Sonntag, 28. Juli 2013

[Rezension] Saeculum (Ursula Poznanski)

Titel: Saeculum
Autorin: Ursula Poznanski
Einzelband
Verlag: Loewe
Seiten: 493
Genre: Thriller
Preis: 9,95€

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Klappentext:
Du denkst, es ist eine harmlose Reise in die Vergangenheit, ein Spiel. Doch dann greift die Vergangenheit nach dir und gibt dich nicht mehr frei. Ist tatsächlich ein uralter Fluch wiedererwacht?
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Bastian hörte das Klirren der Schwerter schon von Weitem.

Saeculum ist ein Jugendthriller, der uns in Atem hält und uns an unserem Verstand zweifeln lässt. Ist bei dieser harmlos geglaubten Convention wirklich ein Fluch am Werk oder ist es das Werk eines Verrückten? Dieser Thriller hat mich teilweise so in Atem gehalten, dass ich zwischendurch hinter mich geblickt habe und Geister vermutete.

Das Cover ist sehr schlicht, gibt aber durch die Äste und die zwei Farben schwarz und weiß die fortschreitende Stimmung im Buch wieder. Es ist nicht besonders ausgefallen, aber die schwarzen Äste fallen auf dem weißen Hintergrund sehr deutlich auf und fordern einen geradezu auf, das Buch in die Hand zu nehmen und den Klappentext zu lesen.
Der Titel hat mich fast dazu verleitet, eine passende Übersetzung im Internet zu suchen, da er sich sehr Lateinisch anhört und ich auf diesem Fachgebiet eher ratlos bin. Aber nach ein paar Seiten wird man bereits darüber aufgeklärt.

Bastian ist Medizinstudent, sehr ehrgeizig und steht auf Kriegsfuß mit seinem perfekten Chirurgen-Vater. Und er ist verliebt in Sandra. Sie zeigt ihm eine andere Welt, eine Freiheit, die er nur bei ihr verspürt. Als er eines Tages auf dem Mittelaltermarkt ihre Freunde kennenlernt, wird er prompt zu ihrer nächsten Convention eingeladen. Denn Sandra ist Mitglied der Rollenspielgruppe Saeculum. Ein paar Mal im Jahr treffen sie sich in abgelegenen Gegenden zu ihren Conventions und leben fünf Tage lang wie im Mittelalter: ohne die neusten Erfindungen. 
Sandra zuliebe und zum Trotz gegen seinen Vater nimmt Bastian die Einladung an und bereut es schon bald. Denn die Convention findet im kleinen Waldstück vom Vorjahr statt und dort soll es angeblich spucken. Früher habe der Sohn des Grafen seinen Bastard-Bruder in den Gruften der Burg getötet und eben jener Bastard verfluchte alle, die nicht so seien und fühlen wie er. Diese Geschichte spaltet die Gruppe von Beginn an und tatsächlich geschehen seltsame Dinge und es verschwinden Teilnehmer der Convention...

Obwohl ich nicht so für Rollenspiele zu begeistern bin, hat mir die Rahmenhandlung des Buches sehr gut gefallen. Immerhin geht es nur am Anfang wirklich um das Leben im Mittelalter, später ums beinahe nackte Überleben. Besonders unheimlich ist es, dass sich genau das zu ereignen scheint, was der Bastard-Sohn aus der Legende gesagt hat. Und die Teilnehmer der Convention sitzen dort fest, bis die Autos zum vereinbarten Zeitpunkt in fünf Tagen wieder auftauchen.

Bastian hat mir irgendwie leidgetan. Er ist sehr symphatisch, aber man merkt, dass er unter seinem Vater leidet. Dieser ist der perfekte Chirurg und will, dass Bastian eines Tages in seine Fußstapfen tritt. Zwar studiert Bastian Medizin und stürzt sich wie besessen aufs Lernen, aber dies ist auch nur eine Zuflucht vor seinem Vater. Umso mehr hat es mich für ihn gefreut, dass er Sandra kennengelernt hat. Er ist wirklich in sie verliebt und in ihrer Gegenwart glücklich. Leider währt aber auch dies nicht lange. Sandras Verhalten ihm gegenüber verändert sich mit dem Beginn der Convention nämlich schlagartig. Sie ist abweisend und spricht kaum noch mit ihm. Er kann das gar nicht verstehen und ich im Übrigen auch nicht. Immerhin war es auch ihre Idee, dass er mitfährt.

Doro ist ein interessanter Charakter, den ich nach Auslesen des Buches als wahnsinnig bezeichnen würde. Zu Beginn ist sie nicht sehr auffällig, aber sobald feststeht, wo die Convention stattfindet, wird sie zur tickenden Zeitbombe. Sie ist fest davon überzeugt, dass der Fluch Wirklichkeit ist und der Geist des Bastard-Sohnes sie heimsuchen wird, sobald sie sein Gelände im Wald betreten. Zunächst wird sie nicht sehr ernst genommen. Aber sobald die ersten Zeichen des Fluches auftreten, beginnt sie, seltsame Gegenflüche und Schutzzauber zu sprechen und drängt sich den anderen sehr mit ihren Katastrophentheorien auf.

Iris ist ein Charakter, der mir sehr gut gefällt. Sie ist ein unabhängiges Mädchen, das sich nicht gerne vorschreiben lässt, was es zu tun hat. Am Anfang der Geschichte sehen wir sie erst einmal nur durch die Augen der anderen Conventionteilnehmer. Und diese finden sie seltsam und schräg. Aber sobald Bastian sie näher kennengelernt hat, beginnt man auch als Leser sie zu mögen. Und ihr Geheimnis, das sie gut hütet, macht sie auch zu einer tragischen und bemitleidenswerten Figur. Umso schöner ist es, dass sie sich so gut mit Bastian zu verstehen scheint. Bei den anderen findet sie nicht so viel Anklang. Besonders interessant finde ich, dass sie Harfe spielt und dies auch häufig tut, um sich selbst zu beruhigen und eine innere Ruhe zu finden.

Paul kann ich leider nicht so ausführlich beschreiben, wie ich gerne möchte. Er hat sehr viele Facetten, die uns immer wieder überraschen. Er ist sehr vernünftig und hält die Gruppe zusammen, wenn diese sich verloren glaubt. Er ist selbstsicher und weiß genau, was er tut. Mich hat es nur sehr überrascht, dass er sich Bastian immer mehr annähern wollte und mir war das genau wie Bastian irgendwie unangenehm. Ich habe absolut nichts gegen gleichgeschlechtliche Vorlieben, aber es war einfach irgendwie merkwürdig, diese Annäherungsversuche zu lesen.

Insgesamt hat mir das Buch mit seiner Geschichte und seinen Charakteren sehr gut gefallen. Es wird nie langweilig, da es voller Wendungen ist, die wir absolut nicht erwarten würden. Hin und wieder glaubt man des Rätsels Lösung gefunden zu haben, aber man liegt damit immer falsch. Das Schlimme daran ist, dass die einzige Möglichkeit tatsächlich der Fluch zu sein scheint. Aber als Menschen können wir so ein Phänomen natürlich nicht akzeptieren und suchen immer weiter nach einer plausiblen Lösung.
Die Auflösung am Ende war für mich ein regelrechter Schocker, denn damit hätte ich niemals gerechnet!

Saeculum ist ein Thriller, der durch eine Menge Spannung und ausgeklügelter Charaktere ein unglaublich tolles Lesevergnügen bietet, bei dem man seinem eigenen Verstand nicht mehr traut. Da wir von Natur aus nicht an Flüche glauben, rätselt man immer mit ob es nicht doch eine plausible Lösung gibt, aber diese scheint uns immer wieder zu entgleiten.

5 Marshmallows
 

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