Montag, 9. April 2012

[Fanfiction] The Last Hunger Games. Kapitel 3

Ich melde mich heute ein zweites Mal, weil sich ja doch der ein odere andere auf das neue Kapitel freut. Und das freut mich natürlich :D


Kapitel 3

In dieser Nacht mache ich kein Auge zu. Vermutlich schläft niemand hier im Kapitol. Die Vorstellung, dass es noch einmal Hungerspiele unter der Kontrolle der Rebellen geben soll, ist beängstigend und erschütternd zugleich.
Ich weiß nicht wieso, aber mich lässt der Gedanke einfach nicht los. Niemand möchte in diesem Zwiespalt stecken. Mich würde nur interessieren, wer darüber abstimmen durfte, ob es noch einmal Hungerspiele gibt. Die Wut der Distrikte ist verständlich, aber können sie wirklich so grausam sein? Mein Eindruck von ihnen war immer, dass sie einen anderen Weg als Präsident Snow suchen, aber mit dieser Handlung gehen sie wieder einen Schritt auf ihn zu.
Irgendwann muss ich wohl doch eingeschlafen sein, denn als ich die Augen öffne, scheint mir die helle Sonne ins Gesicht. Sie steht hoch am Himmel, also muss es bereits Mittag sein.
Ich seufze. Sogar das Wetter scheint auf der Seite der Rebellen zu sein. Eigentlich habe ich keine Lust, aufzustehen. Lieber würde ich mich unter meiner Bettdecke verkriechen und erst wieder hervorkommen, wenn die letzten Hungerspiele vorbei sind.
Zaghaft klopft es an der Tür. Es ist meine Mutter. Sie ist angespannt, das sieht man ihr sofort an. Normalerweise rauscht sie durch die Tür und trällert ein Lied.
„Emily“, beginnt sie und ihre Stimme ist heute gar nicht so hoch und erfreut, wie sonst. „Du musst langsam aufstehen. Die Ernte …“ Sie bricht ab.
In diesem Moment lache ich leise in mich hinein. Wir mussten hier im Kapitol niemals schwere Arbeiten leisten. Deshalb gibt es keine Ernten. Wir bekommen alles, was wir brauchen von den Distrikten. Aber je ähnlicher sich diese und all die vorangegangenen Hungerspiele sind, desto symbolischer wird es. Außerdem ist die Ernte niemals nur eine Ernte gewesen. Sie stellte die Auslosung der Tribute dar.
„Ich komme gleich, Mom“, nuschele ich und verkrieche mich wieder in meine Decke. Meine Mutter lässt mich tatsächlich allein und schließt die Tür hinter sich.
Obwohl ich nun noch weniger Lust habe, aufzustehen, zwinge ich mich dazu. Heute könnte der erste Tag werden, da die Bewohner des Kapitols ihre alten Sitten ablegen. Genau das habe ich vor. Ich fege die bunte Schminke, die künstlichen Wimpern und die verschiedenen Perücken vom Tisch. Stattdessen lege ich eine dünne Schicht Makeup auf, welches meiner Hautfarbe entspricht und tusche meine Wimpern etwas mit schwarzem Mascara. Mein kurzes braunes Haar trage ich glatt und offen.
Zuletzt stecke ich mir den Ring an, der schon seit Generationen an die Mädchen in meiner Familie weitergegeben worden ist. Es ist ein Silberring, der mit Diamanten geschmückt ist und im Sonnenlicht in den Farben des Regenbogens schimmert.
Hier im Kapitol gilt er als ein unauffälliges Accessoire, aber für mein heutiges dezentes Erscheinungsbild ist er passend.
Dann gehe ich ins Wohnzimmer. Meine Mutter starrt auf den Fernseher, der zum wohl hundertsten Mal den Bericht vom Sturz des Kapitols zeigt.
Mein Vater und Ash sitzen am Tisch und schweigen sich an.
Am liebsten würde ich nun einfach nach draußen gehen und sie hier drinnen versauern lassen. Aber das kann ich nicht. Ich hatte meine Chance und habe sie nicht genutzt. Aber sie sind immer noch meine Familie.
Deshalb setze ich mich ebenfalls an den Tisch.
Ash wirft mir einen nervösen Blick zu, den ich mit einem giftigen meinerseits abwehre.
Gerade wird die Stille zum Zerreißen gespannt, als mein Vater zu sprechen beginnt.
„Willst du nicht noch etwas essen, Emily?“
„Nein, danke“, sage ich und versuche, nicht abwehrend zu klingen. „Ich hatte in meinem Leben mehr als genug zu essen.“
Ein seltsamer, erstickter Laut durchdringt den Raum. Er kommt von meiner Mutter. Vielleicht hätte ich es nicht so überspitzt formulieren sollen, aber es entspricht der Wahrheit. Ich werde, falls ich ausgewählt werden sollte, nicht direkt nach dem Beginn der Spiele an Hunger sterben, weil ich niemals in meinem Leben genug zu essen hatte. Ich bin wohlgenährt und auch gut trainiert, was hier im Kapitol eine Seltenheit ist. Natürlich kann man nicht sagen, dass die Bewohner hier dick sind, aber sie unterziehen sich immer wieder Schönheitsoperationen, was sie nur dürr macht, aber nicht trainiert aussehen lässt.
Meinen Eltern gefällt diese Seite gar nicht an mir. Aber seit den ersten Hungerspielen, die ich bewusst erlebt habe, bewundere ich die Körper der Kinder. Nicht von allen. Manche sind so durchtrainiert, dass ihr muskelbepackter Körper fast schon seltsam aussieht und andere sind so ausgezehrt, als hätten sie niemals etwas gegessen. Andere Kinder jedoch hatten gute Proportionen. Sie waren zwar dünn und man sah ihnen den Hunger an, aber sie wirkten trainiert.
Ich wollte niemals so aussehen, wie die Leute hier im Kapitol. Die Frauen lassen sich ihre Brüste so groß wie möglich operieren, haben aber dazu keinerlei Kurven. Man könnte ihre Hüften glatt mit denen eines Mannes verwechseln. Ihre Beine sind so dünn, dass ich mich wundere, wie sie darauf überhaupt laufen können.
Meine Mutter hat meinen so andersartigen Körper immer unter besonders aufwendigen Kostümen und Perücken versteckt. Sie legt mir so viel buntes Makeup ins Gesicht, dass ich mich abends im Spiegel in meinem natürlichen Zustand gar nicht mehr erkennen kann. Aber heute soll sich das ändern. Deshalb wirke ich mit meinem dezenten Äußeren auch so provozierend.
Ich frage mich, ob die anderen Kinder sich heute besonders bunt anziehen, um ihren Stolz zu zeigen, dass sie Bewohner des Kapitols sind. Ihre Eltern werden es gewiss tun.
Plötzlich steht meine Mutter wie hypnotisiert auf. „Es wird Zeit“, sagt sie fast mechanisch.
Nun werde ich doch nervös. Beim Aufstehen wische ich mir imaginäre Krümel von meiner weißen Hose und zupfe mein lilafarbenes Shirt zurecht. Ash legt den Arm um meine Schultern.
Und so gehen wir dahin. Meine Eltern, aufgetakelt wie bunte Paradiesvögel und mein Bruder und ich, dezent und auffällig unauffällig gekleidet. Sollten sich die anderen dazu entscheiden, ihren Stolz zu zeigen, werden wir wegen unserem Äußeren wie Aussätzige betrachtet werden.
Die Auswahl der Tribute wird auf dem großen Platz stattfinden. Ein weiterer symbolischer Akt. Hier wurden die Tribute der Distrikte bejubelt und gefeiert. Der wohl letzte Ort, der dem Kapitol hätte Freude bringen können, wird zum Henkersplatz.
Es ist für die normalen Verhältnisse hier ungewöhnlich still, als sich die Menschen versammeln. Nur das Getrappel ihrer hohen Schuhe ist zu hören. Hier und da hört man jemanden schluchzen. Doch im Gesamten halten wir uns besser, als ich gedacht habe.
Um Punkt zwei Uhr stehen alle an ihrem Platz und es wird sehr, sehr leise. Anders als in den Distrikten werden wir nicht nach Altersgruppen sortiert und eingepfercht. Wir dürfen bei unseren Familien stehenbleiben und hoffen, dass wir auch bei ihnen bleiben können.
Der gigantische Bildschirm, der seit vielen, vielen Jahrzehnten die Tode der Tribute gezeigt hat und ein Symbol der Unterdrückung ist, wird eingeschaltet und noch einmal erleben wir, wie Präsidentin Paylor die sechsundsiebzigsten Hungerspiele verkündet.
Niemand klatscht. Niemand jubelt. Man könnte eine Stecknadel fallen lassen. Dieses Gefühl ist mir fremd. Auch wenn ich nie mitgejubelt habe, waren alle anderen Feuer und Flamme, als die neusten Hungerspiele verkündet worden waren. Nun sind wir mittendrin. Wir können nicht entkommen. Die Hilflosigkeit, die einst die Distrikte befallen hatte, nimmt uns völlig für sich ein.
Das Getrappel hoher Schuhe lässt uns aufsehen.
Effie Trinket, tadellos in ein enges, pinkfarbenes Kostüm gekleidet, mit einer blonden Perücke, betritt die Bühne. Ich erinnere mich an diese Aufmachung. Am Tag der Ernte, als Katniss sich freiwillig für ihre kleine Schwester als Tribut gemeldet hat, hatte sie genau dasselbe an.
Offenbar wird jeder Schritt dieser Hungerspiele ein symbolischer Akt werden.
Effie schreitet auf das Mikrofon zu. Sie klopft einmal dagegen, damit wir auch alle aufhorchen.
„Willkommen. Willkommen“, trällert sie. Nach allem, was passiert ist, hat sie ihre eigentümliche Art nicht verloren. Obwohl sie den Menschen hier im Kapitol sehr ähnlich ist.
„Die sechsundsiebzigsten Hungerspiele werden etwas ganz Besonderes sein und ihr“, sie deutet mit dem Finger auf uns, „werdet ein Teil davon sein.“
Begeistert klatscht sie in ihre Hände. Keiner teilt ihre Begeisterung. Warum auch?
Wir haben Angst.
Bis zu der Rebellion haben viele von uns gar nicht gewusst, was Angst überhaupt bedeutet. Deshalb hat sich auch nie jemand Gedanken über die Familien der Tribute gemacht.
Ich spüre, dass ich zittere, deshalb umklammere ich Ashs Hand, die immer noch über meiner Schulter liegt. Und er drückt meinen Kopf an seine Brust.
„Es muss wirklich furchtbar aufregend für euch sein, die Ernte einmal aus nächster Nähe sehen zu dürfen.“
Ein lautes Lachen erfüllt den Platz. Wenige Augenblicke später torkelt Haymitch Abernathy auf die Bühne. Er hat sich wirklich nicht verändert. Mit seinem Auftritt bei der Ernte der vierundsiebzigsten Hungerspiele hat er sich unvergesslich gemacht, indem er betrunken von der Bühne stürzte. Effie jedoch scheint sich, anders als damals, nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.
„Vielen Dank, Haymitch.“ Sie holt einmal tief Luft. „Ich habe die außerordentliche Ehre, diejenigen vierundzwanzig zu erwählen, die an den letzten Hungerspielen teilnehmen werden.“
Plötzlich fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Die beiden Loskugeln, die bereits auf der Bühne aufgestellt sind, enthalten nicht sehr viele Zettel. Und sofort wird mir klar, wieso. Die Rebellen wollen das Kapitol dort treffen, wo es am verwundbarsten ist. Präsident Snow ist bereits tot. Im selben Moment, als ich meine Gedanken ordne, erklärt Effie die Auswahl.
„Um es spannender zu machen, sind nicht alle Kinder für diese Spiele auswählbar. Nur diejenigen, deren Familien viel Einfluss und Mitspracherecht im Kapitol hatten, bekommen diese Ehre.“
Mein Vater schnappt nach Luft. Er war der ranghöchste Abgeordnete im Kapitol.

Kommentare:

  1. Danke für deinen Kommentar. Ich finde das zweite Buch irgendwie besser, da ist anspruchsvoller. Allerdings kaufe ich Katniss immer noch nicht so ganz ab, dass sie in Peeta verknallt ist. Für mich fühlt es sich so an, als ob sie sich verpflichtet fühlt, Peeta zu lieben, was in gewisser Weise ja auch stimmt, als sie ihn in der Arena retten will im zweiten Teil. Ich könnt stundenlang diskutieren darüber......

    Über deine Geschichte kann ich echt nur staunen. Du beschreibst die Gefühle der Personen so echt, ch fühle mich fast mit Emily verbunden, ohne Scheiß jetzt! Großartige Arbeit *Verbeugung*, ich bin wirklich geflasht!!

    LG Lisa <3

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  2. Wegen Facebook muss ich dich leider enttäuschen. Es klingt blöd, aber meine Eltern erlauben mir nicht, mich da anzumelden. Es hört sich bescheuert an, ich weiß. Aber ich habs versprochen und will mein Versprechen nicht brechen sorry. Dafür haben wir ja hier Kommentare.

    LG Lisa <3

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  3. Ich bin 14. Vielleicht empfinden meine Eltern das auch als zu früh, um sich da anzumelden, was ich auch verstehen kann. Aber manchmal wäre es schon einfacher...

    Lisa <3

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  4. Gut, dass das wenigstens eine hier versteht <3. Manche haben mich deshalb schon ausgelacht, was ich nicht verstehe. Aber so sind sie halt. Josh sah damals schon putzig aus, nich? Ich musste immer lachen, weil ich ihn jetzt als Peeta gesehen habe und heute als kleiner Bubi. Krasse Unterschiede

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  5. Toll beschrieben, dieser Vergleich mit Katniss und uns heute mit diesem PC. Die Geschichten am Computer zu schreiben ist schon einfacher, nicht?
    Josh is schon ein netter Kerl. Er wird es noch weit bringen, da bin ich mir sicher. Dank THG

    Lisa <3

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  6. Ich kann das total verstehen. Ich schreibe auch voll gerne Geschichten´, aber in meiner Familie versteht das leider keiner. Ich hatte schon mal angefange, was über THG zu schreiben, aber ich bin mir unsicher, bevor ich nicht den dritten Teil gelesen habe, werde ich mal lieber nicht weiterschreiben. Ich bewundere sowieso deinen Mut, das online zu stellen und dich in Suzanne Collins´ "Fußstapfen" zu begeben *nochmal Verbeugung*. Wirklich, du könnstest das ohne Probleme an einen Verlag schicken. Ich würde dich sofort nehmen!!

    Lisa <3

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  7. Oh danke, ich werde mir das sofort ansehen! Vielleicht lade ich wirklich mal was hoch, aber erst später. Mir geht im Schreiben manchmal genauso. Mal fällt mir was ein, mal brauche ich ewig, bis ich die ultimative Idee habe. Deine Bücher zu lesen kostet aber nichts, oder? Bei solchen Sachen bin ich immer gerne vorsichtig. Das sit nicht böse gemeint, aber könnte ja sein....

    LG Lisa <3

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  8. Nein, nein, das ist nicht seltsam! Passiert mir selbst auch immer, wirklich! Dann wache ich auf, auch wenn es mitten in der Nacht ist, und schreibe daran weiter! DAS ist seltsam, oder? Es war einmal vier Uhr morgens und ich habe bis fünf durchgeschrieben. Zum Glück war am nächsten Tag Wochenende xD. Bei deinem Talent zum Schreiben kommt dir irgendwann noch DIE Idee, glaub mir! Ich bin mir sicher, irgendwo in deinem Gehirn arbeitet eine kleine Gehirnzelle, die jetzt nach Ideen sucht (hehehe)

    LG Lisa <3

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  9. Hahaha, ja, das wäre cool, sollte man zeichnen, wie ein Mafiaboss. Du kannst dir grade nicht vorstellen, wie ich lache. ICh werde auf jeden Fall deine Geschichten lesen und warte gespannt auf dein 4. Kapitel! Bis dann mal

    LG Lisa <3

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  10. Hey der dritte Teil ist deutlich besser und der Schlusssatz ist echt mies >.< und super spannend zugleich *____* Weiter so! Les mal gleich das vierte Kapitel durch ;D
    LG Hanna :*

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