Freitag, 28. Dezember 2012

[Rezension] Serafina - Das Königreich der Drachen (Rachel Hartman)

Titel: Serafina - Das Königreich der Drachen
OT: Seraphina
Autorin: Rachel Hartman
Band 1 der Serafina-Reihe
Verlag: cbj
Seiten: 496
Genre: Fantasy
Sprache: Deutsch (Hardcover)
Preis: 17,99€

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Vielen Dank an Blogg dein Buch und den cbj Verlag ♥



Klappentext:
Noch ahnt Serafina nicht, dass von nun an ihr Schicksal mit dem der Drachen auf ewig verwoben sein wird. An ihr wird es sein, die beiden Völker, Menschen und Drachen, miteinander zu versöhnen. Der Mut und die Leidenschaft mit der sich das junge Mädchen dieser Aufgabe stellt, entwickeln zusammen mit der betörend schönen Sprache, in der sich ihre Geschichte entfaltet, einen Sog, dem man sich auch mit Macht nicht mehr entziehen kann.
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 Ich erinnere mich an meine Geburt.

Serafina - Das Königreich der Drachen entführt uns in eine Welt, in der Menschen und Drachen in Frieden miteinander leben. Dennoch gibt es dieselben Konflikte und Vorurteile, die wir aus unserer eigenen Welt kennen: Alles und jeder, der anders ist als wir, ist schlecht und böse. Und genau deshalb gibt es auch auf beiden Seiten Widersacher, die den Frieden brechen wollen.

Das Cover ist wirklich eine Augenweide. Die blaue Farbe, gemischt mit den dunklen Schatten Serafinas und des Drachen ergeben einen wunderbaren Kontrast zum in Gold gehaltenen Buchtitel, der uns durch seine zentrale Position sofort ins Auge fällt. Diese hellen Blautöne mag ich generell sehr gerne. Und endlich gibt es mal ein Buchcover, dessen Mädchen auch zur Hauptperson im Buch passt. Der Buchtitel passt sehr gut. Natürlich ist es immer praktisch und recht einfach, den Namen der Hauptperson als Titel zu verwenden, aber ich finde so etwas immer passend. Der Untertiel Königreich der Drachen weist auf die Rahmenbedinung im Buch hin - das Leben mit den Drachen. Aber was genau nun die Haupthandlung ist, wird dadurch nicht verraten. 

Menschen und Drachen leben in Frieden miteinander. Das besagt zumindest der Friedensvertrag zwischen ihnen, doch die Realität sieht anders aus: Die Menschen fürchten sich so sehr vor den Drachen, dass sie dem Umgang mit ihnen meiden. Und Saarantras, Drachen, die sich in Menschen verwandeln können, müssen als Erkennungsmerkmal silberne Glöckchen an ihrer Kleidung tragen, außer den Gelehrten. Der Bund bleibt stets zerbrechlich, da es Drachenfeinde auf der Seite der Menschen gibt, die Sankt Ogdo, und Menschenfeinde auf der Seite der Drachen, die Quigutl, die keine menschliche Gestalt annehmen können und wie Ungeziefer behandelt werden.
Mitten in dieser Welt lebt Serafina Dombegh, die Gehilfin des miesgelaunten und doch väterlichen Hofkomponisten des Königspalastes, Viridius. Da er sehr krank ist, muss Serafina sich um den Chor, die Musiker und die Musikstunden von Prinzessin Glisselda kümmern. Zudem steht der vierzigste Jahrestag des Friedensschlusses an und Serafina hat alle Hände voll zu tun, das gesamte Programm vorzubereiten. Allerdings muss sie sehr um sich selbst kämpfen: Denn Serafina, die von ihrem Vater verachtet wird, ist ein Halbdrache - eine Missgeburt, von deren Existenz niemand etwas erfahren darf, denn es ist verboten, dass sich Menschen und Drachen paaren. Sie wird immer wieder von Visionen und Erinnerungen ihrer verstorbenen Drachenmutter heimgesucht. Immer mehr Rätsel tun sich auf und bald merken Serafina und Prinz Lucian von Goredd, dass eine fürchterliche Intrige im Gange ist, die den Frieden zerstören will...

Serafina hat mir als Charakter sehr gut gefallen. Sie steckt in einem schrecklichen Zwiespalt und kann sich nur ihrem Onkel Orma, der ein Drache ist, anvertrauen. Sie soll so wenig Aufmerksamkeit wie möglich auf sich lenken, was ihr aber meist nicht gut gelingt, da sie auch ein unfassbares Talent für Musik hat. Ihre Angst vor Nähe ist fast schon greifbar - sie kann es nicht riskieren, dass jemand ihre Drachenschuppen an Arm und Taille zu Gesicht bekommt. Orma, der ihr seit vielen Jahren ein guter Lehrer ist, hat ihr gezeigt, wie man als Drache bestimmte Gefühle wegschließen kann. Denn das ist ebenfalls eine Eigenschaft der Drachen - sie sperren ihre Gefühle weg, denn damit können sie nicht umgehen.

Serafinas Visionen und Erinnerungen, die sie fast immer unvorbereitet heimsuchen, befinden sich als groteske Wesen in einem Garten in ihrem Kopf. Jeden Abend muss sie durch diesen Garten gehen, die Grotesken beruhigen und alles in Ordnung bringen, damit ihre Gedanken tagsüber klar bleiben. Diese Prozedur ist anstrengend und zeitraubend, aber nötig, um Serafina vor plötzlichen Ohnmachtsanfällen zu schützen. Denn sie kann diese niemandem erklären, ohne sich selbst zu verraten.

Orma ist ein Gelehrter und muss daher keine silbernen Glöckchen tragen. Er sorgt sich stets um Serafina, da er seine Schwester (ihre Mutter) sehr geliebt hat. Allerdings muss auch er auf der Hut sein, denn wenn die Zensoren, eine Aufsichtsbehörde für Drachen, herausfindet, welche Gefühle er hegt, würden sie ihn einer Exzision unterziehen und ihm alle Erinnerungen rauben. Zu Beginn wirkt Orma aber sehr kühl und abweisend. Dies wird auch aus Serafinas Kindheitserinnerungen deutlich. Er hat sich zwar immer um sie gekümmert, aber keine Gefühle offen gezeigt. Nach ihrer Geburt hat er sie viele Jahre lang sogar nur als ein Es bezeichnet.

Prinz Lucian, der auch ein Hauptmann der königlichen Garde ist, taucht immer wieder dort auf, wo Serafina ist. Zwar verfolgen sie dasselbe Ziel - herauszufinden, wer eine Intrige gegen den Drachengeneral Ardmagar Comonot durchführt - aber zu Beginn arbeiten sie eher gegeneinander. Serafina will und kann ihm nicht trauen, aber er versteht sie besser, als sie denkt. Denn er ist ein uneheliches Kind, ein Bastard. Aber mit Serafina hat er eine Seelenverwandte gefunden, auch wenn er es zunächst nicht einsehen will. Bald schon arbeiten sie Hand in Hand und kommen sich immer näher.

Prinzessin Glisselda ist fast schon mein Lieblingscharakter in der Geschichte. Sie ist wie ein kleines Kind, das ständig nur Flausen im Kopf hat und Späße macht. Ihr ständiges Kichern und Plappern über Kleidung und Frisuren lassen sie sehr unreif erscheinen. Allerdings wird aus ihren Gesprächen mit Serafina über die Drachen klar, dass sie viel tiefgründiger ist und sich durchaus Gedanken über ernste Themen macht. Ebenso in Notsituationen ist sie sehr reif und erwachsen und weiß genau, was zu tun ist.

Mit dem Prolog hatte ich so meine Probleme. Irgendwie konnte ich mich mit ihm gar identifizieren. Das ist auch der Grund, warum ist das Buch erst einmal einige Wochen im Regal ruhen ließ. Aber ich gab ihm noch eine Chance, da ich Drachen sehr gerne mag und siehe da: Innerhalb von zwei Tagen hatte ich das Buch beendet. Ich konnte mich gar nicht mehr losreißen. Zwar war nicht immer eine große Spannung zugegen, aber die Rätsel gingen niemals aus. Gut fand ich hierbei, dass sich die Rätsel nicht durch das gesamte Buch gezogen haben - es wurde ein Rätsel aufgelöst, dann erschien ein neues, welches nach einigen Kapiteln wieder aufgelöst wurde. Das gefällt mir besser, als ein großes Riesenrätsel, auf dessen Lösung man 400 Seiten warten muss.

Der gedankliche Garten in Serafinas Kopf hat mir ausgesprochen gut gefallen! Obwohl sie oft dort war, wurde es nie langweilig. Die Grotesken, die dort leben, mussten immer beruhigt oder auch gesucht werden. Jeder von ihnen hat seine Eigenarten, was sie wie reale Wesen erschienen lässt. Wenn eine Vision oder Erinnerung sich ihren Weg in ihre Gedanken bahnen wollte, suchte Serafina gleich den Garten auf oder dachte an die Schatulle der Erinnerungen und klärte die Angelegenheit. Ihre Gedanken sind sehr bildhaft. Beispielsweise die Schatulle: Sobald eine Erinnerung aufsteigt, beginnt die Schatulle überzuschäumen und Serafina wickelt sie in ein Tuch ein und verstaut sie in einer Schublade.

Das Buch beinhaltet sehr viele Eigennamen für Länder, Städte, Institutionen und Feste. Leider waren manche dieser Wörter so schwer zu lesen, dass ich manchmal einfach über die drüber gelesen habe. Am Ende des Buches gibt es zwar ein Personenverzeichnis und ein Lexikon, aber ich möchte meinen Lesefluss ungern unterbrechen, um nach einem Wort zu suchen.

Serafina - Königreich der Drachen ist ein fantastisches Buch über die Konflikte und Vorurteile, die ein Zusammenleben von Menschen und Drachen mit sich bringt. Die Gesellschaft, ob nun von Menschen oder Drachen ist nicht immer mit allem einverstanden, was die Mächtigen tun, auch wenn es das Richtige zu sein scheint. Serafina ist eine Heldin, die zwischen beiden Fronten steht und einen Mittelweg zu finden versucht.

4 Marshmallows

"Alles war so, wie es sein sollte, und ich war genau dort, wo ich hingehörte." (S.8)

"'Wir müssen ihnen zeigen, wer die Überlegenen sind und wo ihr Platz ist. Herrschen oder beherrscht werden. Etwas anderes verstehen die Drachen nicht.'" (S.80)

"'Du stichst hervor, obwohl du genau das nicht willst.'" (S.199)

"'Gefühle machen abhängig!', donnert der Ardmagar. 'Sie haben keinen Sinn. Sie sin das Gegenteil von Vernunft. Sie führen zu unlogischen, für Drachen nicht brauchbaren Wünschen.'" (S.229)

"'Manchmal hat es die Wahrheit schwer, die Wälle unserer Vorurteile zu überwinden. Eine Lüge, in richtigen Gewand, hat es da viel leichter.'" (S.269)

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