Sonntag, 14. Oktober 2012

[Rezension] Nemesis - Die Zeit vor Mitternacht (Wolfgang Hohlbein)

Titel: Nemesis 01. Die Zeit vor Mitternacht
Autor: Wolfgang Hohlbein
Band 1 der Nemesis-Reihe
Verlag: Ullstein
Stien: 200
Genre: Horror / Spannung
Sprache: Deutsch (Taschenbuch)
Preis: 6,95€

HIER bestellen!












Der exzentrische Multimillionär von Thum lädt ein: drei junge Männer und drei junge Frauen. Zwei von ihnen sollen sein Millionenerbe antreten. Als sie sich kurz vor Mitternacht in der Burg von Crailsfelden einfinden, ahnen sie nicht, dass ihnen die längste Nacht ihres Lebens bevorsteht - eine Nacht, die nur einer von ihnen überleben kann...

 "Der Tag hatte beschissen angefangen, war kontinuierlich und unaufhaltsam schlimmer geworden, und ich hatte schon gewusst, dass es wirklich ein böses Ende nehmen würde, noch bevor dem Kerl auf der anderen Seite des Tanzsaales der Schädel wegflog und ich beinahe von einem fünfhundert Jahre alten Fallgatter gepfählt worden wäre."

Das Cover wirkt sehr düster, passt aber zum Inhalt. Das runde Gebilde sieht für mich aus wie ein Labyrinth, welches aber nicht im Buch erwähnt wird - ehrlich gesagt, wird nicht annähernd etwas in der Richtung erwähnt oder beschrieben. Das Cover sagt mir trotz seines Nichtsaussagens über den Inhalt sehr zu.
Die Passgenauigkeit des Titels Nemesis ist mir schleierhaft geblieben, dafür beschreibt Die Zeit vor Mitternacht genau den Zeitraum, in welchem dieser erste Band spielt. Nemesis ist nach der griechischen Mythologie die Göttin der gerechten Strafe und Vergeltung. Davon kann ich im Buch selbst nichts finden - vielleicht folgt eine Erklärung in den nächsten Bänden.

Wir erleben die Geschichte aus der Sicht von Frank Gorresberg, der von einem unbekannten Anwalt nach Crailsfelden in ein Wirthaus gebeten wird. Es handle sich um eine Erbschaftsangelegenheit und da Frank momentan knapp bei Kasse ist, folgt er dieser Aufforderung sofort.
Im Gasthaus und somit im sehr abgelegenen Örtchen Crailsfelden, in dem nicht einmal der Radiofunk richtig funktioniert, angekommen, trifft er auf fünf weitere Personen: Judith, Ellen, Maria, Stefan und Ed. Auch sie sind vom mysteriösen Anwalt Flemming eingeladen worden.
Endlich sollen sie ihn treffen, doch schon überschlagen sich die Ereignisse, als Flemming zusammenbricht und stirbt - Frank allerdings hat miterlebt, wie Flemming der Schädel explodiert ist.
Der Wirt des Gasthauses, Carl (oder von Frank Zerberus genannt), bringt die sechs Ahnungslosen in eine alte Burg, die früher als Internat gedient hat. Dort treffen sie auf den alten Gehilfen des Anwaltes, Herr von Thun. Er stellt ihnen das Testament ihres verstorbenen Vorfahrens vor. Alle sind gierig auf das Geld, können aber nicht glauben, welches die Bedingungen für die Erbschaft sind. 
Zu allem Überfluss überschlagen sich die Ereignisse auf der Burg und noch vor Mitternacht glauben alle, den Verstand zu verlieren...

In diesem Roman gibt es eine begrenzte und überschaubare Anzahl von Charakteren: Den Wirt Carl, den Anwalt Flemming, dessen Gehilfen von Thun sowie die sechs Erbschaftsanwärter.

Flemming kommt mir nur wie ein Lückenfüller und Spannungssteigerer vor. Zwar war er es, der die Sechs eingeladen hat, aber er verliert nicht ein Wort, stirbt auf (für Frank) mysteriöse und schreckliche Weise und danach wird auch nicht mehr über ihn gesprochen.

Der Wirt ist ziemlich sauer über die Gäste, da Flemming das Gasthaus für einen ganzen Abend lang gemietet hat und dadurch seine Kundschaft ausbleibt. Er bringt die Sechs hoch zur Burg, scheint aber nur ein Mittelmann zum Zweck zu sein.

Von Thun ist sehr schwer einzuschätzen. Der alte Mann wirkt gebrechlich, hilflos und nicht orientiert, strahlt aber in der ein oder anderen Szene eine Autorität aus, die sogar den frechen Ed zum Schweigen bringt.

Frank glaubt, dass er den Verstand verliert, da er gewisse Dinge beobachtet und erlebt, die die anderen nicht nachvollziehen können. Allerdings ist er ganz Mann und macht sich nach anfänglichen Abneigungen an Judith heran, die aufdringlich wirkt, aber durch ihre Angst vor Fledermäusen schrecklich eingeschüchtert ist, wenn auch nur jemand dieses Wort erwähnt.

Maria ist sehr schüchtern und sagt kaum etwas. Was man von Ed nicht gerade behaupten kann. Er macht sich regelmäßig zum Deppen und lässt fiese und unnötige Sprüche fallen.

Ellen ist Ärztin, sehr gebieterisch und verteilt sehr großzügig Blicke, die töten könnten. Stefan wirk auf mich noch am normalsten aus der Gruppe. Er ist nicht sehr auffällig, will aber in Notsituationen helfen und hat Schuldgefühle, wenn er dies nicht kann.

Im Gesamten kann ich mich mit den Charakteren überhaupt nicht identifizieren. Sie wirken wie ein zusammengewürfelter Haufen von Menschen, die sich gegenseitig wütende Blicke und doofe Sprüche an den Kopf werfen. Aber wenigstens entwickeln sie - wenn auch reichlich spät - eine Art Gemeinschaftsgefühl, als sie merken, dass irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugeht.

Der Klappentext hat mich richtig neugierig gemacht. Allerdings ist er auch das Einzige, was mich an dem Buch begeistert hat. Die Spannung wird an einigen Stellen so ausgereizt, dass man das Buch am Liebsten anschreien will, um Antworten zu bekommen.

Der Klappentext entspricht absolut nicht dem Inhalt des Buches. Ich habe eine Geschichte á la The Hunger Games oder Battle Royale erwartet -  dass sich die Erbschaftsanwärter einen erbitterten Kampf um das Erbe liefern müssen. Als schließlich die Bedingung für den Erberhalt gelüftet wurde, musste ich fast lachen: Zwei der sechs sollen heiraten und ein Kind bekommen, damit die Blutlinie nicht ausstirbt.
Aber dennoch ist die Geschichte mit allerlei Spannung gespickt: Zunächst der explodierende Schädel von Flemming, dann unheimliche Geräusche und Lichter in der Burg und schließlich der Albtraum, den alle Sechs gleichzeitig haben. Allerdings gibt es zu den sich häufenden Rätseln nicht eine einzige Antwort. 
Zudem war der Lesefluss schwierig. Der Text war gut zu lesen, aber es gab bis auf zwei oder drei Absätze keinerlei Unterteilungen, wie Kapitel. Dadurch wurde die ganze Geschichte sehr in die Länge gezogen, obwohl der eigentlich Zeitraum nur vier Stunden beträgt.


Nemesis - Die Zeit vor Mitternacht verspricht die längste Nacht der sechs Erbschaftsanwärter, die nur einer überleben kann. Leider wird das Versprechen nur für die längste Nacht eingehalten. Ein langgezogener Roman voller Rätsel und Geheimnisse, der fast wie ein normaler Ausflug in die Pampa von sechs unterschiedlichen Menschen wirkt. Spannung ist hier und da gegeben, wird aber durch die langgezogenen vier Stunden und des dauerhaften Rätselns, das noch nach dem Beenden des Buches anhält, zu sehr ausgereizt.

1 Marshmallow

[...] ich hatte keine Ahnung, wie nachtragend und rachsüchtig kopflose Leichname im Allgemeinen waren.
(S. 60)

"Sänger ist kein schlechter Name, finde ich. Für ein paar Millionen in cash lasse ich mich auch auf Hansrudi Knickebein umtaufen, wenn's sein muss. (S. 100)

Es gab nur eine einzige, und die saß gerade auf meinem Bett und tat ihr Möglichstes, um den Begriff versteckte Botschaften neu zu definieren. Sie winkte nicht mit dem Zaunpfahl, sondern mit dem Eiffelturm. (S. 124)

Kommentare:

  1. Och, das ist schade. Ich hatte bei dem Klappentext erwartet, dass es so ist wie du sagst: Panem od. Battle Royale. Gut, dass mir das Buch bisher noch nicht untergekommen ist. Wird es das jetzt, dann werde ich es nicht kaufen ;-)

    Liebe Grüße
    Marleen

    AntwortenLöschen
  2. Ich habe gerade dein Profilbild gesehen, und kann mich sogar an dich bei der Marie Lu Signierstunde erinnern, weil du das Buch in der Hand hattest :D

    AntwortenLöschen
  3. Hui. :D
    Wolfgang Hohlbein's Bücher haben mich irgendwie nie so richtig gereizt. ^^
    Schöne Rezi!

    Dein neues Profilbild ist mir SOFORT aufgefallen! :OOOOOO *NEIDISCH* ;D
    Wirklich cool! :))

    LG! <3
    Lydia

    AntwortenLöschen