsch (Broschiert)
Preis: 12,99€

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Klappentext:
"Becky, hast du dir eigentlich mal überlegt, dass Lucian vielleicht... kein... Mensch ist?" Ich senkte den Kopf. "Nein", flüsterte ich. Aber was ich dachte, was: Ja.

Immer wieder taucht er in Rebeccas Umgebung auf, der geheimnisvolle Junge Lucian, der keine Vergangenheit hat und keine Erinnerungen. Sein einziger Halt ist Rebecca, von der er jede Nacht träumt. Und auch Rebecca spürt vom ersten Moment an eine Anziehung, die sie sich nicht erklären kann. So verzweifelt die beiden es auch versuchen, sie kommen nicht voneinander los. Aber bevor sie noch erfahren können, was ihr gemeinsames Geheimnis ist, werden sie getrennt. Mit Folgen, die für beide grausam sind. Denn das, was sie verbindet, ist weit mehr als Liebe.
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 Der Mittwochabend gehörte uns, Janne, Spatz und mir.

Mit Lucian hat Isabel Abedi einen Jugendroman erschaffen, der mich tief beeindruckt hat. Nicht nur die Thematik, sondern auch die Entwicklung der Figuren und ihre Schreibweise haben mir sehr gut gefallen. Die Geschichte hat mich tief berührt, auch wenn es zumeist um das "normale" Leben von Rebecca geht. Es ist immer unterschwellig etwas dabei, was uns in die Geschichte eintauchen lässt und uns zwingt, weiterzulesen.

Das Cover gefällt mir gut. Der schwarze Hintergrund lenkt die Blicke und Gedanken nicht auf etwas Bestimmtes, sodass man sich während des Lesens einen eigenen Eindruck und eine eigene kleine Welt schaffen kann.
Der Titel passt natürlich auch wunderbar, ohne zu viel zu verraten. Wobei Lucian nicht als "Dauergast" in der Geschichte vorkommt. Die Feder gefällt mir auch gut als Blickfang, allerdings ist es eher eine Interpretationssache, ob sie zur Geschichte passt. Ich finde schon :)

Rebecca lebt mit ihrer Mutter Janne und deren Lebensgefährtin Spatz zusammen in Hamburg. Eigentlich führt sie ein völlig normales Leben, bis sie eines Nachts einen Albtraum von ihrem eigenen Tod hat und dann auf der Straße diesen unheimlichen Jungen entdeckt. Von da an ändert sich alles. Sie kann sich nicht mehr richtig konzentrieren, denkt ständig an den Jungen und die Träumen und verschließt sich immer mehr. Aber ihre beste Freundin Suse steht ihr bei. Immer wieder begegnet Rebecca diesem unheimlichen Jungen bis es zu einem Gespräch kommt. Er ist gar kein Stalker, wie Suse es angenommen hat, sondern wachte eines Nachts plötzlich nackt und ohne Erinnerung unter einer Brücke auf. Rebecca, die sich seltsam zu ihm hingezogen fühlt, möchte ihm helfen, doch dabei werden ihr viele Steine in den Weg gelegt. Was sie jedoch nicht weiß: Die beiden werden durch etwas Besonderes verbunden, was man mit dem normalen Menschenverstand kaum begreifen kann...

Die Geschichte hat mir wirklich sehr gut gefallen. Obwohl sie aufgrund des Klappentextes ein wenig in die Mainstream-Ecke gehört, schafft es die Autorin, genau das mit ihrem Schreibstil und der Art der Geschichte zu vermeiden. Die Story klingt einfach und fast schon langweilig, weil man sie schon so oft gehört hat: Ein Mädchen führt ein normales Leben und eines Tages taucht ein mysteriöser Junge auf, dem sie immer wieder begegnet. Allerdings ist diese Geschichte ganz und gar nicht so aufgebaut! Ein großes Augenmerk wird auf das Leben von Rebecca gelegt. Man erfährt alles Mögliche über ihre Familie, wie sich ihre Eltern getrennt haben und wie sich die Familie neu formiert hat; über ihre beste Freundin und ihren Ex-Freund Sebastian. Zudem geht es in der Geschichte nicht nur um Rebecca und Lucian. Die anderen Charaktere und deren Lebensentwicklung wird ebenfalls stark einbezogen und das finde ich wirklich gut! Zwar sind die anderen nicht gerade die Hauptpersonen der Handlung, aber man möchte ja nicht immer nur in einem Kopf feststecken und stur 500 Seiten lang an diesen Jungen denken.

Dies bringt Abwechslung in die Geschichte. Bis es überhaupt zu der ersten Begegnung kommt, in der Rebecca und Lucian miteinander sprechen, vergeht einige Zeit. Es ist nicht so, dass er sie in der Schule oder bei ihren Freizeitaktivitäten permanent heimlich beobachtet und man das Gefühl hat, alles drehe sich nur noch um ihn. Rebecca hat immerhin ihr normales Leben und davon sind wir für die Zeit des Buches ein Teil. Wenn man dies einfach so erzählt, klingt es vielleicht langweilig, aber das ist es ganz und gar nicht! Ich empfehle euch wirklich, das Buch zu lesen!
Die Auflösung gibt es erst ziemlich zum Schluss, weshalb ich euch auf keinen Fall den Spaß verderben möchte. Schon während des Buches gibt es im Hintergrund immer so ein... Flattern oder Bauchkribbeln. Denn nach der ersten Begegnung weiß man schon, dass irgendetwas die beiden verbindet. Man weiß aber nicht was und das erfährt man auch erst sehr spät.

Die Haupthandlung dreht sich natürlich um den geheimnisvollen Jungen, der auch dem Buch seinen Titel verleiht, dennoch ist es nicht so, dass sie sich permanent sehen oder beobachtet fühlen. Hin und wieder begegnen sie sich. Diese Begegnungen lassen meist auf sich warten, ebenso wie die Auflösung, was denn genau da eigentlich los ist. Aber dies tut der Geschichte überhaupt keinen Abbruch. Die Handlung entwickelt sich langsam und gemächlich, ohne dass man fieberhaft darauf wartet, dass Lucian wieder auftaucht. Es ist kein Warten, welches man immer wieder verflucht, sondern ein freudig-gespanntes Warten. Die Autorin schafft es, die Geschichte aus der Mainstream-Ecke zu ziehen, weil sie nicht das komplette Leben der Charaktere ausblendet, nur weil es jetzt diesen Jungen gibt. Das Leben ist ja nicht langweilig, wenn es keine unheimlichen, mysteriösen Jungen ohne Erinnerungen gibt. Das Leben geht weiter und ich finde es bemerkenswert, dass die Autorin dies im Buch weiter zugelassen hat. So banal es auch klingen mag. In den meisten Mainstream-Büchern wird das vergessen. Wenn der geheimnisvolle Junge ein paar Tage nicht auftaucht, verschließen sich die Hauptpersonen gleich in ihrem Zimmer und wollen nichts mehr von der Welt wissen.

Und nicht nur das hat mich sehr beeindruckt. Die Entwicklung von Rebecca finde ich wirklich bemerkenswert. In ihren Hintergedanken spukt Lucian immer wieder herum und manche ihrer Handlung zielen darauf ab, ihn wiederzusehen. Auch wenn dies nicht immer passiert. Ihre Zuneigung für ihren Ex-Freund Sebastian kehrt zurück, aber sie fühlt sich ihm gegenüber schuldig, weil sie etwas Besonderes für Lucian empfindet, auch wenn sie nicht genau weiß, was das ist. Sie ist wild entschlossen, das Geheimnis um ihn zu lösen, allerdings lässt sie sich hin und wieder von ihrer besten Freundin Suse ablenken. Wenn Lucian eine Weile lang nicht aufgetaucht ist, drängt sie ihn in ihren Gedanken immer weiter zurück, sodass sie Raum für ihr Privatleben hat. In diesen Momenten ist sie auch offener für die Probleme ihrer Freunde.
Rebecca reagiert durchaus authentisch, besonders als sie erfährt, wie ihre Mutter in die Geschichte verwickelt ist. Ich finde es sehr spannend, dass fast jede der Charaktere eine andere Meinung zu Lucian hat, ohne ihn überhaupt getroffen zu haben. Somit hat man alle Möglichkeiten, abzuwägen, was mit ihm los ist. Aber natürlich liegt keiner mit seinen Vermutungen richtig. Dennoch möchte jeder Rebecca vorschreiben, wie sie sich Lucian betreffend verhalten soll. Dies zeigt natürlich die Sorge der anderen Charaktere um sie, aber keiner hört ihr richtig zu. Denn sonst hätten sie schon längst gewusst, dass von Lucian keine Gefahr ausgeht.

Der Roman hat mich wirklich überrascht und beeindruckt. Ich hatte Angst, dass es wirklich nur einer der vielen Geschichten um einen mysteriösen Jungen ist. Aber genau das ist nicht eingetreten! Wie bereits beschrieben schafft es die Autorin durch ihren besonderen Schreibstil und die Gewichtung der Handlung eine besondere Geschichte zu zaubern, die unter die Haut geht und uns mit Spannung in den Seiten vorantreibt.
Die Stimmung im Buch wechselt immer wieder, sodass es nie langweilig wird. Aber dennoch ist immer eine gewisse Grundstimmung da, die natürlich von der Verbindung zwischen Rebecca und Lucian herrührt.
Die Auflösung der Geschichte ist logisch nachzuvollziehen und das Ende ist genauso, wie es kommen musste. Dennoch hatte ich am Ende ein bissche Pipi in den Augen, was mir bei einem Buch noch nie passiert ist!

Lucian ist eine Geschichte der besonderen Art, die auf einer authentischen und wünschenswerten Idee aufgebaut ist und durch die verschiedenen Schwerpunkte auf den Handlungen nicht langweilig wird, aber trotzdem nicht überladen wirkt. Auch der Tunnelblick auf diesen einen Jungen ist nur unterschwellig gegeben, sodass das normale Leben der Charaktere auch eine Chance hat, weiterzubestehen.

Das Buch hat mich wie lange keines mehr beeindruckt und einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ich kann dies in der Rezension gar nicht so in Worte fassen, wie ich es gerne möchte, aber hoffentlich werdet ihr beim nächsten Besuch in der Buchhandlung nach dem Buch greifen und euch einen eigenen Eindruck verschaffen!

5 Marshmallows

"Es gibt Dinge im Leben, um die man kämpfen muss, weil die Zeit, die dafür bleibt, manchmal kürzer ist, als wir denken." (S.460)

1 Kommentar:

  1. Ui, da warst du aber sehr begeistert von dem Buch - freut mich, dass es dir gefallen hat! Mir hat "Lucian" auch sehr gut gefallen und die Rezi ist echt toll :D

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