Samstag, 4. Mai 2013

[Rezension] Prodigy - Legend #2 (Marie Lu)

Titel: Prodigy
Autorin: Marie Lu
Teil 2 der Legend-Trilogie
Verlag: Penguin Books
Seiten: 354
Genre: Fantasy
Preis: 7,60€ (Taschenbuch)

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ACHTUNG! Dies ist Band 2 der Legend - Reihe und meine Rezension enthält Spoiler zu Band 1!

Lest hier meine Rezension zu Legend.






Klappentext:
Missing
June IParis
Agent, Los Angeles city patrol, 15, female, 5 ft 4 in.
350000 republic notes reward.

If seen, report immediately to your local official

That's what the republic wants their people to think. That I'm "missing". What they don't say is they want me dead. I helped Day, the country's most notorious criminal, escape his execution, aided the rebel patriots in a staged uprising and turned my back on the republic.

But I won't turn my back on Day...
____________________________________________________________________________________________

Day jolts awake beside me.

In Prodigy geht Marie Lu einen Schritt weiter als in Legend. Ihre Charaktere müssen sich Gefahren, Entscheidungen und Gefühlen stellen, die sie an ihre Grenzen bringen. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen, bis man nicht mehr genau weiß, an wen man sich halten soll.

Das Cover gefällt mir unglaublich gut. Es wirkt, als wäre der Vogel auf eine graue Mauer gesprüht worden. Welche Bedeutung dieser Vogel hat, erfährt man erst sehr spät im Buch. Es ist ein schlichtes Cover, was aber dennoch einen großen Reiz ausstrahlt.
Der Titel Prodigy passt sehr gut - dieser Begriff wird auch häufig im Buch verwendet. Denn June ist das Wunderkind und der ganze Stolz der Republik, auch wenn sie Fehler gemacht hat. Und sie muss sich entscheiden: Wird sie weiterhin das Wunderkind der Republik sein oder ihr den Rücken kehren?

Nachdem June Day vor seiner Hinrichtung mit Hilfe der Patrioten - den Widerstandskämpfern - gerettet hat, mussten sie fliehen. Nun gehört auch June zu den meistgesuchtesten Personen des Landes. Sie, das Wunderkind und der ganze Stolz der Republik, hat diese verraten.
Sie schlagen sich nach Las Vegas durch, zum geheimen Hauptsitz der Patrioten und erbitten deren Hilfe, denn Day leidet sehr unter der schweren Schussverletzung an seinem Bein. Allerdings helfen die Patrioten ihnen nicht so einfach. Sie sollen Teil eines Planes werden. Um endlich den großen Sieg gegen die Republik zu erringen, soll der neue Elector - Anden, der Sohn des verstorbenen Elector Primo - getötet werden. Um all dem eine besondere Bedeutung zuzumessen, soll es Day tun - live, damit es das gesamte Land miterlebt. Dazu soll June das Vertrauen von Anden gewinnen, damit er nichts von den Plänen gegen ihn bemerkt. Aber June entdeckt eine völlig neue Seite der Republik und ihres neuen Electors...

Die Charakterentwicklung in Prodigy hat mich unglaublich beeindruckt. Waren die Figuren in Legend schon authentisch, so sind sie es nun umso mehr. Zwar hat man schon vorher deutlich die Zuneigung zwischen June und Day gespürt, aber es gab immer eine gewisse Spannung zwischen ihnen. June, das Wunderkind und die Hoffnungsträgerin der Republik, und Day, der meistgesuchteste Kriminelle, der die Republik stürzen will.

Junes Gefühle sind sehr gut nachvollziehbar und bringen den Leser selbst in einen Zwiespalt. Ihr ganzes Leben lang stand sie einhundertprozentig hinter der Republik und dem Elector. Alles, was sie getan hat, diente dazu, eines Tages einen hohen militärischen Rang einzunehmen. Aber die Begegnung mit Day erschütterte ihr Bild. Sie erfährt die Wahrheit über den Tod ihrer Familie und entwickelt große Wut auf die Republik. Allerdings ist es nicht so einfach, sich von allem abzuwenden, was das bisherige Leben ausgemacht hat. Obwohl June spürt, dass auch bei den Patrioten nicht alles so läuft, wie es sollte, wird sie ein Teil des Planes und lässt sich von der Republik gefangen nehmen, um das Vertrauen des neuen Electors zu gewinnen.

Day steckt ebenfalls in einem Zwiespalt. Auch nachdem June ihn verraten hat, verlor er nicht das Vertrauen in sie. Aber manchmal ist er sich einfach nicht sicher, ob sie ihr Leben in der Republik hinter sich lassen kann. Er merkt, wie schwer es ihr fällt und wirft es ihr oft vor. Das hat mich traurig und wütend gemacht. June bemüht sich wirklich und Day sieht das nicht, weil es seiner Meinung nach ziemlich einfach ist, sich gegen die Republik zu stellen. Aber trotz der Vorwürfe wird sein Vertrauen in sie nicht erschüttert und er würde sein Leben für June geben, auch wenn das hieße, sich gegen die Patrioten zu stellen. Aber deren Plan ist wohl leider der einzige Weg, wie die Republik gestürzt und sein kleiner Bruder Eden gerettet werden kann.

In Legend hat mir Tess noch leidgetan. Ihr Leben möchte man nicht gerade teilen. Und dann lernt sie Day kennen, mit dem sie alles teilen und erleben kann. Doch June drängt sich dazwischen. Obwohl ich Tess wirklich verstehen kann, ist ihr Verhalten in Prodigy einfach furchtbar! Ihr Leben ist besser seitdem sie bei den Patrioten lebt und eine medizinische Ausbildung genießt. Aber sie versucht sich zwischen June und Day zu stellen und keine Gelegenheit bleibt aus, in der sie versucht, Day davon zu überzeugen, dass June schuld an seinem Elend und dem Tod seiner Familie ist. Ganz eindeutig hat sie Gefühle für ihn, aber ihn mit solchen Mitteln gegen June aufzuhetzen und mehr auf sich aufmerksam zu machen, ist einfach nur traurig und bemitleidenswert.

Nachdem der Elector Primo gestorben ist, übernimmt sein Sohn Anden dessen Amt. In Legend ist er uns einmal begegnet, auf dem Ball, der zu Ehren Junes für die Gefangenschaft von Day abgehalten worden ist. Damals sah man ihn noch wie seinen Vater, aber nun zeigt er sich ganz anders. Wenn ich ehrlich bin, scheint er der einzig "reine gute" Charakter in der Reihe zu sein. Niemand will sehen, dass er anders ist als sein Vater. Der Elector der Republik bleibt eben der Elector der Republik. Allerdings hieß er das, was sein Vater tat, nie für gut. Schon immer wollte er einen anderen Ansatz finden und das Vertrauen der Menschen gewinnen. Nun hat er endlich die Möglichkeit dazu, aber die Leute hören nicht auf ihn.

Die Stimmung von Legend zieht sich auch in Prodigy weiter. Es ist eine düstere Stimmung, die auch mit dem Hoffnungsschimmer und den Plänen der Patrioten nicht besser wird. Jeder kämpft mit einem Zwiespalt und versucht, das für ihn möglichst beste Leben zu erreichen. In einer Welt aber, die durch einen Führer unterdrückt und zerstört wurde, ist dies kaum möglich. Nur der neue Elector könnte mit etwas Hilfe die Republik verändern, aber die Menschen sind zu erschüttert, um ihm Gehör zu schenken.

Ich bin schon sehr gepannt auf den dritten und finalen Band der Trilogie. Es gab bisher so viele Wendungen und neue Erkenntnisse, dass man sich gar nicht vorstellen kann, wie es besser werden soll. Man erhofft sich als Leser natürlich nicht nur, dass die Menschen bald in einem besseren Land leben können. Wichtig ist für uns das Einzelschicksal von June und Day. Wird es für sie überhaupt eine Zukunft geben? Nach allem, was sie durchgemacht und erfahren haben, ist dies schwer vorstellbar. Jeder von ihnen hat auf einer Seite Symphatisanten, auf der anderen Seite aber auch Widersacher, die sie am liebsten tot sehen wollen. Nun, man kann es nicht jedem Recht machen, aber wird es für alle eine gute Zukunft geben? Ich hoffe es.

Prodigy ist ein Roman, der zwar auch durch spannende Handlungen, aber vor allem durch Charakterstärke glänzt. Die Figuren sind so authentisch, dass die Gefühle schon fast greifbar sind. Alles ist so miteinander verwoben, dass man selbst nicht mehr weiß, was man in dieser Situation tun würde und ob man überhaupt eine richtige Entscheidung treffen kann. Trifft man eine richtige Entscheidung für sich oder für alle?

5 Marshmallows

1 Kommentar:

  1. Danke für deinen lieben Kommentar, wer weiß, vielleicht schreibe ich irgendwann eine kleine Zusammenfassung, die ihr dann zu lesen bekommt... :)

    Liebe Grüße
    Rubin:)

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