Dienstag, 19. März 2013

[Rezension] Rubinrot - Liebe geht durch alle Zeiten (Kerstin Gier)

Titel: Rubinrot - Liebe geht durch alle Zeiten
Autorin: Kerstin Gier
Band 1 der Edelstein-Trilogie
Verlag: Arena
Genre: Fantasy / Zeitreiseroman
Seiten: 345
Preis: 15,99€ für den Einzelband oder
         39,99€ für die gesamte Trilogie



Klappentext:
Manchmal ist es ein echten Kreuz, in einer Familie zu leben, die jede Menge Geheimnisse hat. Der Überzeugung ist zumindest die 16-jährige Gwendolyn. Bis sie sich eines Tages aus heiterem Himmel im London um die letzte Jahrhundertwende wiederfindet. Und ihr wird klar, dass ausgerechnet sie das allergrößte Geheimnis ihrer Familie ist. Was ihr dagegen nicht klar ist: Dass man sich zwischen den Zeiten möglichst nicht verlieben sollte. Denn das macht die Sache erst recht kompliziert!
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Während sie sich auf die Knie fallen ließ und anfing zu weinen, schaute er sich nach allen Seiten um.

Rubinrot ist ein fantastischer Zeitreiseroman, der uns nicht nur mit Geheimnissen und Mysterien lockt, sondern auch mit den Problemen einer normalen Jugendlichen und einer Liebesgeschichte, deren Existenz zu Beginn noch sehr zweifelhaft ist. Neben tollen Charakteren glänzt der Roman auch durch wunderbare Schauplätze und Kostüme aus der Vergangenheit, die uns wünschen lassen, auch einmal dabei gewesen zu sein.

Das Cover gefällt mir unglaublich gut. Die Farbe des Edelsteins aus dem Titel wird hervorgehoben und die restlichen Motive sind in schwarz gehalten. Die beiden Figuren stellen Gwendolyn und Gideon dar. Dabei passt der Gesichtsausdruck der weiblichen Person besser zu Gwendolyn als der der männlichen zu Gideon. Er wirkt nämlich sehr arrogant und aufgeplustert, was auf dem Cover nicht gut rüberkommt. Die Mimik von Gwendolyns Ebenbild spiegelt genau ihre Gedanken wider, wenn sie mit Gideon zusammen ist.
Der Titel passt sehr gut, da jeder Zeitreisende einem Edelstein zugeordnet ist und Gwendolyn als zwölfte der Rubin ist, der bekanntlich eine rote Farbe hat.

Gwendolyn Shepherd lebt in einer geheimnisumwobenen Familie. Denn sie gehören zur weiblichen Blutlinie eines gut gehüteten Geheimnisses: Sie können durch die Zeiten springen. Allerdings gibt es durch die Jahrhunderte hindurch nur zwölf, die das Zeitreisegen geerbt haben. Schon seit ihrer Kindheit wurde Gwendolyns Cousine Charlotte auf ihren Initiationssprung im Alter von sechzehn Jahren vorbereitet. Doch es passiert etwas Unglaubliches: An jenem Tag, an dem Charlottes Initationssprung erwartet wird, landet ausgerechnet Gwendolyn im London des letzten Jahrhunderts. Nun herrscht das Chaos in der geheimen Loge der Wächter, die unglaublich wichtig tun und glauben, sie könnten die Welt retten. Völlig unvorbereitet springt Gwendolyn immer wieder durch die Zeit, bevor sie endlich ein paar - aber immer noch zu wenige Antworten bekommt: Seit vielen Jahrhunderten gab es immer wieder Zeitreisende, die unkontrolliert durch die Zeit sprangen, bis Graf Saint Germain die Loge der Wächter gründete und sich den Chronografen zunutze machte. Der Chronograf ist ein kleines Gerät, mit dessen Hilfe die Zeitreisenden genau bestimmen können, in welche Zeit sie zurückspringen, damit sie davon nicht überrascht werden. Doch es steht noch mehr hinter der geheimen Loge, als Gwendolyn erzählt bekommt. Und dass sie gemeinsam mit dem arroganten Gideon de Villiers eine Zeitreisemission durchführen soll, passt ihr überhaupt nicht.

Gwendolyn ist ein toller Charakter, in welchen ich mich sofort hineinversetzen konnte. Sie liebt Filme und vergleicht auch andauernd alle möglichen Situationen und Personen mit denen aus Filmen. Sie ist ein aufgewecktes junges Mädchen, welches aber nicht unbedingt sehr beliebt ist. Dafür hat sie eine allerbeste Freundin, der sie alles anvertrauen kann - sogar das Geheimnis ihrer Familie. Obwohl sie nicht gerade unter normalen Umständen aufgewachsen ist, scheint mit Gwendolyn dennoch nicht ganz normal zu sein. Sie kann Geister und Wasserspeier sehen. Wenn sie mit ihnen redet, halten sie alle für verrückt. In ihrer Schule gibt es eine Nische, die der junge James bewohnt. Er weiß nicht, dass er vor vielen, vielen Jahren an Blattern gestorben ist und weist Gwendolyn immer auf ihre schlechten Manieren hin.

Gwendolyn hält sich wirklich wacker, denn innerhalb eines Tages springt sie mehrere Male durch die Zeit und weiß gar nicht, wie ihr geschieht. Und dann wird sie auch noch zu der Loge der Wächter gebracht und von allen Seiten als Verräterin und Außenseiterin beschimpft. Dabei kann sie gar nichts dafür, dass sie und nicht Charlotte das Zeitreisegen geerbt hat. Dementsprechend ist sie total verwirrt und reagiert den anderen gegenüber abweisend. Als sie dann auch noch auf Gideon trifft, bringt er das Fass fast zum überlaufen. Anstatt ihr zu helfen, sich mit der neuen Situation abzufinden, reagiert er wütend und beschimpft sie, da sie die Fähigkeiten, die Charlotte erlernt hat, nicht im entferntesten beherrscht und eines dieser Durchschnittsmädchen ist. Gwendolyn lässt sich aber nicht unterkriegen und versucht, das Beste aus dieser Situation zu machen.

Gideon hat mich zu Beginn wirklich sehr aufgeregt. Er ist total arrogant, weil er bereits seit zwei Jahren durch die Zeit springt, wichtige Missionen erfüllt und so einiges an Wissen und körperlichen Fähigkeiten auf dem Kasten hat. Seine Ernsthaftigkeit rührt aber wahrscheinlich daher, weil er sein Leben lang auf diese Zeitsprünge vorbereitet worden ist und nie ein normales Leben genießen durfte. Zudem hat er sehr einseitige Ansichten, die ihm von seiner Familie eingetrichtert worden sind. Er ist sehr bestimmend und kommandiert Gwendolyn die ganze Zeit herum, besonders während einer Zeitreise. Er glaubt, sie sei ein hilfloses Kind, welches sich nirgends zurechtfinden könnte. Aber sie beweist ihm schon bald das Gegenteil.

Obwohl sich die beiden zu Beginn überhaupt nicht ausstehen können, müssen sie irgendwie miteinander klarkommen, denn sie müssen gemeinsam eine Zeitreisemission durchführen. Der Chronograf enthüllt ein Geheimnis, wenn das Blut aller zwölf Zeitreisenden eingelesen worden ist. Dazu müssen sie ihre Ahnen in der Vergangenheit aufsuchen und ihnen etwas Blut abschwatzen. Aber das ist gar nicht so einfach. Denn nicht jeder ist der Meinung, dass dieses Geheimnis enthüllt werden sollte. Deshalb sind vor einigen Jahren die Liebenden Lucy Montrose (abstammend aus Gwendolyns Blutlinie) und Paul de Villiers mit dem Chronografen in die Vergangenheit geflohen. Nun muss alles Blut für den zweiten Chronografen erneut eingesammelt werden.

Viele Charaktere waren mir auf den ersten Blick symphatisch, wie zum Beispiel Mr. George, der auch zu der Loge gehört, oder Madame Rossini, die die Zeitreisenden mit humorvollen Sprüchen und Ansichten einkleidet. Andere wiederum waren sehr geheimnisvoll und sind es auch nach dem Beenden des Buches noch, wie Dr. White oder in vergangener Zeit Graf Saint Germain. Letzterer ist ein alter Mann und wirkt zunächst sehr freundlich, doch seine telekinetischen Fähigkeiten, die Gwendolyn deutlich zu spüren bekommt, sprechen gegen seine freundliche Erscheinung.

Charlotte kann einem wirklich leidtun. Seit ihrer Kindheit wurde sie, genauso wie Gideon, auf die Zeitreisen vorbereitet, musste traditionelle Tänze, Fechten, die verschiedensten Sprachen, Geschichte und Erdkunde lernen. Nie durfte sie mit Freundinnen ausgehen oder einfach mal Spaß haben. Als dann ihr großer Tag da zu sein scheint, ist besonders ihre ehrgeizige Mutter Glenda total aus dem Häuschen. Aber es folgt die riesige Enttäuschung für alle. Ab diesem Punkt zieht sich Charlotte total zurück und taucht kaum noch in der Geschichte auf. Ich hoffe wirklich sehr, dass es ihr bald besser geht und sie ein möglichst normales Leben führen kann.

Die Schauplätze in der Vergangenheit haben mich wirklich beeindruckt. Sie wurden, ebenso wie die Menschen darin, genaustens beschrieben. Und weil die Zeitreisenden sich äußerlich natürlich anpassen mussten, bekommen wir einen Einblick in die Mode der jeweiligen Zeit. Nur zu gerne würde ich den ein oder anderen Trend gerne einmal mitmachen. Beängstigend aber ist die Tatsache, dass man nicht weiß, wo der Zeitreisende genau landet. Normalerweise wird es so geplant, dass er im selben Zimmer nur viele Jahre zuvor erscheint. Aber wenn man nun plötzlich in der Zeit springt, kann es durchaus passieren, dass man irgendwo unbeabsichtigt hineinplatzt. Sehr heikel wird es, wenn man sich auf Brücken oder in höheren Gebäuden aufhält, die in früherer oder auch späterer Zeit anders gebaut oder gar nicht mehr vorhanden sind. Man möchte ja nicht unbedingt mitten in den Themse landen.

Mein einziger Kritikpunkt betrifft die Familienbeziehung. Ein Stammbaum zu Beginn des Buches wäre nicht schlecht gewesen. Obwohl man nach einigen Kapitel einen guten Überblick bekommt, ist es doch etwas schwer, jede Person in den Familienstammbaum einzuordnen. Denn fast alle Charaktere gehören entweder zu den Montroses oder zu den de Villiers.

Sehr schön finde ich auch die außergeschichtlichen Passagen und Zeichnungen, die uns vor jedem Kapitel erwarten. Entweder sind es Aufzeichnungen aus vergangener Zeit, ein Überblick über die Zeitreisenden oder ähnliche Beschreibungen, die uns etwas mehr Hintergrundwissen zu der Geschichte liefern.

Rubinrot ist ein fantasievoller Roman, der uns zeigt, wie schnell sich das Leben doch verändern kann und dass man immer einige Person um sich haben sollte, denen man wirklich vertrauen kann. Denn wo Geheimnisse sind, da sind auch böse Menschen, die dieses an sich reißen wollen und dabei über Leichen gehen. Wer hier nun wirklich der Böse ist, weiß man noch nicht. Eines ist aber sicher: Gwendolyn hat Gideon und ihm kann sie vertrauen - durch alle Zeiten.

5 Marshmallows

War da etwa ein Anflug von Humor? Mr-aus-dem-Weg-ich-bin-auf-einer-wichtigen-Zeitreise-Mission machte tatsächlich einen Scherz? (S.227)

"Ja, das ist meine Lieblingsnische, Gordon. Sie ist beleidigt, wenn ich nicht mit ihr spreche." (S.298)


Kommentare:

  1. Dieses Buch steht bei mir auch im Regal! :)

    Schöne Rezi <3

    LG
    Tina

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  2. Ich mag die Trilogie total gerne :)

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  3. Ich habe mir vor einiger Zeit die Hörbücher der Trilogie ausgeliehen und gehört. Den ersten Band fand ich noch recht schwach, aber mit Band 2 und 3 haben mir die Bücher immer besser gefallen! Ich möchte sie auf jeden Fall auch noch richtig lesen und im Regal stehen haben. :)

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  4. Hallo,

    sehr schöne Rezi von dir.
    Aber ich glaube, ich bin die Einzige, die die Edelstein Trilogie nicht wirklich gut findet ^^
    Ich fand sie leider total schwach und Gwen ging mir sowas von auf die Nerven o.O

    LG Dinchen

    http://buecherstuff.blogspot.de/

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