Samstag, 5. Oktober 2013

[Rezension] Die Amulettmagier (Natascha Honegger)

Titel: Die Amulettmagier
Autorin: Natascha Honegger
Einzelband
Verlag: Papierfresserchen
Seiten: 405
Genre: Fantasy
Sprache: Deutsch (Taschenbuch)
Preis: 13,90€

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Klappentext:
Isalia, Jerino, Valeria und Alessandro wären eigentlich ganz normale 13-Jährige, wären da nicht ihre leuchtenden Augen und ein seltsames Amulett, das ihre Schicksale miteinander verbindet und sie vor eine große Aufgabe stellt:

Eine Prophezeiung besagt, dass sie auserwählt sind, Aria, ihr geliebtes Heimatland, von dem skrupellosen Tyrannen Arkamoor Salsar zu befreien und dem Volk seine Freiheit zurückzugeben.
Ausgestattet mit der Magie der Luft, des Wassers, des Feuers und der Erde beginnt für sie das größte Abenteuer ihres Lebens. Ein Abenteuer, in dem nicht nur ihre Freundschaft, sondern auch die zarte Liebe von Isalia und Jerino auf eine harte Probe gestellt wird.
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 Ein Unwetter zog über eine kleine Stadt namens Merlina an der nördlichen Küste des Landes Aria.

Natascha Honegger entführt uns in Die Amulettmagier in eine magische Welt, in der fantastische Wesen, geheime Orte und unglaubliche Abenteuer auf uns warten. Sie erzählt die Geschichte von vier jungen Menschen, die dazu auserkoren wurden, das Land Aria vor dem grausamen Tyrannen Arkamoor Salsar zu retten. Auf ihrer Reise treffen sie aber nicht nur auf Feinde und Gefahren, sondern auch auf Freunde und Verbündete, die alles in ihrer Macht stehende tun, um ihnen bei ihrer Aufgabe zur Seite zu stehen.

Das Cover gefällt mir sehr gut. Es ist zwar einfarbig, aber dadurch kommen die leuchtenden Augen des Mädchens sehr gut zur Geltung. Es sieht fast so aus, als würden diese im Dunkeln leuchten. Zudem passen sie unglaublich gut zur Geschichte, da die leuchtenden Augen eine ganz besondere Rolle spielen.
Der Titel ist ebenfalls sehr passend, ohne dass er zu viel von der Geschichte preisgibt. Außerdem mag ich die geschwungene Schrift sehr gerne.

Isalia, die von allen aber nur Isa genannt wird, lebt seit sie ein kleines Baby ist, in einem Waisenhaus in Merlina, im Norden des Landes Aria. Ihr Leben ist recht unbeschwert und sie verbringt die Zeit am Liebsten mit ihren Freundinnen. Doch wäre sie ein normales Mädchen würde eines Tages nicht etwas Spannendes passieren: Ein reiches Ehepaar kommt von weit her, um sie zu adoptieren. Und ab diesem Moment beginnt die Reise. Isa gehört zu einer Gruppe von vier Kindern, die alle eines gemeinsam haben: ihre leuchtenden Augen. Sie sind die Amulettmagier und müssen mithilfe des Amuletts des Lichts den bösen Tyrannen Arkamoor Salsar besiegen, um ihr Land Aria zu beschützen. 
Ein spannendes Abenteuer beginnt, in dem die Kinder zueinanderfinden und schließlich nach einem Weg suchen müssen, um den bösen Tyrannen zu besiegen. Doch nur gemeinsam können sie das schaffen...

Die Geschichte beginnt schon sehr mysteriös und unglaublich gut. Eine junge Frau steht an der Küste des Meeres, ein Baby in ihren Armen. Sie übergibt es einem Waisenhaus, um es vor Gefahren zu schützen. Da man nicht weiß, wer die junge Frau ist und vor welchen Gefahren sie sich fürchtet, wird gleich die Spannungskurbel in Gang gesetzt. Der Prolog ist kurz, aber dennoch sehr, sehr gut geschrieben und ich würde sogar sagen, dass dies die beste Szene im gesamten Buch ist. Nicht, dass dies der Geschichte einen Abbruch getan hätte ;) 
Oft ist es so, dass die ausgedachten Welten der Autoren manchmal etwas zu abstrakt sind und man sich nicht so gut einfühlen kann. Dies ist bei Die Amulettmagier nicht der Fall. Man fühlt sich sofort heimisch in dieser Welt und alles kommt einem vertraut vor. Zunächst scheint es ja auch eine "normale" Geschichte zu sein, bis man merkt, dass Isalia doch anders ist, als die anderen Kinder im Waisenhaus. Ihre blau-leuchtenden Augen sind ein Indiz dafür, dass sie etwas Besonderes ist und dieser Verdacht bestätigt sich schon bald.

Da in Aria große Ungerechtigkeit herrscht und viele Menschen im Gegensatz zu den reichen Snobs gar nichts haben, war ich erst skeptisch, als ein reiches Ehepaar den weiten Weg auf sich nahm, um Isa zu adoptieren. Aber wie begeistert war ich, als sich herausstellte, dass Massimo und Vega Aleander nicht nur die Amulettmagier zusammenführen wollen, sondern auch noch total nett sind. Genauso, wie man sich bodenständige und fürsorgliche Menschen vorstellt, die sich ihren Reichtum hart erarbeitet haben und diesen gerne mit der Welt teilen und ihn nicht für sich behalten, um damit anzugeben. Ich habe sie schon bei der ersten Begegnung ins Herz geschlossen.
Das ist auch eine positive Eigenschaft, die ich der Autorin zuschreiben möchte. Sie schafft es von Anfang an, dass wir uns entweder sofort zu Figuren hingezogen fühlen und sie mögen oder dass wir eine gewisse Unruhe verspüren, wenn wir ihnen begegnen. Meist ist dabei der erste Eindruck der richtige, aber dennoch gibt sie den Figuren die Chance, sich zu verändern. Und wenn dies eintritt, kann der Leser seine Meinung über sie ändern und das ist eine tolle Gabe, die das Lesen sehr einladend macht.

Da man sich nun in einer total neuen und fremden Welt befindet, möchte man so viel wie möglich von ihr sehen. Aber dabei besteht natürlich die Gefahr, dass Ort um Ort aneinandergereiht wird, um den Leser möglichst viel sehen zu lassen, aber dabei kein bleibender Eindruck entsteht. Umso schöner ist es, dass die Autorin in Die Amulettmagier jeden Ort mit etwas Besonderem verbindet und es nicht nur eine Durchreise ist, sondern auch etwas passiert. Demnach bleibt jeder Ort im Gedächtnis und obwohl fast jeder auf der Karte besucht wird, wirkt es nicht wie eine Aneinanderreihung.
Sehr oft geraten die Kinder getrennt in Zweiergruppen in Abenteuer und Gefahren und das ist sehr schlau von der Autorin gelöst worden. Somit sieht man viele Orte und erfährt so einiges über das Land Aria und den Tyrannen Arkamoor Salsar, aber durch das Hin- und Herspringen zwischen den Gruppen bleibt die Spannung ständig erhalten. Auch wenn eine lange Reise natürlich spannend ausgeschmückt werden kann, wenn man pausenlos eine Gruppe begleiter, hat dies meist eine negative Auswirkung auf den Spannungsbogen.

In diesem Zusammenhang möchte ich noch ein weiteres Talent der Autorin betonen, welches einen grandiosen Nebeneffekt zur Geschichte hat. Sie ist eine begabte Zeichnerin und hat nicht nur die Karte Arias selbst entworfen, sondern schmückt das Buch hier und da mit kleinen Zeichnungen passend zur Geschichte aus. Auf ihrer Autoren-Homepage könnt ihr zudem liebevoll zusammengestelltes Info-Material zur Geschichte bekommen, wie zum Beispiel Ortsbeschreibungen mit passenden Zeichnungen und ein großes Lexika.
via
Die Charaktere haben mir allesamt gut gefallen. Man weiß, wie bereits beschrieben, mit wem man symphatisiert und von wem man sich lieber fernhält. Jedoch gibt es auch ein tolles Beispiel für die Veränderung einer Figur - zum Guten versteht sich. Alessandro, der Erdmagier, ist nicht so weit fortgeschritten mit seinen Kräften wie die anderen Amulettmagier und glaubt deshalb, dass es einen Fehler gegeben hat und er gar nicht dazugehört. Er ist ein wirklich überheblicher Kerl und zu Beginn glaubt man, dass man nicht eine Sekunde mit ihm aushalten könnte. Zu allem Überfluss verrät er die anderen auch noch an die Schwarzmagier von Arkamoor Salsar, die die Kinder schließlich angreifen und Alessandro und Jerino nach Dentratan entführen. Danach beginnt er sich zu verändern und schafft schließlich den Sprung auf die positive Seite. Diese Aktion vom ihm ist im Übrigen auch für die Trennung der Kinder verantwortlich.
Valeria ist ein eher schüchternes Mädchen, da sie sich vor den Auswirkungen ihres Elementes, des Feuers, fürchtet. Immerhin muss sie nur wütend werden und das Feuer schlägt unkontrolliert um sich. Sie macht ebenfalls eine tolle Entwicklung durch, bekommt großes Selbstvertrauen und errichtet auch eine besondere Vertrauensbasis zu den anderen Amulettmagiern.

Isa, unsere Hauptperson, hält das Element Luft inne und beherrscht es nach einigen Übungsstunden sehr gut. Sie ist sehr bodenständig und würde alles tun, um ihren Freunden zu helfen. Auch wenn es manchmal brenzlig wird, hatte ich nie das Gefühl, dass sie leichtfertig handelt, sondern ihre Entscheidungen genau abwägt.
Besonders gut hat mir Jerino gefallen. Er wird von den Aleanders und Isa in der Hafenstadt Karpensas aufgespürt, als er versuchte, das Amulettstück von Isa zu stehlen. Er lebt seit vielen Jahren als Dieb und hatte wirklich Glück, dass er ausgerechnet Isa bestehlen wollte. Denn sie erkennt ihn anhand der leuchtenden Augen und so kommt er einer Strafe nochmal davon, da die Aleanders einflussreiche Leute sind. Er ist ein Charakter, den man sich gerne als besten Freund aus dem Buch herauslesen und Zeit mit ihm verbringen möchte. Er strahlt eine gewisse Ruhe und Stärke aus, die die Menschen um ihn herum mutig und vertrauensvoll werden lassen. Kein Wunder also, dass er und Isa Gefühle füreinander entwickeln. 
In der Geschichte steht natürlich der Kampf gegen den Tyrannen im Vordergrund und deshalb ist es auch gut, dass die Autorin das Augenmerk nicht unbedingt auf die Liebe gesetzt hat. Dennoch ist es schön, dass man diese "zarte Liebe" genaustens beobachten kann und da die beiden viel Zeit miteinander verbringen und zunächst gute Freunde sind, ist die sich entwickelnde Liebe auch sehr authentisch.

Die Amulettmagier ist eine fantastische Geschichte mit unglaublich gut gestalteten Charakteren, die den Spannungsbogen immer aufrechterhält und uns mit den Geheimnissen einer fremden Welt begeistert. Zudem ist die Idee, aus den Elementen ein Amulett herzustellen, sehr kreativ und wunderbar umgesetzt. Viele Facetten werden aufgezeigt und nicht nur beispielsweise das Amulett als solches.

5 Marshmallows

Das Amulett des Lichts
Eine der wunderbaren Zeichnungen




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