Dienstag, 19. Juni 2012

[Rezension] Melodie der Finsternis (Jennifer Jäger)


Titel: Melodie der Finsternis
Autorin: Jennifer Jäger
Band 1 der Sirenen-Reihe
Verlag: AAVAA
Seiten: 300
Genre: Fantasy
Sprache: Deutsch (kartoniert)
Preis: 11,95€

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Klappentext:
"Irgendwann beschlossen wir, dass die Menschen ihre Geschichte erst erfahren sollten, wenn sie dafür bereit waren. Also erzählten wir die Wahrheit als Märchen, damit die Menschen sie nicht als solche begriffen. Legenden und Geschichten sind Möglichkeiten, die Wahrheit zu offenbaren, ohne sie als solche preiszugeben." Das muss die junge Frau Lilith begreifen, als sie sich plötzlich in einem ungeahnten Abenteuer wieder findet. Eigentlich will sie nach dem Tod ihres Vaters nur das Leben ihrer Mutter erleichtern, indem sie eine Schiffsreise antritt, um so etwas Geld zu verdienen. Doch als das Schiff in den Bann der Sirenen gerät und so untergeht, kommt alles anders als erwartet. Alle an Bord sterben, nur sie und Viktor werden von den Sirenen gerettet und schon bald wird ihr klar, dass in dem sonst so ruhigen Meer ungeahnte Kämpfe toben. Und ihre Rettung war kein Zufall ... 

Meine Meinung:
Man soll ja nicht immer nur auf das Äußere schauen, aber WOW! Das Cover hat mich echt umgehauen! Es ist wirklich eine Augenweide, besonders auch deswegen, da ich blau in allen Varianten sehr gerne mag. Das dunkle Lila passt ebenfalls sehr gut dazu- und hat auch noch etwas mit der Geschichte im Innern zu tun (das ist ja oftmals leider nicht der Fall). Ich bewundere Jennifer Jäger total und habe großen Respekt für sie, dass sie die Ausdauer und Fantasie hat, so einen Roman zu schreiben.
Leider haben die vielen Rechtschreib- und Wortfehler meinen Lesefluss etwas gestört- ich bin eben ein ehemaliger Deutsch-LKler und Rechtschreibfanatiker ;D
Beim Lesen merkt man schnell, dass der Klappentext nur sehr wenig vorwegnimmt und man sich somit in die Geschichte hineinfallen lassen kann. Schon auf den ersten Seiten des Romans befindet sich Lilith auf dem Schiff und schon sehr bald gerät es in den Bann der Sirenen. Die Unterwasserwelt, die Jennifer Jäger erfunden hat, ist sehr fantasievoll und dennoch sehr menschlich. Man erfährt in Liliths Haut, wie die Sirenen leben und welche Auswirkungen sie auf Menschen haben.
Ihre Freunde Viktor und die beiden Sirenen Aphros und Stella schließt man schnell ins Herz, allerdings bin ich mir bei den Jungen nicht sicher, wie ich sie einzuordnen habe. Zunächst vermutete ich bei Viktor eine geschwisterliche Zuneigung zu Lilith, aber diese Vermutung geriet im Laufe des Romans immer mehr ins Wanken. Da er eigentlich mit Stella zusammen ist, kann ich seine Zuneigung daher nicht ganz nachvollziehen. Auch nicht, nachdem ich den Roman zuende gelesen habe.
Und auch Aphros gibt mir Rätsel auf. Er mag Lilith, das ist ganz deutlich erkennbar. Zu Beginn setzt er jedoch oft seine Sirenenfähigkeiten ein, um Lilith in seinen Bann zu ziehen. Später im Roman gibt es aber auch Szenen, in denen Lilith ihre Zuneigung zu Aphros kundtut, ohne unter seiner einflussreichen Sirenenstimme zu stehen. Aber genau wegen seinem anfänglichen Verhaltens zweifle ich an ihm und seiner Zuneigung. Er sorgt wirklich sehr gut für Lilith und ist sehr zärtlich zu ihr, aber dennoch habe ich das Gefühl, dass ihre Liebe nicht von ungefähr kommt. Vielleicht interpretiere ich auch nur zu viel hinein ^-^
Aber in einer Szene verhält er sich wirklich merkwürdig. Auf dem Ball wird ein Mann getötet und kurz danach schnappt sich Aphros Lilith, um ihre die Stadt zu zeigen... Ein totaler Schnitt, dem entweder ein Szenen-Sinneswandel zugrundel liegt oder mich nun wirklich an Aphros' Verstand zweifeln lässt ^-^
Doch obwohl Viktor und Aphros mir immer wieder Rätsel aufgeben, ist es doch spannend, als Leser ihre Entwicklung zu beobachten. Leider gibt es am Ende keine entgültige Lösung, die uns sagt: So ist es und nicht anders.
Spannend wird die ganze Geschichte noch mehr, als immer wieder Gespräche und Wortfetzen erfolgen, die mit panischen Blicken quittiert werden. Denn offenbar gibt es um Lilith herum ein Geheimnis, weshalb sie überhaupt von dem sinkenden Schiff gerettet worden ist. Aber Lilith, sowie wir als Leser bleiben lange, lange unwissend. Das hat mich fast verrückt gemacht. Nicht einmal eine winzige Erklärung gab es. Nur einmal fiel das Wort Prophezeihung und da sind schon alle ausgerastet, obwohl nichts vom Inhalt erzählt wurde. Den ein oder anderen Hinweis auf diese Prohezeihung und Liliths Rolle darin erfährt man ganz zum Schluss des Romans.
So spannend dieses Rätselraten auch ist, dass es am Ende keine Auflösung gibt, hat mich schon etwas enttäuscht. Zumal das Ende auch sehr plötzlich kam. Es gab keinen großen Showdown oder einen Kampf, wie man es gewohnt ist. Und eine Auflösung gab es auch nicht.
Die Geschichte hat bei mir mit ihren Charakteren und den Handlungsorten ordentlich gepunktet. Die Welt unter Wasser ist noch heute ein Mysterium für uns Landratten und wir wissen nicht, was dort unten vor sich geht. Die Gewässer sind so tief, dass wir gar nicht mit Sicherheit sagen können, ob es dort nicht geheime Völker und Städte gibt. Diesen Schauplatz zu wählen ist ein raffinierter Schachzug. Niemand weiß, was es dort unten alles gibt, weshalb man seiner Fantasie freien Lauf lassen kann. Ich konnte mir alle beschriebenen Orte sehr gut vorstellen und mich schnell in die Welt eingewöhnen.
Einige Aspekte im Roman haben mir ziemlich gut gefallen, weshalb ich sie gerne noch einmal besonders herausstellen möchte.
Die Sirenen sind ebenso wie wir Menschen auch in den Städten zu Fuß unterwegs, ansonsten mit einer Schwanzflosse. Da Lilith keine hat, kann sie auch nicht unter Wasser atmen. Dieses Problem hat die Autorin brilliant gelöst! Man muss eine Blume essen, um unter Wasser zu atmen, zu sprechen, zu hören und mit den Sirenen mithalten zu können. Das geniale daran ist, dass die Blätter bitter, der Stengel sauer und die Blüten süß schmecken. Ich hatte selbst große Lust, diese Blume zu probieren ;)
Besonders authentisch empfand ich die Szene, in der Lilith das erste Mal jemanden getötet hat. Zwar hat sie damit sich und ihre Freunde gerettet, dennoch empfindet sie bei Blut und Tod nur Ekel. Ihre Gefühle und deren Auswirkungen sind hervorragend geschildert und dargestellt. Immerhin würde man als normaler Mensch nicht einfach jemanden töten und dies dann einfach akzeptieren. Lilith kämpft in diesen Momenten wirklich um ihre Selbstbeherrschung.
Eine Tatsache in der Sirenenwelt hat mich wirklich zum Lachen gebracht. Aragona, die Seherin erzählt Lilith ein Geheimnis über die Sirenenstädte und erklärt ihr, wie diese an ihre Macht kommen:
"Jeder Sirene muss bei der Vollendung ihres 190. Lebensjahr[es], wenn sie also die Volljährigkeit erreicht, auf diesen Siegelring und das Tuborino schwören." Ich fand einfach die Zahl witzig ;D Da muss man ja ewig warten, bis man Alkohol trinken kann ^-^ 

Melodie der Finsternis ist ein spannender Roman, der uns in eine unbekannte Welt entführt und mit Geheimnissen, Zuneigung und Mut auf emotionaler Ebene punktet. Schade ist die fehlende Auflösung am Ende des Romans.


4 Marshmallows

Kommentare:

  1. Ein kleiner Hinweis der Vollständigkeit halber: Es gibt einen 2. Teil - wenn auch einen recht kurzen: Klang des Tempels. ;)

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  2. Schöne Rezi :) Hört sich sehr interessant an ;)
    Bin gleich mal Leserin von dir geworden.

    LG
    Tamara
    http://inkworld-buecherblog.blogspot.de/

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  3. Sehr schöne Rezi!

    Ich hab Dich übrigens mal getagged ;)

    http://book-addicted.blogspot.de/2012/06/getagged-8-dinge-uber-mich.html

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