Montag, 1. April 2013

[Rezension] Dark Destiny (Jennifer Benkau)

Titel: Dark Destiny
Autorin: Jennifer Benkau
Band 2 der Dilogie
Verlag: Script 5 (Loewe)
Seiten: 462
Genre: Fantasy
Preis: 18,95€

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ACHTUNG! Dies ist Band 2 der Dilogie und meine Rezension enthält Spoiler zu Band 1!


Lest hier meine Rezension zu Dark Canopy!





Klappentext:
Du glaubst, du kannst das Schlimmste verhindern.
Du glaubst, du kannst alle, die dir nahestehen, retten.
Du glaubst, du hast einen Weg gefunden.
Du glaubst, irgendwo gibt es Hoffnung.
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Ich hatte immer gedacht, der erste gewonnene Gerichtsprozess würde meine Zweifel verstummen lassen.

Nach dem fast schon verstörenden Ende von Dark Canopy konnte ich mir nicht vorstellen, wie es weitergehen sollte. In Dark Destiny gibt es endlich Antworten und neue Erlebnisse mit Joy und Neél. Allerdings scheint es zu Beginn sehr unwahrscheinlich, dass die beiden wieder zueinander finden - zu viel Schreckliches ist einfach geschehen.

Das Cover unterscheidet sich kaum von dem von Dark Canopy. Das Licht, welches Joy umstrahlt, ist nun nicht mehr hell, sondern blau. Ihr Leuchten ist dünner und trüber geworden. Ihre Hand ist nun in die andere Richtung ausgestreckt, fast schon zögerlich, als würde sie sich vom Pfad des ersten Buches abwenden und einen anderen einschlagen, ohne zu wissen, ob dieser der richtige ist.
Der Titel Dark Destiny passt nicht ganz so gut wie Dark Canopy zum ersten Band, da er bis zum letzten Teil des Buches unklar bleibt. Dennoch passt er für die neue Welt, in die Joy und Neél aufbrechen.

Einige Monate, nachdem Joy aus der Stadt befreit worden ist, bleibt Neél immer noch der Gefangene der Rebellen und wird jeden Tag aufs Neue gefoltert. Joy fühlt sich nach all ihren Erfahrungen und Erlebnissen nicht mehr zu den Rebellen zugehörig und zweifelt an deren Motiven und Methoden. Sie wird in ihrem eigenen Clan als Aussetzige behandelt, aber jeder glaubt, dass ihre seltsame Art bald wieder verschwinden wird.
Matthial übergibt Neél an Jamies Clan, um einige Vorteile auszuhandeln. Joy ist absolut entsetzt darüber und stürzt in ein tiefes Loch, als Matthial ihr von Neèls Tod berichtet. Nun wird ihr endgültig klar, dass sie nicht mehr bei dem Clan bleiben kann und bricht auf, um Antworten auf ihre Fragen zu finden. Zunächst führt sie ihr Weg zu Jamies Clan. Als sie erfährt, dass Matthial sie belogen hat, macht sie sich auf den Weg in die Stadt, um Neél zu suchen...

Jennifer Benkau holt in Dark Destiny alles aus ihren Hauptfiguren Joy und Neél heraus, was ich sehr beeindruckend finde. Sie berichtet abwechselnd von ihnen, ihren Gefühlen und Erlebnissen. Aber vor allem erfahren wir eine tiefe Zerrissenheit und Zweifel, die beide plagen. Damit werden sie nicht nur sehr authentisch dargestellt, sondern auch unglaublich sympathisch vom Leser aufgenommen, auch wenn sie viel Leid erfahren. Natürlich kann nichts mehr so sein wie vorher, das war schon in Dark Canopy klar, aber dass sich ihre Leben so sehr verändern, hätte ich nicht gedacht.

Joy war schon immer eine Kämpferin gewesen und hätte alles für ihren Clan getan. Aber kaum hatte sie herausgefunden, dass es auch Percents wie Neél gibt und ihr Clan keinen Unterschied zwischen ihnen macht, zeigt sich, dass sie nicht länger zu ihnen gehört. Sie versucht es wirklich, aber auch wir Leser merken, dass es keinen Sinn hat. Ihre Sichtweisen haben sich geändert, sodass die einzig logische Konsequenz ist, den Clan zu verlassen. Spätestens als Matthial ihr von Neéls Tod bei der Übergabe berichtet, wird Joy das auch klar. Zwar hat sie vor, wieder zum Clan zurückzukehren, um den Winter zu überstehen, aber dabei weiß sie genauso gut wie wir, dass sie nach dem Besuch bei Jamie nie mehr zum Clan zurückkehren wird. Die Rebellen haben sich verändert oder zumindest ist Joys Sichtweise auf sie anders geworden. Percents sind Feinde und müssen vernichtet werden und da wird kein Unterschied gemacht. Und Joy hat gelernt, dass es nicht so ist.

Obwohl sie auf ihrer Reise in die Stadt oft an ihre Grenzen stößt und am liebsten aufgeben möchte, schafft sie es. Neél zuliebe. Aber auch sich selbst zuliebe, denn sie muss Antworten finden. Da sie das Chivvey gewonnen hat, steht ihr eine Städtermarke zu, mit der sie legal in der Stadt leben kann. Dies ist nun der einzige Ort für sie, wenn sie nicht weiterhin zwischen Bäumen schlafen will. Allerdings fühlt sie sich auch dort nicht sicher - zu viel Schlechtes hat sie während ihrer Ausbildung zur Soldatin erlebt. Ihr einziger Lichtblick ist Neél, wobei sie sich nicht einmal sicher ist, ob er sie überhaupt noch ansehen oder ihre Nähe ertragen könnte. Während seiner Gefangenschaft bei den Rebellen hatte sie nicht die Kraft gefunden, ihm irgendwie zu helfen und hat deswegen ein furchtbar schlechtes Gewissen.

Neél, der uns in Dark Canopy mehr als einmal bewiesen hat, dass es auch andere Percents gibt, als jene, die furchtlos und voller Gewalt auf die Menschen losgehen, ist fast das gesamte Buch über zu bemitleiden, wobei aber nicht schwach wirkt. Nach seiner furchtbaren Zeit bei den Rebellen, ist er nicht nur körperlich entstellt, sondern auch psychisch sehr angeschlagen. Obwohl er durch das Chivvey den Rang eines Hauptmannes innehat, fühlt er sich wie Abschaum in seinen eigenen Reihen. Kaum jemand möchte etwas mit ihm zutun haben. Nicht nur, dass er Joy, einen Menschen, im Chivvey retten wollte, er wurde dabei gefangen genommen und ist nun kein vollwertiger Percent mehr. Seine Haut zeigt dies deutlich. Sein zu befehligendes Regiment hat überhaupt keinen Respekt vor ihm und er überhaupt keine Lust auf seine Aufgabe. Er weiß nicht einmal mehr, was der Sinn seiner Existenz ist. Oft denkt er an Joy und was sie beiden hätten erreichen können - eine gemeinsame Zukunft. Aber er schämt sich für sein Aussehen und glaubt seinerseits, Joy wolle nichts von ihm wissen.

Matthial, der im Laufe des ersten Buches sehr auf meiner Sympathieskala gesunken ist, hat sich zunächst noch weiter Richtung Keller bewegt, was sich erst im letzten Teil von Dark Destiny geändert hat. Er ist seiner neuen Aufgabe als Clanführer einfach nicht gewachsen, was man deutlich spürt. Er wünscht sich so sehr die alte Joy zurück, dass er ihr Eigenschaften und Verhaltensweisen zuschreibt, die so gar nicht zutreffen. Er ist die ganze Zeit der Meinung, dass sich Joy seelisch wieder erholen wird. Er ahnt überhaupt nicht, dass sich ihre Ansichten verändert haben. Zudem ist er sehr fixiert darauf, sie für sich zurück zu gewinnen. Auch ihre Gefühle zu Neél schreibt er ihrem seelischen Zustand zu. Das Fass bringt er schließlich zum Überlaufen, als seine Behauptung, Neél sei tot, widerlegt wird. Und genau dieser Verrat bringt Joy dazu, endgültig von den Rebellen zu flüchten. Daran können auch Erinnerungen nichts verändern. Vergangenes ist vergangen.

Traurig hat mich Cloud gemacht. Zwar war er mir in Dark Canopy nicht gerade sympathisch, da er sehr gewaltbereit war und Neél das deutlich zu spüren bekommen hat. Aber in diesem Buch übertrifft er sich selbt und ich weiß nun immer noch nicht, wie ich sein Verhalten einschätzen soll. Er lässt sich zum dritten Präsidenten der Triade wählen. Laut seinen eigenen Aussagen gegenüber Neél, tut er dies nur, um Percents und Menschen Frieden zu bringen. Gleichzeitig gibt er ihm aber auch zu verstehen, dass er Neél nur "geschaffen" hat, damit er in seinem Willen handelt - auch wenn es zum Wohl aller sein soll.
Seine Absichten sind bestimmt gut, dass er aber Neél dabei so hintergeht, ist nicht in Ordnung.

Die Welt, die Jennifer Benkau in der Zukunft erschaffen hat, hat mich auch diesmal wieder eingesogen und ich war mittendrin. Die Zerrissenheit von Joy und Neél hat mich fast verrückt gemacht, besonders natürlich, da sie sehr lange alleine damit zurechtkommen mussten. Die drohende Gefahr war immer im Hintergrund spürbar, denn nur Gerüchte wiesen auf einen Rebellenaufstand und einen bevorstehenden Angriff hin. Da Joy nun kein Teil mehr von ihnen ist, konnten wir uns dessen nicht sicher sein.
Man fühlte sich selbst zerrissen, da man fast immer die Meinung der Hauptperson teilt und ihr so nahe steht. Allerdings ist Joy nun eine Städterin, aber rechtfertigen ihre Liebe zu Neél und ihr Glaube in eine neue Zukunft wirklich, dass sie sich gegen die Rebellen stellt und ihre früheren Ideale einfach so über den Haufen wirft? Wer ist hier eigentlich gut und wer böse?

Im Gegensatz zu Dark Canopy gibt es in Dark Destiny nicht so viele Wendungen und Überraschungen, was mir etwas gefehlt hat. Dennoch war das Buch sehr spannend, unterhaltsam und regte wieder zum Nachdenken an. Die Frage, wer hier eigentlich gut und wer böse ist, habe ich immer noch nicht beantworten können. Aber wahrscheinlich ist es einfach genau so, wie das Zitat von Erich Kästner zu Beginn sagt: Glaubt nicht, ihr hättet Millionen Feinde. Euer einziger Feind heißt Krieg.

SPOILER Die neue Welt, die Joy und Neél mit der Dark Destiny erreichen, gefällt mir gut, allerdings kann ich sie auch nicht einfach so als "gut" akzeptieren. Es ist natürlich schwer, nach solch schlimmen Verhältnissen eine neue Welt aufzubauen, aber dennoch ist die Ungleichbehandlung von Menschen und Percents aus Rache und Angst kein guter Weg, um eine Demokratie und eine neue Gesellschaft aufzubauen. Das Ende von Joy und Neél hat mich zwar traurig gestimmt, aber für sie beide hat das Buch genau richtig geendet. Neél wäre in der neuen Welt, die so viel Schönes für Joy bringt, niemals glücklich geworden. Und sie hätte es beim Wiederaufbau einer Welt, in der sie so viel Schlechtes erfahren hat, nicht ausgehalten.SPOILER

Dark Destiny überzeugt mit sehr authentischen Charakteren, die seelisch durch die Hölle gehen, um Vergangenes zu vergessen und ihren neuen Platz in dieser schrecklichen Welt zu finden. Ein würdiger Nachfolger von Dark Canopy, der uns Hoffnung schenkt, auch wenn uns Menschen in der Realität der schlimmste Teil der Geschichte noch bevorsteht.

4 Marshmallows

Es war erstaunlich, wie schnell die Stimmung zwischen uns umschlagen konnte. Aus Partnern wurden Feinde, aus Feinden Geliebte, und noch während wir Geliebte waren, konnten wir Freunde sein. (S.331)


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