Samstag, 9. Juni 2012

[Rezension] Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry (Rachel Joyce)


Titel: Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry
Autor: Rachel  Joyce
Verlag: Fischer Verlag
Seiten: 379
Genre: Bellestrik
Sprache: Deutsch (Hardcover)
Preis: 18,99€

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Klappentext:
Eigentlich wollte er nur zum Briefkasten. Dann geht er 1000 Kilometer zu Fuß. Von Südengland bis an die schottische Grenze - eine Reise fürs Leben, eine Geschichte von Tapferkeit, Betrug, Liebe, Loyalität und einem ganz unscheinbaren Paar Segelschuhen.

Ein unvergesslicher Roman, der die ganze Welt erobert.

Wer wahre Stärke sucht,
wird sie hier finden:
Einer trotzt standhaft
dem Wetter, den Winden.
Sein Mut treibt ihn voran,
dass niemals wanken kann,
was einst als Schwur begann:
Pilger zu sein.

John Bunyan, >Pilgerreise<

Meine Meinung:
Aufgrund des Klappentextes war ich sehr gespannt auf das Buch. Es ist eine Sparte, die ich zuvor noch nicht gelesen habe und ich ließ mich auf das Experiment ein. Da es ein Wanderbuch ist, durfte man auch seine Spuren hinterlassen. Das war etwas Neues, was ich aber sehr toll finde! Bei einer Rezension kann man ja nicht auf alle Einzelheiten eingehen und es ist interessant zu sehen, was verschiedene LeserInnen an den verschiedenen Buchstellen denken. Manchmal musste ich wirklich lachen :) Nun aber zum Buch an sich.
Zwischen Harold und seiner Frau Maureen herrscht Eisstimmung. Sie schlafen nicht einmal mehr in demselben Zimmer und reden kaum noch miteinander. Eines Tages kommt ein Brief an. Er ist von einer ehemaligen Arbeitskollegin Harolds. Sie liegt im Sterben und möchte sich von ihm verabschieden. Daraufhin beginnt Harold nachzudenken. Er schreibt einen Antwortbrief, kann ihn aber nicht einwerfen, weil er seine Worte für leer und unsinnig hält. Und so beginnt die Reise, denn Harold nimmt sich vor, durch ganz England nach Schottland zu seiner ehemaligen Kollegin Queenie Hennessy zu laufen.
Als Leser beginnt man selber darüber nachzudenken, wie man reagieren würde. Aber fast über das ganze Buch hinweg habe ich mich gefragt, warum Harold überhaupt zu Queenie läuft. Immerhin hat er sie seit zwanzig Jahren nicht mehr gesehen. Das wird im Buch oft betont. Die Eisstimmung zwischen ihm und seiner Frau begann vor zwanzig Jahren, Queenie verschwand einfach vor zwanzig Jahren.
Harold begegnet auf seiner Reise vielen Menschen, die ihm helfen, ihm einen Schlafplatz und Essen und Trinken anbieten. Sie teilen auch alle ihre Geschichten mit Harold. Das hat mir sehr gut gefallen, denn heutzutage gibt es meiner Meinung nach einfach kaum noch nette Menschen, die einfach einen Fremden aufnehmen und ihm völlig umsonst helfen. Oft wird er auch danach gefragt, warum er nicht einfach in ein Auto steige und zu Queenie fahre, aber er glaubt, dass er sie am Leben erhalten kann, indem er die ganze Strecke läuft. Allerdings kann ich nicht verstehen, warum. Nun ja, vielleicht muss man diese Erfahrung selbst einmal gemacht haben. Am Anfang hat es Harold schwer. Er ist ja einfach losgelaufen und hat keinerlei passende Ausrüstung dabei. Man leidet richtig mit ihm. Aber mit der Zeit wird er fitter und schafft viele, viele Kilometer an einem Tag. Außerdem wächst sein Mut und sein Glaube, er könne Queenie wirklich retten, indem er läuft. Eine komische Vorstellung, aber wenn es ihn glücklich macht, na gut.
Er denkt auch viel an die Vergangenheit- an die Zeit, als er und Maureen noch glücklich zusammen waren, als er seinen Sohn im Arm hielt. Über die Reise hinweg fragt er sich immer wieder, was er bei ihm falsch gemacht hatte, denn ihr Sohn David hat sich wohl von ihnen abgewandt. Aber was genau passiert ist, erfährt man zunächst nicht. Aber ich finde, dass nicht nur die Eltern für die Entwicklung des Kindes Verantwortung tragen. Das Kind selbst trifft seine eigenen Entscheidungen und muss dann eben damit leben- und mit den Konsequenzen.
Derweil bekommen wir auch mit, wie es Maureen ergeht. Sie wurde einfach zu Hause sitzengelassen und tut das, was sie immer tut: waschen und putzen. Auch sie beginnt, an die Vergangenheit zu denken. Oft spricht sie mit ihrem Sohn, der sie ermutigt, etwas wegen Harold zu unternehmen. Sie geht sogar zum Arzt und spielt oft mit dem Gedanken, die Polizei anzurufen, damit Harold aufgehalten wird. Besonders witzig ist die Szene in der Arztpraxis, als Maureen sich am Computer anmelden muss und ganz plötzlich so blass und verschwitzt ist. Sie drückt bei der Frage, ob sie männlich oder weiblich sei sogar den falschen Knopf ^_^
Aber auch sie macht, ebenso wie Harold, eine Veränderung durch. Sie beginnt sich zu fragen, was in ihrem Leben mit Harold schiefgelaufen ist. Sie findet zurück zu ihren alten Freuden und pflanzt wieder Gemüse an und verbringt viel Zeit mit dem netten Nachbarn Rex, der seine Frau verloren hat.
Und wie die Menschen nun einmal sind - egoistisch und sensationsgeil - gibt es auf Harolds Reise eine Wendung. Als er mit Maureen telefoniert, berichtet sie ihm, dass er die Sensation in ganz England sei. Alle Zeitungen berichten über ihn und seine möglichen Beweggründe. Daraufhin gesellen sich mehrere Leute zu ihm, die geliebte Menschen verloren haben und seinen Weg teilen möchten. Doch durch sie wird er nur aufgehalten und es wird jeden Tag gestritten. Manchmal gibt es eben Dinge, die man alleine machen muss. Und Harolds Reise gehört dazu. Die anderen sind nur zu ihm gekommen, weil sie auch in die Zeitung wollten. Das merkt man auch ganz deutlich, als sie alleine weiterziehen und in Berwick upon Tweed, wo Queenie ist, mit viel Geschrei empfangen werden. Daraufhin interessiert sich niemand mehr für Harold. So ist das eben, die Masse zählt. Aber wenigstens kann Harold seinen Weg nun für sich fortsetzen.
Im Laufe des Buches gibt es immer wieder Unklarheiten und auch wechselnde Zeiten. In einem Absatz geht es um die Gegenwart, im nächsten wieder um die Vergangenheit. Manchmal kriegt man das gar nicht so mit und fragt sich, was man da eigentlich gerade erfährt. Die Unklarheiten jedoch werden in den letzten Kapitel aufgedeckt und das war für mich wie ein Schock. Alles, was man bis dahin angenommen hatte - über Harold und Queenie und Maureen und David - ist absolut falsch.
Ziemlich tragisch ist auch das Ende, als Harold Queenie endlich trifft. Er ist so weit für sie gelaufen und wollte sie unbedingt vom Krebs heilen, aber als er sie sieht, hat er nur genauso leere Worte, wie in seinem ursprünglichen Brief.
Was nun schließlich am Ende passiert, was danach aus Harold und Maureen wird, müsst ihr selber lesen.

Die Thematik des Buch hat mich begeistert, allerdings war das Buch nicht besonders spannend und ich musste mich wirklich zwingen, weiterzulesen. Aber da auch die Unklarheiten aufgeklärt wurden und man einen wirklichen Wandel der Figuren sehen kann, habe ich mich für einen Punkt mehr als ursprünglich gedacht entschieden.

3 Marshmallows

Kommentare:

  1. Hey :D
    schöne Rezi ♥
    hab das Wandedrbuch auch gesehen und wusste nicht ob es was für mich ist... nach deiner Rezi wohl eher nicht :D

    Ja ich freu mich auch schon total auf Everlasting *hibbelig*

    Willst du vielleicht an meiner 50 Leser Aktion mitmachen??

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  2. Hab deine Rezi gelesen und find sie sehr gut geschrieben. Allerdings wird die Bewertung wohl etwas besser ausfallen. Liegt einfach daran, dass dieses Genre genau mein Fall ist. :)

    Grüße, Petra

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