Donnerstag, 5. April 2012

[Review] The Hunger Games

Angesichts der Tatsache, dass ich nun Ferien habe und auch zum zweiten Mal im Film war, habe ich noch einmal die The Hunger Games Reihe verschlungen - innerhalb von drei Tagen ^_^
Wenn man die Bücher in so einer kurzen Zeitspanne direkt nacheinander liest, wirken sie noch intensiver. Deshalb wollte ich eine kleine Review im Gesamten zu der Reihe schreiben.


Plötzlich haben die Figuren Gesichter. Ob es gut oder schlecht ist, dass ich mir nur noch Jennifer Lawrence als Katniss vorstelle, weiß ich nicht. Es ist aber in Ordnung. Da die Bücher in der Ich-Perspektive geschrieben sind, identifiziere ich mich so oder so mit Katniss und habe das Gefühl, ich wäre sie.
Besonders im dritten Buch, als Katniss' Zerissenheit deutlich zu spüren ist, fühlt man sehr intensiv mit ihr mit. Die Charaktere sind nun so vertraut wie meine eigenen Freunde.
Eben in jenem Buch habe ich kurz inne gehalten und mich gefragt: Was fasziniert mich an dieser Geschichte eigentlich so? Warum ist der Hype um den Film so gigantisch? Wieso war ich zwei Mal im Kinofilm?
Es handelt sich um eine Dystopie der grausamsten Art, die man sich vorstellen kann. Zwölf Distrikte, die Tag für Tag gegen den Hunger und den Tod kämpfen. Das Kapitol, welches auf grausame Art regiert und mehr hat, als es braucht. Jegliches Verbot an Mitspracherecht der Distrikte. Die alljährlichen Hungerspiele, bei der die Kinder der Distrikte dazu verdammt sind, sich gegenseitig zu töten, bis es nur noch einen Sieger gibt.
Was ist es, was uns so an dieser Geschichte fasziniert und festhält?
Ganz einfach. Es sind die ausgeklügelten Charaktere, ebenso wie die Themen der Buchreihe, die uns mit dieser Welt so vertraut machen und manche Wendungen, sowie Erkenntnisse, die uns innehalten lassen.
Die Charaktere sind so gestaltet, dass man sie mit unseren Freunden und Verwandten vergleichen könnte. Die Lebensumstände sind natürlich komplett verschieden und dennoch sind uns die Personen so vertraut.
So auch die Menschen im Kapitol. Ihre Welt kommt uns fremd vor, weil sie seltsam aussehen und weil sie allen möglichen Technikkram besitzen, der das Leben womöglich einfacher macht. Aber so fremd sie mir erscheinen, habe ich dieselbe Erkenntnis wir Katniss: Sie sind einfach mit all dem aufgewachsen. Deshalb sehen sie die Hungerspiele als "Nationalsport" an und nehmen Pillen, um sich bei Festen zu übergeben, damit sie niemals aufhören müssen, zu essen. Sie haben es so vorgelebt bekommen und folgen derselben Richtung.
Deshalb sollten auch wir als Leser sie nicht verurteilen. Bestimmt gibt es auch irgendwelche Tierschützer, die Katniss' Lebensweise missachten, weil sie jagt.
Wenn auch Panems Welt sich drastisch von unserer unterscheidet, sind die Themen, die angesprochen werden, auch für uns heute doch gegenwärtige.
Liebe, Mut, Verlust, Weiterentwicklung und Wille.
Liebe und Mut sind wohl die offensichtlichsten Themen der Reihe. Diese spürt man aus Katniss' Perspektive besonders stark und obwohl wir als Leser weder Peeta noch Gale wirklich persönlich kennen, stecken auch wir in einem Zwiespalt.
Ich finde, dass diese Liebesgeschichte im Film etwas zu wenig beleuchtet worden ist. Die Höhlenszenen sind im Buch kapitelweise aufzufinden, dennoch schaffen sie auch keine Klarheit.
Wenn man die Reihe im gesamten betrachtet, ist mir schon klar, dass sie Peeta Gale vorziehen wird, aber alleine im ersten Buch ist es unklar.
Denn Katniss weiß selbst nicht genau, wie ihre Gefühle darum stehen. Zunächst war es nur eine Strategie, die Haymitch und Peeta ausgeklügelt haben. Katniss musste einfach mitspielen, um ihr und später auch Peetas Überleben in der Arena zu sichern.
Allerdings ist für mich beim Lesen des ersten Buches nie ganz klar gewesen, ob sie wirklich alles nur spielt oder ob sie Peeta wirklich liebt. Zwar sagt sie, dass ihr in der Arena nur der eine Kuss mit Peeta etwas bedeutet hat, aber ich glaube nicht, dass sie so kalt ist.
Wenn ich jetzt frech wäre, würde ich sagen, dass sie in der Buchreihe nur so an Peeta hängt, weil sie die Spiele zusammen erlebt haben, aber vielleicht ist es nicht so von Suzanne Collins beabsichtigt.
Okay, hier ist mal meine "freche" Theorie:
Katniss denkt im dritten Buch oft darüber nach, was passiert wäre, wenn sie niemals hätte in die Arena gehen müssen. Sie stellt sich vor, dass sie Gale geheiratet hätte und glücklich geworden wäre.
Da stimme ich ihr zu. Ich glaube auch, dass es genauso verlaufen wäre. Immerhin sagt sie oft genug, dass zwischen ihr und Gale mehr ist als nur Gefährten- und Freundschaft, wenn auch nicht unbedingt Liebe.
Aber wie wir alle wissen, ist Katniss in die Arena gegangen, um ihre kleine Schwester Prim zu beschützen.
Dann begann in der ganzen Vorbereitungsphase der Spiele die Geschichte mit dem tragischen Liebespaar aus Distrikt 12. Katniss konnte nun schlecht sagen, dass sie darauf keine Lust hat und alles einfach abbrechen. Wie bereits gesagt, die spielte mit, um das Überleben zu sichern. Als sie Peeta schließlich in der Arena findet und gesund pflegt, muss sie die Zuschauer ja auch bei Laune halten, da sie und er häufiger auf den Bildschirmen erscheinen, als ihnen lieb ist. Und sie sind bestimmt eine Woche oder länger zusammen, weshalb Katniss mitspielen muss. Sie erzählen sich Geschichten aus der Vergangenheit und Peeta erzählt, wie er sich in Katniss verliebt hat und ehrlich gesagt, habe ich seit dem Interview mit Caesar Flickerman nicht einmal daran gezweifelt, dass er sie wirklich liebt.
Denkt mal drüber nach. Ihr sollt mit jemandem eine Liebesshow inszenieren, der euch wirklich über alles liebt und ihr euch über eure Gefühle nicht im klaren seid. Na, na? Würdet ihr da nicht auch anfangen, ihn zu lieben? Ob es nun echt ist oder nicht.
Und dann kam die Tour der Sieger. Die Zeit nach den Spielen war schrecklich für die beiden, weil sie immer Albträume hatten, aber wenn sie die Nacht Seite an Seite verbrachten, waren die Albträume weg. Auch in dieser Zeit mussten sie das tragische Liebespaar mimen, obwohl sie hinter den Kameras ein eher kühles Verhältnis teilten, da Katniss Peeta am Ende des ersten Buches zu verstehen gibt, dass sie keine echte Beziehung mit ihm will (wofür ich sie im Übrigen gerne getreten hätte).
Erst im zweiten Buch und somit der zweiten Arena, als Peeta (fast) stirbt, kommt für mich der Punkt, da man erkennt, dass sie ihn wirklich liebt und nicht nur für die Kameras spielt.
Und im dritten Buch kommt es dann richtig heraus, da sie ihn einfach nicht loslassen kann, obwohl er versucht hat, sie zu töten.
Was ich damit eigentlich sagen wollte: Katniss und Peeta teilen diese furchtbare Erfahrung mit den Hungerspielen und der Siegertour und die Hetzjagd des Kapitols. Er liebt sie wirklich. Sie muss mitspielen, obwohl sie sich ihrer wirklichen Gefühle nicht klar ist. Fast niemand kann nachvollziehen, wie es in der Arena ist, in der jeder ein Feind sein kann. Aber auch in der Zeit danach, können nur sie sich gegenseitig Halt geben, um dem Grauen der Arena zu entkommen.
Würdet ihr euch da als Katniss nicht auch früher oder später in ihn verlieben?
Natürlich ist er süß, zuvorkommend und wie ein Beschützer (♥♥♥), aber seid mal ehrlich? Ist es nicht so?

So. Genug zu der Theorie. Ein weiterer Punkt liegt mir noch am Herzen.
Obwohl Katniss und auch die Rebellen eine Menge Mut beweisen, sich gegen das Kapitol aufzulehnen, ist eine gewisse Hilflosigkeit einfach total lähmend - zumindest für mich, als ich das dritte Buch gelesen habe.
Es ist genau das, was Peeta in der Nacht vor der ersten Hungerspielen zu Katniss gesagt hat: "Ich möchte als ich selbst sterben. [...] Ich möchte nicht, dass sie mich da drin verändern. [...] Ich wünsche mir nur, mir würde etwas einfallen, wie ... wie ich dem Kapitol zeigen kann, dass sie mich nicht besitzen. Dass ich mehr bin, als eine Figur in ihren Spielen."
Peeta hat von Anfang an gewusst, was da vor sich geht. Aber ich habe es erst begriffen, als Katniss es im dritten Buch begriffen hat. Reichlich spät. Natürlich haben die Schicksale von Finnick und Haymitch auch zu der Erkenntnis beigetragen. Wenn man im ersten Buch noch denkt, dass man als Sieger der Hungerspiele wieder aus der Sache raus ist, hat man sich schwer getäuscht.
Und das meine ich mit Hilflosigkeit. Sobald man für die Hungerspiele ausgelost wurde oder sich freiwillig gemeldet hat, ist man eine Figur des Kapitols. Sie machen mit dir, was sie wollen. Und wenn man als Sieger heraustritt, ist man hoffnungslos verloren. Die Schicksale der anderen Sieger beweisen es.
Nicht ist mehr so wie früher. Niemals. Alles verändert sich. Allein die Tour der Sieger ist ein harter Schlag für alle. Die bzw. der Sieger fährt von Distrikt zu Distrikt, um sich zu präsentieren und beklatschen zu lassen, während die Familien der getöteten Tribute ganz vorne sitzen müssen.
Natürlich erfahren wir mit Katniss' und Peetas Sieg eine besondere Situation, denn die Aktion mit den Beeren löst Aufstände im ganzen Land aus. Aber auch das macht sie weiterhin zu Figuren des Kapitols. Beweise gibt es genug, wie zum Beispiel die Rosen von Präsident Snow.
Aber wer weiß, was in Panem passiert wäre, hätte Katniss nicht die Beeren hervorgeholt. Vielleicht wären doch bald Aufstände ausgebrochen und ihr Heimatdistrikt zerstört worden.
In dem Moment, in dem sie sich freiwillig für ihre Schwester meldete, veränderte sich alles. Für immer.

Was haltet ihr eigentlich vom Ende des dritten Buches? Vielleicht hätte Katniss Snows Erläuterungen über das Ende des Krieges nicht so ernst nehmen sollen, aber ehrlich gesagt, hätte ich dieselben Schlüsse gezogen wie sie. Alles, was Snow gesagt hat, klang logisch und plausibel. Und doch werden wir nie wirklich erfahren, was nun die Wahrheit ist, da Coin tot ist. Bis dahin ist alles wunderbar.
Aber die letzten Seiten danach finde ich doch ein wenig abgehackt. Es kommt mir wirklich so vor, als wären Katniss und Peeta zwei geistig Verwirrte, die in das Siegerdorf ihres zerstörten Heimatdistrikts zurückgeschickt wurden, um niemanden mehr zu nerven. Genauso kommt es mir vor. Da es die Hungerspiele nicht mehr gibt, ist es dennoch schön, dass sie Katniss dazu entschlossen hat, Kinder zu bekommen.
Aber irgendwie stellt mich das Ende nicht zufrieden.
Ich hätte mir mehr erhofft, dass die Rebellen verstehen, dass Katniss aus der richtigen Intuition heraus gehandelt hat und ihre und besonders Coins Fehler einsehen, denn sie war nicht besser als Snow. Aber Katniss wird einfach abgeschoben.
Wie bereits gesagt, es kann nie mehr so sein wie vorher, obwohl nun zwei Jahre seit der Ernte vergangen sind. Jeder führt seine privaten Spiele, die Opfer fordert. Eine Menge Opfer, wie man am Ende der Reihe erkennen muss.
Obwohl die Welt mit den Hungerspielen und dem langsamen Hungertod nicht gerade rosig war, bin ich nicht der Meinung, dass die "neue" Welt, nach dem Sturz des Kapitols, besser ist. Jedenfalls nicht für Katniss, auch wenn sie nun glücklich mit Peeta zusammenlebt.

Was meint ihr?

Kommentare:

  1. Ich habe weder den Film noch die Reihe gesehen/gelesen. Hatte noch keine Zeit... aber den Schuber habe ich hier.

    Ich finde es toll, ein Buch mit Zitaten :D


    GLG Chrisy

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  2. Wow genialer Text! :))
    Ich liebe The Hunger Games einfach und...jaaa... :D
    Doch ich denke schon dass der Sturz des Kapitols sinnvoll war. Auch wenn man das erst sehr viel später richtig merkt.

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  3. *-* Man merkt, wie viel Mühe du dir gemacht hast! :))
    "Die Tribute von Panem" sind wirklich unglaublich gute Bücher. Aber genau wie dir, hat mich das Ende ein bisschen unzufrieden zurückgelassen. Es war ziemlich schnell und abgehackt. Aber letztendlich ist diese Reihe ja keine Utopie, sondern eine Dystopie und da kommt dieses melancholische Ende eigentlich sehr passend. :)

    LG
    Lydia

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  4. Du schreibst echt so toll! Über jedes Buch schreibst du echt wundervolle Texte :) Ich habe leider die Bücher nicht gelesen und auch den Film nicht gesehen,deswegen kann ich nicht ganz so viel mitreden ^.^
    Den Film werde ich mir auf jeden Fall ansehen wenn er rauskommt,aber ich glaube die Bücher sind nicht so mein Ding.
    Aber man kann ja nie wissen :) Trotz allem bin ich mir ganz sicher dass ich den Film mögen werde.Die Geschichte an sich reizt mich sehr!

    LG Anna ;*

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  5. Oh ja habe ich ja ganz vergessen :D
    Klar würde mich ein "Roman in Zitaten" interessieren.
    Würde mich sogar sehr freuen wenn du das machen würdest.
    Mit deinen tollen Texten kann man sich zwar sowieso super in das Buch und die Hauptpersonen rein versetzen aber das wäre auch toll!

    LG

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  6. Mir ist schon aufgefallen, dass Du gepostet hast, nur komme ich im Moment weniger zum Kommentieren (siehe: http://buchverliebt.blogspot.de/2012/04/es-wird-zeit.html). Tut mir also leid, wenn in nächster Zeit nicht so viel von mir kommt.
    Trotzdem versuche ich natürlich ein bisschen bei mir zu posten, auch wenn es weniger Rezensionen sein werden.

    Liebe Grüße
    Sarah

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  7. Puuh, da bin ich leider ausgefragt. :S Kannst ja mal versuchen selbst eine zuschreiben! *-*

    LG

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  8. Tolle Review! Ich habe bislang erst den ersten Teil gelesen (und als Film gesehen), die anderen beiden Bände aber noch auf dem SuB. :)

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  9. Super tolle Review, echt <333333333 *_______________*

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  10. OMG, affengeiler Text, wirklich!!!!! Ich war total gefesselt und konnte gar nicht mehr aufhören zu lesen! Klasse echt!!

    Lisa <3

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