Sonntag, 20. Januar 2013

{FMTTB} Die Säulen der Erde - Kapitel 1

Worum geht's?
Buch 1:  K a p i t e l 1 (1135- 1136 / S.19 - 106)
Wir lernen Tom Builder und seine Familie kennen - seine Frau Agnes und die beiden Kinder Alfred und Martha. Tom ist Steinmetz und baut gerade an einem Haus für William Hamleigh, der mit der Tochter des Grafen von Shiring verlobt ist. Toms Familie ist sehr arm und dankbar für jede Arbeit. Nicht zuletzt, da seine Frau Agnes wieder schwanger ist und ein harter Winter bevorsteht. Doch Aliena, die Tochter des Grafen von Shiring, hat ihren eigenen Kopf und stößt William von sich. Somit verliert Tom seine Arbeit, da nun kein Haus mehr benötigt wird. Gegen alle gesellschaftlichen Regeln stellt sich Tom William entgegen und verlangt zumindest den Lohn, der ihm und seinen Arbeitern versprochen wurde. Doch dieser Lohn und auch das wertvolle Schwein helfen nicht weiter.

Nein, tut mir leid, Arbeit habe ich für Euch keine.

Schon nach kurzer Zeit hungern sie, als sie von Stadt zu Stadt reisen, um Arbeit zu finden. Im einem Waldgebiet treffen sie auf die willensstarke, für Tom sehr attraktive Frau Ellen und ihren dümmlich aussehenden Sohn Jack. Sie kümmert sich um Toms Familie, nachdem diese von einem Outlander überfallen und bestohlen worden ist. Nun haben sie gar nichts mehr, aber im Wald bei Ellen können sie auch nicht bleiben, weshalb sie bald weiterziehen.
Im Salisbury angekommen, findet Tom wieder keine Arbeit, aber den Schweinedieb. Er will ihn zur Rede stellen und das erbeutete Geld zurückverlangen. In seiner Wut jedoch, dass der Dieb das gesamte Geld ausgegeben hat, tötet Tom ihn. In dieser Nacht bekommt Agnes mitten im Wald ihr Kind - einen gesunden Jungen. Agnes jedoch stirbt. Tom und seine Kinder sind wie betäubt und wissen nicht, was sie tun sollen. Da das Kind sowieso sterben wird, lassen sie es an Agnes' Grab zurück. Tom kann dies aber nicht mit seinem Gewissen vereinbaren und will es zurückholen. Es ist verschwunden.
Ellen taucht auf und bringt Tom zu einem nahegelegenen Kloster. Ein Mönch hatte das Baby gefunden und von nun an soll es im Kloster leben. Tom könnte es niemals am Leben erhalten.

Ich hoffe, du wirst eines Tages deine Kathedrale bauen. Und: Bau eine schöne Kathedrale für mich.

Obwohl die Kapitel sehr lang sind, lassen sie sich gut und flüssig lesen. Durch die anfänglichen ausschweifenden Beschreibungen sollte man sich nicht abschrecken lassen. Man merkt sehr deutlich, dass sich Ken Follett intensiv mit Architektur beschäftigt hat: Seine Beschreibungen der Städte, Bischofssitze und Kirchen sind sehr detailreich und man kann sich alles sehr genau vorstellen. Und dies macht auch den Charakter von Tom Builder aus. Er hat eine Vision - die Vision einer so mächtigen Kathedrale, die noch in hunderten von Jahren stehen soll. Seine Vorstellungen sind sehr ausgereift und in wenigen Stunden könnte er bestimmt detailreiche Zeichnungen anfertigen. Aber wie es in der damaligen Zeit nun einmal war, gab es kaum Arbeit und zu wenig Lohn für zu viele Familienmitglieder. Toms Familie ist eine absolut liebenswerte, aber leider haben sie immer wieder mit Problemen zu kämpfen. Zudem ist Agnes eine sehr rücksichtsvolle Frau und gibt nicht einmal zu, dass sie bereits seit Stunden heftige Wehen hat, um niemandem Angst zu machen.
Die Begegnung mit Ellen kann man nicht so genau einschätzen. Sie lebt mitten im Wald, was darauf schließen lässt, dass sie eine Verstoßene ist und man ihr lieber nicht zu nahe kommen sollte. Aber sie ist sehr liebenswürdig und schlau und hilft Toms Familie. Da diese aber unbedingt eine Arbeit braucht und Agnes sich von Ellen etwas bedrängt fühlt, brechen sie bald auf. Damals kümmerten sich alle um ihre eigenen Angelegenheiten und deshalb ist Agnes auch so skeptisch, dass Ellen einer völlig fremden Familie einfach so von ihren Speisen abgibt. Vermutlich ist sie auch einfach nur eifersüchtig. Denn Tom ist offensichtlich sehr angetan von Ellens äußerer Erscheinung.

Tom und seine Kinder sind nach Agnes' Tod natürlich wie gelähmt vor Trauer. Toms Entscheidung, dass Kind am Grab seiner Mutter sterben zu lassen, kann man in gewissem Maße nachvollziehen. Er konnte nicht einmal vorher seine Familie versorgen und es wäre einfach besser für das Kind, direkt bei seiner Mutter zu sterben, als lange leiden zu müssen. Aber es ist immerhin sein Sohn und dazu noch ein kräftiger und gesunder. Nach einem halben Tagesmarsch kommt Tom dann endlich zur Besinnung. Doch sein Sohn ist verschwunden - mitgenommen von einem barmherzigen Mönch, der das Kind von nun an in seinem Kloster aufziehen wird.
Dieser Zwiespalt muss wirklich schrecklich sein... Tom weiß genau, dass er das Kind nicht ernähren kann und dass es im Kloster gut versorgt wird, aber sein Kind dann in der Obhut anderer zu sehen, ist echt hart. Vielleicht sieht er seinen Sohn nie wieder. Und dieser wird nie erfahren, wer seine Eltern sind.

Einiges ist mir aber leider unverständlich geblieben. Obwohl Tom seine Agnes über alles geliebt hat, war er ganz schön hinter Ellen her. Vielleicht hätte er nur den ein oder anderen Gedanken an sie verschwendet, aber er hatte regelrechte Sexfantasien. Und als Agnes gestorben ist, war er nicht bei Sinnen und hielt Ellen für einen Engel, der ihn in den Himmel mitnehmen will. Sie ist nun alles, was ihm geblieben ist - ein (sehr guter) Ersatz für seine Frau - wenn auch nur im körperlichen Sinn. Zwar hat es mich sehr überrascht, aber im Nachhinein darüber nachzudenken, macht es diese Frage zu der einzig richtigen, die für Tom in dieser Situation zu stellen war:

"Ellen", sagte er. "Willst du meine Frau werden?"


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen