Freitag, 20. Juli 2012

[Rezension] ...wie ausgelebt (Florian Zach)

Titel: ...wie ausgelebt
Autor: Florian Zach
Verlag: Dein-Lieblingsbuch
Seiten: 189
Genre: Bellestrik
Sprache: Deutsch (Taschenbuch)
Preis: 9,95€

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Wenn Liebe zu einem unantastbaren Gut wird. Wenn Liebe weit über ihre eigenen Grenzen schreitet. Wenn die Liebe nicht mehr gefühlt werden kann. Dann hat sie sich aufgegeben. Dann hat sie unsere Herzen bereits verlassen. Und dann haben wir verlernt zu lieben. Liebe - was heißt das für den vierundzwanzigjährigen Journalisten, dessen Geschichte dieses Buch schreibt? Trieb ihn die Liebe oder die Nicht-Liebe seiner eigenen Mutter in den Selbstmord? Wandelte sich das stärkste aller Gefühle zu Hass? Und wird es die Liebe schaffen, ihren Weg zurück in die Herzen der Menschen zu finden, in das des Selbstmörders, in das der Mutter? Denn Liebe bedeutet mehr, Liebe erreicht mehr und übersteht mehr, mehr als sich die Hauptperson dieses Romans je zu denken vermochte...

"TOT. TOT. Wenn ich doch schon wäre!"

Das Cover ist sehr passend zum Buchinhalt. Man sieht einen Engel (der Liebe?), der verzweifelt sein Gesicht in die Hand hält. Die Körperhaltung ist schlaff und erinnert ganz deutlich an die Hauptperson des Romans.
Der Buchtitel weist schon auf den philosophischen Inhalt hin. Ein Mensch, der völlig ausgebrannt ist und keinen anderen Weg mehr sieht, als den Suizid.

Der Roman ist sehr philosophisch und setzt sich mit einem Thema auseinander, welches für viele Menschen ein Tabuthema ist: Suizid. Als ich das Buch vor einigen Jahren gekauft und die ersten Seiten gelesen habe, legte ich es sofort wieder zur Seite. Ich war einfach noch nicht bereit, mich damit auseinander zu setzen. Aber nun habe ich es endlich gewagt.
Man begleitet die Hauptperson drei Wochen lang auf seiner Reise. Er ist jung, Journalist und todunglücklich. In seiner Kindheit wurde er von seiner Mutter geschlagen und immer niedergemacht. Somit hat er kein Selbstwertgefühl mehr und glaubt, dass es sowieso niemanden kümmern würde, sollte er aus dem Leben scheiden.
Das gesamte Buch über befinden wir uns in seinem Kopf und teilen seine Gedanken. Um die Handlung an sich geht es kaum, mehr um die Gedanken und Beweggründe. Doch als er kurz vor dem Suizid steht, wird auch schnell klar, dass er das gar nicht durchziehen kann. Nach meinem Verständnis wissen Selbstmörder genau, was sie tun und haben keine Angst vor dem Tod, sondern begrüßen ihn. Unsere Hauptperon begrüßt den Tod auch, das sagt er oft genug, aber er kann sich nicht einfach so töten, weil er Angst vor eventuellen Schmerzen hat. Und genau deshalb wird er es auch nicht tun. Er kann es nicht bedingungslos tun.
Schließlich reist er nach Budapest, um sich zu töten.

Unsere Hauptperson ist fast der einzige Charakter, den man aktiv im Roman erlebt. Aufgrund seiner traurigen und auch depressiven Gedanken kann man schon nachvollziehen, warum er sich töten will. Seine Mutter hat ihn früher geschlagen und seine Leideschaft - das Schreiben - dermaßen niedergemacht, dass er glaubte, dass er niemanden mehr hätte. Dass niemand ihn lieben würde. Er erzählt von seinen Geschwistern, seinen Freunden, die sich alle von ihm abgewandt haben.
Besonders traurig ist es, dass er der einzige Autor eines neuen Verlages war, der aufgrund des Nicht-Verkaufens seines Romans pleite gegangen ist.
Das bestärkte ihn noch in seinem Entschluss, aus dem Leben zu scheiden, da er nichts kann und ihn sowieso niemand vermissen würde.
Aber in Budapest zeigt sich dann, dass es doch nicht so einfach ist, wie er dachte. Und genau das ist das Problem: Er denkt zu viel. Er denkt an sein Leben, seine Beweggründe und wie alle ihn immer gehasst haben. Aber er sieht irgendwo noch einen Funken Hoffnung.

Obwohl mich die Thematik zögerlich hat an das Buch herangehen lassen, ist sie es doch, die mich nach dem Lesen begeistert und tief beeindruckt. Zum ersten Mal ist man in dem Kopf eines potentiellen Selbstmörders und kann sogar durchaus nachvollziehen, warum er das tun will. Allerdings wird dadurch auch klar, dass der Mensch sich in etwas hineinsteigern kann. Egal, wie schlecht es einem geht und wie viele Tiefschläge man erleiden muss, es gibt immer jemanden, der einen liebt und unterstützt. Und genau das glaubt die Hauptperson verloren zu haben.
Nach ein paar Kapiteln wurden Abschiedsbriefe hinzugefügt, die unsere Hauptperson an Gott, sich, seine Familie und den Verlag schreibt. Er erklärt jedem etwas anderes, aber auch ansatzweise, warum er dies tut. Er schreibt diese Briefe einfach nur, um ihnen von seinem Tod zu berichten. Dabei kommt ihm aber nicht einmal in den Sinn, dass jemand wirklich um ihn trauern könnte.

Mich hat es doch etwas gestört, dass es kein einziges Mal wörtliche Rede gab. Irgendwie ist man das eben gewohnt ;) Außerdem war es etwas schwierig, da es keinen Absatz im Buch gab. Die Sätze waren aneinandergereiht. Dadurch entsteht natürlich eine gewisse Dynamik, aber wenn es sich durch das ganze Buch zieht, kommt man gar nicht mehr zum Luftholen.

...wie ausgelebt ist ein Roman, der tief berührt und einen selbst über das Leben und den Tod nachdenken lässt. Je nachdem, wie die eigene Gefühlslage ist, kann er traurig und pessimistisch machen, aber auch zeigen, dass man sich nicht immer runterziehen lassen soll. Denn jeder Mensch wird geliebt, auch wenn die anderen das nicht immer offen zeigen können.

4 Marshmallows

Und ich war wohl wertlos. (S.20)

Ich verlasse mein Leben, weil ich etwas Besseres erwarte. (S.52)

Ich bekomme alles, was ich im Leben nie haben durfte. Und dann vermisse ich niemanden. Warum auch? Mich wird doch auch keiner vermissen. (S.55)

Der Tod ist süß, lieblich und herb zugleich. Süß wie Honig, lieblich wie Wein und herb wie Bitterschokolade. Er ist die Versuchung. Eine, der man nicht widerstehen kann. (S.70)

Kommentare:

  1. haha, danke ;)
    Ich kann es dir übersetzen:
    der 1. Satz bedeutet "Der Tanz ist der senkrechte Ausdruck eines horizontalen Begehrens."
    und der 2. "Der Tanz, ist er nicht der Auftritt in seinem Höhepunkt; edler Auftritt, einem zweckorientierten Ziel beraubt, und frei wie ein Kinderspiel?"
    Haha, hört sich jetzt holprig an, aber du kannst den Sinn sicher begreifen. ;)

    Wie gehts dir so? :D Was machst du so zur Zeit?
    Alles Liebe <3

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  2. Ich liebe die Sprache! <3 Und bin sehr traurig, dass ich es nächstes Jahr ablegen "muss", weil ich Italienisch weiternehmen muss und Englisch ist da einfach wichtiger... So schwierig ist es gar nicht! ;) Hattest du es nicht in der Schule, oder?

    Oh, schön! Wohin Urlaub und was für eine Ausbildung?
    Ja, noch keine Ferien, aber noch 1 1/2 Wochen und dann FERIEN! :D Ich freue mich schon sehr! :)

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  3. Oh, ja, Spanisch ist auch sehr schön, aber italienisch und erst recht französisch sind eher mein Fall. ;)

    Ach ja, richtig! :) hast du da auch immer Ferien, also so sommerferienmäßig?

    Ich wünsche dir viel Glück und Erfolg in der Berufssschule! :D

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  4. Ah, alles klar! ;)
    Schreibst du eigentlich auch noch regelmäßig? :) Was ist denn aus Howling Night etc geworden?
    <3

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