Dienstag, 16. Oktober 2012

[Rezension] Dark Canopy (Jennifer Benkau)

Titel: Dark Canopy
Autorin: Jennifer Benkau
Band 1 der Dilogie
Verlag: Script 5 (Loewe)
Seiten: 525
Genre: Fantasy
Sprache: Deutsch (Hardcover)
Preis: 18,95€

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Ein gaaaaanz DICKES DANKESCHÖN geht an das Team von Idealo. Denn dieses Buch habe ich im Zuge der Sommer Challenge gratis erhalten! ♥








Stell dir vor, du musst täglich ums Überleben kämpfen.
Stell dir vor, dein Gegener ist unbesiegbar.
Stell dir vor, du kommst ihm zu nah.
Stell dir vor, du verliebst dich in ihn.

"Ich hatte immer behauptet, der erste Percent, der in meinen Wurfradius tritt, würde ihn nicht lebend verlassen."

Ich mag Düsteres. Deswegen gefällt mir das Cover unglaublich gut. Es passt nicht wie die Faust aufs Auge zum Inhalt, ist aber auf jeden Fall ein Blickfang! Der verdunkelte Himmel zeigt, was die Dark Canopys anrichten und den Menschen antun. Das Mädchen in der Mitte ist auf jeden Fall unsere Hauptperson Joy. Sie steht in der Mitte zwischen zwei Welten - dem Schatten, den die Dark Canopys werfen und dem Licht, welches die Rebellion der Menschen darstellt. 
Der Buchtitel hätte nicht passender sein können, denn die Dark Canopys sind Maschinen, die den Himmel verdunkeln, sodass die künstlich erschaffenen und sonnenstrahlenempfindlichen Percents draußen umherlaufen können. Außerdem verrät der Titel nicht viel über die Geschichte, was ich durchaus gut finde. Manchmal nimmt der Buchtitel schon den ganzen Inhalt vorweg, aber dies ist hier nicht der Fall.

Viele Jahre in der Zukunft. Die Menschen haben menschenähnliche Klone erschaffen, die Percents, um sie als Soldaten in Kriegen einzusetzen. Sie können mit ihrer Haut riechen, sind daher sehr empfindlich gegen die Sonne und sehen alle gleich aus. Doch sie haben die Herrschaft an sich gerissen und nun leben die Menschen als Sklaven unter ihnen.
Joy lebt schon fast ihr gesamtes Leben lang in einem Rebellenclan. Sie will unbedingt gegen Percents kämpfen, bekommt es aber mit der Angst zutun, wenn sie einem begegnet. Sie sind so anders, fremd und doch wirken sie auch menschlich.
Eines Tages wird es zu Joys Aufgabe, mit einigen anderen aus dem Clan heimlich in die nahgelegene Stadt zu gehen, um mit den Menschen, die dort leben, Waren zu tauschen. Aber es ist eine Falle und Joys beste Freundin Amber wird geschnappt. Da es furchtbare Gerüchte über die Behandlung von schönen Frauen gibt, beschließt Joy, sie zu retten. Doch diese Mission geht total schief und Joy wird zu einer Gefangenen eines jungen Varlets namens Neél. Varlets sind junge Percents, die in einem bestimmten Alter am Chivvy, einer brutalen Menschenjagd, teilnehmen, um danach, je nach Leistung, einen Rang bekommen. Dazu bekommt jeder Varlet seinen eigenen Soldaten, den er ausbilden muss. Joy ist der bislang einzige weibliche Soldat. Zu Beginn wehrt sie sich mit allen Kräften, erkennt aber bald, dass doch nicht alle Percents gleich sind und besonders Neél scheint sich von den anderen abzuheben...

Joys Entwicklung zu beobachten war sehr spannend. Zunächste erwartet man, dass sie eine starke und furchtlose Kriegerin ist, da sie sich als solche bezeichnet und auch schon sehr lange unter den Rebellen lebt. Allerdings zeigt ihre erste Begegnung mit einem Percent, dass man einen Feind eben nicht immer bedingungslos angreifen und töten kann. Denn obwohl die Percents so fremd sind, wirken sie auch menschlich.
Joy steht für ihren Clan und besonders für ihre Freunde ein und tut alles, um ihnen zu helfen. Das merkt man besonders, als sie eine völlig überstürzte Rettungsaktion für Amber plant. Sie bricht oft die Regeln, da sie einfach nicht stillsitzen kann. Als sie gefangen genommen wird, zeigt sich erst, wie sehr sie die Percents hasst. Obwohl sie später mehr Vertrauen fasst, gibt es immer wieder Momente, in denen sie sie verflucht und beschimpft. Aber sie erkennt auch, dass eine große Anzahl von Feinden doch nicht immer gleich ist.

Neél gehört dazu. Zunächst ist er sehr streng zu Joy und tötet sie einige Male fast während des Trainings, weil er kein Verständnis für einen Menschen hat und sie nutzlos findet. Aber an Joys Selbstbewusstsein und Ehrgeiz beißt er sich schon bald die Zähne aus und wählt eine andere Taktik. Zwar fällt er manchmal zurück in die "Ich-stehe-über-dir-und-kann-alles-mit-dir-machen"-Haltung, aber er versucht es auf einer vertrauenswürdigen Basis. Bald kann sich Joy dem auch nicht mehr entziehen, weil sie merkt, dass er anders ist und nicht alles unterstützt, was die Präsidenten der Percents tun. Zudem wird er bald, was Joy angeht, sehr gefühlvoll und will sie um jeden Preis beschützen. Da schmelzen doch unsere Herzen :')

Amber tut mir immer noch ziemlich Leid. Sie muss so viel durchmachen. Also hübsche junge Frau ist sie das passende Spielzeug für einen Percent. Die körperlichen Beschreibungen von ihr als Dienerin sind schlimm und da wir sie aus Joys Augen nur ab und zu zu Gesicht bekommen, merkt man, wie sehr sie leidet. Aber man merkt auch, dass sie Joy die Schuld für all das gibt. Joy denkt ebenso, will aber helfen. Amber ist sehr schlangenhaft, wenn sie auf Joy trifft - sie gönnt ihr ihre Fluchchance beim Chivvy nicht und redet nur abgewandt mit ihr. Obwohl Joy ihr schließlich hilft und sie aus ihrem Elend befreit, spricht Amber ab diesem Zeitpunkt kein einziges Wort mehr mit ihr.

Cloud ist ein Percent und der Mentor von Neél. Er strahlt eine unglaubliche Autorität aus. Obwohl er manchmal richtig wütend ist und andere verprügelt, hebt sich nicht einmal seine Stimme. Solche Personen gibt es auf unserer Welt bestimmt nur sehr, sehr wenige und er gehört auch zu den Charakteren, die mich in Dark Canopy am meisten beeindruckt haben. Obwohl er nur auf Buchseiten beschrieben ist, hast man wirklich Angst vor ihm. Da er sich sehr unter Kontrolle hat, weiß man nie, was er als Nächstes tun wird.

Matthial ist für mich ein rotes Tuch. Zu Beginn mochte ich ihn sehr, da er Joys bester Freund ist und alles für sie tun würde. Zudem wird er mit seinem treuen Hund Rick sehr symphatisch. Aber schon bei der Rettungsmission für Amber beginnt er, bei mir ins Negative abzurutschen. Zwar ist das, was er getan hat, nur passiert, um Joy zu retten, aber es war sowieso schon aussichtslos. Wie alle verändert auch er sich im Laufe des Buches. Aber er wird zu einem genauso unsymphatischen Menschen, wie sein Vater, über den es auch noch so einiges herauszufinden gilt.

Die Welt, die Jennifer Benkau beschreibt, ist sehr beeindruckend. Obwohl sich die gesamte Handlung an nur wenigen Orten abspielt, hat man das Gefühl, in etwas sehr Großes geraten zu sein. Zudem ist der Roman sehr gut durchdacht, nichts passiert zufällig oder als Lückenfüller. Alles hat eine Bedeutung für die Geschichte. Die sich langsam entwickelte Zuneigung zwischen Joy und Neél hat mir ziemlich gut gefallen. Zunächst herrscht zwischen ihnen nur Abneigung, aber bald merken sie, dass der andere nicht so ins Schema der Rasse Mensch oder Percent passt, wie sie dachten. Zwischendurch fallen sie ab und zu in ihre alten Rollen zurück, aber das ändert sich bald. Das zeigt uns auch für unsere Welt, dass nicht alle, die anders sind als wir, ausnahmslos Feinde sind. Und Verallgemeinerungen sind sowieso fehl am Platz.
Die Charaktere sind tiefgründig und symphatisch, auch wenn sie eigentlich böse sind. Sie passen alle aufeinander. Das Gesamtbild stimmt einfach und auch Kleinigkeiten sind nicht zu verachten, weil alles wichtig ist.

Dark Canopy ist ein sehr gut durchdachter Roman, in dem jede noch so unbedeutende Kleinigkeit wichtig für die Geschichte ist. Er führt uns vor Augen, was einmal geschehen kann, wenn wir weiter Kriege führen und Einzeltaten auf ganze Völker und Rassen abwälzen. Obwohl Joy und Neél so erzogen worden sind, die jeweils andere Rasse als tödlichen Feind anzusehen, sehen sie ein, dass doch nicht alle gleich sind, Grenzen überschritten werden können auch Liebe unter vermeidlichen Feinden möglich ist.

5 Marshmallows

Es gab keine Rebellion. Nur die Flucht vor der Realität. (S. 29)

Sie kontrollierten alles, was sie nicht zerstört hatten und zerstören alles, was sie nicht kontrollieren konnten. (S. 35)

Er sah mich finster an, was morgens immer besonders beängstigend war, denn vor dem Frühstück war seine Laune mieser als die eines Hundes, der nach einer Portion Knochen unter Verstopfung leidet. (S. 208)

In der Sonne soll er schmoren - der verrückte Percent wird mich noch umbringen, beim simplen Versuch, mir ein Geschenk zu machen! (S. 387)

1 Kommentar:

  1. Schöne Rezi, aber auch ein tolles Buch.
    War auch sehr begeistert und freue mich total auf den zweiten Teil
    LG Brina

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