Sonntag, 20. Oktober 2013

[Rezension] Isola (Isabel Abedi)

Titel: Isola
Autorin: Isabel Abedi
Einzelband
Verlag: Arena
Seiten: 321
Genre: Jugendbuch/Thriller
Preis: 7,99€

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Klappentext:
Zwölf Jugendliche. Eine einsame Insel. Drei Dinge, die sie mitnehmen dürfen. Und unzählige Kameras, die sie beobachten...

"Ich hätte weglaufen können. Noch heute spukt dieser Gedanke oft durch meinen Kopf. Ich hätte mich heimlich von der Gruppe entfernen können, genügend Gelegenheiten hätte es gegeben. Aber hätte das etwas geändert? Wäre das Projekt abgebrochen worden? Wäre vielleicht kein Blut geflossen? Es ist so sinnlos, sich diese Fragen zu stellen, mein Verstand weiß das. Aber die Fragen wissen es nicht. Sie kommen - ohne vorher anzuklopfen und sich zu erkundigen, ob es gerade passt."
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Er war wie jedes Jahr um diese Zeit der einzige Mensch im Garten des Evangelischen Klinikums in Berlin.

Isabel Abedi beschreibt in Isola ein harmlos erscheinendes Filmprojekt, bei welchem zwölf Jugendliche auf einer einsamen Insel von Kameras überwacht werden. Aber natürlich ist von Anfang an klar, dass irgendetwas passieren muss. Die Frage ist nur, was passieren und wie weit es gehen wird. Schon der Klappentext lässt einen das Schlimmste befürchten und man steckt die Charaktere sofort in Schubladen und scheint schon gleich zu Beginn der Reise zu wissen, wer der Böse ist. Aber alles kommt anders, als man denkt...

Das Cover gefällt mir unglaublich gut! Die schwarze Hintergrundfarbe wirkt sehr schlicht, aber dadurch kommt der Titel wunderbar zur Geltung! Isabel Abedis Jugendromane haben alle dasselbe Coverschema, was ich wirklich klasse finde! Dabei kann man immer sofort erkennen, dass es ein Roman von ihr ist.
Außerdem gefällt mir die tolle blaue Farbe so sehr!
Der Titel passt wie die Faust aufs Auge ohne zu viel zu verraten. Das Filmprojekt nennt sich Isola - es ist auch das italienische Wort für Insel, um die es sich ja auch in der Geschichte dreht.

Quint Tempelhoff ist ein berühmter deutscher Filmregisseur, der schon viele Preise gewonnen hat und nun mit einem neuen Projekt glänzen will. Er schickt zwölf Jugendliche auf eine einsame Insel bei Brasilien und überwacht sie drei Wochen lang mit Kameras. Diese Jugendlichen versprechen sich ein paar lockere Tage Urlaub, die auch noch bezahlt werden. Allerdings kommt alles anders. Sie sollen ein Spiel spielen, welches Mord im Dunkeln ähnelt. Jeder zieht eine Karte und einer ist der Mörder. Der Mörder soll heimlich immer ein Opfer am Handgelenk fassen und es in ein Versteck bringen. Dieses Opfer wird dann von der Filmcrew abgeholt, fliegt nach Hause und ist nicht mehr im Spiel dabei. Ungewöhnlich, aber harmlos. Scheinbar. Denn bald gibt es den ersten Toten und Panik macht sich auf der Insel breit...

Die Idee zur Geschichte wirkte für mich auf den ersten Blick unglaublich spannend und aufregend, auf den zweiten Blick jedoch etwas ungewöhnlich. Wieso sollten Eltern zustimmen, dass ihre jugendlichen Kinder auf eine einsame Insel fliegen, wo sie Tag und Nacht von Kameras überwacht werden? Welchen Sinn soll das haben und was für ein Filmmaterial erhofft sich der Regisseur davon? Aber ich habe mich auf die Ausgangssituation eingelassen und bin total überrascht worden! Zwischenzeitlich wirkt die Geschichte so real und normal, dass es wirklich wie ein Strandurlaub rüberkommt. Gleichzeitig sind die Charaktere so wunderbar ausgearbeitet und unterschiedlich, dass man sie nicht immer richtig einschätzen kann. Die Masche, die die Autorin für diesen Roman gestrickt hat, ist genial und lässt alle Möglichkeiten für die Geschichte zu. Und doch bin ich immer wieder überrascht worden und bin gegen Ende richtig durch die Seiten geflogen, weil ich nicht glauben konnte, was sich da abspielte.

Unsere Hauptperson in der Geschichte ist Joy. Sie ist ein sehr vielschichtiger Charakter, über den man im Buch ständig Neues lernt. Sie ist ein sehr ruhiges Wesen, hat ihre Gedanken für sich und spricht nicht viel, selbst wenn sie die Gesellschaft anderer genießt. Sie ist in Brasilien geboren worden, in eine arme und drogenabhängige Gesellschaft am Rande von Rio. Doch als kleines Mädchen wurde sie von einem deutschen Ehepaar adoptiert. Ihre Absicht, an dem Filmprojekt Isola teilzunehmen, ist nicht um des Projektes willen, sondern weil sie ihre geliebte Schwester in Rio wiedersehen möchte. In ihr gibt es diesbezüglich die verschiedensten Gefühle. Sie will ihre Schwester unbedingt finden, hat aber auch große Angst davor, dass sie sie nicht wiedererkennt. Auf der Insel nimmt Joy ihren Geburtsnamen Vera an. Dort wirkt sie als eine der Vernünftigsten, auch wenn sie sehr ruhig ist.

Für das Filmprojekt soll jeder einen anderen Namen annehmen. Und somit kann auch jeder eine Rolle spielen, wenn er mag. Niemand muss die Wahrheit über sich preisgeben und somit ist das perfekte Fundament für die Geschichte geschaffen. Eigentlich kann man niemandem trauen, weil man nicht weiß, er nur eine Rolle spielt oder wer wirklich er selbst ist. Dennoch empfand ich es als nicht so schwer, die Charaktere einzuschätzen. Ob sich dies im Buch vielleicht noch einmal ändert, muss jeder für sich selbst entscheiden. Jedenfalls gibt es eine große Palette an Eigenschaften, die mir sehr viel Freude bereitet hat. Es gibt die unterschiedlichsten Menschen auf der Insel und so kann eigentlich alles passieren.
Elfe, die sich später als beste Freundin von Vera erweist, ist der Sonnenschein der Gruppe. Sie gehört zu den Menschen, die in fast allem und jedem etwas Positives sieht. Bereits auf dem Flug nach Brasilien hielt sie Ausschau nach den anderen Kandidaten und brachte einiges über diese in Erfahrung. Sie ist ein kontaktfreudiger und offener Mensch. Sie ist sehr ehrlich und zeigt auch offen ihre Gefühle.

Andere dagegen gehören zu der Sorte Mensch, die ich persönlich lieber meiden würde. Zum Einen sind da Darling, Alpha und Joker, die sehr anzüglich, laut und manchmal besonders nervig sind. Ab und zu hatte ich das Gefühl, dass sie nur bei dem Filmprojekt dabei sind, um mal ordentlich in der Öffentlichkeit mitzumischen und auf sich aufmerksam zu machen, egal mit was. So kommt es auch zu der ein oder anderen anzüglichen Szene, die laut den Regeln eigentlich verboten ist. Mehr sage ich dazu nicht ;)
Milky und Neander dagegen sind mir von Anfang an symphatisch gewesen. Sie sind die besten Freunde, wie man sie sich vorstellt. Sie sind fürsorglich, treu und lustig. Man kann mit ihnen reden und hat in ihrer Anwesenheit sofort das Gefühl, willkommen und in einer guten Gesellschaft zu sein. Sie sind zufrieden mit sich und dem, was sie tun. Denn sie tun das, was ihnen Freude bereitet, ohne groß darüber nachzudenken, was andere davon halten. Diese Haltung finde ich an Menschen immer sehr bewundernswert. Sie versuchen nicht zwanghaft, jemandem zu gefallen, sondern sind einfach sie selbst. Und dann kommen die Freunde von ganz allein.

Solo ist ein besonderer Charakter. Er ist wie Vera ebenfalls sehr still, aber auf eine andere Art und Weise. Denn wir sind immerhin in Veras Kopf und können ihre Gedanken hören. Aber bei Solo ist das nicht so. Wir können nur erahnen, was er von all dem hält und welche Gedanken er zu den anderen Kandidaten hat. Besonders sein zutraulicher Hund Mephisto hat es mir angetan. Ich habe sogar das Gefühl, dass er und Solo im Grunde das gleiche Wesen haben, nur dass Solo es nicht offen zeigen kann. Mephisto ist sehr zutraulich - vielleicht etwas zu viel - aber er freundet sich sofort mit jedem an. Solo dagegen muss man erst richtig kennenlernen. Da er sich oft zurückzieht, ist das nicht so einfach, aber genauso wie es Vera beschreibt, hat er eine besondere Anziehungskraft, die ihn für uns total symphatisch macht. Er wird nicht als Gegner oder Feind betrachtet, sondern immer als Freund und Verbündeter. Manche Menschen haben so eine Aura und sind sich dessen aber nicht bewusst. Am Liebsten würde ich Solo im echten Leben mal kennenlernen ;)

Da die Geschichte nicht unbedingt sehr lang ist, konnte oder musste sich die Spannung schnell aufbauen. Obwohl sie meiner Meinung nach von Anfang an gegeben war. Zwölf Jugendliche auf einer einsamen Insel? Da ist ja klar, dass irgendetwas passieren muss. Ich erwartete ehrlich gesagt, dass jemand diese "Gefangenschaft" nicht mehr aushalten und verrücktspielen würde. Allerdings kommt alles ganz anders. Die Geschichte entwickelt sich in eine Richtung, die ich mir nicht einmal im Traum ausgemalt hätte und ich war total gefesselt von der Handlung, weil ich mir überhaupt nicht vorstellen konnte, wie es weitergehen würde. Die Auflösung am Ende hat mich mit einem offenen Mund zurückgelassen.
Die Atmosphäre ändert sich recht schnell, aber nicht zu schnell, sodass man das Gefühl hat, dass das Buch schnell enden soll. Es hat alles gepasst und ich bin immer noch total geflasht! Die Geschichte ist durch und durch rund, es gibt auf jede Frage eine Antwort und doch ist man immer noch wie gebannt, selbst wenn man die Lösung am Ende kennt. Und diese tolle Geschichte beweist auch, dass gute, spannende und unterhaltsame Bücher nicht immer Unmengen an Seiten haben müssen, um zu gefallen.

Isola ist ein Roman voller spannender Ereignisse, vielschichtiger, symphatischer und authentischer Charaktere und mit einem unbekannten Ziel, welches uns am Ende total überrascht zurücklässt und die Geschichte absolut rund, ereignisreich und total genial macht.

5 Marshmallows

"Es ist ein Bem-Te-Vi", wisperte Neander in mein Ohr. "In Brasilien kennt ihn angeblich jedes Kind. Er soll auf den ersten Blick sehr unscheinbar sein, braune Federn, schwarz-weißer Kopf, kaum größer als ein Spatz. Aber wenn er seine Flügel ausbreitet, zeigt er seine leuchtend gelbe Brust und in der Luft soll er aussehen wie eine fliegende Zitrone. Sein Name klingt genau wie sein Ruf, Beng-Tschiwi. Auf Deutsch heißt das Ich hab dich gesehen." (S.81)

"Wir Chinesen sagen, nur im ruhigen Teich spiegelt sich das Licht der Sterne." (S.147)

Kommentare:

  1. Ich habe das Buch bisher drei-Mal gelesen. Ich habe alle Jugendbücher von Isabel Abedi mindestens dreimal gelesen. Sie sind alle so so gut ♥♥

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  2. Huhu Dani,

    Das Buch klingt wirklich spannend! Schöne Rezi!

    Lg Bianca

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