Donnerstag, 12. April 2012

[Fanfiction] The Last Hunger Games. Kapitel 5

Ich habe das neue Kapitel für euch dabei (: Lernt die Stylisten kennen!


Kapitel 5

Ich sitze noch eine ganze Weile in dem kleinen Zimmer. Dann werde ich, zusammen mit den dreiundzwanzig anderen Tributen, nach draußen geführt. Der Platz ist leer. Alle sind weg. Keiner sagt etwas. Nur ab und zu ist ein Schniefen zu hören, vermutlich von den Jüngsten.
Da wir nicht mit dem Zug anreisen müssen, wird die Wagenparade bereits heute Abend stattfinden. Unsere Stylisten, wenn wir überhaupt welche bekommen, werden nicht sehr viel an uns verändern können. Wir sind wie sie, aufgehübscht und makellos. Vielleicht werden uns die Stylisten aber auch besonders lächerlich aussehen lassen.
Wir werden zum Trainingscenter gebracht, einem turmartigen Gebäude, in dem sich die Wohnetagen der Tribute befinden.
Obwohl es ein eher unbedeutendes Detail ist, frage ich mich, wie wir in die Wohnetagen eingeteilt werden. Das Trainingscenter hat zwölf Etagen, sowie mehrere Kellerräume. Dort hinunter zu gehen, macht mir Angst. Denn in diesen Räumen befindet sich die Trainingshalle, in der wir uns drei Tage lang aufhalten werden, um uns Kampf- und Überlebenstechniken für die Arena anzueignen. Normalerweise wohnen die Tribute in der Etage, die ihrer Distriktzahl entspricht, aber vielleicht ist es auch egal, wo und wie wir wohnen werden.
Als wir in den Kellerräumen ankommen, kriecht mir eine Gänsehaut die Arme hoch. Überall sind abgetrennte Kabinen aufgestellt. Ich hoffe inständig, dass meine Stylisten mich nicht völlig verunstalten. Aber in wenigen Tagen ist das sowieso egal.
Jeder Tribut wird zu seinem Stylisten gebracht.
Meine Stylistin ist eine ältere, nett aussehende Dame, mit kaum merklichen Falten im Gesicht und einem feuerroten Haarknoten auf dem Kopf. Ihr grüner Overall ist ihr offenbar zu eng, denn ihre Atemzüge sind sehr kurz.
Ich erkenne sie sofort. Es ist Acta. In den ersten Hungerspielen, die ich erlebt habe, ist sie eine Stylistin gewesen. Danach war sie nie wieder dabei. Aber nach dem Beginn der Rebellion sind viele Stylisten und Mentoren getötet worden, weshalb nun wahrscheinlich auf andere Leute zurückgegriffen werden muss.
Mir soll es nur Recht sein. Acta wirkte in den Interviews immer sehr freundlich und nicht gerade so, als wolle sie ihren Tribut möglichst spektakulär aussehen lassen.
„Hallo, mein Kind“, sagt sie und lächelt. Es ist ein warmes Lächeln und ich kann nicht anders, und lächele zurück. Diese Situation ist so absurd. In Actas Gegenwart fühle ich mich wohl und das ist nach meinem Verstand ganz und gar falsch. Ich bin hier, um geopfert zu werden, um andere zu töten. Nicht um Freundschaft mit älteren Damen zu schließen.
In Gedanken verpasse ich mir selbst eine Ohrfeige.
Jetzt reiß dich gefälligst zusammen, Emily! , weise ich mich zurecht. Acta kann auch nichts dafür, dass du dich in dieser Situation befindest.
„Ich bin Emily“, sage ich freundlich und lasse mich von ihr hinter den Vorhang begleiten. Dann muss ich mich bis auf die Unterwäsche ausziehen und von Acta begutachten lassen.
„Mein liebes Kind“, sagt sie nach mehreren Minuten, in denen ich mir vorkomme, wie das Mittagessen eines Geiers. „Du hast da einen sehr guten Körper. Nicht zu dick, nicht zu dünn. Du bist trainiert.“ Ihre Stimme senkt sich. „Das wird dir gewiss ein Vorteil sein.“
Da sie nun weiterhin still um mich herumgeht, nehme ich an, dass sie nichts an mir verändern möchte. Aber das ist ihre Aufgabe und damit es nicht allzu auffällig wird, muss ich mich auf die Liege legen und meine Haare einer unnötigen Glanzpolitur unterziehen. Meine Fingernägel werden nachgefeilt und mit Klarlack lackiert.
Als Acta einmal die Lampe zurechtrücken muss, hält sie inne.
„Oh“, sagt sie und ihre Augen weiten sich. Ich sehe sie fragend an. „Du hast ganz besondere Augen, mein Kind. So viel Mut. So viel Courage. Das sind sehr seltene Eigenschaften hier im Kapitol.“ Erneut senkt sie ihre Stimme. „Bewahre sie gut. Aber lass dich nicht nur von ihnen leiten. Es könnte zu gefährlich für dich werden.“
Acta ist zwar eine nette Frau, aber manchmal spricht sie in Rätseln. Da mir nur noch die Spiele bevorstehen, werde ich wohl dort herausfinden müssen, was sie mit ihren Worten meint.
Als sich alle Tribute wieder versammeln, sieht kaum jemand verändert aus. Die größte Veränderung, die ich ausmachen kann, ist das Leuchten derjenigen, die bereits zuvor eine andere Hautfarbe gehabt haben. Elliotts pinkfarbenes Haar ist auch kräftiger als vor der Behandlung.
Nun werden wir für die Wagenparade eingekleidet.
„Fahren wir in Einzelwagen?“, ruft Holly Banks.
Einer der Organisatoren dreht sich zu ihr um und lächelt sie schief an. „Nein“, sagt er. „Um den Hungerspielen treu zu bleiben, werdet ihr alle zu zweit in den Wagen fahren. Ebenso wie ihr auch zu zweit eure Räume bewohnen werdet.“
Um den Hungerspielen treu zu bleiben. Also werden wir wahrscheinlich auch so aufgeteilt, dass immer ein weiblicher und ein männlicher Tribut zusammenwohnen werden.
Bevor ich weiter darüber nachdenken kann, wie sie uns denn aufteilen wollen, tritt eine Frau mit hohen, klappernden Schuhen auf uns zu. Ich habe sie noch nie zuvor gesehen. Ihr junges, schönes Gesicht ist tadellos geschminkt, hat aber keinerlei Ausdruck, als wäre es nur eine Maske. Ihr Körper steckt in einem knielangen, blauen Abendkleid, welches perfekt zu ihrer braunen Hochsteckfrisur passt.
„Willkommen zur Wagenparade, liebe Tribute“, sagt sie und kein Muskel rührt sich in ihrem Gesicht. Vielleicht ist es doch eine Maske?
„Da ihr alle in diesem Jahr aus der gleichen Ortschaft kommt, können wir euch nicht danach verteilen. Deshalb wird dies auf andere Weise geschehen.“
Was diese „andere Weise“ sein soll, erfahren wir nicht, stattdessen geht die Frau ein paar Mal unsere Reihe auf und ab und stellt sich dann in einiger Entfernung vor uns hin. Dann zeigt sie nur noch mit dem Finger auf einzelne Tribute, die von Organisatoren in Zweierpaaren zusammengestellt werden.
Vermutlich werden die Paare nur nach ihrem Äußeren bestimmt, damit die Parade ein wenig stilvoller wirkt. Offenbar gehört diese Frau zum Kapitol, ansonsten wären wir einfach dem Zufall nach eingeteilt worden. Meine Mutter hat mich jahrelang über Stil und äußere Erscheinungsbilder aufgeklärt, sodass ich mühelos erkenne, dass diejenigen, die gut zueinander passen, auch ein Paar bilden. Außer vielleicht bei den Jüngsten. Aber es wäre auch sehr ungalant, eine Zwölfjährige neben einen bulligen Achtzehnjährigen zu stellen.
Eigentlich ist mir egal, wer mir zugeteilt wird. Ich habe nicht vor, ein Team zu bilden. In der Arena wird jeder für sich kämpfen. Tief im Inneren hoffe ich aber, dass es nicht Connor ist. Wenn ich mit ihm ein Paar bilden soll, würde ich wahrscheinlich schon vor dem Beginn der Spiele mit einem Messer im Rücken aufwachen. Oder überhaupt nicht mehr aufwachen.
Aber es ist nicht Connor. Dennoch bin ich keineswegs erleichtert.
Es ist Sam.
Er wird neben mich gestellt und ich vermeide es, ihn anzusehen.
„Hi“, sagt er leise.
„Hallo“, erwidere ich, ohne den Blick auf ihn zu richten.
Acta und Sams Stylist, der sich als Kolja vorstellt, begleiten uns in einen separaten Raum. Dort hängen bereits unsere Kostüme – allerdings noch verhüllt.
„Nach welchem Schema werden wir eingekleidet?“, fragt Sam.
„Nun, da wir keine Vorlage haben, wie bei den Distrikten, durften wir unserem kreativen Geist freien Lauf lassen“, antwortet Kolja. „Es wird vermutlich sehr bunt werden, um eure Herkunft zu unterstreichen.“
„Ihr werdet fantastisch aussehen“, sagt Acta. „Aber nicht wie Paradiesvögel.“ Sie zwinkert.
Dann sehen wir zum ersten Mal unsere Kostüme. Das von Sam ist im Grunde ein hellgrüner Anzug, der perfekt zu seinen grünen Augen passt, aber nicht stechend oder leuchtend wirkt. An der Brusttasche ist eine lilafarbene Rose angebracht. Sie ist wunderschön, aber doch nur ein künstliches Produkt des Kapitols. Sam scheint genauso begeistert zu sein wie ich. Sofort folgt er Kolja, um das Kostüm anzuziehen.
„Und nun du“, sagt Acta und enthüllt mit einem strahlenden Lächeln mein Kleid.
Mein Mund klappt auf. Es ist wirklich wunderschön. Der lange Rock wurde aus Tüll gefertigt, das sehe ich sofort. Meine Lieblingslehrerin hat mir immer gesagt, dass Tüll mir am besten stünde.
Das Oberteil ist jedoch aus einem weichen Stoff, ähnlich wie Seide. Ein verschlungenes Blumenmuster ist dort eingestickt.
„Es ist wunderschön“, sage ich. Acta scheint noch breiter zu lächeln.
„Ich habe gehofft, dass es dir gefällt. Es wird einfach fabelhaft an dir aussehen.“
Sie hilft mir, es vorsichtig anzuziehen. Obwohl es trägerlos ist, passt es mir perfekt.
„Acta?“, frage ich und mein Lächeln erstirbt. „Woher wusstest du meine Kleidergröße? Und warum sind die Kostüme von Sam und mir perfekt aufeinander angestimmt?“
Actas Lächeln verschwindet nicht ganz, es wirkt jedoch nicht mehr so fröhlich.
„Die Kostüme an sich waren bereits fertig. Direkt nach der Ernte bekamen wir eure Daten zugeschickt, damit wir die sie in der passenden Größe fertigstellen konnten. Die Kostüme der Jungen sind extra einfach gehalten, damit sie – auch farblich – innerhalb weniger Minuten an das Kleid des Mädchens angepasst werden können.“
„Ach so.“ Ich hatte schon befürchtet, dass wir bereits vor der Ernte ausgewählt worden waren. Aber das war nicht möglich.
Als Sam zurückkommt, starrt er mich einen Moment lang an.
„Du siehst fantastisch aus“, sagt er. Ich werde ein wenig rot und schaue ihn das erste Mal heute richtig an.
„Danke“, erwidere ich. „Du siehst auch sehr gut aus.“ Das tut er tatsächlich.
Sam lacht laut auf. Es ist ein herzliches und warmes Lachen. Wir sehen ihn fragend an.
„Weißt du, irgendwie ist diese Situation total seltsam. So ein Gespräch sollten wir bei unserem Abschlussball führen.“
Ich lächele ihn an. Und schon drängt sich die Vorstellung in meine Gedanken, wie ich zusammen mit Sam auf den Abschlussball gehen würde. Vermutlich werde ich noch röter.
Aber Sam hat Recht. So schön die Kostüme auch sind, werden wir nur damit vorgeführt. In weniger als einer Woche bin ich vermutlich tot. Oder er. Oder wir beide.
Ich schüttele mich kurz, um diesen Gedanken loszuwerden.
Acta legt mir etwas Makeup auf, lässt mein Haar aber glatt und offen.
„Die Leute sollen dich doch auch wiedererkennen“, sagt sie.
Und schon befinden wir uns im Erdgeschoss, wo auch die anderen Tribute mit ihren Stylisten auf den Beginn der Parade warten. Die anderen sehen nicht unbedingt spektakulär aus, aber ich bin auch einiges gewohnt. Und wie Acta und Kolja bereits gesagt haben, es wird bunt. Und genauso sehen die anderen auch aus: bunt.
„Wie werden die Wagennummern verteilt?“, fragt Sam.
„Sie werden ausgelost“, sagt Acta. „In derselben Etage werdet ihr auch wohnen.“
Wir bekommen die Nummer zwei.
„Oje“, murmele ich. „So weit vorne.“ Ich bin nicht nervös, aber fast zu Beginn dort hinauszumüssen, macht mir etwas Angst. Sam legt seine Hand auf meine nackte Schulter und ich zucke leicht zusammen.
„Hey“, flüstert er nahe an meinem Ohr. „Das wird schon. Wir haben das doch schon so oft im Fernsehen erlebt. Nun betrachten wir das alles aus einem anderen Blickwinkel.“ Er lacht leise.
Mir ist wirklich schleierhaft, wie er in seiner Situation noch lachen kann.
Dann stellen wir uns auf den Wagen mit der Nummer zwei. Vor uns befinden sich Finn und Ruby, die beiden Zwölfjährigen, die in dem mächtigen Wagen fast schon winzig wirken. In meinem Herz macht sich Mitleid breit. Die armen beiden Kleinen …
Dann öffnen sich die Tore und ich erwarte tosenden Applaus, lautes Gebrüll und Jubelgesänge, genauso wie bei all den anderen Hungerspielen.
Aber es ist totenstill.

Kommentare:

  1. Mal wieder ein tolles Kapitel! :-) Ich fiebere schon total auf die Arena hin. Danke, dass du solche tollen Geschichten schreibst, dein Blog ist echt unbeschreiblich toll!

    LG Lisa <3

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  2. Klar ist eine Digitalkamera auch super!! :)
    Habe ja die ganze Zeit auch eine gehabt und die geb ich auf keinen Fall weg,das Schätzchen bleibt bei mir :D <3 Macht ja auch super Bilder.

    LG Anna ;*

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  3. Ist ganz einfach, warum es 99 Fragen sind, denn das war heute Post 99 und morgen kommt der 100ste :) Und außerdem waren es irgendwie nur 99 Fragen, die ich auf dem Blog von ner Freundin gefunden hab.

    LG Melanie :*

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  4. Ich habe Nick & Norah am Sonntag gelesen. Den Trailer zum Film habe ich mir eben angesehen, aber den will ich jetzt gar nicht mehr sehen. Da ist schon das bisschen trailer total anders. FALSCH! xD Da fragt SIE IHN, ob ER mal für 5 Minuten IHREN Freund spielen kann. Damit fängts ja schon an. Will ich nicht. ^^ Auch wenn ich das Buch nicht so gut fand, aber wenn ich mir davon dann die verdrehte Version als Film angucken muss ... nenene.

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  5. Danke für dein aufmunterndes Kommentar <3
    Beruhigt mich ein wenig dass du auch mal 5-en geschrieben hast,auch wenn es irgendwie absurd klingt :)
    Ja am Lehrer liegt es ganz schön oft,doch Mathe war noch nie mein Ding.
    Doch ich hoffe es geht trotzdem wieder aufwärts :) !!

    LG Anna ;*

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