Samstag, 27. Oktober 2012

[Rezension] Die Geister, die uns folgen (Janine di Giovanni)

Titel: Die Geister, die uns folgen
Autorin: Janine di Giovanni
Verlag: Bloomsbury Berlin
Seiten: 299
Genre: Bellestrik / Biografie
Sprache: Deutsch (Taschenbuch)
Preis: 17,99€ (Hardcover)

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Vielen Dank an Blogg dein Buch und den Bloomsbury Verlag!




Nach Jahren als Kriegsreporter versuchen Janine und ihr Mann Bruno in Paris eine Familie zu gründen. Doch die Geister der Vergangenheit lassen sie nicht los...
Fesselnd und berührend erzählt Janine di Giovanni ihre wahre Geschichte über den Krieg, die Liebe und die Sehnsucht nach einem Zuhause.

"In der ersten Januarwoche kamen wir in einem regnerischen Paris an."

Das Buchcover ist sehr schlicht und von den Farben her nicht unbedingt auffällig. Hätte es im Regal gestanden, wäre ich wahrscheinlich daran vorbeigelaufen. Es zeigt (vermutlich) Janine di Giovanni und ihren Mann Bruno. Ihr Blick ist traurig, aber dadurch, dass sie angelehnt ist, wirkt es wie eine Art Schutz. Dennoch passt es zum Inhalt des Buches, ebenso wie der Titel.
"Die Geister" stehen für die Jahre im Krieg und all die Toten, die Janine und Bruno in ihrem Leben erlebt und gesehen haben. Im Buch beschreibt Janine vieles aus dem Krieg, aber es hauptsächlich darum, wie sie sich ein neues Leben aufbauen will. Doch sie wird immer wieder von ihren Erinnerungen an den Krieg heimgesucht.

Janine di Giovanni hat über 20 Jahre als Kriegsreporterin gearbeitet. Sehr oft ist sie nur knapp dem Tod entkommen. Doch eines Tages lernt sie in Sarajevo den französischen Kriegsreporter Bruno kennen und verliebt sich unsagbar in ihn. Nun beginnt ihre fast schon tragische Liebesgeschichte. Jahrelang sehen sie sich nicht und müssen immer glauben, dass der andere im Krieg gestorben ist.
Nach vielen, vielen Jahren heiraten sie und entscheiden sich für ein normales Leben in Paris. Nach vielen Fehlversuchen wird Janine schwanger. Allerdings überkommen sie immer mehr Zweifel, ob sie der Rolle einer Mutter gewachsen ist. All ihre Ängste, die sie im Krieg nie gespürt hat, kommen nun auf und bald kann auch Bruno ihr nicht mehr helfen. Aber auch er wird von den Erinnerungen des Krieges heimgesucht.

Janine di Giovanni beschreibt brutal ehrlich, was der Krieg aus Menschen machen kann. Er prägt die Menschen so sehr, dass sie auch Jahre nach dem Krieg noch daran zerbrechen. Sie und Bruno sind ein gutes Beispiel dafür. Niemals hatte Janine im Krieg Angst. Auch nicht, als sie an der Front war oder mit einer Waffe bedroht wurde. In ihrem Unterbewusstsein jedoch hat sich diese Angst eingenistet, sodass sie sich in einem normalen Leben gar nicht mehr zurechtfindet. Sie glaubt nicht an die einfache Gutmütigkeit der Menschen. Sie hortet Unmengen an Lebensmitteln, da es ja zu einer plötzlichen Katastrophe kommen könnte. Und als sie ihren Sohn Luca bekommt, hat sie sogar Angst, ihn im Arm zu halten. Die Welt erscheint ihr so brutal und böse, dass sie ihren Sohn in einer Art Schutzblase halten will, um ihn zu schützen. Aber als er älter wird, muss sie einsehen, dass dies unmöglich ist.

In Janines schwachen Momenten blüht Bruno auf. Sie ruht sich in den ersten Monaten nach Lucas Geburt aus, während sich Bruno um alles kümmert. Er scheint sehr belastbar zu sein, da er Stärke und Durchhaltevermögen zeigt. Doch kaum erholt sich Janine vor ihrer panischen Angst, zerbricht Bruno. Er verschläft fast den ganzen Tag, trinkt sehr viel und wirkt abwesend. Jahre nach dem Krieg kommen alle Gefühle in ihm hoch und er erholt sich kaum davon.

Janine und Bruno reisen sogar nach Lucas Geburt noch in Kriegsgebiete, weil sie es einfach brauchen - so seltsam es sich anhört. Sie können einfach nicht loslassen.

Obwohl Janine und Bruno viele Rückschläge einstecken mussten und fast gänzlich daran zerbrochen wären, gibt es etwas, das sie wieder aufbaut: Ihr Sohn Luca. Er ist der Beweis dafür, dass auch im Krieg etwas Positives geschehen kann. Wäre Bruno Janine damals nicht nachgegangen, wären sie nur zwei Kriegsreporter gewesen, die sich einst getroffen hätten. Aber so fanden sie eine Liebe, die einzigartig und auch nach ihrem Zerbrechen etwas ganz Besonderes ist. Denn daraus ist Luca entstanden.

Mir hat sehr gefallen, wie Janine die Giovanni ihre Erinnerungen geschildert hat. Sie kann sich noch sehr genau an alles erinnern, ob es nun im Krieg oder in ihrem "neuen Leben" in Paris war. Sie beschreibt alles sehr authentisch und mit vielen Emotionen. Und obwohl ich auch nach dem Beenden des Buches nicht ganz nachvollziehen kann, wie man so eine Arbeit ausüben kann, fühlt man sich emotional zum Inhalt hingezogen. Denn Krieg ist allgegenwärtig und auch wenn wir denken, dass er uns nicht betrifft, ist es doch so. Menschen sterben, Menschen zerbrechen daran und der Großteil der Welt sieht nur dabei zu. Die Nachricht von Janine di Giovannis Buch ist eindeutig: Man soll nicht wegschauen, denn Krieg ist schrecklich und betrifft uns alle. Allerdings schafft sie auch Hoffnung: Auch im Krieg findet man Menschen, die man lieben kann. 
Die Gesamtatmosphäre hat einfach gestimmt.

Es gibt mir zu viele Zeitsprünge. Manchmal weiß man gar nicht, in welchem Zusammenhang das Gelesene gerade steht. Aber es sind eben Erinnerungen. Wenn man an etwas denkt, dann assoziiert man damit wieder eine andere Erinnerung. Es war manchmal einfach nur etwas verwirrend.
Da Janine in Paris lebt, spricht sie französisch. Oftmals beschreibt sie Wege, Straßen und Geschäfte in Paris oder auch Gespräche, die sie geführt hat, aber ohne Übersetzung. Leider kann ich kein Französisch ;)

Die Geister, die uns folgen zeigt uns mit einer emotionalen Ehrlichkeit, was Krieg mit dem Menschen anstellt. Er zerstört Menschenleben und menschliche Seelen. Aber Janine di Giovanni gibt uns mit ihrer Geschichte Hoffnung, dass es immer etwas Positives gibt - sogar aus dem Krieg heraus.

4 Marshmallows

Als ich klein war, hatte meine Großmutter mir erzählt, Schmetterlinge seien die Seelen der Toten, der Menschen, die wir geliebt hatten und die zurückgekommen wären, um uns eine Nachricht zu übermitteln, eine geheime, ganz persönliche Botschaft, die uns die Lebenden nicht überbringen können.
(S. 22)

 "Der beste Journalist ist der, der am Leben bleibt, um seinen Artikel zu schreiben."
(S. 33)

"Ich mache mir Sorgen, weil du nie Angst zu haben scheinst. Das ist nicht normal."
(S. 172)

Der uns leichtsinnig mit dem Wagen, auf dem auf der Seite geschrieben stand: "Verschwendet eure Kugeln nicht, ich bin unsterblich", durch diese Stadt fuhr, die im Visier von Heckenschützen stand.
(S. 250)

1 Kommentar:

  1. Dankeschoen !! :)
    In letzter Zeit komme ich ueberhaupt nicht zum lesen, aber jedes Mal wenn ich deinen Blog anschaue dann wuerde ich mich am liebsten in den Garten setzen und einfach nur lesen :D

    Liebe Gruesse!

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